02.11.2020

U-Kurven-Strategie: Für mehr Leistung und weniger Stress

Steigern Sie Ihre Leistung, ohne in Stress zu geraten. Beachten Sie dafür die umgekehrte U-Kurven-Strategie. Bleiben Sie so im Arbeits-Flow.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

U-Kurven-Strategie

Ihre Leistung unterliegt Schwankungen

Jeder (Arbeits-)Tag stellt Sie vor Herausforderungen. Sie meistern Deadlines. Sie widmen sich neuen Projekten. Sie nehmen an Meetings teil. Sie bleiben ruhig bei nervigen Kunden. Sie konzentrieren sich auf Ihre Aufgaben – trotz störender Kollegen oder dem Klingeln des Telefons. Sie sind einfach im Flow. Wunderbar.

Nur – und dies kennen Sie zu gut – der Flow hält nicht an. Der Druck nimmt zu. Ihr Stresslevel steigt an. Ihre Leistung sinkt. Dafür gibt es in der Regel zwei typische Ursachen:

  1. Überforderung, weil Sie vielleicht zu viele Aufgaben erledigen müssen. Vielleicht haben Sie auch eine Aufgabe erhalten, die Sie an die Grenzen Ihrer Fähigkeiten führt. Vielleicht wurden Vorgaben und somit Prioritäten geändert. Vielleicht stellen Sie auch zu hohe Anforderung an sich selbst.
  2. Unterforderung, weil Sie vielleicht Aufgaben bearbeiten, die Sie wenig fordern. Vielleicht sind Sie zu stark in Routineaufgaben gefangen. Vielleicht sehen Sie keinen Sinn in Ihrem Tun. Vielleicht werden Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen kaum angezapft. Auch eine Unterforderung erzeugt Druck und Stress – bekannt auch als Boreout.

Oft genug pendeln Sie täglich zwischen diesen beiden Polen. Allerdings können Sie etwas dafür tun, um Ihren eigenen Flow zu erhalten. Achten Sie auf Ihre Leistungsfähigkeit und das Aktivationsniveau der Arbeit. Oder anders ausgedrückt: Sensibilisieren Sie sich für die umgekehrte U-Kurven-Strategie.

 

Die umgekehrte U-Kurven-Strategie oder das Yerkes-Dodson-Gesetz

Entdecker

Die umgekehrte U-Kurven-Strategie wurde von den Psychologen Robert Yerkes und John Dodson im Jahre 1908 erfunden – und hat auch heute noch Gültigkeit.

Inhalt

Die Strategie zeigt die Beziehung zwischen Leistung(-sniveau) und dem Erregungszustand bzw. Motivationsniveau auf. Bei niedriger Motivation entsteht eine Unterforderung, die die Leistung entsprechend beeinflusst. Umgekehrt wirkt sich ein zu grosser Druck auch negativ auf die Leistung aus. Flow entsteht, wenn das Niveau der Erregung oder Motivation in guter Relation zu der Arbeit steht, die ausgeführt werden soll.

Die umgekehrte U-Kurve

Stellen Sie den Buchstaben U auf dem Kopf stehend vor. Am linken Ende der umgekehrten U-Kurve leiden Sie unter Unterforderung. Auf der rechten Seite dagegen an Überforderung. Befinden Sie sich dagegen in der Mitte, befinden Sie sich im Flow.

Die umgekehrte U-Kurven-Strategie im Einsatz: 3 Tipps

Mehr Zufriedenheit bei der Arbeit ist möglich. Ein kontinuierlicher Flow auch. Sensibilisieren Sie sich mit Hilfe der umgekehrten U-Kurven-Strategie für Ihre Beziehung zwischen Druck und Leistungsniveau. Denn Sie können auf Ihre Performance Einfluss nehmen – und so ganz nebenbei Ihren Stress verringern.

Tipp 1: Den Flow im Blick  

Lassen Sie einmal den letzten Arbeitstag oder die letzte Arbeitswoche vor Ihrem inneren Auge Revue passieren. Fokussieren Sie dabei die Momente, sicherlich einige Stunden, in denen Sie im Flow waren. Spüren Sie einmal diesem Erleben nach:

  • Wie fühlt sich ein Arbeits-Flow für Sie an?
  • Wie ist es Ihnen gelungen in den Flow zu kommen?
  • Was haben Sie dafür getan bzw. unterlassen?
  • Was denken Sie in solchen Momenten?
  • Mit welchen Aufgaben waren Sie beschäftigt?
  • In welcher Weise hat Sie diese Aufgabe positiv gefordert?
  • Wie ist es Ihnen gelungen, sich für diese Aufgabe zu motivieren und zu begeistern?
  • Welche Fähigkeiten und persönlichen Kompetenzen haben Sie für die Bewältigung der Aufgabe aktiviert?
  • Welchen positiven Kick haben Sie erlebt?
  • Wie lange hat der Flow angedauert?
  • Wodurch wurde er unterbrochen?
  • Zu welcher Tageszeit haben Sie diese Aufgabe erledigt? Welchen Rückschluss ziehen Sie daraus auf Ihren Biorhythmus?
  • Welche äusseren Rahmenbedingungen stärken Ihren Flow?

Tipp 2: Der Unterforderung und Überforderung auf der Spur

Widmen Sie sich den beiden äusseren Polen der umgekehrten U-Kurve. Sie werden zweifelsfrei Phasen haben, in denen Sie sich unter- oder überfordert fühlen. Fokussieren Sie solche Momente der vergangenen Tage. Analysieren Sie das Geschehen.

  • Wann haben Sie sich unter- oder überfordert gefühlt?
  • Welche Aufgabe haben Sie zu diesem Zeitpunkt bearbeitet?
  • Wie hat sich die Unter- bzw. Überforderung gezeigt?
  • Was haben Sie gedacht?
  • Welche Gefühle sind aufgepoppt? Frust? Unzulänglichkeit? Wut? Verärgerung? Unsicherheit? Selbstzweifel?
  • Wie haben Sie körperlich reagiert? Müdigkeit? Anspannung? Schmerzen?
  • Welche Signale zeigen Ihnen, dass eine Aufgabe Sie unter- bzw. überfordert? Welche typischen Anzeichen gibt es dafür?
  • Was schätzen Sie, wie viele Aufgaben pro Woche erledigen Sie, die Sie unter- bzw. überfordern?
  • Wie steht dies zum Verhältnis der Aufgaben, die Ihnen einen Flow bescheren?
  • In welche Richtung schlägt momentan der Pendel (eventuell) besonders stark aus?

Tipp 3: Den Flow steuern lernen

Akzeptieren Sie Ihren aktuellen Ist-Zustand – und gestatten Sie sich das Morgen zu fokussieren. Das Morgen mag Ihr nächster Arbeitstag sein. Vielleicht auch die gesamte kommende Arbeitswoche. Vielleicht das nächste halbe Jahr. Oder vielleicht auch ein gesamtes Jahr. Dank Ihrer Antworten haben Sie jetzt ein Gespür dafür entwickelt, was Sie

  • unterfordert.
  • überfordert.
  • im Flow bringt und hält.

Nutzen Sie diese Erkenntnisse für die Planung Ihrer kommenden Arbeitstage und Aufgaben.

  • Welche Aufgaben stehen in der kommenden Zeit an?
  • In welche Kategorie stufen Sie diese ein? Unterforderung? Überforderung? Flow-Stärkend?
  • Wie wollen Sie Ihren Arbeitstag planen, damit die Unter- bzw. Überforderung keinen zu grossen zeitlichen Raum einnehmen?
  • Welche Stunden nutzen Sie für Ihre Flow-Aufgaben?
  • Welche Stunden nutzen Sie für Aufgaben, die unter- bzw. überfordern?
  • Wie können Sie gut mit Aufgaben, die unterfordern, umgehen? In kleinste Zeiteinheiten einteilen? In zeitliche Phasen legen, in denen Sie müde und unkonzentriert sind?
  • Wie können Sie gut mit Aufgaben, die überfordern, umgehen? Können Sie diese aufsplitten in Arbeitsschritte, die Sie definitiv alleine erledigen können? Sich Unterstützung holen für Zwischenschritte, mit denen Sie wenig oder gar nicht vertraut sind?
  • Wie können Sie Ihren Flow stärken?
  • Wie können Sie sich auf Ihren Flow mental vorbereiten?
  • Wie kann es Ihnen gelingen, den Flow so lange als möglich in sich nachwirken zu lassen? Mit welchem inneren Monolog werden Sie die Flow-Einheit abschliessen? Auf welche Weise wollen und können Sie sich an diesen Flow erinnern, um den Fokus auf Ihre Leistung und Motivation zu lenken (statt auf Unter- bzw. Überforderung)?
  • Welche mittel- und langfristigen Zielvereinbarungen wollen und können Sie mit Ihrem Vorgesetzten treffen, um einen stetigen Flow in Ihren Arbeitsalltag zu etablieren?
  • Welche Aufgaben, die Sie unterfordern, können Sie abgeben?
  • Welche neuen Aufgaben übernehmen, ohne zu stark in eine Überforderung zu rutschen?

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