08.01.2021

Aufschieben: 3 Tipps, wie Sie Ihre Ziele erreichen

Aufschieben ist eine kurzfristige Lösung. Würdigen Sie diese Lösung, während Sie langfristig Ihre Ziele verfolgen und Aufgaben bewältigen.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Aufschieben

Aufschieben ist eine Entscheidung – Ihre Entscheidung

Sie greifen zum Telefonhörer – und zögern. „Ach, nein, jetzt lieber nicht“, denken Sie blitzschnell. „Der Kunde ist immer so schwierig. Dafür habe ich gerade nicht den Nerv. Später ist auch noch Zeit, ihn anzurufen.“ Als Sie dann auf Ihre Tagesplanung blicken, lesen Sie das Stichwort „Bericht“. Kaum gelesen, fühlen Sie sich unsagbar müde und lustlos, als würde eine Zentnerlast auf Ihren Schultern liegen. Eine sehr öde Zentnerlast. Auch diese Aufgabe vertagen Sie lieber auf später. Oder noch besser auf morgen. Oder nein, übermorgen reicht auch noch. Deadline ist erst in vier Tagen. Erleichtert atmen Sie auf – und widmen sich anderen Aufgaben. Aufgaben, die Sie gerade so richtig ansprechen und anspornen.

Aufschieben geschieht in einem Bruchteil einer Sekunde. Dies wissen Sie. Ruckzuck vertagen Sie das Bewältigen einer Aufgabe – und sind somit Ihrem Ziel nicht wie geplant nähergekommen. In solchen Momenten treffen Sie blitzschnell eine Entscheidung. Eben die Entscheidung es nicht zu tun.

 

Entscheidungskraft würdigen

Gratulation! Ja, Gratulation. Denn Sie zeigen eine enorme Entscheidungskraft. Blitzschnell bemerken Sie, was Sie an der Bewältigung der Aufgabe abhält. Und treffen entsprechend eine Entscheidung. Würdigen Sie diese Entscheidung, weil

  • es wichtig ist, eine neue Perspektive hinsichtlich Ihrem Aufschieben zu erlangen.
  • Aufschieben nichts mit faul sein oder Ineffizienz zu tun hat.
  • Aufschieben kein mangelndes Zeitmanagement bestätigt.
 

Aufschieben ist auch eine Lösung – Ihre Lösung

Mit dieser Entscheidung vertagen Sie nicht allein eine Aufgabe, sondern Sie lösen für sich ein Problem. Ja, ein Problem. Denn die vor Ihnen liegende Aufgabe löst bei Ihnen einen inneren Zwiespalt aus. Einen Zwiespalt, der so stark und vehement ist, dass Sie sich blockiert fühlen –und deshalb lieber das Erledigen der Aufgabe aufschieben.

Eine ganz wichtige Tatsache. Sie schieben niemals ohne Grund auf. Nein. Die jeweilige Aufgabe konfrontiert Sie mit einem Problem. Vielleicht ist die Aufgabe

  • langweilig.
  • neu und löst deshalb Verunsicherung aus.
  • in ihrer Zielsetzung und Realisierungsschritten unklar.
  • unvollständig, weil ein Kollege Ihnen ungenau zugearbeitet hat.
  • zu schwer oder zu leicht.
  • eine Routineaufgabe, die kaum Motivation weckt.
  • emotional aufwühlend.
  • undundund…

Indem Sie also die Aufgabe aufschieben, lösen Sie für sich das Problem, das Sie mit dieser Aufgabe haben. Allerdings –und dies ist der Pferdefuss – ist die Lösung keine Lösung auf Dauer.

 

Das Aufschieben als Ihre Lösung würdigen

Aufschieben hat einen schlechten Ruf. Deshalb werten Sie sich meist für diese Entscheidung ab. Vielleicht nicht sofort, während oder kurz nachdem Sie aufgeschoben haben. Aber ab einem bestimmten Punkt werden Sie es sich dafür kritisieren „Jetzt habe ich wieder aufgeschoben. Nie kriege ich etwas hin, wie ich es will.“

 

Wechseln Sie in solchen Momenten – besser noch generell – Ihren Blick auf Ihr Aufschieben. Wertschätzen und würdigen Sie es endlich als das, was es ist: Eine Lösung – Ihre Lösung. Denn statt sich dem Stress auszusetzen, den das Bewältigen der Aufgabe ausgelöst hat, haben Sie in diesem Moment supergut für sich gesorgt. Gratulation!

Aufschieben adé: 3 Tipps

Obwohl Sie jetzt erkannt haben: Aufschieben ist eine Lösung und erfüllt einen Zweck für Sie, sind Sie motiviert, für sich eine andere Lösungsstrategie zu finden. Wunderbar! Beim Finden Ihrer ganz persönlichen Lösungsstrategie nutzen Sie Ihr Aufschieben als Sprungbrett.

Sich einstimmen

Bevor Sie loslegen, lehnen Sie sich einen Moment auf Ihrem Stuhl zurück und lassen den Tag, die vergangenen Tage oder die letzte Woche vor Ihrem geistigen Auge Revue passieren. Überlegen Sie,

  • welche Aufgabe haben Sie wann vertagt.
  • für wie lange haben Sie die Aufgabe vertagt.
  • ob Sie die Aufgabe mehrmals aufgeschoben haben.
  • welche Aufgaben Sie (vielleicht) sogar schon seit längerer Zeit vor sich herschieben.
  • ob es generell Aufgaben gibt, bei denen Sie die Tendenz haben, diese lieber aufzuschieben.

Nehmen Sie Ihre Erkenntnisse einfach wahr, ohne sich zu kritisieren. Es ist, wie es ist. Und es sind Ihre bisherigen Lösungen. Denken Sie daran. Wählen Sie schliesslich eine Aufgabe aus, für die Sie sich jetzt eine neue Lösungsstrategie erarbeiten möchten. Und zwar am besten jetzt gleich – mit den folgenden Tipps.

Tipp 1: Dem Aufschiebe-Trigger auf die Spur kommen

Spielen Sie ein wenig Sherlock. Entdecken Sie Ihr Motiv (!), warum Sie gerade diese Aufgabe in diesem Moment lieber aufschieben bzw. aufgeschoben haben. Um Ihr Motiv zu ergründen, achten Sie auf

  • Ihre Gedanken. Was geht Ihnen ganz spontan durch den Sinn, wenn Sie an diese Aufgabe denken. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie das Aufschieben als Lösung aktivierten (erinnern Sie sich?)?
  • Ihre Gefühle. Welche Gefühle löst die jeweilige Aufgabe aus bzw. löste aus? Frust? Unsicherheit? Unbehagen? Angst? Müdigkeit? Langeweile?

Falls es Ihnen etwas schwerfällt, beides aufzuspüren, beenden Sie einen oder alle der folgenden Satzanfänge so oft Sie können und wollen:

  • „Die Aufgabe erledige ich lieber später, weil…“
  • „Es ist keine gute Idee, dies jetzt zu tun, weil…“
  • „Später ist besser, weil…“

Lesen Sie Ihre Antworten durch – und beginnen Sie eine tieferliegende Analyse.

  • Gründe markieren. Unterstreichen Sie oder markieren Sie farblich, all die Gründe, die Sie zu einem Aufschieben führen.
  • Motiv herausfiltern. Klären Sie für sich, welchen Hauptgrund es für das Aufschieben gibt. Vielleicht ist es Unsicherheit, weil die Aufgabe sehr komplex ist. Vielleicht Angst, sich mit der Aggressivität des Kunden auseinandersetzen zu müssen. Nennen Sie als Hauptgrund – Ihr Motiv – ein Stichwort.
  • Muster erkennen. Prüfen Sie, ob Sie ein Muster in Ihrem Aufschieben erkennen. Gibt es ähnliche Gründe, die Sie zum Aufschieben führen? Sind es ähnliche Aufgaben, die eher zum Aufschieben verleiten?
  • Trigger entdecken. Lesen Sie durch, welche Gedanken und Gefühle entstehen, bevor Sie eine Aufgabe aufschieben. Welche Gedanken und Gefühle können Sie zukünftig darauf hinweisen, dass Sie sich gerade überlegen, eine Aufgabe aufzuschieben? Werden Sie müde? Fühlen Sie sich unbehaglich? Sagen Sie sich „Jetzt nicht. Später“? Je besser Sie Ihre Trigger kennen, umso leichter wird es Ihnen fallen, Ihren Impuls aufzuschieben, zu stoppen.

Tipp 2: Optimalere Lösung suchen und finden

Ihre bisherigere Lösung, das Aufschieben, verschafft Ihnen eine kurzfristige Erleichterung. Allerdings wollen Sie sich nicht mehr auf diese Art und Weise Erleichterung verschaffen. Denn, Sie wollen alle Aufgaben zeitgleich bewältigen, um Ihre Ziele zu erreichen. Kurbeln Sie dafür Ihre Kompetenz zur Lösungsfindung an. Überlegen Sie:

  • Wie können Sie das Problem, das Sie mit der Aufgabe haben, auf eine bessere Art und Weise lösen?
  • Wie können Sie beispielsweise mit einer Unsicherheit anders umgehen, als ihr aus dem Weg zu gehen? Könnten Sie die Aufgabe in Zwischenschritte aufsplitten? Könnten Sie sich Unterstützung bei einem Kollegen und/oder Ihrem Vorgesetzten holen?
  • Was könnten Sie tun, um beispielsweise Routineaufgaben oder langweilige Aufgaben zu erledigen, statt sie aufzuschieben? Vielleicht in kleinen zeitlichen Intervallen à 10 Minuten erledigen? Vielleicht im Zeitmanagement so einplanen, dass diese in Tiefphasen fallen, beispielsweise nach dem Mittagessen? 

Setzen Sie so viele Ideen frei, wie Sie möchten. Je mehr Ideen Sie haben, umso eher kommen Sie ins Handeln. Erlauben Sie sich, für sich mehrere Lösungsoptionen festzulegen.

Tipp 3: Realisierungsschritte bestimmen

Erstellen Sie sich aus Ihren Ideen einen Strategieplan. Bestimmen Sie einzelne Schritte, wie Sie vorgehen wollen – aktuell und auch für ähnliche zukünftige Aufgaben. Überlegen Sie:

  • Wie wollen Sie die einzelnen Schritte so gestalten, dass diese Sie zum Tun einladen?
  • Welche Gedanken und Gefühle wollen Sie aktivieren, damit Sie zum Tun gelangen?
  • Welche Trigger-Gedanken und Trigger-Gefühle wollen Sie sofort hinterfragen, damit Sie nicht erneut aufschieben?
  • Auf was wollen Sie bei dem jeweiligen Schritt ganz besonders achten?
  • Woran erkennen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind – und nicht wieder aufschieben wollen?
  • Wie feiern Sie Ihren Erfolg – auch kleine Zwischenschritte –, um zu verankern: Ich schaffe das?

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