06.03.2019

Elektrosmog am Arbeitsplatz: Was Arbeitgeber und -nehmer wissen sollten

Jeder Arbeitsplatz unterliegt heute einer Vielzahl grösserer und kleinerer Gefahren. Oft unterschätzt wird dabei Elektrosmog. Dabei ist gerade er stark verbreitet und wird es auch in Zukunft noch viel stärker sein. Es ist daher im Sinne aller Beteiligten, sich nicht nur über dieses Thema zu informieren, sondern auch entsprechende Massnahmen zu ergreifen.

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Elektrosmog am Arbeitsplatz

Nichtionisierende Strahlung. Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich etwas, das jeden betrifft. Es ist die Summe dessen, was Magnetismus erzeugt. Und das ist beileibe nicht nur ein Problem einiger weniger Branchen, sondern tatsächlich jedes Büroarbeitsplatzes. Denn Elektrosmog ist weder harmlos, noch kann er ignoriert werden. Auf den folgenden Zeilen finden Entscheider und Angestellte deshalb einen Informationsleitfaden, um das Risiko zu erkennen und sich davor schützen zu können.

Bild: fotolia, ©Lund, #170017456  

1. Was ist Elektrosmog?

Um diese Frage zu beantworten, ist es unabdingbar, in die Physik einzutauchen: Überall, wo Strom fliesst, ferner auch dort, wo Funkwellen vorhanden sind, entstehen elektrische/magnetische Felder.

Dabei gilt der Grundsatz, je stärker die Leistung, desto stärker auch das erzeugte Feld. Die Gesamtheit dieser Felder wird als nichtionisierende Strahlung oder umgangssprachlich Elektrosmog bezeichnet.

2. Warum ist Elektrosmog am Arbeitsplatz ein Problem?

Weil Elektrosmog umso grossflächiger vorhanden ist, je mehr Quellen es dafür gibt. Schon in einem normalgrossen Büro befinden sich:

  • Mehrere Computer
  • Telefone
  • Bildschirme
  • Kabelgebundene und Drahtlosnetzwerke
  • Hilfsgeräte (Drucker, Kopierer u.dgl.)
  • Stromleitungen
  • Mikrowellen- und normale Herde

All das sind Emittenten elektromagnetischer Wellen. Hinzu kommen oft noch Einflüsse von aussen, etwa Hochspannungsleitungen, Handynetze, Radare zur Flug- oder Wetterüberwachung.

Das Institut für biologische Elektrotechnik Schweiz (IBES) unterscheidet zwei Arten von Feldern, die dabei entstehen:

  1. Niederfrequente Felder, die vor allem durch Stromleitungen jeglicher Art entstehen und maximal im unteren Kiloherz-Bereich angesiedelt sind
  2. Hochfrequente Felder durch Funk- und weitere Datensignale oberhalb von hundert Kilohertz bis in den Gigahertz-Bereich hinein.

Das Problem am Arbeitsplatz entsteht dabei zunächst durch die Masse an unterschiedlichen Feldern. Ferner wird es darüber auch kritisch, dass verschiedenste Frequenzbereiche vorhanden sind, die sich überlagern und teilweise gegenseitig beeinflussen können.

3. Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann das haben?

Dieser Punkt befindet sich im Fokus zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen, die jedoch bislang zu keinem konkreten Ergebnis gekommen sind. Bekannt ist nur, dass Elektrosmog eine Fülle unterschiedlichster Auswirkungen nach sich ziehen kann:

  • Kopfschmerzen
  • Beeinflussung von Gehirnwellen
  • Stoffwechselprobleme
  • Tinnitus
  • Gelenkschmerzen

sind einige typische Symptome. Die Weltgesundheitsorganisation WHO vermutet zudem auch Zusammenhänge zwischen Elektromagnetismus und einigen Krebsarten, etwa Leukämie.

Das Problem scheint es jedoch zu sein, dass:

  1. an jedem Ort unterschiedliche Anzahlen und stärken von Frequenzen und Feldstärken vorhanden sind
  2. es Grund zur Annahme gibt, dass jeder Mensch unterschiedlich empfindsam für Elektrosmog ist

So gelten beispielsweise bis zu sechs Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer als elektrosensibel, werden also in besonderem Mass davon beeinträchtigt, wohingegen andere Menschen keine offensichtlichen Probleme haben.

4. Was sagt der Gesetzgeber?

Dieser Punkt ist besonders wichtig für Arbeitgeber, denn hierzulande sieht der Gesetzgeber Elektromagnetismus nicht nur generell als erwiesenes Gesundheitsproblem an, sondern hat auch eine Reihe von Gesetzen dazu erlassen, darunter beispielsweise Arbeitsplatzgrenzwerte und besondere Schutzvorschriften für werdende Mütter.

5. Wie sollte arbeitgeberseitig vorgegangen werden?

Der wohl wichtigste Schritt ist es, zunächst die für dieses Thema zuständige SUVA 1903 zu konsultieren. Sie gibt die jeweiligen Grenzwerte vor.

Allerdings kann dies nur der erste Schritt sein – denn schliesslich ist zu diesem Zeitpunkt unbekannt, in welchem Mass Elektrosmog überhaupt vorhanden ist.

Dagegen sollten nun Messungen erfolgen. Dafür gibt es frei verkäufliche Messgeräte ebenso, wie es die Möglichkeit gibt, Spezialisten damit zu beauftragen. Dabei sollte beides angestrebt werden – der Profi liefert die nötige Grund-Genauigkeit, das Vorhandensein eines Messgeräts ermöglicht, immer wieder zu kontrollieren.

Denn das ist der Vorteil: Durch die Messungen gibt es nicht nur eine klare Ja/Nein-Aussage, sondern es werden auch die Herde gezeigt.

Um deren Ausschaltung geht es im nun folgenden Schritt:

  1. Geräte, die von absoluter Notwendigkeit sind, aber keine dauerhafte menschliche Kontrolle benötigen, sollten elektromagnetisch abgekapselt werden. Falls möglich reicht es dazu bereits, sie in andere Räumlichkeiten zu verlegen
  2. Arbeitsplätze sollten so gestaltet werden, dass sie weitestgehend von Emittenten für Funkwellen entfernt sind (also bspw. kein Schreibtisch direkt neben einem WLAN-Router)
  3. Falls es in unmittelbarer Gebäudenähe Hochspannungsleitungen gibt, so ist zu prüfen, in wie weit das Gebäude selbst besser abgeschirmt werden kann
  4. Die Elektroinstallation sollte so gestaltet werden, dass möglichst keinerlei Verlängerungskabel benötigt werden. Je mehr der Grossteil der Stromversorgung in Wänden verläuft, desto besser
  5. Die Telefonanlage sollte so kabelgebunden wie möglich sein. Schnurlose Telefone sollten nur dort eingesetzt werden, wo es unverzichtbar ist
  6. Die Beleuchtungsanlage sollte auf Neonröhren verzichten. Oft kann es schon eine Verbesserung bedeuten, die Arbeitsplätze näher an Tageslichtquellen zu verlegen
  7. Es sollten nur Elektro- bzw. Funkgeräte angeschafft werden, die notwendig sind – und auch nur dann genutzt werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden

Mit diesen Massnahmen lassen sich bereits sehr gute Ergebnisse erzielen. Allerdings sollten in jedem Fall auch die Mitarbeiter einbezogen werden.

6. Wie sollte mitarbeiterseitig vorgegangen werden?

Die besten Methoden können wirkungslos sein, wenn Mitarbeiter sie nicht befolgen. Dagegen sei dringend angeraten, die Massnahmen nach bestem Wissen und Gewissen zu stützen:

  1. Es sollten nur die Geräte eingeschaltet sein, die man braucht. Ist die jeweilige Arbeit erledigt, kann und sollte abgeschaltet werden
  2. Zu Computerbildschirmen sollte maximaler Abstand gehalten werden. Mit der Taste Strg und gleichzeitigem Rollen des Mausrades kann jeder Bildschirminhalt gross genug gezoomt werden, um ihn dennoch zu erkennen
  3. Idealerweise sollte das private Smartphone zuhause bleiben. Ist das nicht möglich, sollte auf überflüssige Verbindungen (GPS, Bluetooth) verzichtet werden
  4. Auf Synthetik-Fasern in der Kleidung verzichten. Diese laden sich elektrostatisch auf
  5. Keine eigenen Elektrogeräte mitbringen. Muss (und darf) das Handy in der Firma aufgeladen werden, sollte es direkt an den USB-Anschluss des Computers angeschlossen werden, statt über ein normales Ladegerät an die Steckdose

Und dazu gehört es auch, die Gefahren durch Elektrosmog ernst zu nehmen. Der Mensch besitzt kein Sinnesorgan dafür. Das bedeutet jedoch nicht, dass man es ignorieren könnte. Es ist, wie jede Strahlung, eine ernstzunehmende Gefahr.  

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