10.03.2021

BigBlueButton: Alternative zu Teams, Zoom und Co.?

Videokonferenzlösungen haben durch die Covid-19-bedingten Lockdownmassnahmen explosionsartig Verbreitung gefunden. Traf man sich vor Corona selbst für kurze Besprechungen grundsätzlich persönlich und vor Ort, lernte man nicht nur im Businessbereich, sondern auch in Behörden, öffentlichen Einrichtungen und Vereinen die Vorzüge von Videokonferenzen zu schätzen.

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

BigBlueButton

Onlinemeetings

Geringe bis gar keine Fahrtkosten und der entfallende Zeitverlust sind die eine Seite. Andererseits haben Onlinemeetings unser Leben noch enger getaktet - da keine Anfahrt mehr nötig ist, kann man im Prinzip ununterbrochen in Onlinebesprechungen sitzen. Und so manche technische Hürde gilt es auf dem Weg zur ungestörten Videokonferenz zu überwinden: neben leistungsfähigen, breitbandigen Internetverbindungen müssen Webcam, Mikrofon und Kopfhörer beziehungsweise Headset am Start sein.

Und schliesslich benötigt man noch eine Plattform für das virtuelle Treffen. Als De-Facto-Standards haben sich zumindest im deutschsprachigen Raum herauskristallisiert:

  • Zoom

  • Google Meet

  • GoToMeeting

  • Teams

  • Cisco Webex

Videokonferenzen

Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Lösungen. So bietet die bekannte Fernwartungssoftware Teamviewer mit Teamviewer Meeting (dem vormaligen Blizz) eine integrierte Möglichkeit für Videokonferenzen. Jitsi ist eine Art Open-Source-Lösung für Videokonferenzen und wird von manchen Institutionen sogar für kostenlos und einfach nutzbare Meetings gehostet, zum Beispiel unter jitsi.mpi-bremen.de. Skype gilt als Klassiker, wenn es um eher private Onlinemeetings geht. Das Kollaborationstool Slack bietet eine eigene Lösung für Videokonferenzen, sogar die Voice-Over-IP-Lösung 3CX hat Onlinemeetings integriert.

Die häufigsten Kritikpunkte

Für einen ausführlichen Vergleich fehlt an dieser Stelle der Platz, sicherlich haben Sie als Leser oder Leserin auch längst Ihre eigenen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Lösungen gemacht. Die häufigsten Kritikpunkte, anhand derer Sie selbst das Tool Ihrer Wahl eingrenzen können, sind:

  • Kosten der Lösung

  • Etwaige Begrenzung der Teilnehmer

  • Moderatorenfunktionen (Teilnehmer einladen, ab- und stummschalten, ausblenden usw.)

  • Versenden von Kommentaren, Links oder gegebenenfalls sogar Dateien innerhalb des Chatrooms

  • Möglichkeit des "Meldens" (virtuelles Handheben)

  • Störungsfreie Übertragung, hierfür kann neben den individuellen Internetanbindungen der Teilnehmer auch der Unterschied zwischen der Übertragung in der eigenen App (Zoom, GoToMeeting usw.) oder im Browser eine Rolle spielen. So empfiehlt sich für Jitsi die Nutzung des Chrome-Browsers, und Zoom erwies sich schon als extrem störanfällig, wenn man es per Browser anstelle der Zoom-App nutzt

  • Sicherheitsfragen: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Hosting der Lösung auf Servern im Geltungsbereich der GDPR?

  • Support durch den Anbieter?

Verschiedene Lösungen ausprobieren

Es lohnt sich in der Tat, verschiedene Lösungen auszuprobieren. Denken Sie dabei immer daran, dass es keine perfekte oder gar einheitliche IT-Welt gibt - weder von Microsoft (Teams) oder Cisco oder wem auch immer. Eingeladene, vor allem externe Teilnehmer haben womöglich Probleme, die App eines bestimmten Anbieters herunterzuladen oder gar zu installieren. Dies gilt auch und gerade im Unternehmensbereich mit teilweise strengen Sicherheitsvorgaben der IT beziehungsweise des Datenschutzes. In besonders sensiblen Bereichen (Gesundheitswesen, Behörden, Finanzinstitute) wird deshalb auch eher auf selbst gehostete Lösungen zurückgegriffen - oder eben auf solche, bei denen eine aktuellen Standards entsprechende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung implementiert ist. Noch einmal zur Erinnerung: Bei dieser Technik wird bereits im Client (in diesem Fall also den Teilnehmern der Videokonferenz) verschlüsselt, es kann also nicht einmal der Anbieter der Lösung selbst in die Daten hineinschauen. Eine ähnliche Debatte gibt es ja bei den Chatlösungen - WhatsApp ist aktuell einmal mehr in die Kritik geraten, dieses Mal wegen der möglichen Weitergaben von Nutzerdaten an Facebook. Anbieter wie Signal, Threema oder Telegram sind dadurch wieder stärker gefragt, wobei Belange des Datenschutzes hier offenbar die Hauptrolle spielen. Diese muss aber auch bei Videokonferenzen an vorderster Stelle stehen!

BigBlueButton

Zu guter Letzt noch der Hinweis auf einen Newcomer auf dem Gebiet der Onlinemeetings. BigBlueButton (kurz BBB) ist ein weiteres "Open-Source-Tool" für Webkonferenzen.

Es unterstützt neben üblichen Standards für die Audio- und Videoübertragung auch öffentliche und private Chats, Präsentationen mit Whiteboard-Funktionen, verschiedene Konferenzräume sowie selbstverständlich Moderatorrollen. Diese können Benutzer stummschalten oder sperren. Konferenzräume lassen sich mit einem Zugangscode absichern. Konferenzen können bei Bedarf auch aufgezeichnet werden.

Die BigBlueButton zugrundeliegende Technik beruht(e) auf red5, einer Open-Source-Implementierung des Adobe Media Server. Ursprünglich wurde deswegen auf Clientseite auch ein Flashplayer vorausgesetzt, der aber selber nicht nur immer wieder in die Kritik von IT-Sicherheitsexperten geraten ist, sondern heute auch kaum noch genutzt wird. HTML5 und WebRTC sind zur Zeit die Standards auch für Audio- und Videoübertragungen in modernen Browsern. Um BigBlueButton nutzen zu können, ist die Installation eines Browser-Plugins nicht notwendig, was so manchen Administratoren erfreuen wird. Alle relevanten Daten einer Videokonferenz werden in einer internen Datenbank abgelegt.

Aus letzterer Information wird aber vielleicht auch schon deutlich, dass BigBlueButton auf einem eigenen Server gehostet werden muss - respektive auf dem Server eines entsprechenden Dienstleisters. Der Nachteil mag der höhere Aufwand sein beziehungsweise die Abhängigkeit von einem entsprechenden Diensteanbieter - aber prinzipiell verhält es sich bei Zoom, Teams, GoToMeeting und Webex genauso, nur wissen Sie bei den genannten und vergleichbaren anderen Anbietern nie so ganz genau, wer alles welchen Zugriff auf welche Ihrer Daten hat. Mit BigBlueButton können Sie unerwünschtem Datenklau also ein Schnippchen schlagen - falls Sie diese Lösung entsprechend hosten und wiederum kein Hacker Ihren BigBlueButton-Server komprimittiert. 

Wenn Sie den grossen blauen Knopf einmal selber testen wollen - bitteschön:

test.bigbluebutton.org

Und wenn Sie aus verständlichen Gründen im Schweizer (Rechts-)Raum bleiben wollen, gibt es auch hierfür Anbieter, zum Beispiel:

www.ch-open.ch/bigbluebutton/

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