09.07.2019

Versagensängste: 3 Tipps um Zweifel positiv für eigene Ziele zu nutzen

Statt die Versagensängste wegzuschieben, nutzen Sie sie aktiv für Ihre Zielrealisierung. Denn jede Versagensangst bietet Ihnen viele Tipps für Ihr Ziel.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Versagensängste

Bloss keine Zweifel hegen

Jeder kennt sie. Jeder hat sie schon oft genug erlebt: Die (Selbst-)Zweifel und Versagensängste, die das eigene Tun und die eigenen Ziele sabotieren. Denn jeder Zweifel lähmt. Jede Versagensangst, die auftritt, zeichnet erst einmal ein negatives Zukunftsbild. So ist es kaum verwunderlich, dass Ziele lieber verschoben werden, im schlimmsten Falle sogar ganz aufgegeben werden.

So ist aber auch kaum verwunderlich, dass Ängste und Zweifel, die auftreten, schnell beiseitegeschoben werden. Ein innerer Monolog wie „Jetzt bloss keine Zweifel hegen und so eine Schwäche zeigen. Meine Angst ist völlig unbegründet“ ist ein Versuch, mit den eigenen Bedenken umzugehen. Die Skepsis wird erkannt, aber nicht angenommen. Vielleicht, weil sich hinter der Versagensangst eine weitere Angst verbirgt? Die Angst „Wenn ich mich darauf einlasse, dann verliere ich mein Ziel aus den Augen.“

Unbedingt die Zweifel hegen – aber nicht pflegen

In manchen Fällen mag die oben beschriebene Strategie der Angstbewältigung funktionieren. Die Ängste verstummen. Leider klappt dies aber nicht immer. Dann kehren die Bedenken, Zweifel und Befürchtungen zurück – oft mit geballter Power, um sich „endlich bei Ihnen bemerkbar zu machen“. In solchen Momenten sind Sie dann überwältigt von Ihren Selbstzweifeln und Versagensängsten.

Doch sowohl in solchen Momenten – und auch schon beim ersten Auftreten eines (Selbst-)Zweifels – gibt es eine Strategie, die Sie anwenden können. Die Strategie der Annahme. Nehmen Sie Ihre Ängste und Zweifel wahr. Nehmen Sie Ihre Ängste an. Nehmen Sie sie ernst. Denn, oftmals wollen Ihnen Ihre Ängste und Zweifel wichtiges mitteilen. Deshalb lohnt es sich, sich mit ihnen zu beschäftigen. Also hegen Sie Zweifel, pflegen Sie sie aber nicht, d.h. filtern Sie die Tipps aus Ihren Zweifeln und lassen Sie sie dann los.

Sie sind mehr als Ihre Versagensängste

Als in den 1970ziger Jahre der Psychologe Hal Stone die Voice-Dialogue-Method (innerer Stimmendialog) entwickelte, bescherte er uns allen eine neue Sichtweise auf das eigene Innenleben. Während es bis dahin üblich war, von drei inneren Anteilen zu reden: Eltern-Ich, Kind-Ich und Erwachsener, eröffnete Stone uns dagegen durch seine Voice-Dialogue-Method ein Spektrum an inneren Anteilen –beispielsweise der Anteil, der wütend ist, der innere Kritiker, die Seite, die Angst hat, die Seite, die keine Lust hat usw. All diesen Anteilen wurde eine „Stimme“ verliehen und als eigenständiger Anteil der Gesamtheit „Ich“ anerkannt.

In der Zwischenzeit ist diese Ansicht weit verbreitet: Ob in der Psychologie oder der Philosophie. Durch diese Verbreitung haben sich immer mehr Möglichkeiten eröffnet, um einen neuen Zugang – beispielsweise - zu der eigenen Angst zu erhalten.

Bevor Sie starten, schaffen Sie eine stärkende Distanz

Verankern Sie diese psychologische Sichtweise: Sie sind mehr als Ihre Angst. Sie sind beispielsweise auch Ihre Wut oder Ihre Kreativität oder Ihr innerer Kritiker oder Ihr innerer Fair-Player. All diese Anteile stecken in Ihnen. Auch und gerade in Momenten, in denen Ihre Zweifel und Ihre damit verbundenen Ängste stark auftreten – also Ihre Angst in den Vordergrund tritt.

Durch diese Verankerung gelingt es sich aus der Angst zu lösen, ohne die Angst zu ignorieren. Sie gestatten sich einen notwendigen Abstand zu schaffen. Denn oft wühlen ja Emotionen wie Ängste oder Zweifel auf.

So gehen Sie vor:

  • Innere Anteile aufspüren. Falls Sie mit dieser Sichtweise noch ein wenig unvertraut sind, lohnt es sich, sich einmal mit den inneren Anteilen vertrauter zu machen. Sie kennen sie – alle mehr oder weniger. Denn Sie erleben ja täglich, wie unterschiedliche Anteile auftreten: Wut, Frust, Begeisterung, Freude usw. Achten Sie einmal auf diesen Wechsel. Entdecken Sie, „wer“ alles in Ihnen steckt.
  • Angst würdigen. Sobald Ihre Versagensangst auftritt, wenden Sie sich an sie „Danke, Angst, dass du gerade aktiv bist.“
  • Erinnerung anderer Anteile. Sind Ihre Zweifel stark, lehnen Sie sich mental zurück. „Okay, meine Zweifel sind gerade sehr stark. Doch, ich weiss, ich bin auch mutig. Ich habe so auch einen starken Pionier in mir.“

Zweifel und Ängste für Ihre Ziele nutzen: 3 Tipps

Fokussieren Sie Ihr Ziel. Wenden Sie sich dann vertrauensvoll Ihren Zweifeln und/oder Versagensängsten zu. Entdecken Sie mit den folgenden Tipps, auf welche Weise Ihnen Ihre Ängste bei der Zielerreichung nützlich sein könnten.

Tipp 1: Die Angst sprechen lassen

Wenden Sie sich Ihrer Angst zu. Ihre Angst will Ihnen etwas mitteilen. Geben Sie sich selbst die Chance, diese oftmals wichtigen Informationen zu hören – wie beispielsweise

  • „Das schaffe ich nicht. Dafür ist die Zeit zu kurz. Und ich habe so eine Auswertung erst einmal erstellt. Was ist, wenn ich jetzt Fehler mache?“
  • „Ich mache mich mit dieser Argumentationskette lächerlich. Jeder wird merken, dass ich keine Ahnung habe.“

Manches Mal mag dies schwerfallen. Denn die Angst zu spüren und zu ertragen, fordert nicht allein Kraft, sondern auch Mut. Beides haben Sie. Und oft werden Sie feststellen, indem Sie Ihre Angst sprechen lassen, „kehrt innere Ruhe“ ein – Sie werden wieder ruhiger.

So gehen Sie vor:

  • Aufschreiben. Notieren Sie, was Ihnen Ihre Angst mitteilen will. Schreiben Sie alles auf, ohne sich bzw. Ihre Angst zu zensieren. Stoppen Sie erst, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Angst hat Ihnen alles mitgeteilt.
  • Angst aufstellen –Stuhlarbeit. Stellen Sie zwei Stühle so auf, dass diese sich gegenüber stehen. Auf dem einen Stuhl sitzt Ihre Angst, auf dem gegenüberliegenden Stuhl Ihr erwachsenes Ich. Beginnen Sie, indem Sie sich auf den Stuhl des erwachsenen Ichs setzen „Du hast dich zu Wort gemeldet. Was willst du mir mitteilen?“ Wechseln Sie dann auf den Stuhl, auf dem die Angst sitzt und lassen Sie die Angst sprechen. Sie können so oft zwischen den beiden Stühlen wechseln, wie es notwendig ist. Beenden Sie stets Ihr „Gespräch“ auf dem Stuhl des Erwachsenen. „Danke für deine Informationen.“

Tipp 2: Informationen auswerten und nutzen

Stellen Sie sich vor, ein Freund würde Ihnen gegenüber solche Versagensängsten und Zweifel äussern. Sie würden sich die Zeit nehmen, seine Aussage zu klären und zu hinterfragen. Ihre Angst ist Ihr Freund. Werten Sie deshalb in Ruhe die Informationen Ihrer Angst aus – beispielsweise

  • „Das schaffe nicht. Dafür ist die Zeit zu kurz. Und ich habe so eine Auswertung erst einmal erstellt. Was ist, wenn ich jetzt Fehler mache?“ Erkenntnisse: „Die Zeit ist zwar kurz, aber realistisch. Mir fehlt hier die Routine. Ich habe es erst einmal gemacht, deshalb kommen mir jetzt die Zweifel. Am besten notiere ich mir die einzelnen Arbeitsschritte und frage nach, ob Mark zum Schluss drüber schaut.“
  • „Ich mache mich mit dieser Argumentationskette lächerlich. Jeder wird merken, dass ich keine Ahnung habe.“ Erkenntnisse: „Ich habe mich gut in die Materie eingearbeitet. Das Ziel der Präsentation ist mit meinem Vorgesetzten abgesprochen. Die Argumente sollen provozieren. Sollte ich mich lächerlich machen, mache ich mich nicht als Person lächerlich. Ausserdem kann ich mir in Ruhe überlegen: Wie könnte ich damit umgehen, damit ich mich nicht schäme? Wie könnte ich solch eine Reaktion positiv nutzen – und es nicht auf mich beziehen?“

Bedenken Sie: Bei solch einer Auswertung werden Sie meist schnell in einen anderen „vernünftigeren“ Anteil schlüpfen. Gratulation! Sie haben sich und Ihrer Angst Mut zugesprochen. Dennoch achten Sie darauf, Hinweise – beispielsweise „sich lächerlich zu machen“ – unbedingt lösungsorientiert zu betrachten. Überlegen Sie sich, wie Sie sich bei solch potenziellen „Risiken“ verhalten könnten und/oder damit umgehen könnten.

So gehen Sie vor:

  • Das Schutz-Bedürfnis erkennen. Entdecken Sie, wovor Ihre Angst Sie schützen will. Überlegen Sie sich, wie Sie dieses Schutz-Bedürfnis in Ihre Zielrealisierung einbauen können. Welche Zwischenschritte gibt es einzuplanen?
  • Stuhlarbeit - in Verhandlungen treten. Treten Sie erneut durch die Stuhlarbeit in eine Kommunikation mit Ihrer Angst. Klären Sie, was sich Ihre Angst von Ihnen wünscht. Fragen Sie nach „Was brauchst du jetzt, um dich sicher zu fühlen? Worauf soll ich achten?“ Sprechen Sie sich ab. Teilen Sie mit, was Sie der Angst anbieten wollen und können. Manches Mal können es konkrete Massnahmen sein. Manches Mal auch nur die Zusicherung „Darauf zu achten, dass meine Argumente richtig verstanden werden.“

Tipp 3: Die Angst über die Realisierungsschritte schauen lassen

Ihre Angst meldet sich bei Ihnen. Dies ist die übliche, bisherige Interaktion. Binden Sie ab heute Ihre Angst einmal aktiv bei Ihren Zielen mit ein. Bitten Sie Ihren „Angst-Anteil“ einmal in Ruhe Ihr Ziel und geplanten Realisierungsschritten zu begutachten. Das hat den Vorteil, dass Sie von Ihrer Angst nicht überrascht, gar überrumpelt werden, weil sich Ihr „Angst-Anteil“ von Anfang an einbezogen fühlt.

So gehen Sie vor:

  • Realisierungsschritte auflisten. Notieren Sie Ihr Ziel und jeden Schritt, den Sie zur Realisierung unternehmen möchten. Vermerken Sie auch, welche Ressourcen, Fähigkeiten und Kompetenzen Sie für den jeweiligen Schritt anzapfen und einsetzen wollen.

Angst begutachten lassen. Betrachten Sie jetzt die einzelnen Schritte oder Ressourcen durch die Augen Ihrer Angst. Fragen Sie sich: Was könnte dabei schief gehen? Womit könnten Sie sich lächerlich machen? Welche Zweifel entstehen? Was löst Panik aus? Welche Sorgen poppen auf? Was könnte nicht gelingen? Notieren Sie sich die „Angst-Antworten“. Werten Sie anschliessend, wie unter Tipp 2 beschrieben, die erhaltenen Informationen aus.

Produkt-Empfehlungen

  • Leadership & Persönlichkeit

    Leadership & Persönlichkeit

    Praxisorientierte Arbeitshilfen für jede Führungssituation.

    ab CHF 98.00

  • Führung kompakt

    Führung kompakt

    Der Impuls-Letter für die wirkungsvolle Führungskraft in gedruckter Form.

    Mehr Infos

  • Die Führungs-Toolbox

    Die Führungs-Toolbox

    Wirksame Arbeitshilfen für Führungskräfte.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Persönlichkeitstraining: Das Selbstmanagement-Tool

    Dank Selbstreflexion eigene Ressourcen besser nutzen

    Nächster Termin: 03. Oktober 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Persönlichkeitstraining: Gelassenheit stärken

    Handlungsfähig und präsent sein in schwierigen Situationen

    Nächster Termin: 05. November 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Mental stark dank Techniken aus dem Spitzensport

    Leistungspotenziale gezielt abrufen im Beruf und Alltag

    Nächster Termin: 14. November 2019

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos