09.07.2019

Glücklich sein: Geisteshaltung, Zustand, Resultat oder Gefühl?

Was ist Glück? Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Glück eine Geisteshaltung, ein Zustand, ein Resultat oder einfach ein Gefühl ist. Was heisst «glücklich sein» für Sie? Wie auch immer es definiert ist, einig sind sich alle darüber, dass es ein sehr gutes Gefühl ist – und wohl viele von uns gerne noch mehr davon hätten! Das Thema «glücklich sein» wird seit einiger Zeit auch wissenschaftlich angegangen. Werfen wir also einen Blick auf ein paar wichtige Erkenntnisse.

Von: Rolf Rado, Sue Rado  DruckenTeilen 

Rolf Rado

Viele Jahre tätig als Manager von diversen Klein- und Mittelunternehmen (KMU), bis zu Grosskonzernen, heute Mitinhaber der Firma Axios. Er ist Berater, Trainer, Coach.

Sue Rado

Sue Rado, eidg. dipl. Ausbildungsleiterin, ist Betriebsausbilderin und Performance Improvement Coach. Sie verfügt über einen breiten Erfahrungsschatz aus verschiedenen Funktionen (Einkäuferin, Key Account Manager, Projektleiterin, Stv. Geschäftsleiterin, Schulungsleiterin) und ist Dozentin im Bereich Bildungs-Controlling. Als Selbstständige betreut sie viele unterschiedliche Firmen aus verschiedenen Branchen (Einführung/Umsetzung Personalentwicklung, Veränderungsprojekte, Kundenservice-Optimierungen) und gibt diverse Trainings im Bereich Führung, Verkauf/Kundendienst und Teamentwicklungen. Ihre praxisnahen Trainings sind bekannt für hohe TeilnehmerInnen-Aktivität, den Einbezug aktueller Beispiele von den Teilnehmenden und die Abgabe vieler zusätzlicher, zeitsparender Hilfsmittel für den Alltag (Checklisten, Vorlagen).

Glücklich sein

Einstiegsaufgabe

Zum Start eine ganz simple, aber tief greifende Frage: Was macht Sie glück­lich – bzw. wann sind Sie glücklich? Machen Sie sich doch dazu einige Ge­danken!

Und nun gehen wir das Thema «glück­lich sein» mit den folgenden Gedanken an:

Hormonausschüttung

«Technisch» gesprochen ist es ganz einfach: Wir brauchen ein paar Hormo­ne (z.B. Seratonin, Dopamin, Endorphine etc.) in unserem Körper – und dann sind wir glücklich! Werden diese Hormone ausgeschüttet, bringt uns das in gute Stimmung. Einige kennen das beispielsweise dann, wenn sie ge­nügend lange joggen, das nennt man «Runner’s High».

Umgekehrt funktioniert es jedoch auch, dass unser Denken und Handeln mithelfen, dass diese Hormone ausge­schüttet werden. Daher stellt sich eine ganz unbequeme Frage: Ist das, was wir denken, so positiv, dass es überhaupt zu dieser guten Hormon ausschüttung kommen kann – oder tritt das Gegen­teil ein? Und schon wieder landen wir beim Thema «Gedankenkontrolle». Das ist eine echte Herausforderung. Sich selber beim Nachdenken zu beobach­ten und dann auch noch seine Gedan­ken und die dazugehörenden Gefühle in eine positive Richtung zu lenken.

Unterstützen können Sie dies, indem Sie sich Zeit nehmen für sich selber, z.B. meditieren, Entspannungsübun­gen machen oder einfach achtsam im Moment leben. Wann hatten Sie die letzte ruhige «Ich-Zeit»?

«glück­lich sein» - 5 Säulen des persönlichen Glücks

Und jetzt lassen wir einen «Fach­mann» dazu sprechen, was uns Men­schen glücklich macht gemäss der Forschung. Dr. Martin Seligman, ein bekannter Glücksforscher, misst mit diesen fünf Werten « glück­lich sein» – oder wie er sagt: das «Wohlbefinden» eines Menschen. Nehmen wir diese Punkte als Ausgangslage:

  • Stimmung
  • Engagement (im Sinne von Flow)
  • Sinn (Gefühl, Teil von etwas Grösse­rem zu sein)
  • Zielerreichung (Erfolg haben)
  • positive Beziehungen zu anderen Menschen

AUFGABE

Überlegen Sie sich doch kurz zu jedem dieser Themen, wie Sie sich aktuell – in der momentanen Verfassung (ihr «glück­lich sein») – gerade einschätzen, z.B. mit einer Skala von 1 bis 10.

Stimmung

Wir erleben bei den Menschen fast immer eine Art «Grundstimmung», die gerade zu ihrer aktuellen Lebens­lage gehört. Je nachdem, wie er in seinen drei Lebensbereichen (siehe Newsletter Februar 2017: «Ich-Zeit», «Beziehungs-Zeit» und «Job-Zeit») oder seinem Lebensrad (siehe Newsletter April 2018: nach S. Sterzenbach) unterwegs ist, ergibt dies eine Grund­stimmung. Es braucht jedoch nur kleine Ärgernisse im Alltag, und un­sere Stimmung kann für einen kurzen Moment kippen. So reagieren wir – je nach aktueller Gefühlslage – auf die gleiche Situation einmal gelassen und souverän und das nächste Mal sehr dünnhäutig.

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Flow

Den Begriff «Flow» kennen wir durch Prof. Mihály Csíkszentmihályi. Diesen beglückenden Zustand erleben wir, wenn wir völlig vertieft einer Tätigkeit nachgehen, uns völlig darin vertiefen können und dabei Zeit und Raum ver­gessen. In diesem Zustand sind wir sehr nahe bei uns selber und völlig beglückt von unserem Tun und Sein und fokussiert auf diese eine Tätig­keit.

AUFGABE

Was sind die Tätigkeiten, die Sie in Flow bringen?

Sinn

Wir Menschen gehören gerne irgend­wo dazu, denn der Mensch ist ein «Herdentier». Am liebsten zu einer Gruppe von Gleichgesinnten, wo wir wir selber sein dürfen und uns zeigen können, wie wir sind. Mit allen Stär­ken und Entwicklungspotenzialen, die wir alle haben. Gerne leisten wir einen Beitrag an das grosse Ganze – und gerne machen wir etwas Sinnvolles, wovon andere profitieren können, wo wir etwas zurückgeben, wo wir andere beschenken. Indem wir anderen etwas zuliebe tun, erleben wir dann wieder­um, wie beglückend das für uns selber ist.

AUFGABE

Wo leisten Sie einen Beitrag – und machen etwas Sinnvolles, wovon Ihr Umfeld profitiert?

Zielerreichung

Sich Ziele zu stecken, engagiert dran­bleiben und diese dann erreichen, das macht stolz und glücklich zugleich. Zie­le, die wir uns selber gesteckt haben und die es uns wert sind, Zeit, Energie und vielleicht auch Geld dafür auszu­geben. Erfolg zu haben stärkt unser Selbstwertgefühl und gibt das Gefühl, selber etwas bewirken zu können.

AUFGABE

Was sind jetzt gerade wichtige, aktuel­le Ziele in Ihrem Leben? Wie zufrieden sind Sie damit, wie Sie auf Kurs sind?

Positive Beziehungen zu anderen Menschen

  • Wenn Sie genügend Menschen ha­ben, die sich freuen, wenn Sie an­rufen,
  • auch dann, wenn Sie auch einmal anstrengend, eckig, kantig, grantig und unbequem sind und man Ihnen trotzdem zuhört,
  • wenn Sie nach einem gemeinsamen Essen nach Hause gehen und sich inspiriert fühlen von der Stimmung während des gemeinsamen Essens, von spannenden Gesprächen,
  • wenn Sie Zeit verbringen mit Men­schen, mit denen Sie lachen können,
  • wenn Sie Menschen im Umfeld ha­ben, die Ihnen clevere Fragen stellen und sich nicht nur über Allerwelts­themen wie Wetter, Politik, Job aus­tauschen wollen,
  • wenn Sie Freunde haben, mit denen man auch schweigen kann und es niemandem peinlich ist, dann besteht eine grosse Chance, dass Sie wirklich eine positive Bezie­hungen zu verschiedenen anderen Menschen haben.

Manche Beziehungen halten nicht ein Leben lang, es gibt auch «Lebensabschnittspartner». Diese Menschen be­gleiten einen während eines gewissen Lebensabschnitts. Diese Zeit kann spannend und reich sein – und doch ist irgendwann die Zeit abgelaufen. Le­bensqualität (und Lebenszeit!) ergibt sich auch dadurch, dass man sich von Menschen verabschiedet, die einfach nicht mehr passen zu dem Menschen, zu dem Sie geworden sind in der Zwi­schenzeit, und das ist okay so.

AUFGABE

Gibt es Menschen, für die Sie mehr Zeit habe möchten? Wer sind diese Perso­nen – und was wären nächste Schritte, um die Situation zu klären?

Gibt es Menschen, die eher als «Ener­gie-Vampire» wirken – oder mit denen Sie sich einfach langweilen inzwi­schen?

«Kleine Geschenke» erhalten die Freundschaft»

  • So alt dieser Spruch ist, er stimmt noch immer. Dafür braucht es auch nicht grosse, teure Geschenke – son­dern ganz individuelle Ideen, die zei­gen, dass wir z.B. dem anderen gut zugehört und seine Wünsche erkannt haben und nun einen Beitrag dazu leisten. Manchmal ist das Geschenk auch nicht materieller Art – sondern es ist Zeit, die wir jemandem schen­ken oder ein offenes Ohr für ihn ha­ben. Manchmal ist es ein kleiner Zet­tel auf dem Esstisch, bevor wir aus dem Haus gehen, mit dem wir zeigen, wie sehr wir den anderen schätzen. Seien Sie fantasievoll – Sie machen nicht nur der anderen Person eine Freude – ihre Aktivität wird Sie auch selber in beste Stimmung versetzen.
  • Wer die Möglichkeit hat, andere auch finanziell zu unterstützen: Machen Sie es! Suchen Sie eine Stiftung, die wenig oder keine Administrati­onskosten hat und die sich für ein Thema engagiert, das auch Ihnen wichtig ist. Indem man andere be­schenkt, wird man selber beschenkt!

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Glückliche Menschen finden sich

Auch das ist offenbar erwiesen, dass sich glückliche Menschen zusammen­tun. Und wenn Sie selber glückliche Menschen um sich haben, wird das wie­derum einen Einfluss auf Ihr Befinden haben. Glückliche Menschen zusammen bestärken sich also gegenseitig. Leider funktioniert es auch im umgekehrten Sinne. Wie heisst doch der Spruch: Zeige mir deine besten fünf Freunde – und ich sage dir, wer du bist.

AUFGABE
Vielleicht ist es einen Gedanke wert, zu überlegen, wer die wichtigsten Menschen in Ihrem Umfeld sind – und wie glücklich sind diese?

Dankbarkeit …

Hochs und Tiefs kennt jeder aus seinem Leben. Manchmal wird jedoch vergessen, wie viele Gründe wir in unseren Breitengraden haben, um glücklich oder mindestens zufrieden zu sein.

AUFGABE
Um sich selber wieder bewusst zu machen, was alles gut läuft im eigenen Leben, gibt es ein paar kleine Rituale, die nicht viel Zeit kosten – aber eine grosse Wirkung haben:

  • Starten Sie eine Liste mit allen Gründen, wofür es sich lohnt, dankbar zu sein. – Ergänzen Sie diese Liste die ersten Wochen jeden Tag um mindestens 1 Punkt.
  • Notieren Sie Sich jeden Abend 3 Punkte, die gut geklappt haben am heutigen Tag.
  • Überlegen Sie sich zu jedem wichtigen Menschen in Ihrem Umfeld, wofür Sie ihm/ihr dankbar sind. – Behalten Sie diese Gedanken aber nicht für sich, sondern bedanken Sie sich beim nächsten Treffen persönlich dafür oder schreiben Sie eine tolle, passende Karte (auch in der heutigen Zeit wirkt das anders als eine SMS oder ein E-Mail)!
  • Und haben Sie Mühe damit, genügend Punkte zu fi nden, fragen Sie mal ein paar Freunde in Ihrem Umfeld, worum Sie beneidet werdet von ihnen. Manchmal sieht man das Gute gar nicht mehr, das man hat (in einer Firma würden wir von «Betriebsblindheit » sprechen!).

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    Nächster Termin: 05. November 2019

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