03.07.2014

Elektrounfall: Missachtung von elektrotechnischen Sicherheitsregeln

In der folgenden Fallstudie erfahren Sie, was ein Elektrounfall für schwerwiegende Folgen und Konsequenzen für alle Beteiligten haben kann.

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Elektrounfall

Sachverhalt: Ein Elektromonteur erhält bei der Ausführung einer Routinetätigkeit einen schweren Stromschlag. In einer elektrischen Verteilung müssen Sicherungsautomaten ausgetauscht werden. Zum Freischalten der Verteilung zieht der Elektriker den zugeordneten Lasttrenner und stellt die Spannungsfreiheit mit einem Messgerät fest. Nach diesen Tätigkeiten holt der Elektriker noch Material aus dem entfernt liegenden Materiallager. Nach der Rückkehr an die elektrische Verteilung beginnt er mit der Demontage der Verdrahtungsschiene. Dabei berührt er zeitgleich zwei Stromschienen unterschiedlicher Phasen und erhält dabei einen schweren Stromschlag.

Bewusstlos und mit schweren Verbrennungen (Strommarken) fällt der Elektromonteur zu Boden. Der sofort verständigte Notarzt leistet Erstversorgung und weist den Verletzten in ein Krankenhaus ein. Bleibende Schäden sind zu erwarten. Nachdem die Schaltstelle nicht mit dem Verbotszeichen „Nicht schalten“ gekennzeichnet war und auch kein Sperrelement eingeschoben wurde, hat ein Kollege in der Abwesenheitszeit des Elektromonteurs den Lasttrenner wieder eingeschaltet.

Mögliches Fehlverhalten

Mögliches Fehlverhalten waren:

  • Die Schaltstelle wurde nicht gegen Wiedereinschalten gesichert.
  • Nach dem Holen des Materials (vor Arbeitsbeginn) hätte die Spannungsfreiheit nochmals festgestellt werden müssen.
  • Der Kollege hätte nicht ohne Rückfrage den Lasttrenner einschalten dürfen. Das Ziehen eines Lasttrenners erfolgt nicht grundlos.

Rechtliche Konsequenzen

Wie immer ein tragischer Fall.

Trotzdem müssen der entsprechende Kollege, Aufsichtsführende bzw. Führungskräfte mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Es steht ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung im Raum.

Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung

Zu prüfen ist hier der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung vornehmlich bei den Aufsichtsführenden und Vorgesetzten: Es wird geprüft werden, ob entsprechende Unterweisungen über eine Gefahrensituation „Elektroarbeiten, Arbeiten unter Spannung“ stattgefunden haben. Ob Kontrollen vorhanden waren, die die Mitarbeiter veranlassen, sorgfältiger zu arbeiten, wird auch untersucht werden.

Führungskräfte sind Garanten für die Sicherheit und Unversehrtheit ihrer Mitarbeiter

Gerade als Führungskraft mit Personalkompetenz ist alles zu unternehmen, was von einer pflichtbewusst handelnden Führungskraft, aber auch einer besonders verpflichteten Elektrofachkraft mit entsprechender Befugnis in gleicher Stellung und Situation, erwartet werden kann. Führungskräfte sind Garanten für die Sicherheit und Unversehrtheit ihrer Mitarbeiter. Als Garanten dürfen sie nicht unterlassen, was hätte getan werden müssen.

Wie immer wird geprüft werden, ob die aufsichtsführende Person in dem Aufgaben- und Verantwortungsbereich die Mitarbeiter richtig eingesetzt hat, die richtigen Anweisungen gegeben hat und sich durch Kontrollen überzeugt hat, ob anweisungsgemäss gehandelt wird.

Gegenüber dem Kollegen wird ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren vermutlich mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt werden. Um den Vorwurf einer fahrlässigen Körperverletzung zu erhärten, müsste er falsch gehandelt haben, dieses falsche Handeln müsste ursächlich für den eingetretenen Schaden sein und das gesamte Verhalten vorsätzlich oder fahrlässig.

Hier ist schon fraglich, ob der Kollege überhaupt wusste, was er tat, da er keine Kenntnis von der Freischaltung aufgrund anstehender Reparaturarbeiten hatte. Mangels Hinweise des Verletzten, dass die Reparaturarbeiten stattfänden, ist vorherzusehen, dass bereits ein falsches Handeln abgelehnt werden muss. Letztlich scheitert ein Vorwurf aber an der Tatsache, dass ein fahrlässiges Verhalten, also der Schuldvorwurf der Fahrlässigkeit nicht vorliegt. Fahrlässig handelt immer derjenige, der den Schaden nicht voraussieht, ihn aber bei Anwendung der verkehrsüblichen Sorgfalt eigentlich hätte voraussehen müssen.

Abschaltung war nicht vorhersehbar

Dieses ist hier nicht der Fall: Für den Kollegen war nicht voraussehbar, dass die Abschaltung wegen Reparaturarbeiten erfolgte.

Natürlich wird bei dem Schuldvorwurf gegenüber dem Aufsichtsführenden das Verhalten des Geschädigten angerechnet werden. Er hätte nicht mit den Arbeiten beginnen dürften, ohne sich vorher von der Spannungsfreiheit zu überzeugen. Er hätte sich nicht darauf verlassen dürfen, dass andere Kollegen sein Vorhaben vorhersehen. Er hat die fünf Sicherheitsregeln nicht beachtet und damit mitursächlich seinen eigenen Personenschaden veranlasst.

Entsprechend wird das Strafmass deutlich herabgesetzt werden können.

Geht es um die Frage von Schadenersatzzahlungen, von Regressforderungen durch Krankenkassen, wird lediglich das Unternehmen haften. Dem Aufsichtsführenden konnte nur der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung angelastet werden. Darüber hinaus liegt nach dem Sachverhalt kein Fall von grober Fahrlässigkeit vor. Damit kann sich der Aufsichtsführende als Arbeitnehmer auf die sogenannte haftungsrechtliche Privilegierung von Arbeitnehmern berufen, er zahlt selbst nicht. Schuldner von Schadenersatzzahlungen ist nur das Unternehmen.

Höhe der Schadenersatzzahlung

Die Höhe der Schadenersatzzahlung orientiert sich wieder an dem Mitverschuldensanteil des Geschädigten selbst. Damit wird vermutlich mindestens ein Abschlag von 50 Prozent gemacht werden. Gegen die Führungsverantwortlichen kann auch ein Bußgeldbescheid wegen Verletzung von Führungspflichten (unterlassene Aufsicht) ergehen.

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