18.09.2020

Stress im Berufsalltag: Wie Sie das Wohl Ihrer Mitarbeitenden fördern

«Mehr, schneller, flexibler»: Das sind zunehmend die Anforderungen an Arbeitnehmende. Wenn die Ressourcen nicht mehr ausreichen, um den Belastungen Stand zu halten, folgt daraus Stress im Berufsalltag. Und dieser nimmt in der Schweiz zu, wie der neuste Job-Stress-Index 2020 aufzeigt. Heute ist fast jeder dritte Erwerbstätige davon betroffen. Schon aus diesem Grunde muss jeder, der für ein Unternehmen verantwortlich ist, sich fragen: Wie kann ich zum Wohlbefinden der Mitarbeitenden beitragen?

Von: Katharina Chicherio  DruckenTeilen 

Katharina Chicherio, M SC BA, Betriebsökonomin, Dipl. Kontextual Coach, Geschäftsführerin

Katharina Chicherio ist Geschäftsführerin des Celo Coaching Instituts in Pfäffikon SZ. Als unabhängiger Coach und Sparringspartner unterstützt sie Unternehmer und Führungskräfte souveräne Gelassenheit zu gewinnen und wirkungsvoll in Führung zu gehen.

Stress im Berufsalltag

Wann Stress im Berufsalltag kritisch wird

Stress ist per se nicht schlecht. Im richtigen Mass hilft Stress sogar, Herausforderungen zu meistern und Höchstleistungen zu erbringen. Im optimalen Stresslevel sind wir also konzentrierter, mutiger, schneller und leistungsfähiger. Wo sich dieses Level befindet, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Denn Stress wird unterschiedlich empfunden und bewertet. Darüber hinaus ist das optimale Stresslevel abhängig von persönlichen Interessen, persönlichen Eigenschaften und den wahrgenommenen Ressourcen zur Stressbewältigung.

Kritisch wird Stress im Berufsalltag, wenn die Belastungen grösser als die zur Verfügung stehenden Ressourcen wahrgenommen werden. Zu den Belastungen zählen gemäss Job-Stress-Index 2020: Zeitdruck, Unklarheit bezüglich Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisatorische Probleme, qualitative Überforderung und soziale Belastungen durch die Vorgesetzten oder Arbeitskollegen. Zu den Ressourcen zählen gemäss Job-Stress-Index 2020: Der eigene Handlungsspielraum, Ganzheitlichkeit der Aufgaben (d.h. ist die Bedeutung der Tätigkeit ersichtlich und wird sie als sinnvoll wahrgenommen), unterstützendes Vorgesetztenverhalten und allgemeine Wertschätzung.

Wie Sie das Wohl Ihrer Mitarbeitenden fördern können

Strategien gegen die oben aufgeführten Belastungen sind wenig bekannt. Genau hier setzt die schweizweite Kampagne «10 Schritte für psychische Gesundheit» an. Diese liefert wertvolle Impulse, was für den Erhalt und die Förderung der eigenen Ressourcen im Berufsalltag getan werden kann. Unternehmer und Führungskräfte können ihre Mitarbeitenden dabei tatkräftig unterstützen, indem sie entlang von fünf bedeutsamen Aspekten ein Umfeld und damit die Voraussetzungen für mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern.

Aspekt 1: «Optimismus»

Alles im Leben funktioniert besser mit positiven Gefühlen. Oder anders gesagt: Alles Wissen um unsere Ressourcen, Stärken und Fähigkeiten ist nutzlos, wenn die Stimmung mies ist. Denn unsere Stimmung beeinflusst unsere Wahrnehmung und unsere Gedanken. Somit macht uns eine heitere, zuversichtliche und lebensbejahende Grundhaltung wissbegieriger, kreativer und innovativer. Darüber hinaus sind wir in gehobener Stimmung freundlicher, humorvoller, gütiger und wohlwollender. Damit geht es mir nicht nur selbst besser, sondern auch jenen, die sich in meiner Gesellschaft befinden – also auch meinen Mitarbeitenden.

Praxis-Impulse: Neuere Erkenntnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass sich Optimismus trainieren lässt. Als Führungskraft haben Sie drei Möglichkeiten gute Gefühle bei Ihren Mitarbeitenden zu kreieren. Erstens, üben Sie sich in der neugierigen Aussage «da muss etwas Gutes dran sein», wenn Sie bei Ihrem Gegenüber ein unangenehmes Gefühl in einer Sache wahrnehmen. Damit lösen Sie in der Vorstellung Ihres Gesprächspartners einen Gewinn aus, woraufhin sich positive Gefühle einstellen. Zweitens, loben Sie Ihre Mitarbeitenden so oft es geht. Solange Sie ehrlich und authentisch loben, ist Lob immer angebracht. Wir haben die Tendenz viel zu wenig zu loben. Deshalb gehen Sie grosszügig damit um! Und drittens, üben Sie sich in Dankbarkeit und sprechen Sie diese gegenüber Ihren Mitarbeitenden offen und wertschätzend aus.

Aspekt 2: «Flow-Erleben»

Wenn wir voller Konzentration, Engagement und Leidenschaft an einer Sache dran sind, befinden wir uns im «Flow». Ein Zustand, der massgeblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat und uns zu höchsten Leistungen befähigt. Denn im «Flow» befinden wir uns jenseits von Angst und Langeweile – wir gehen in unserem Tun auf. 4 Schritte sind notwendig, damit wir «Flow» erleben. Erstens, unsere Fähigkeiten sind im Einklang mit den Anforderungen. Zweitens, wir haben Klarheit über die zu erreichenden Ziele und Zwischenziele. Drittens, wir erhalten unmittelbares Feedback zu unserem Tun. Und viertens, unsere Fähigkeiten und Stärken stimmen überein (s. Aspekt 4: «Stärken»).

Praxis-Impulse: Entlang der 4 Schritte können Sie Ihre Mitarbeitenden massgeblich dabei unterstützen in den «Flow» zu kommen und ihre Tätigkeit als sinnvoll zu erleben. Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden, ob die Anforderungen der jeweiligen Aufgaben mit den Fähigkeiten im Einklang sind. Entwickeln und vereinbaren Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden klare Ziele. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden unmittelbares Feedback zu ihrer Arbeit. Und führen Sie Ihre Mitarbeitenden stärkenorientiert (dazu mehr unter dem Aspekt 4 «Stärken»). Weiterführende Informationen zum Flow-Erleben finden Sie in dem Beitrag «Flow-Erleben: In 4 Schritten zum Leistungshoch».

Aspekt 3: «Authentizität»

Authentische Menschen sind sich selbst und ihren Mitmenschen gegenüber aufrichtig und ehrlich. Damit ist Authentizität der Schlüssel zu persönlicher Freiheit und zu positiven Beziehungen am Arbeitsplatz. Dies ist ein besonders wichtiger Aspekt. Denn Menschen streben nach sozialen Beziehungen. Das Gefühl der Zugehörigkeit, der Verbundenheit und von anderen gebraucht zu werden, stärken uns und geben unserer Arbeit Sinnhaftigkeit. Gemäss Gallup-Umfragen sind Freundschaften als auch positive Beziehungen der wichtigste Faktor für Wohlbefinden am Arbeitsplatz und sie steigern die Leistungsbereitschaft beachtlich.

Praxis-Impulse: Das Bedürfnis nach Anschluss in einer Gemeinschaft können Sie fördern, indem Sie eine «Fehlerkultur» in Ihrem Unternehmen fördern. Denn nur, wenn wir akzeptieren, dass wir nicht perfekt sind, Fehler machen können und Schwächen haben, entsteht ein vertrauensvolles Umfeld, in dem sich die Mitarbeitenden bereit sind zu öffnen. Es ist also keine Schwäche, Fehler zu machen. Problematisch ist, sich die eigenen Fehler nicht einzugestehen und nicht daraus zu lernen. Übernehmen Sie die Vorbildrolle und schaffen Sie Raum für offenen Austausch, in welchen Mitarbeitende ihre Ideen und Werte ausdrücken können ohne dafür kritisiert zu werden.

Aspekt 4: Stärken

Die Berufung gibt es nicht. Auf was es wirklich ankommt, sind Talente und Vorlieben. Denn wer liebt was er tut und auf ein sinnhaftes Ziel hinarbeitet, geht den beruflichen Tätigkeiten voller Leidenschaft, Ausdauer und Hartnäckigkeit nach. Innere Stärken sind somit die Grundlage unseres Wohlergehens im Arbeitsalltag. Wenn wir unser Tun auf das konzentrieren, was unseren inneren Stärken entspricht, werden wir persönliches Wohlbefinden und beruflichen Erfolg erreichen.

Praxis-Impulse: Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitenden eine Stärkenanalyse und entwickeln Sie gemeinsam Möglichkeiten, damit diese besonders oft eingesetzt werden können. Auf charakterstaerken.org kann der VIA (Values in Action)-Fragebogen kostenlos und anonym ausgefüllt werden. Für die Klärung der Signaturstärken (d.h. der persönlich bedeutendsten drei bis sieben Stärken) sollte jedoch nicht auf die Unterstützung eines professionellen Coaches verzichtet werden.

Aspekt 5: Vitalität

Stundenlanges Sitzen oder Stehen gefährdet die Gesundheit. Regelmässige Bewegung ist die Gegenmassnahme und das Beste, was man für den Körper tun kann. Zudem stärkt körperliche Aktivität die psychische Gesundheit. Am Arbeitsplatz für ausreichend Bewegung zu sorgen, ist essentiell, um körperlich und mental fit zu sein. Einerseits gehört es dazu, die Körperhaltung häufig zu wechseln, sich zu bewegen und sich gesund zu ernähren. Und andererseits gehört es dazu, ausreichend Pausen zu machen und sich bewusst zu entspannen.

Praxis-Impulse: Unterstützen Sie einen gesunden Lebensstil Ihrer Mitarbeitenden, indem Sie genügend Bewegung am Arbeitsplatz ermöglichen. Beispiele sind Stehtische zu installieren, Teammeetings im Stehen durchzuführen oder Besprechungen beim Spazieren an der frischen Luft einzuplanen. Stellen Sie eine Auswahl an gesunden Lebensmitteln zur Verfügung. Es gibt Anbieter, welche heute Kühlschränke mit Nachfüllservice anbieten (bspw. FELFEL). Planen Sie mit Ihren Mitarbeitenden ausreichend viele kleine Pausen und Arbeitsintervalle, die gegen Tagesende immer kürzer werden. Bei kopflastigen Arbeiten sind körperlich aktive Pausen wichtig, wie bspw. ein Spiel im Stehen oder ein Treppenlauf.

Mit diesen 5 Aspekten erhalten und fördern Sie das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeitenden. Es geht nicht darum, alle Dinge aufs Mal umzusetzen. Führen Sie sich vor Augen, was Sie bereits für das Wohl Ihrer Mitarbeitenden tun. Behalten Sie dies bei und setzen Sie sich 3 neue Ziele, die Sie ab heute zusätzlich tun wollen. Ihre Mitarbeitenden werden es Ihnen danken. Denn Menschen, die positiv eingestellt sind und stolz auf das, was sie machen, ist das Beste, um den Stress im Berufsalltag zu reduzieren und Spass bei der Arbeit zu haben.

Referenz & Literarturempfehlung

Gesundheitsförderung Schweiz (2020). Job-Stress-Index 2020. Monitoring von Kennzahlen zum Stress bei Erwerbstätigen in der Schweiz. Abgerufen am 8.9.2020 auf www.gesundheitsfoerderung.ch

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