20.08.2019

Team: Mit der Siebensprung-Methode Probleme lösen

Probleme im Team behindern alle. Querdenken sorgt für eine nachhaltige Lösung. Mit der Siebensprung-Methode gelingen mentale Gedankensprünge.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Team

Schon wieder ein Problem: Hurra, jetzt lösen wir es!

Die Teamarbeit sorgt für Synergieeffekte, aber auch für Probleme. Ob klein oder gross, das jeweilige Problem löst kaum Begeisterung aus. Obwohl Probleme ja auch einen Segen darstellen, weil sie allen Beteiligten eine Lern- und Optimierungschance bieten, werden sie eher als „Fluch“ wahrgenommen. Ein „Fluch“, der das Team behindert

  • in seiner Zusammenarbeit.
  • bei der fristgerechten Fertigstellung.
  • in seinem Arbeitsprozess.
  • im sozialen Gefüge im Team.
  • bei der Einhaltung des Leistungsniveaus.

Vielleicht wird es deshalb auch gerne einer Sofort-Lösung unterzogen. Alle wollen es schnell vom Tisch haben. Manches Mal klappt diese Strategie. Manches Mal tritt jedoch dasselbe Problem nach einer gewissen Zeitspanne wieder auf. Dann ist der Frust doppelt hoch. Auch die Selbstzweifel an der Lösungskompetenz steigen „Das haben wir schon mal gelöst. Und jetzt ist es wieder da. Mir fallen keine anderen Lösungen ein.“

In solchen Momenten sollte jedoch nicht an der eigenen Lösungskompetenz gezweifelt werden. Vielmehr ist es ein Zeichen dafür, dass die richtige Problembewältigungs-Strategie fehlt. Denn kein Problem gleicht dem anderen. Deshalb sollte auch nicht für jedes Problem die gleiche Problemlösungs-Strategie angewendet werden. Und deshalb ist es auch sinnvoll, sich viele Methoden anzueignen. Eine solche Methode ist die Siebensprung-Methode.

 

Die Siebensprung-Methode im Überblick

Einsatz

Bei allen Problemen, die

  • hartnäckig sind.
  • mehrere Ebenen – Personen, Arbeitsprozesse, Systeme etc. – betreffen.
  • wiederkehren.
  • komplex sind.
  • tiefer betrachtet werden sollten.
 

Ziel

Das Problem durch mentale Sprünge neu zu entdecken und so besser zu verstehen. Vorhandene, gerne gewählte Lösungspfade werden dadurch durchbrochen. Nachhaltige Lösungen entstehen.

Schwierigkeitsgrad

Mittel.

Benötigte Materialien

Stifte, Papier, Whiteboard, Moderationskarten

Zeit

45 bis 60 Minuten

Geeignet für

Einzelarbeit und Gruppenarbeit.

Probleme lösen mit der Siebensprung-Methode

Machen Sie sich mit der Methode gut vertraut. Vielleicht führen Sie sie einfach mal alleine durch. Betrachten Sie ein Problem mit der Siebensprung-Methode.

Erläutern Sie in jedem Fall vor der eigentlichen Problemlösungs-Suche die einzelnen mentalen „Sprünge“ dem Team. Damit nicht vor und während eines einzelnen „Sprunges“ der kreative Prozess durch Fragen zur Vorgehensweise durchbrochen wird.

Der erste Sprung-Schritt: Hinein ins Problem

Bitten Sie das Team das Problem zu benennen. Es geht noch nicht um eine grundlegende Problemdefinition. Vielmehr soll jeder die Chance erhalten, das Problem aus seiner Sichtweise zu beschreiben. Notieren Sie die jeweiligen Antworten.

Der zweite Sprung-Schritt: Hinein in die Köpfe der anderen

Verständlicherweise wird erst einmal „nur“ nach einer Lösung für die eigene Problem-Behinderung gesucht. Nur, so manches Problem betrifft viele Ebenen – Kunden, andere Abteilungen, Unternehmensvorgaben beispielsweise wie mit einzelnen Beschwerden umgegangen werden soll. Bleiben diese unterschiedlichen Ebenen unberücksichtigt, kann und wird die gefundene Lösung nur bedingt greifen, d.h. das Problem kehrt auf die eine oder andere Weise wieder ins Team zurück.

Bei diesem Sprung-Schritt ist es die Aufgabe, einmal in die unterschiedlichen Ebenen mental hineinzuschlüpfen. Dafür eruiert das Team, welche Ebenen von dem Problem betroffen sind – beispielsweise

  • einzelne Kunden.
  • andere Teams und/oder Abteilungen.
  • die Produkt- und Forschungsabteilung.
  • Unternehmensvorgaben.
  • Imageverlust.
  • zeitliche Auswirkungen wie höhere Arbeitsbelastung, Gewinneinbrüche, Shitstorms

Sind die einzelnen Ebenen notiert, darf das Problem aus Sicht der jeweiligen Ebene betrachtet werden. Fragen Sie das Team – beispielsweise:

  • Stellen Sie sich vor, Sie sind beispielsweise der Kunde, was ist für Sie in dieser Rolle der Kern des Problems?
  • Stellen Sie sich vor, Sie sind die Geschäftsführung mit ihren festgelegten Rücknahmevorgaben, wie stellen sich die Forderung des Kunden auf welche Weise als Problem dar?
  • Stellen Sie sich vor, Sie sind Mitarbeiter der Forschungsabteilung – wie nehmen Sie von dieser Position das Problem wahr?
  • Welche Ebene hat welche Sichtweise auf das Problem? In welcher Weise ist die jeweilige Ebene davon betroffen? Hat diese überhaupt damit ein Problem?
  • Wie kann das Problem von einer zeitlichen Achse aus beschrieben werden – aus der Perspektive einer Woche, eines Monats, eines Jahres?

Sammeln Sie alle Eindrücke. Notieren Sie die Antworten.

Der dritte Sprung-Schritt:  Hinein in die Lösungsideen des Teams

Das Team hat sich einen umfassenderen Blick auf das Problem erarbeitet. Setzen Sie gemeinsam Ideen frei:

  • Wie würden das Team und/oder der einzelne Teammitarbeiter das Problem nun lösen?
  • Wem würde diese Lösung dienen?
  • Wer profitiert auch von dieser Lösung – auf welcher Weise?
  • Wie beurteilt welche Ebene diese Team-Lösung?
  • Woran könnte diese Team-Lösung eventuell scheitern?
  • Was wäre eine mögliche Ursache für dieses Scheitern? Wie könnte diese Ursache aufgelöst werden?

Der vierte Sprung-Schritt: Hinein in die Lösungsideen der anderen

Fokussieren Sie gemeinsam die einzelnen betroffenen Ebenen. Setzen Sie auch für diese Ideen zur Problemlösung frei. Fragen Sie das Team:

  • Was wünscht sich beispielsweise der Kunde als Lösung?
  • Welche Lösungsideen hätte die Geschäftsführung für dieses Problem?
  • Wie würden wohl die anderen Abteilungen das Problem angehen? Was würden diese tun?

Der fünfte Sprung-Schritt: Hinein in die Lösungs-Schnittmenge

Ihnen und dem Team liegen eine Vielzahl von Lösungsideen vor. Filtern Sie jetzt die Ideen heraus, die eine Schnittmenge bilden. Listen Sie diese auf. Prüfen Sie jede dieser Ideen. Fragen Sie:

  • Auf welche dieser Ideen hat das Team einen direkten Einfluss?
  • Welche dieser Ideen kann das Team alleine und eigenständig umsetzen?
  • Bei welcher Idee benötigt das Team von wem welche Art von Unterstützung?
  • Wie wahrscheinlich ist es, diese Art der Unterstützung zu erhalten?
  • Was müsste dafür konkret angefordert werden?

Der sechste Sprung-Schritt: Hinein in die machbare Lösung und ihre Kriterien

Wählen Sie gemeinsam die Lösung aus, die für das Team umsetzbar ist und die höchste Nachhaltigkeit verspricht. Definieren Sie Ziele, die sich aus dieser Lösung ergibt. Legen Sie messbare Kriterien fest, mit den die Zielerreichung kontrolliert werden kann – auch hinsichtlich der Zusammenarbeit beispielweise mit den anderen Abteilungen.

Besprechen Sie bei einer Zusammenarbeit über das Team hinaus, wie beispielsweise die andere Abteilung die Ziele umsetzen kann und welche Ziele sich diese setzen wird. Treffen Sie eine Vereinbarung, die für alle Beteiligten verbindlich ist.

Der siebte Sprung-Schritt: Hinein in die Realisierung der Lösung

Leiten Sie aus dem Ziel und/oder den Zielen Schritte der Realisierung ab. Klären Sie die Verantwortlichkeiten im Team, wer für welche Aufgabe zuständig ist. Stellen Sie gemeinsam sicher, dass alle benötigten Ressourcen dem Team zur Verfügung stehen.

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