07.11.2016

NAS Systeme: Billigserver oder Cloudersatz?

NAS-Systeme haben heutzutage nicht nur in privaten Computernetzwerken Einzug gefunden, auch in vielen kleinen und mittleren Unternehmen kann ein solcher zentraler Datenspeicher eine interessante Alternative oder Ergänzung zu ausgewachsenen Serversystemen sein. Aber kann eine NAS mit einem „richtigen“ Server mithalten? Und weshalb ist eine NAS keine Cloud?

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Network Attached Storage

Was eine NAS ist, weiss sicher ein Grossteil der IT-Verantwortlichen. Network Attached Storage steht als Sammelbegriff für Datenspeichersysteme, die an ein Netzwerk angeschlossen sind - im Gegensatz beispielsweise zu einem lokal an ein PC-System angeschlossenen Datenspeicher. Letzteres wäre etwa eine USB-Platte, die die Daten einer Windows-Sicherung oder das TimeMachine-Backup Ihres Macbooks aufnimmt. Selbst ganze Windows-Server lassen sich recht einfach und zuverlässig per externer USB-Platte sichern und im Falle eines Falles auch wiederherstellen. Steckt der Hersteller eines solchen Systems die Festplatte (oder mehrere Festplatten - dass viel auch viel hilft, erklären wir gleich) in einen kleinen Computer, der für den Anschluss an das (meist interne) Netzwerk sorgt, haben wir schon eine NAS. Diese bietet im Idealfall fast alles, was Sie, Ihre Mitarbeiter oder Kollegen benötigen, um Daten an einem zentralen Ort abzulegen und darauf von den unterschiedlichen PC-Systemen aus zugreifen zu können. Der kleine Computer, in dem die Festplatte/n stecken, muss nun noch per entsprechendem Protokoll (FTP, SMB, AFP) diese Dateien den Nutzern zugänglich machen.

Dateifreigabe

Tatsächlich gibt es gerade im Bereich der Dateifreigaben (ganz gleich, ob diese per heimischer NAS oder grossem Serversystem im Unternehmen bereitgestellt werden) schon seit Jahren keine wesentlichen Neuerungen mehr - sieht man einmal davon ab, dass die Hersteller ihre NAS-Systeme heutzutage gerne einmal mit dem Prädikat "Cloud" schmücken. Eine Cloud im eigentlichen Sine bezieht sich aber nicht nur darauf, dass es dem Anwender irgendwie nebulös vorkommt, wohin seine Daten wandern. Tatsächlich hat der Begriff erst dann seine Berechtigung, wenn das System selbst als "Datenwolke", als Schwarm von Ablagesystemen auftritt. So sind "echte" Cloudsysteme grosse Serversysteme, die gespiegelt, geclustert, an verschiedensten Rechnersystemen in möglichst weit verteilten und gegenseitig abgesicherten Standorten eingerichtet sind. Bei einer einsamen NAS, die als 150-CHF-Variante neben dem Schreibtisch der Sekretärin am Firmennetz angeklemmt ist, erscheint dieser Begriff irgendwie lächerlich. Gleichwohl "zieht" der Begriff "Cloud-Speicher", und jedem Administrator und IT-Verantwortlichen dürfte schon einmal die Klage eines Users zu Ohren gekommen sein, dass "die Cloud" nicht funktioniere - vor ein paar Jahren hiess es noch, dass "der Server schon wieder voll sei".

Vollgelaufener Speicherplatz

Apropos vollgelaufener Speicherplatz: Heutzutage sind bereits Festplatten mit einer Speicherkapazität von 6 Terabyte am Markt - aber auch diese gewaltige Verfügungsmasse ist endlich. Was hilft, wenn die NAS keinen freien Speicherplatz mehr bietet? Zum Beispiel die Anschaffung einer weiteren NAS; oder das Vertrauen darauf, dass zu diesem Zeitpunkt dann Festplatten mit noch höherer Kapazität am Markt sein werden; oder der Wechsel auf eine NAS mit mehreren Festplatten, die zu einem gemeinsamen Speicherverbund zusammengeschlossen sind: dem bekannten RAID. Kurz das Wissen aufgefrischt: bei einem RAID 0 würden zwei Festplatten zu einer Einheit zusammengeschlossen, was eine Verdoppelung der Kapazitäten bedeutet, aber auch ein hohes Risiko mit sich bringt. Fällt eine der beiden Festplatten aus, ist im schlimmsten Fall der gesamte Datenbestand nicht mehr nutzbar. Ein RAID 1 würde zwei Festplatten spiegeln - die Kapazität bleibt gleich, aber die Ausfallsicherheit hat sich quasi verdoppelt. Da beide Lösungen - RAID 0 und RAID 1 - eher schlechte Kompromisse darstellen, nutzt man heutzutage gerne ein RAID-Level ab 5 aufwärts: hier sind dann mindestens drei Festplatten zu einer Einheit zusammengeschlossen. Die Kapazität wird damit eben so gesteigert wie die Ausfallsicherheit. Wer wissen möchte, wie sich Festplattengrösse und RAID-Level aufeinander auswirken, kann einen RAID-Kalkulator wie zum Beispiel diesen hier nutzen: http://www.raid-calculator.com/

Fehlt noch die Frage der Berechtigungen - logischerweise soll der Vorstand auf andere Dateien zugreifen können als die Versandabteilung, und die Personalbuchhaltung steckt vielleicht irgendwo dazwischen - also muss neben der rein technischen Bereitstellung der Daten mittels Netzwerkprotokoll eine weitere Ebene zwischengeschaltet werden, nämlich diejenige der Berechtigungen. Diese entsprechen in der Regel einer Nutzernamen/Passwort-Paarung - Meier mit dem Passwort Test75 soll auf andere Ressourcen zugreifen können als buchhaltung mit dem Passwort Fiffi_07. Eine NAS muss also nicht nur unterschiedliche Netzwerkprotokolle unterstützen, sondern auch Authentifizierungsverfahren bieten.

NAS „nur“ eine Ergänzung des Speicherplatzes

An dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen, und es wird deutlich, ob eine NAS „nur“ eine Ergänzung des Speicherplatzes in Ihrem Netzwerk ist oder Serverersatz. Manche NAS-Systeme lassen sich in eine bestehende Domäne einbinden, andere bieten nur lokale Benutzeraccounts. Sind Ihre PCs in ein Domänennetzwerk eingebunden, kann es also sinnvoll sein, eine NAS anzuschaffen, die die Benutzeranmeldungen von einem Anmeldeserver bezieht. Andernfalls müssen Sie die Benutzerzugänge separat auf der NAS anlegen. Ausserdem ist die Einbindung auf den Clients etwas aufwendiger. Wenn sie eine Freigabe auf der NAS für Meier verfügbar machen und die NAS Anmeldename und Passwort von Meier beim zentralen Anmeldeserver (beispielsweise Active Directory in einem Windows-Servernetzwerk) abfragen kann, muss der Nutzer Meier nichts weiter tun. Kann die NAS nicht gegen eine Domäne authentifizieren, müssen Sie den Nutzer Meier für die Freigabe auf der NAS gesondert anlegen und vor allem ein Passwort setzen. Verrät Meier Ihnen aber nicht sein so genanntes Domänenpasswort, bleibt Ihnen nur das Setzen eines separaten Passworts auf der NAS. Ändert Meier sein Domänenpasswort (was er aus Gründen der Sicherheit regelmässig machen sollte), ändert sich aber nicht dasjenige der NAS - es sei denn, Sie erledigen dies in Handarbeit. Als Ausweg aus diesem Dilemma bleibt das feste Anlegen der Freigabe auf Meiers Rechner, unter Windows beispielsweise per entsprechender Einstellung bei der Freigabe per Explorer oder mit einem kleinen Batch-Script:

net use X: \\192.168.1.210\buchhaltung /user:Meier geheimes-passwort /persistent:yes

192.168.1.210 ist natürlich die IP-Adresse der NAS, der Parameter "persistent" sorgt dafür, dass die Freigabe dauerhaft auf dem PC gespeichert bleiben sollte. Leider klappt dies nicht immer, und schon haben Sie Meier wieder am Telefon, der sich über das Verschwinden seines Laufwerks beklagt.

Rechenleistung

Bekannte Hersteller von NAS-Systemen sind Apple, Buffalo, D-Link, Qnap, Seagate, Synology, Western Digital und Zyxel - hier bleibt letztlich noch die Frage der Ausstattung. NAS-Systeme sind in der Regel mit einem Linux-Betriebssystem versehen, aber davon bekommen Sie eigentlich nicht viel mit. Es gibt eigentlich immer eine mehr oder weniger gut zu bedienende grafische Oberfläche, auf der Sie alle notwendigen Einstellungen vornehmen können. Da eine NAS kein Gamingcomputer ist, muss die Rechenleistung nicht besonders hoch sein - in der Regel verfügen die Geräte über eine kleine CPU und wenig RAM. Wollen Sie viele Daten auf der NAS ablegen - und das womöglich auch noch von vielen Arbeitsplätzen aus - , sollten Sie trotzdem auf eine NAS mit ausreichend CPU-Power und RAM achten. Mindestens ein Gigabit-Netzwerkanschluss sollte ohnehin Standard sein - selbst in einem 100-Mbit-Netzwerk, ansonsten stellt die Netzwerkschnittstelle eventuell ein Nadelöhr dar. Und da selbst eine NAS mit RAID 5 einmal komplett ausfallen (Brand, Diebstahl, Fehlbedienung, Schadsoftware), sollten Sie noch darauf achten, ob eine externe USB-Festplatte angeschlossen werden kann. Die Daten auf der NAS werden dann darauf gesichert und diese USB-Platte regelmässig ausgetauscht und ein Exemplar ausserhalb der Räumlichkeiten aufbewahrt - und schon kommen Sie dem Ideal eines Datensicherungs- und Wiederherstellungskonzepts sehr nahe.

Mit dem Hinweis auf eine extern anzuschliessende Festplatte sind wir wieder am Ausgangspunkt dieses Artikels angelangt - und Sie wissen jetzt besser zu unterscheiden, ob Ihre NAS wirklich eine Cloud ist und worauf Sie beim Kauf eines solchen Systems achten sollten.

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