03.07.2014

Schutzbekleidung: Persönliche Ausrüstung für das Arbeiten unter Spannung

Es existieren viele Tätigkeiten, bei denen Elektrofachkräfte an unter Spannung stehenden Teilen arbeiten. Denn oft dürfen betroffene Teile gar nicht abgeschaltet werden, oder die Fehlersuche ohne Spannung wäre um ein vielfaches aufwändiger und somit kostenintensiver. Bei diesen Arbeiten muss die Elektrofachkraft passende Schutzbekleidung tragen und sie sicher anwenden.

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Schutzbekleidung

Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten Elemente der persönlichen Schutzbekleidung vor.

Isolierender Handschutz

Als wirksamer Schutz der Hände gegen eine gefährliche Körperdurchströmung stehen isolierende Handschuhe aus Elastomeren oder Plastomeren zur Verfügung. Diese Handschuhe weisen eine dauerhafte Isolation auch bei feuchter Umgebung auf. Für Niederspannungsarbeiten stehen Handschuhe der Klasse 00 (bis 500 V Wechselspannung) und 0 (bis 1 kV Wechselspannung) zur Verfügung. Je grösser die Teile sind, und die Gefährdung durch raue und spitze Kanten zunimmt, können die etwas dickeren Handschuhe der Klasse 0, der Kategorie M oder Handschuhe für mechanische Beanspruchung eingesetzt werden. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, Schutzhandschuhe aus Leder überzuziehen, um die isolierenden Handschuhe bei sehr grober mechanischer Beanspruchung vor Beschädigung zu schützen.

Spezielle elektrische Wiederholungsprüfungen sind an isolierenden Handschuhen für den Niederspannungsbereich nicht erforderlich. Zur Prüfung genügt die Dichteprüfung durch Aufblasen vor jeder Benutzung. Isolierende Handschuhe für den Einsatz über 1 kV (Klasse 1 bis 4) bedürfen besonderer Pflege und Wartung. Die erforderlichen elektrischen Wiederholungsprüfungen sind in mit dem Hersteller abgestimmten Zeitabständen durchzuführen.

Die Trageeigenschaften lassen sich durch Baumwollunterhandschuhe wesentlich erhöhen, da sie gerade bei kürzeren Montagezeiten den Schweiss vollständig aufnehmen können.

Lederhandschuhe dürfen als isolierende Schutzausrüstung nicht eingesetzt werden, da sie nur im trockenen Zustand eine gewisse Spannungsfestigkeit erreichen. Laborversuche haben gezeigt, dass bei einwirkender Feuchte von aussen oder innen entweder unzulässig hohe Ableitströme oder sogar ein Spannungsdurchbruch auftreten kann.

Isolierender Kopfschutz

Isolierende Schutzhelme müssen der DIN EN 397 entsprechen. Dort ist eine Kennzeichnung mit „440 V~“ festgelegt. Da Helme nach dieser Norm nicht die isolierenden Anforderungen zum Arbeiten unter Spannung bis 1 kV Wechselspannung erfüllen, sollte eine zusätzliche Prüfung vom Hersteller in Anlehnung an die bereits zurückgezogene DIN 4840 durchgeführt und die Helme entsprechend gekennzeichnet werden. Mit der Veröffentlichung einer eigenen Europanorm für isolierende Schutzhelme ist zu rechnen. Diese Norm wird dann auch der von den anderen Schutzausrüstungen her bekannten Systematik bezüglich der Spannungsfestigkeit und der Kennzeichnung folgen.

Geprüfte und der Norm entsprechende isolierende Eigenschaften besitzen im Allgemeinen nur Schutzhelme aus thermoplastischen Materialien, die weitaus leichter als andere sind. Der Nachteil ist die geringere Störlichtbogenfestigkeit. Gerade in älteren NH-Verteilungen ohne teilweisen Berührungsschutz kann leicht ein Lichtbogen entstehen, deshalb sollte dort den duroplastischen Helmen der Vorzug gegeben werden. Einzelne Helmhersteller bieten aber auch thermoplastische Helme aus Spezialmischungen an, die auch grösseren Lichtbogenintensitäten standhalten können.

Für isolierende Helme sind keine Fristen für Wiederholungsprüfungen festgelegt. Soweit eine elektrische Nachprüfung erforderlich ist, muss diese entsprechend der Stückprüfung durchgeführt werden. Da thermoplastische Schutzhelme einer natürlichen Alterung unterliegen, sollten diese grundsätzlich nach spätestens fünf Jahren ausgesondert werden.

Gesichtsschutz

Der Gesichtsschutz dient in Ausnahme zu den anderen isolierenden persönlichen Schutzausrüstungen vorrangig dem Schutz gegen einen eventuell auftretenden Störlichtbogen. Die Gesichtsschutzschirme werden meist mit einem Schutzhelm kombiniert. Gesichtsschutzschirme für elektrotechnische Arbeiten sind an der Kennzeichnung „DIN 8“ zu erkennen.

Eine Schutzbrille kann einen Vollschutz des Gesichts, z.B. auch einen Schutz gegen Metallspritzer und einwirkendes Plasma, nur bedingt für den Bereich der Augen erfüllen und ist deshalb nicht zulässig. Durch praktische Versuche wurde nachgewiesen, dass auch extremen Störlichtbögen von handelsüblichen Gesichtsschutzschirmen, mit einer Dicke von 1,5 mm, standgehalten werden kann.

Gesichtsschutzschirme bedürfen keiner Wiederholungsprüfung.

Isolierender Fussschutz

Als Fussschutz stehen zurzeit nur isolierende Schuhe bzw. Stiefel zur Verfügung. Diese durften bisher als einziges metallisches Teil nur eine Zehenschutzkappe haben. Eine in Arbeit befindliche europäische Norm wird auch Stahlsohlen zulassen, jedoch werden diese bei den elektrischen Prüfungen mit einbezogen. Für den allgemeinen Gebrauch sind Schuhe mit diesem hohen mechanischen Schutz nicht erforderlich, da Arbeiten unter Spannung nur in einer Arbeitsplatzumgebung ausgeführt werden sollen, die ein sicheres Arbeiten ermöglicht. Feuchte bzw. sogar nasse oder ab einem gewissen Grade raue Umgebung schliessen das Arbeiten unter Spannung sowieso aus (siehe auch DIN EN 50110-100).

Reduzierte Anforderungen an den Fussschutz (z.B. für den Innenbereich mit sauberen, ebenen Böden) zur Erleichterung für Monteure werden gegenwärtig erarbeitet. Denkbar ist hier der Einsatz von Halb- oder Überschuhen.

Gleichermassen wie bei den Handschuhen sind auch reine Lederschuhe nicht als isolierende persönliche Schutzausrüstung zulässig. Hier besteht die gleiche Problematik bei einer Feuchtelagerung.

Die isolierenden Stiefel oder Schuhe sind jährlich einer Wiederholungsprüfung zu unterziehen. Als Grundlage für den elektrischen Teil der Wiederholungsprüfung sind die Vorgaben der in der Norm festgelegten Stückprüfung heranzuziehen.

Elektrisch isolierende Schutzkleidung

Der Einsatz von isolierender Schutzkleidung zum Schutz des Rumpfs beschränkt sich im Wesentlichen auf Arbeiten an Niederspannungsfreileitungen, bei denen die Gefahr des „Hineintauchens“ zwischen unter Spannung stehende Teile besteht. Neben den teilweise noch im Einsatz befindlichen Gummi- bzw. PU-beschichteten Schutzanzügen, die gerade bei sommerlichen Temperaturen sehr unangenehme Trageeigenschaften besitzen, steht auch ein Anzug der Klasse 00 mit atmungsaktiven Eigenschaften zur Verfügung.

Bei den isolierenden Anzügen genügt keinesfalls nur eine Sichtprüfung als Wiederholungsprüfung. Sie müssen in einem regelmässigen Zeitabstand von höchstens einem Jahr zusätzlich einer elektrischen Prüfung an genau festgelegten, besonders beanspruchten Stellen unterzogen werden.

Anforderungen an Arbeitskleidung bzw. Schutzkleidung mit verstärktem Schutz gegen Störlichtbogeneinwirkung sind erst in Arbeit. Vorzugsweise sollte an Arbeitsplätzen, an denen eine erhöhte Störlichtbogengefahr besteht, ein Kleidungsmaterial aus flammenhemmenden Materialien eingesetzt werden. Aber auch die Kleidung darunter sollte möglichst einen hohen Baumwollanteil haben.

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