12.11.2020

Unsicherheit: Unsicherheit in der Krise überwinden

Die aktuell herausfordernde Situation wird schnell zu einer Krise, denn die zunehmend als belastend empfundenen Begleitfaktoren bringen einen starken Unsicherheitsfaktor mit sich. Vielfach ist der für wirtschaftlich handelnde Menschen wichtige Faktor Verlässlichkeit, Vertrauen und Zuversicht fast verschwunden.

Von: Matthias K. Hettl  DruckenTeilen 

Dr. Matthias K. Hettl

Der studierte Volks- und Betriebswirt war nach Studium und Doktorandenzeit erst Assistent der Geschäftsführung und danach in verschiedenen Managementpositionen mit Führungs- und Budgetverantwortung tätig. Als ausgezeichneter «excellent speaker» und «excellent trainer» gehört er zu den bedeutendsten Referenten im deutschen Sprachraum und ist für die TOP-Seminar- und Kongressveranstalter in Europa tätig. Er begeistert seine bisher 25 000 Zuhörer durch einen motivierenden und kompetent direkten Vortagsstil mit 1:1 einsetzbaren Praxistipps. Seine Veranstaltungen werden regelmässig mit Bestnoten bewertet.

Unsicherheit

Mit der Krise kommt Unsicherheit

Die meisten Unternehmen fahren auf Sicht, immer wieder neue gesetzliche Vorgaben und Einschränkungen erschweren die Zusammenarbeit. Es wird zunehmend mühseliger und unsicherer. Dies kann dann schnell in Angst und Erstarrung, wie beim Kaninchen vor der Schlange, münden.

Das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität ist von zentraler Bedeutung für jeden einzelnen. Es ist vital und von zentraler Bedeutung, da es uns dabei hilft die Zukunft einzuschätzen und uns auf diese einzustellen. Dies ist in einer Krise nicht gegeben. Es stellt uns alle auf eine herausfordernde Probe, Mitarbeiter sowie auch Führungskräfte.

Es stellt sich also die Frage, wie es gelingt, die Unsicherheit ein Stück zu überwinden und wieder in ruhiges Fahrwasser zu gelangen. Epiktet, der griechische Philosoph sagte: «Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.»

Zwei Prinzipien, die helfen können

In Anlehnung an die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Change Management und dem Change Leadership helfen zwei grundlegende Prinzipien. Diese wirken jedoch nur, wenn diese auch gemeinsam praktiziert werden. Diese sind «Orientierung geben» und «Sicherheit fördern».

Gerade in der aktuellen Situation stellen sich viele offene Fragen, die so schnell nicht beantwortetet werden können. Das bringt die aktuelle Situation so mit sich. Vielfach reagieren wir darauf, indem wir uns weitere Fragen stellen und wiederum keine befriedigenden Antworten erhalten. Es beginnt eine Art negative Spirale. Diese müssen Sie stoppen. Denn nur dazusitzen und sich mit negativen Gedanken zu beschäftigen, für die es aktuell sowieso keine befriedigende Lösung gibt, bringt Sie nicht weiter.  

Orientierung geben – 5 Prinzipien

Daher ist Orientierung wichtig, damit Sie aus diesem Fragendilemma der Unsicherheit herauskommen und ein Gefühl von «Beherrschbarkeit» einstellt. Als Führungskraft ist es daher wichtig, dass Sie diese Orientierung geben. So dass Ihre Mitarbeiter Antworten auf die wesentlichen Fragen erhalten. Die Fragen, welche sie beispielsweise im Zusammenhang mit ihrer Arbeit am meisten beschäftigen.  

Auch wenn Ihnen als Führungskraft die Antworten selbst nicht klar sind, helfen Ihnen die folgenden 5 grundlegenden Regeln damit umzugehen.

1. Schaffen Sie Klarheit über den Prozess der Information, wenn schon die Inhalte nicht klar sind. Dies können Sie dadurch tun, indem Sie Ihre Mitarbeiter in einem Online Forum aktuell und täglich informiert halten und dort laufend aktuelle Berichte und Entwicklungen einstellen. 

2. Geben Sie dort eher wenige aber allgemein gültige Informationen heraus. Es geht mehr um allgemeine Prinzipien, Empfehlungen und Prioritäten.

3. Wichtig ist, dass Sie sich fokussieren und nur die wichtigsten Dinge kommunizieren. Es gilt jedoch diese dann mehrfach zu kommunizieren.

4. Schaffen Sie die Möglichkeit des Austausches. So dass die Mitarbeiter auch Fragen stellen können. Diese können Sie sammeln und gezielt beantworten. Das sind aus der Erfahrung oftmals relativ einfach zu beantwortende Fragen. Allein das gibt schon Sicherheit, wenn Mitarbeiter dort eine Antwort bekommen.

5. Schaffen Sie einige wenige, klare Regeln und überprüfen Sie deren Einhaltung strikt. Dies gibt die Basis für Orientierung.

Psychologische Sicherheit fördern

Zudem gilt es bei Ihren Mitarbeitern, gerade bei verstärkter Unsicherheit, die Befürchtung in irgendeiner Form ausgeschlossen zu werden, den Anschluss zu verlieren oder alleine zurück zu bleiben. Auch dies ist im Rahmen der Evolution unbewusst so in uns angelegt und bedarf Ihrer Berücksichtigung.   

Daher ist es für Sie als Führungskräfte wichtig nicht nur die rationale Seite in der Krise bespielen, durch klare Regeln und rein sachliches Krisenmanagement. Sondern auch ein emotionales Gegengewicht zu schaffen. Dies gelingt Ihnen durch sogenannte «psychologisch sichere Räume» für offenen Austausch.

Das bedeutet, dass Sie durch Ihr Handeln und Tun bewusst zeigen, dass Ihre Mitarbeiter wichtig sind. Den gerade in unsicheren Zeiten ist es besonders wichtig, dass Sie vermitteln, dass Ihre Mitarbeiter das Gefühl haben, willkommen und Teil einer starken Gemeinschaft zu sein. Und zwar so, wie er oder sie ist. Also mit allen Stärken und Schwächen. Und das gerade in herausfordernden Zeiten. Das gibt einen guten emotionalen Rahmen und hilft Unsicherheit zu reduzieren.

Fels in der Brandung – wie sicher sind Sie als Führungskraft

Eine der grossen Herausforderung ergibt sich gerade für Sie als Führungskraft. Sie selbst werde sich sicher auch Fragen stellen und keine befriedigenden Antworten haben. Jetzt kommt es gerade auf Sie als Fels in der Brandung an.

Dennoch gibt es auch in diesen unsicheren Zeiten Vorgehensweisen und Möglichkeiten um gut zu führen und psychologische Sicherheit zu geben. Hierzu die folgenden 5 Beispiele. 

1. Schaffen Sie die Gelegenheit für Dialog. Seien Sie zugänglich und sprechen Sie offen an, dass auch Sie nicht auf alles eine Antwort haben. Hier sind Sie als Zuhörer und Mutmacher gefragt.

2. Treffen Sie harte Entscheidungen, wenn diese unvermeidbar sind, möglichst gemeinsam und nach gemeinsam erarbeiteten Kriterien treffen. Manchmal stehen sich konkurrierende Interessen so gegenüber, dass eine harte Entscheidungen unvermeidlich erscheint. So, wenn die Liquidität einfach nicht reicht. Dann sollten Sie Ihre unterschiedlichen Handlungsoptionen transparent darstellen. Dabei möglichst nachvollziehbare und objektive Kriterien verwenden. Diese Optionen dann, falls möglich gemeinsam abstimmen und so objektiv wie möglich entscheiden. Zudem dann klar und nachvollziehbar kommunizieren. Was vor allem wichtig ist, dass Sie ähnlich gelagerte Fälle alle gleich entscheiden.

3. Versuchen Sie, ein Vorbild zu sein im offenen Umgang mit Ihren eigenen Unsicherheiten. Zeigen Sie durchaus auch in gewissem Masse Ihre eigene Unsicherheit oder Ihre Frustration über die Situation. Sind Sie offen und geben Sie Fehler zu und fragen Sie auch Ihre Mitarbeiter um deren Einschätzung. Passen Sie wenn nötig Ihre Entscheidungen an, wenn es bessere Argumente gibt.

4. Praktizieren Sie Selbstfürsorge. Wenn Sie als Führungskraft zusammenbrechen würden, bringt das Ihren Mitarbeitern und Unternehmen nichts. Gerade in angespannten Zeiten empfiehlt es sich, dass Sie ausreichend auf sich selbst achten. Das heiss konkret achten darauf dass Sie ausreichend Schlaf, Bewegung, sozialen Austausch, Pausen, gesundes Essen und Trinken haben. Ermutigen Sie Ihr Umfeld das auch zu tun.

5. Achten Sie auf die Art Ihrer Kommunikation und Ihres Umgangs. Zeigen Sie noch mehr Wertschätzung als zu normalen Zeiten. Sagen Sie mehr Bitte und Danke als sonst. Loben Sie ausdrücklich auch kleine Schritte und sind Sie bei kleinen Fehlern grossügig.

Das bedeutet Sie brauchen nicht nur eine klare Orientierung und einen möglichst stabilen Rahmen um der Unsicherheit zu begegnen. Sondern auch das Gegengewicht einer psychologischen Sicherheit, die mindestens genauso wichtig ist. Dann wird es Ihnen gelingen, Ihre Mitarbeiter und sich selbst durch die Krise zu führen. Viel Erfolg dabei! 

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