23.09.2015

Extrinsische Motivation: Der Menschentyp entscheidet – Teil 1

Intrinsische oder extrinsische Motivation – entweder kommt Motivation im Inneren eines Menschen in ausreichendem Masse vor oder aber muss von aussen befeuert werden. Fachleute streiten trefflich darüber. Die einen sind vehement für extrinsische Aktivitäten und zitieren flugs entsprechende Untersuchungen herbei, die solches Tun untermauern sollen. Die anderen sind konsequent dagegen und legen zum Beweis ihrer Meinung ebenfalls passende Studien vor. Die Lager sind also gespalten. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Und sie ist nuanciert zu betrachten.

Von: Anne M. Schüller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing und ein kundenfokussiertes Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Wenn es um das Thema Kunde geht, gehört sie zu den meistzitierten Experten. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der deutschen, österreichischen und schweizerischen Wirtschaft.

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Extrinsische Motivation

Wunsch Nummer eins: Ein bisschen Lob  

Wunsch Nummer eins der meisten Mitarbeiter an ihre Führungskraft ist es, öfters ein gut gemachtes, ehrliches, wertschätzendes Lob zu bekommen. Und das aus gutem Grund. „Ein zentrales, neurobiologisch begründetes Motiv für die Bereitschaft des Menschen zu arbeiten ist der Wunsch nach direkter oder indirekter Anerkennung“, schreibt der Neurobiologe, Psychotherapeut und Arzt Joachim Bauer in seinem Buch Arbeit. Und auch das: „Geld kann nur begrenzt leisten, was soziale Anerkennung, Wertschätzung und ein gutes Arbeitsklima vermögen: das Motivationszentrum des Menschen und die Ausschüttung seiner Motivationsbotenstoffe in Fahrt zu bringen.“

Das Motivieren hat viele Gesichter: Es kann Ansporn, Ermutigung, Zustimmung, Verständnis, Trost und Zuspruch sein. Es kann sich in Bestätigung, Beifall und Bewunderung äussern. Es kann sich als gut oder schlecht gemachtes Lob verkleiden. Es kann emotionale und monetäre Belohnungsanteile enthalten, himmlischen oder teuflischen Zwecken dienen, steuern, befruchten, ködern, manipulieren, verführen. Motivieren manipuliert? Jede Kommunikation, egal ob verbal oder durch körpersprachliche Zeichen geäussert, und sogar jede Nichtkommunikation manipuliert. So ist am Ende auch ein hochverdientes, aber nicht ausgesprochenes Lob pure Manipulation.  

In jedem Job gibt es (hoffentlich) viele Dinge zu tun, die uns von Haus aus Freude machen, weil wir solche Aufgaben lieben. Oft ist aber auch Arbeit da, die wir ein bisschen weniger mögen. In beiden Fällen kommt es darauf an, wie stimulierend man uns das dann serviert. Bei einer Mahlzeit ist es genauso. Wir müssen essen, das ist intrinsisch. Was uns schmeckt oder auch nicht, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die Lust am Essen hat aber auch damit zu tun, wie appetitlich es zubereitet wurde und wie ansprechend es auf den Teller kommt. Stimmt die Aufmachung, dann läuft uns das Wasser im Munde zusammen - und unser gemässigter Appetit schlägt in Heisshunger um.

Der grösste Motivierer heisst Dopamin  

Der grösste Motivierer sitzt in unserem eigenen Kopf. Mächtige zerebrale Strukturen und biochemische Prozesse motivieren uns ohne Unterlass, alles Unangenehme penibel zu meiden, und Angenehmes engagiert in Angriff zu nehmen. Wir sind die Nachfahren von Menschen, deren Hirn besonders gut darin war. Biologen nennen das Evolution. So werden wir für Leistung, Lernen und das Meistern von Herausforderungen ständig belohnt: mit der süssesten Droge, die die Natur je erfunden hat. Ihr Name? Dopamin. Dopamin ist der Freudentaumel, das aufgekratzte Beflügeltsein, der siebte Himmel, Glückseligkeit pur.

Im Reigen mit weiteren zerebralen Substanzen befeuert Dopamin unter anderem Arbeitsfreude, Wagemut und Leistungskraft. Ausserdem stärkt es unser Immunsystem und schützt die Firmen so vor hohen Krankenständen. Dazu hat der Schweizer Soziologe Johannes Siegrist nachweisen können, dass eine Dysbalance zwischen Verausgabung und Wertschätzung am Arbeitsplatz zu erhöhten Gesundheitsrisiken führt. Anerkennungsgespräche explizit in die Zielvereinbarungen einer Führungskraft aufzunehmen, ist also eine gute Sache. Doch einige Firmen haben inzwischen damit begonnen, Lobtage einzuführen: Freitag 10 Uhr: Loben auf der Agenda! So wird Lob zur Pflichterfüllung. Und genauso kommt das dann bei den Mitarbeitern an – was einen bitteren Nachgeschmack weckt und kontraproduktiv ist.  

Übrigens wird Dopamin, wie jeder andere Botenstoff auch, je nach Anlass und Menschentyp in unterschiedlicher Dosis erzeugt. Was uns motiviert, das eine zu tun und das andere zu lassen, ist bei jedem verschieden. Und nicht in jedem Genpool ist intrinsische Motivation en masse eingebaut, was unterstreicht, wie wichtig auch extrinsische Motivation ist. Vielfach reicht das innere Quantum, doch bisweilen tut ein wenig Aufmunterung gut. Einerseits kann es hilfreich sein, wenn von aussen beharrlich bestärkt und mit Eifer ermutigt wird. Vom Sport wissen wir alle, welche Leistungswunder das oft bewirkt. Andererseits wird man Übermotivierte mitunter auch bremsen müssen, damit kein Unheil geschieht. Den grössten Fehler, den Führungskräfte bei all dem machen können, ist der, von sich selbst auszugehen.

Extrinsische Motivation  

Es gibt Menschen, die laufen vor allem dann zur Hochform auf, wenn der Applaus von aussen kommt. Wir finden sie in den Teppichetagen der grossen Konzerne, auf Bühnen in Scheinwerferkegeln - und in Stadien auf dem Siegerpodest. Zu ihren Lebenszielen gehört es, auf die Titelbilder wichtiger Medien zu gelangen, denn ihre Herrlichkeit soll sichtbar sein. Sie wollen beklatscht, umjubelt und vergöttert werden. Sie sonnen sich selig im Rampenlicht der bewundernden Öffentlichkeit. Wird dieses ausgeknipst, verkümmern sie kläglich. Das kraftvolle ‚Porschehormon‘ Testosteron ist die Dampfmaschine, die sie im Grossen und Ganzen befeuert.  

Ein hoher Testosteronwert scheint sich gut anzufühlen, weshalb die, die das brauchen, ständig auf der Suche nach passender Aussenstimulation sind. Möglichkeiten dazu gibt es genug, das braucht hier nicht vertieft zu werden. Wo Testosterongesteuerte das Sagen haben, gibt es überall Rankings, Rennlisten, Pokale, Statussymbole und Zeichen der Macht. Gratifikationen und dicke Bonuszahlungen sind für sie wie kapitale Zwölfender, die es zu erjagen gilt. Weil sich nur die Besten mit solchen Trophäen schmücken können, sind sie eine faszinierende Beute. Dabei sind Auszeichnungen oft so begehrenswert, dass legale Grenzen keinen Einhalt bieten. Denn Bewunderung macht süchtig. Und Sucht ist stärker als Moral.  

Menschen dieses Schlags, nennen wir sie Alphas, sind sehr leistungsbetont. Sie sprechen mit lauter Stimme, meist in der Ich-Form, effekthaschend und durchsetzungsstark. Sie wirken arrogant, aggressiv, selbstsicher und hart. Ohnmacht, also im wahrsten Sinne des Wortes ohne Macht zu sein, macht solche Typen ganz krank. Sie wollen beherrschen und kontrollieren. Ihre emotionale Kompetenz ist gering. Sie sind sachorientiert und kennen nur ein Ziel: nach oben! Sie ziehen in den Kampf und wollen den Sieg.

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