27.04.2021

Zeitmangel: 1440 Minuten pro Tag – und dennoch keine Zeit

Sich gehetzt fühlen, ausser Atem zu sein und ständig in Eile. Kaum jemand, der nicht über Zeitmangel klagt. Und dies obwohl wir heutzutage paradoxerweise über mehr Zeit verfügen als Menschen in der Vergangenheit. Arbeitstage von zwölf Stunden sind für den Durchschnittsangestellten längst passé. Auch die 45-Stunden-Arbeitswoche, in der ebenfalls samstags gearbeitet wurde, gehört der nicht zu fernen Geschichte an. Jeder Haushalt verfügt heutzutage über elektronische Helfer, die alles erleichtern, Arbeit abnehmen und so "Zeit schenken". Auch das Auto als mobiler Fahruntersatz ermöglicht es jedem Einzelnen von uns, schnell an den gewünschten Orten anzukommen, statt zu Fuss, per Pferd oder Kutsche wie in früheren Zeiten den Weg zurückzulegen und dafür viel Zeit aufzuwenden. Nicht zu vergessen: Wir leben länger. Wir werden alle älter. Uns stehen mehr Lebensjahre zur Verfügung – und somit Zeit.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Zeitmangel

Es liegt nicht an Ihnen, es liegt am Tag, der einfach zu kurz ist

Ein Tag könnte nicht lang genug sein. Wie oft haben Sie sich schon gewünscht: "Ach, hätte der Tag doch 25 oder noch besser 30 Stunden. Dann, ja dann, könnte ich alles erledigen …" Stattdessen müssen Sie aber mit 24 Stunden – und somit 1440 Minuten – auskommen. Kein Wunder, dass Sie keine Zeit haben. Es liegt nicht an Ihnen, es liegt am Tag, der einfach zu kurz ist, so die Überzeugung.

Solche "frommen Wünsche" nach einem längeren Tag hat jeder. Nur zu verständlich. Denn tagtäglich wird Ihre Zeit gefordert von

  • Ihrem vollen Terminkalender,
  • Aufgaben und Projekten,
  • Kunden, die anrufen,
  • Meetings und Gesprächen
  • und von Freizeitangeboten und -aktivitäten, denen Sie nachgehen möchten.

Deshalb ist die Sehnsucht nach einem "Mehr an Zeit" einleuchtend. Doch diese Sehnsucht verleitet dazu, Strategien zu verfolgen, die versprechen, "Zeit zu gewinnen" oder "Zeit zu sparen".

Dabei wird jedoch ausser Acht gelassen: Der Tag als zeitliche Einheit ist kein flexibles System, d. h. Ihnen stehen jeden Tag 1440 Minuten zur Verfügung – nicht weniger, nicht mehr. Sie können weder Zeit gewinnen, noch Zeit sparen und diese dann einem "Zeitkonto" gutschreiben, um diese Minuten (oder Stunden) dann anschliessend wieder von Ihrem "Zeitkonto" abrufen zu können. Schliesslich können Sie kaum Ihre eingesparten Minuten bei der Arbeit mit nach Hause nehmen (ausser in ihrem Unternehmen wird ein Jahresarbeitszeitkonto geführt, dann könnten Sie tatsächlich früher Feierabend machen), sondern die Minuten, die Sie während Ihrer Arbeitszeit "eingespart" haben, müssen Sie auch am gleichen Tag für Ihren Beruf und Ihre Arbeit aufwenden.

Sich dieser Tatsache zu stellen – und sie zu verinnerlichen – lenkt den Fokus (fast) automatisch auf eine andere Richtung in Ihrem Zeitmanagement: Es geht verstärkt darum, Ihre Zeit pro Tag so zu nutzen, zu planen und einzuteilen, dass Sie mit dem zeitlichen und inhaltlichen Ergebnis zufrieden sind. Deshalb rücken zwei Aspekte in den Vordergrund:

  1. Eine zeitliche Effizienz durch Optimierung zu erzielen: Ein Aspekt und ein Ziel, dass Sie höchstwahrscheinlich anstreben.
  2. Die "gewonnene" Zeit für sich sinnvoll zu nutzen: Ein Aspekt, der meist noch zu wenig Beachtung findet.

Beide Aspekte gehören jedoch zusammen. Denn beide Aspekte unterstützen Sie dabei, eine Veränderung in Ihrem Zeitempfinden zu bewirken – und dies führt zu einem gefühlten "Mehr an Zeit".

Zeitliche Effizienz sinnorientiert fokussieren

Viele Methoden des Zeitmanagements lenken die Aufmerksamkeit ausschliesslich auf die Erhöhung der eigenen zeitlichen Effizienz. Zwar lassen sich damit scheinbare Zeitersparnisse erzielen, doch ähnlich wie bei Diäten stellt sich ein Jojo-Effekt ein: Sie werden nach einer Weile weiterhin das Gefühl haben, "keine Zeit zu haben", und so letztendlich versuchen, noch effizienter zu werden, um noch mehr Zeit einzusparen.

Koppeln Sie dagegen Ihr Ziel einer verbesserten zeitlichen Effizienz mit dem Sinn Ihrer "Zeitersparnis", beschäftigen Sie sich nicht länger allein mit der Optimierung Ihrer Arbeitsabläufe, Termine, Meetings und Co, sondern auch mit entscheidenden Fragen, die Ihre wahren Bedürfnisse beleuchten:

  • Wofür möchten Sie Zeit gewinnen oder Zeit sparen (um die vertraute Sichtweise aufzugreifen)? Wofür wollen Sie zeitlich effizienter werden?
  • Wozu würden Sie die gewonnenen Minuten (oder Stunden) denn am Tag nutzen wollen? Welches Ziel wollen Sie damit realisieren?
  • Haben Sie einen Plan, mit was Sie den zeitlichen Frei-Raum denn für sich sinnvoll füllen möchten?

Ihre Antworten offenbaren "plötzlich" tieferliegende Bedürfnisse als nur "ein Mehr an Zeit". Vielleicht wollen Sie in Ruhe eine Aufgabe bearbeiten. Vielleicht wollen Sie weniger Stress bei der Arbeit empfinden. Vielleicht wollen Sie Zeit gewinnen, um Visionen zu verfolgen. Sie sehen, dass Ihr Wunsch "mehr Zeit" stets an konkrete Bedürfnisse gekoppelt ist.

Ihre Antworten ermöglichen es Ihnen auf diese Weise, für Sie wichtige und entscheidende Prioritäten zu setzen – zeitliche und inhaltliche, denn beides gehört zusammen. Sobald Sie beginnen, Ihrer Zeit durch eine für Sie richtige Priorisierung Sinn zu geben, wird das Gefühl des Zeitmangels, das Sie bisher oftmals beherrscht, nachlassen. Dies ist ein wesentlicher Schritt, den Sie im Laufe des Dossiers trainieren. Um den Zeitmangel jedoch nachhaltig in eine Zeitfülle zu wandeln, sollten Sie sich mit den tieferliegenden Ursachen für Ihr Gefühl des Zeitmangels befassen. Denn bisher prägt Sie ein bestimmtes "Zeit-Bild", das Ihr Denken, Verhalten und Fühlen beeinflusst.

Vom Zeitmangel – und seinen Ursachen

Zeitknappheit, gar Zeitnot ist eine individuelle Realität, d. h. Ihre Zeitnot ähnelt in keiner Weise dem Zeitmangel Ihres Kollegen oder Ihres Freundes. Wollen Sie also ein "Mehr an Zeit" für sich realisieren, ist es sinnvoll, einmal den eigenen Zeitmangel zu hinterfragen, um all die Ursachen, die für diesen verantwortlich sind, zu erkennen und entsprechende Lösungen ableiten zu können, die den Zeitmangel in eine Zeitfülle wandeln können.

Für Ihren Zeitmangel gibt es ausreichend Gründe, als auch Anreize, die diesen am Leben halten. Die wichtigsten drei Ursachen sind:

  1. Äussere Faktoren: Schnell und mühelos werden Sie die typischsten Triebfedern für Ihren Zeitmangel benennen können: Die vielen Termine und Aufgaben, der Personalmangel in der Abteilung, schwierige Kunden, Meetings, die sich in die Länge ziehen, die Bedürfnisse Ihrer Familie, eigene Hobbies und ehrenamtliche Betätigungen, als auch die vielen Freizeitangebote – alles äussere Faktoren, die Ihre Zeit fordern und zu einem Zeitmangel beitragen können, wenn Sie nicht die für Sie richtigen Prioritäten setzen.
  2. Ihr individuelles Zeit-Erleben: Aufgrund der Fülle der Aufgaben und Aktivitäten – eine schier unendliche Fülle – erfahren Sie den Tag mit seinen 1440 Minuten als zeitliche Begrenzung, die sich negativ auf Ihr Zeit-Erleben auswirkt. Sie empfinden die zeitliche Begrenzung als Einschränkung und Einengung. Denn Ihr Wunsch, alles erledigen und erleben zu können, was an äusseren Faktoren an Sie herangetragen wird, scheitert. So hat sich im Laufe der Jahre ein restriktives Zeit-Erleben entwickelt, das mit eine Ursache für Ihren mentalen Zeitmangel ist.
  3. Persönliche Zeitdiebe: Zeitfallen lauern überall. Ob es liebgewonnene Gewohnheiten sind, wie erst die E-Mails zu checken, nach der Mittagspause ein längeres Schwätzchen mit den Kollegen zu halten oder ein wenig effizienter Arbeitsablauf, schnell werden auf diese Weise Minuten geopfert – und ein Zeitdieb hat wieder zugeschlagen.

Äussere Faktoren – Ihr Umgang entscheidet

Die Verantwortung für den Zeitmangel jedoch allein den äusseren Faktoren zuzuschreiben, wird Sie in eine prekäre Lage bringen. Denn Sie gelangen auf diese Weise in eine Opferrolle, in der Sie sich den vielen äusseren Verpflichtungen und Reizen ausgeliefert fühlen. Sie haben auf diese Weise kaum Einfluss auf Ihre Zeit, da Sie nur noch zu reagieren scheinen.

Holen Sie sich deshalb Ihre Macht über Ihre Zeit zurück. Dies gelingt in drei Schritten:

  1. Akzeptanz: Akzeptieren Sie die Fülle, der Sie sich heute ausgesetzt sehen. Ob es Aufgaben, Termine oder Freizeitangebote sind, nie zuvor gab es mehr zu erledigen als heute. Akzeptieren Sie aber auch, dass Sie 1440 Minuten pro Tag zur Verfügung haben – dies ist eine Fülle an Zeit, wenn Sie sie gut für sich nutzen.
  2. Irrglaube loslassen: Verabschieden Sie sich von der Erwartung und dem Wunsch, alles erleben, tun und erledigen zu können. Dies können Sie nicht. Die Fülle ist einfach zu gross, als dass Sie diese wirklich komplett ausschöpfen könnten. Verabschieden Sie sich auch von dem Druck, den Sie vielleicht unbewusst auf sich ausüben, doch alles erledigen zu müssen.
  3. Entscheidungen treffen: Wählen Sie aus. Setzen Sie Prioritäten. Fragen Sie sich stets: "Was ist für Sie wichtig und wesentlich?" Konzentrieren Sie sich auf diese Aktivitäten und Aufgaben – und Sie werden die Fülle erleben, inhaltlich als auch zeitlich.

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