23.08.2016

Lebenslanges Lernen: Lernen ist Persönlichkeitssache! Was Intros und Extros in der Weiterbildung brauchen

Lebenslanges Lernen ist heute für viele eine Selbstverständlichkeit. Wir sollten dazu wissen: Wenn wir nicht mögen, was uns beim Lernen angeboten wird, wenn wir also schlechte Gefühle dabei haben, dann lernen wir auch nicht so gut, wie wir eigentlich können. Kein Wunder, dass so viele Menschen aus den Schulen und Hochschulen, aus den Aus- und Weiterbildungen viel weniger als eigentlich möglich mitnehmen.

Von: Sylvia Löhken   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Sylvia Löhken

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation. In ihren Vorträgen, Coachings und Workshops zeigt sie, welche Stärken verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele nutzen können. Sie versteht es dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexes Know-how in einfache Worte und gut umsetzbare Strategien zu übersetzen. Mit ihrer Erfahrung als Wissenschaftlerin und als Managerin in einer grossen internationalen Organisation kennt sie wichtige Arbeitsumfelder ihrer Kunden aus eigener Erfahrung: Politik und Verwaltung, Lehre und Forschung, Management und Beratung sowie japanische, amerikanische und deutsche Kommunikation.

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Lebenslanges Lernen

Teamarbeit

Auch für uns Kommunikationsbegleiter ist regelmässiges und lebenslanges Lernen eine Selbstverständlichkeit. Meine letzte eigene Weiterbildung begann dabei dynamisch – mit einem Schubser ins kalte Wasser: Als neu zusammengekommene Gruppe bekamen wir die Aufgabe, in Teamarbeit ein Regal zusammenzubauen. Die Bretter mit ihren verwirrenden Einkerbungen, die da vor uns lagen, waren genau zu diesem Zweck von einem Anbieter entworfen: Sie sollten uns durch eine gemeinsame Arbeit zusammenbringen, die Koordination erforderte.

Meine Motivation sank sofort auf Sparflamme und zwar nicht zum ersten Mal: Mit völlig Fremden etwas tun, ohne dass es Gelegenheit gibt, in Ruhe über die beste Lösung und über die Aufteilung der Arbeit nachzudenken: Nein, ich lerne lieber anders. Ich habe nichts gegen Teams – aber ich trage anders zu ihrem Gelingen bei.

Persönlichkeitsgerecht lernen

Damit sind wir beim Thema. Ich bin selbst introvertiert. Das Basteln zum Seminarbeginn passte aber viel besser zu extrovertierten Persönlichkeiten – also zu Menschen, die ihrerseits andere Vorstellungen von Lernen haben als ich.

Für ein erfolgreiches lebenslanges Lernen – für unsere Qualifikationen, Weiterbildungen und auch für die Verfolgung unserer Interessen – ist es deshalb wichtig, die richtigen Antworten auf persönliche Fragen zu fragen: Was brauche ich beim Lernen? Und was nimmt mir die Lust?

Wenn wir persönlichkeitsgerecht lernen,

  • dann fällt es Lernen leicht,
  • dann steht uns unsere Kreativität ganz zur Verfügung und
  • dann macht uns das Lernen Freude.

Intro- und Extroversion eignen sich als «Nord und Süd der Persönlichkeit» sehr gut zur Orientierung. Mit Blick auf diesen Unterschied können Sie viel tun, um Ihr eigenes Lernen passend zu gestalten. Als «Intro» helfen Ihnen dabei ganz andere Dinge als den «Extros».

Der andere «kleine Unterschied»

Sie wissen es aus dieser Rubrik schon, aber ich wiederhole ganz kurz, wenn Sie nicht noch einmal nachlesen mögen oder zum ersten Mal bei einem meiner Texte gelandet sind. Intro- und Extrovertierte unterscheiden sich vor allem in zwei Bereichen.

Intros...Extros...
...sind von vielen Eindrücken leicht überwältigt und mögen deshalb Überschaubares und Kalkulierbares. Sie sind auf Reflektieren ausgerichet und denken und planen entsprechend am liebsten, bevor sie aktiv handeln....mögen viele unterschiedliche Eindrücke und deshalb auch den Wechsel zwischen verschiedenen Informationen und Medien. Sie sind sinnesorientiert und schätzen tatkräftiges Zupacken.
...schätzen Sicherheit und Berechenbarkeit....schätzen Belohnungen und reizvolle Ziele.

Diese beiden Unterschiede sind eine physische Tatsache. Sie lassen sich mit Botenstoffen, in Aktivitätszentren und elektrischen Strömen im Hirn nachmessen. Und sie haben grosse Auswirkungen auf die Art und Weise, in der wir als Intro oder Extro neues Wissen erwerben.

Artgerechtes Lernen für Intros und Extros

 

Intro-LernenExtro-Lernen
Suchen Sie zum Lernen eine reizarme Umgebung. So können Sie das Neue aufnehmen und mental verarbeiten. Arbeiten Sie Ihrer Persönlichkeit entsprechend von innen nach aussen: erst denken, dann anwenden. Vielen Intros hilft beim Aufnehmen das Schreiben: eine tief introspektive Art zu kommunizieren, auch mit sich selbst. Hetzen Sie sich nicht, lernen Sie möglichst in aller Ruhe. Als Formate für die Informationsübermittlung eignen sich in Seminaren Vorträge, Einzelarbeit oder die Arbeit in Tandems. Und viele Intros lernen am liebsten aus Büchern oder auch online. Das Gelernte teilen sie dann auch gern mit anderen in Ihrer Gruppe. Ihr Hirn mag beim Lernen verschiedene Sinneseindrücke. Meiden Sie Routinen, suchen Sie neue Wege und nutzen Sie verschiedene Kanäle! Arbeiten Sie Ihrer Persönlichkeit entsprechend von aussen nach innen: Probieren Sie aus, tun Sie etwas, besprechen Sie etwas mit anderen und filtern Sie daraus Ihre Lernerfahrung. Beim Lernen vermeiden Sie am besten eine für Sie sehr demotivierende Emotion: die Langeweile. Dafür darf es gern etwas schneller im Ablauf werden, gern mit vielen Wechseln auch innerhalb einer Lerneinheit. Sie mögen wahrscheinlich Gruppenarbeiten und Diskussionen mit allen. Das Brainstorming zum Beispiel ist ganz sicher von einem Extro erfunden worden.
Als Intro sind Sie eher vorsichtig und tasten sich gern nach und nach an ein Thema heran. Beim Lernen hilft Ihnen ein Gefühl von Kalkulierbarkeit – Gruppenzwang dagegen weniger. Sie profitieren von einer klar strukturierten Lerneinheiten und einer entspannten Atmosphäre. Fairness, Planbarkeit und eine gute Moderation sind für Sie im Dialog mit anderen Lernenden besonders hilfreich. Sie mögen Anreize und Belohnungen. Also lernen Sie besonders gut, wenn Sie davon überzeugt sind, dass das Gelernte in einer bestimmten Weise nützlich für Sie ist. Noch besser läuft es, wenn Spass beim Lernen dabei ist: Im Wettkampf oder als Quiz laufen Sie zu Höchstform auf und geniessen das Miteinander im Team. Regale aufbauen? Na klar!

Inzwischen ahnen Sie womöglich, was mich als Intro beim Regalbauen so gestört hat: Wir Teilnehmenden wurden in einen völlig ungesteuerten Prozess geworfen, sollten uns und den Prozess «irgendwie» organisieren. Die Devise lautete: einfach tun, dann daraus lernen. Bei mir als Intro ist es aber umgekehrt: Ich mache mir lieber zuerst Gedanken und gehe dann in einen geplanten Prozess, den ich dann beim Tun anpassen kann.

In der Seminarsituation war ich sehr froh, das zu wissen. Und mir kam eine wichtige Tatsache in den Sinn: Für die Gelegenheit zum Lernen hatte ich ja bezahlt. Und so nahm ich mir die Freiheit, auf meine eigene Weise davon Gebrauch zu machen: Ich trat drei Schritte vom Regalbretterstapel zurück, holte tief Luft und informierte die Seminarleiterin darüber, dass ich den Teamentwicklungsprozess genau beobachten und hinterher im Plenum darüber berichten würde. Der Anfang eines guten Tages!

Lebenslanges Lernen - ein elementares Thema

Lebenslanges Lernen ist ein so wichtiges Thema, dass Sie es vielleicht genauer wissen wollen. Hier sind zwei Ressourcen:  

Unter https://www.youtube.com/watch?v=c_mIwaJkRhE vergleichen Margit Hertlein und ich im Gespräch auf dem Laut-Leisen Diwan, was Intros und Extros zum Lernen brauchen.  

Genau und ausführlich können Sie in meinem Buch lesen, wie Intros und Extros am besten lernen: Sylvia Löhken (2014). Intros und Extros. Wie sie miteinander leben und voneinander profitieren. Offenbach: Gabal. Das Lernkapitel finden Sie ab Seite 187.

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