10.01.2017

Karriere-Kommunikation: Der Weg nach oben hat mit uns zu tun

Unter wirklich erfolgreichen Führungskräften gibt es Intro- und Extrovertierte. Neben einer hohen Sachkompetenz verfügen sie auch über kommunikative Fähigkeiten: Sie können die eigenen Leistungen intelligent sichtbar machen, wissen das Vertrauen anderer zu gewinnen und nutzen auf kluge Weise Kommunikationskanäle. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie das ebenfalls schaffen – und zwar auf individuelle Weise. Denn Intro- und Extrovertierte haben andere Stärken und erreichen deshalb am besten auf ihre eigene Weise ihre Ziele. Dann ist es am leichtesten und am erfolgreichsten.

Von: Sylvia Löhken   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Sylvia Löhken

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation. In ihren Vorträgen, Coachings und Workshops zeigt sie, welche Stärken verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele nutzen können. Sie versteht es dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexes Know-how in einfache Worte und gut umsetzbare Strategien zu übersetzen. Mit ihrer Erfahrung als Wissenschaftlerin und als Managerin in einer grossen internationalen Organisation kennt sie wichtige Arbeitsumfelder ihrer Kunden aus eigener Erfahrung: Politik und Verwaltung, Lehre und Forschung, Management und Beratung sowie japanische, amerikanische und deutsche Kommunikation.

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Karriere-Kommunikation

Intros sind anders. Extros auch.

Für Neueinsteiger in Sachen introvertiert («nach innen gewandt») und extrovertiert («nach aussen gewandt»): Es gibt sehr konkrete biologische Tatsachen, die den «anderen kleinen Unterschied» ausmachen. Intro- und Extrovertierte unterscheiden sich vor allem in zwei Bereichen.

 

Intros...

  • ...sind von vielen Eindrücken leicht überwältigt und mögen deshalb Überschaubares und Kalkulierbares. Sie sind auf Reflektieren ausgerichet und denken und planen entsprechend am liebsten, bevor sie aktiv handeln.
  • ...schätzen Sicherheit und Berechenbarkeit.

Extros...

  • ...mögen viele unterschiedliche Eindrücke und deshalb auch den Wechsel zwischen verschiedenen Informationen und Medien. Sie sind sinnesorientiert und schätzen tatkräftiges Zupacken.
  • ...schätzen Belohnungen und reizvolle Ziele.

Diese beiden Unterschiede lassen sich mit Botenstoffen, in Aktivitätszentren und elektrischen Strömen im Hirn nachmessen. Und sie beeinflussen die Art und Weise, in der wir als Intro oder Extro kommunizieren und Ziele verfolgen.

Karriere-Kommunikation für Intros und Extros

Wie also können Sie als Intro oder Extro so kommunizieren, dass Sie authentisch und erfolgreich Ihre Karriere befördern? Die folgenden fünf Hinweise helfen Ihnen weiter.

1. Zeigen Sie Haltung!

Für Intros und Extros gilt gleichermassen: Bevor Sie nach aussen wirken, sollten Sie wissen, wer Sie sind, was Sie stark macht und was Sie brauchen, damit es Ihnen gut geht. So wissen Sie auch gleich, was Sie authentisch macht.

2. Lösen Sie öffentlich Probleme!

Meetings sind Kommunikationsplattformen, die Sie bei Entscheidern und Kollegen besonders sichtbar machen.  

Als Intro fällt es Ihnen womöglich oft schwer, sich im Plenum zu Wort zu melden. Machen Sie es sich zum Prinzip, es trotzdem zu tun: indem Sie sich inhaltlich gut vorbereiten und sich dabei auf das Wesentliche konzentrieren, was Sie vermitteln wollen. Denn das, was Sie sagen, ist für Sie und andere wichtiger als die Zahl Ihrer Wortmeldungen. Unterstützen Sie interne Prozesse, indem Sie mit Ihren analytischen Fähigkeiten Unklares ansprechen und Lösungsansätze für Probleme präsentieren. Fragen Sie «Wie schaffen wir es, rechtzeitig zu liefern?» anstatt zu sagen: «So kann das nicht klappen!»  

Als Extro fällt es Ihnen wahrscheinlich relativ leicht, das Wort zu ergreifen und Ihre Anliegen zu vertreten. Üben Sie sich besonders darin, auf andere zu hören, verschiedene Standpunkte moderierend miteinander zu verbinden und die Dinge auf den Punkt zu bringen. So zeigen Sie, wie Sie Ihr gutes Redevermögen für das grosse Ganze fruchtbar machen. Sie sind vielleicht kein grosser Freund sorgfältiger Planung. Denken Sie daran: Nur, wer ein attraktives Ziel hat, kann auch eines erreichen. Überlegen Sie also, wohin Sie Prozesse steuern wollen. Unterteilen Sie das grosse Ziel in Teilziele und führen Sie sich vor Augen, warum das Verfolgen lohnend ist. Und wenn Sie beim Umsetzen unterwegs merken, dass es einen besseren Weg gibt, können Sie den immer noch einschlagen...

 3. Machen Sie Ihre Leistung sichtbar!

Als Intro liegt Ihnen Selbstdarstellung wahrscheinlich nicht besonders. Nutzen Sie einfach die Begegnungen in kleinem Rahmen: Signalisieren Sie Ihrem Chef in der persönlichen Begegnung, was Sie interessiert. Bieten Sie an, Aufgaben zu übernehmen, die Ihre Stärken zur Geltung bringen. Bilden Sie mit Kollegen strategische Allianzen. Führen Sie – vor allem vor Gehaltsverhandlungen und Jahresgesprächen – ein Erfolgstagebuch, damit Sie sich an Ihre Leistung auch im richtigen Moment erinnern und damit Ihnen Ihre Stärken bewusst sind. Man wird es Ihnen anmerken!  

Als Extro fällt Ihnen Selbstdarstellung leichter als dem typischen Intro. Unter den Entscheidern gibt es allerdings viele Intros, die diese Fähigkeit kritisch beäugen. Vermeiden Sie also den Eindruck von zu viel «heisser Luft» und beweisen Sie, dass Sie nichtnur reden, sondern auch umsetzen. Zeigen Sie auch, dass Sie andere und ihre Leistungen ebenfalls in ein gutes Licht rücken können und wollen. Das können nur starke Persönlichkeiten überzeugend tun – und ganz nebenbei gewinnen Sie dankbare Verbündete...

4. Nutzen Sie Ihren Lieblingskanal!  

Nutzen Sie als Intro die von Ihnen meist geschätzte schriftliche Ausdrucksform, wenn sie sich anbietet: in Emails, Konzepten und in den sozialen Medien. Und üben Sie sich immer wieder auch im mündlichen Austausch – die direkte Begegnung oder der Anruf ist wichtig für persönlichen Kontakt.  

Nutzen Sie als Extro Ihre Kraft der gesprochenen Sprache, die Sie meist schnell und flexibel zur Verfügung haben. Und üben Sie sich immer wieder in dem für Sie oft mühsameren schriftlichen Ausdruck – wer schreibt, bleibt...

5. Zeigen Sie Präsenz!

Schützen Sie sich als Intro vor zu viel Stimulation und laden Sie Ihre inneren Batterien auf, indem Sie sich immer wieder Rückzugsmomente gönnen: Machen Sie Pausen, verwenden Sie zwischendurch Ohrstöpsel, gönnen Sie sich ein Mittagessen allein. Pflegen Sie aber auch bewusst Ihre Kontakte – es reicht, wenn Sie sich mit einer oder zwei Personen zum Austausch treffen; es sind dann ganz andere Gespräche möglich als in einer grossen Gruppe...  

Geniessen Sie als Extro die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen. Freuen Sie sich an der Energie, die Ihnen die Kontakte bringen. Und denken Sie gleichzeitig daran, dass die eigentliche Präsenz in der Wirkung liegt, die Sie und Ihre Worte dauerhaft hinterlassen. Hören Sie also hin, was andere zu sagen haben – und hören Sie auch prüfend hin, was Sie selbst inhaltlich zu bieten haben.

Und nun viel Glück bei der Umsetzung. Möge Ihre Karriere-Kommunikation eine gute Wirkung entfalten – und Ihre Fähigkeiten sichtbar machen.

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