20.04.2020

Probleme bewältigen: Mit der 360°-Strategie nachhaltige Lösungen finden

Manche Probleme sind komplex – und betreffen viele Personen. Weiten Sie deshalb bei der Lösungsfindung Ihren Blick. Damit die Lösung für viele gut ist.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Probleme bewältigen

Manche Probleme betreffen nur Sie selbst

Probleme tauchen immer wieder auf. Mal gross, mal klein. Oft genug sind es Probleme, die nur Sie selbst angehen. Vielleicht haben Sie verschlafen. Vielleicht fällt Ihre Zugverbindung aus. Vielleicht können Sie sich auch an diesem Tag schlecht konzentrieren, der Arbeitstag zieht sich zäh dahin und Ihre geplanten Aufgaben wollen nicht gelingen.

In all diesen Fällen werden Sie das jeweilige Problem alleine lösen. Sie werden per WhatsApp Ihre Kollegen über Ihre Verspätung unterrichten. Sie werden sich nach einer alternativen Zugverbindung erkundigen. Sie passen Ihr Aufgaben- und Zeitmanagement dem momentanen Leistungstief an und erledigen ausschliesslich Routineaufgaben, die eine geringere Konzentration von Ihnen erfordern. Denn es ist Ihr Problem und die Lösungsfindung ist Ihre Angelegenheit.

Probleme bewältigen: Komplexe Probleme fordern einen Weitblick

Allerdings – und dies wissen Sie selbst aus Erfahrung gut – gibt es Probleme, die sich nicht allein auf Sie beziehen. Andere Kollegen sind involviert. Das Team ist davon betroffen. Die Zusammenarbeit mit anderen Teams und/oder Abteilungen ist deshalb festgefahren. Kunden und Geschäftspartner beschäftigt das Problem ebenso.

Solche Probleme bewältigen Sie schwieriger, weil sie komplex und weitreichend sind und das Problem:

  • systemübergreifend auftritt.
  • mehrere Ebenen betrifft.
  • mehrere Personen (bzw. Personengruppen) angeht.

Denken Sie nur an die Corona-Pandemie mit deren weitreichenden, weltweiten Auswirkungen.

Mit solchen weltumspannenden Problemen werden Sie in Ihrem Berufsalltag wohl eher selten konfrontiert werden. Dennoch gibt es genügend Problemstellungen, die eins von Ihnen und allen Beteiligen fordern: Einen Weitblick, der eben auch und gerade die Perspektiven und Bedürfnisse aller berücksichtigt. Wie können Sie solche Probleme bewältigen? Um solche Probleme nachhaltig lösen zu können, gilt es eine Lösung zu finden, die alle zufriedenstellt. Mit Hilfe der 360°-Strategie setzen Sie entsprechende Lösungsideen frei.

Die 360°-Strategie im Einsatz: 5 Schritte

Mit der 360°-Strategie fokussieren Sie gezielt alle, die am Problem und an der Lösung beteiligt sind. Ja, auch an der Lösung. Denn Problem und Lösung haben nicht immer etwas miteinander zu tun. Manche profitieren vom Problem. Andere von der Lösung. Diese Erkenntnis haben Sie sicherlich schon längst gewonnen. Geben Sie sich deshalb Zeit, beide Aspekte zu betrachten und zu analysieren.

Tipp: Die 360°-Strategie lässt sich auch zu zweit, zu dritt oder im Team anwenden. Nachdem Sie den ersten Schritt gemeinsam erarbeitet haben, sollte anschliessend jeder erst einmal für sich die nachfolgenden Schritte – also die Schritte 2 – 5 – alleine überdenken. Damit wirklich jeder seinen Blickwinkel weitet – ohne der Beeinflussung durch Kollegen ausgesetzt sein. Denn oft ist es so, dass jeder ein anderes Gespür für das Problem entwickelt hat. Manche benennen vielleicht auch andere Personen, die vom Problem oder der Lösung profitieren. Tragen Sie anschliessend alle Antworten und Erkenntnisse zusammen. Diskutieren Sie die erbrachten Analysen ohne Wertung, d.h. jeder hat Recht. Entwickeln Sie dann gemeinsam eine Lösungsstrategie, die von allen getragen werden kann.

Schritt 1: Das Problem benennen

Wenden Sie sich dem Problem zu. Beschreiben Sie es am besten in einem Satz. Dadurch lenken Sie bei den folgenden Schritten Ihren Fokus.

Schritt 2: Erkennen, wer und wie das Problem aufrechterhalten wird

Probleme entstehen nicht aus heiterem Himmel. Probleme werden gemacht. Probleme werden aber auch am Leben erhalten – meist ohne böse Absicht. Sensibilisieren Sie sich für die Dynamik des Problems.

Das Problem wird aufrechterhalten…

Fragen Sie sich:

 
  • Woran ist das Problem erkennbar?
  • Wie können Sie sich erklären, dass es diese Situation mit diesem Problem immer noch gibt?
  • Wie wird das Problem am Leben erhalten?
  • Was tun Sie dafür?
  • Was tut welcher Kollege dafür?
  • Wer und/oder was verstärkt das Problem?
  • Wer profitiert auf welche Weise von diesem Problem?
  • Wer will das Problem beibehalten?
  • Was ist an diesem Problem bewahrenswert?
 

Schritt 3: Erkennen, für wen die Lösung relevant ist

Für manche Beteiligte bietet das Problem Vorteile. Für andere spielt das Problem keine grosse Rolle. Eine dritte Gruppe dagegen freut sich über eine gute Lösung. Öffnen Sie sich für diese dritte Gruppe. Finden Sie heraus, für wen eine Lösung relevant ist.

Die Lösung ist relevant für…

Fragen Sie sich:

 

 
  • Wer wünscht sich eine Lösung?
  • Wie sieht eine gute Lösung für wen aus?
  • Was müsste eine gute Lösung für wen beinhalten und erfüllen?
  • Woran würde wer erkennen, dass eine gute Lösung gefunden wurde?
  • Wer profitiert auf welche Weise von einer guten Lösung?
  • Wer würde somit eine gute Lösung mittragen und realisieren wollen?
  • Für wen würde Sie dagegen Nachteile bescheren? Welche Nachteile wären dies?
  • Wer würde somit eher die Lösung boykottieren? Wie könnte dies demjenigen gelingen?
 

Schritt 4: Die Nachteile einer guten Lösung minimieren

Werfen Sie jetzt erneut Ihren Blick auf die Gruppe (bzw. Personen), die das Problem lieber behalten wollen – da es für diese Vorteile beschert. Überlegen Sie in Ruhe, wie Sie diese Personen dennoch für die gute Lösung begeistern können. Dafür heisst es, Bedürfnisse neu zu gestalten.

Die Nachteile minimieren…

Fragen Sie sich:

 

 
  • Welches Bedürfnis erfüllt das Problem bei wem?
  • Was fällt somit für denjenigen durch die gute Lösung weg?
  • Welche subjektiv empfundenen Nachteile entstehen wohl für ihn?
  • Wie kann derjenige damit umgehen?
  • Wie kann ein Ausgleich gefunden werden?
  • Wie kann das eigentliche Bedürfnis auf andere Weise erfüllt werden?
  • Was gewinnt derjenige stattdessen durch die gute Lösung?
  • Wie können diese Vorteile gestärkt werden?
 

Schritt 5: Das Problem bewältigen – die Lösungsstrategie

Die 360°-Strategie hat das Problem in seiner Komplexität erarbeitet. Zweifelsfrei gab es bei dem einen oder anderen Schritt erste Lösungsansätze. Markieren Sie diese in Ihren Antworten. Nutzen Sie diese jetzt als Sprungbrett, um das Problem ganzheitlich zu bewältigen.

Die Lösungsstrategie…

Fragen Sie sich:

 

 
  • Wie sieht eine gute Lösung aus?
  • Was ändert sich auf welche Weise an der Zusammenarbeit?
  • Wie werden „Skeptiker“ mit eingebunden?
  • Wer tut wann was?
  • Wer unterlässt wann was?
  • Welche Kriterien beinhaltet die gute Lösung?
  • Wer kontrolliert wie wann was, damit die gute Lösung auch greift?
  • Welche Vereinbarung wird für die gute Lösung mit dem Team getroffen?
 

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