13.02.2019

Inventarisierung: Inventarisieren Sie noch, oder leben Sie schon?

Nicht nur bei der Umsetzung des «grossen» Themas aus unserem letzten Beitrag, der bevorstehenden Ablösung von Windows 7 durch Windows 10 ist es hilfreich und notwendig, dass Sie einen Überblick darüber haben, was sich an IT-Hardware und -Software überhaupt alles in Ihrem Netzwerk herumtreibt. Hier ist eine Inventarisierungssoftware das Mittel der Wahl.

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen Kommentieren 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Inventarisierung

Bei einer von zentraler Stelle – also etwa einem Server oder dem PC des Administrators oder IT-Verantwortlichen – durchgeführten Inventarisierung können Sie idealerweise die bei Ihnen vorhandenen (und natürlich aktiven) PCs, Laptops, Server, vielleicht auch noch Drucker, NAS-Systeme und so fort erfassen und nach Wunsch und je nach eingesetzter Lösung grafisch und tabellarisch aufbereiten. Vorweg soll aber auch die Turnschuh-Variante nicht unerwähnt bleiben: Haben Sie gerade einen Praktikanten zur Hand oder jemand anderen, den Sie durch das Unternehmen schicken können, ohne dass er Personalkosten verursacht, können Sie denjenigen natürlich auch mit Stift und Notizblock oder einem Laptop mit Exceltabelle losschicken. Der Vorteil dieser Variante ist, dass eine Sichtung vor Ort manchmal Dinge offenbart, die Sie von der zentralen Steuerungszentrale alias Administratorbüro oder Ihrem Schreibtisch als IT-Verantwortlichen aus nicht erkennen können. Und auch bei der besten Inventarisierungs-Software werden Sie nicht um gelegentliche Vor-Ort-Besuche herumkommen.

Das ist aber auch schon das entscheidende Stichwort: Bei der Wahl der für Sie passenden Inventarisierungslösung sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Gibt es bereits eine zentrale Domäne wie das Active Directory von Microsoft? Ein solcher Verzeichnisdienst bietet bereits von sich aus Möglichkeiten der zentral gesteuerten Inventarisierung.
  • Wollen und können Sie an den zu erfassenden PCSystemen eine Software installieren, die die zu erfassenden Daten an den zentralen Inventarisierungsdienst weitergibt?

Sehr grosse und verteilte Netzwerke

Der zweite Punkt ist gerade in sehr grossen und verteilten Netzwerken wichtig! Nicht jede Inventarisierungssoftware funktioniert ohne so genannte «Agenten» - das hat nichts mit geheimdienstlichen Aktivitäten zu tun, vielmehr handelt es sich dabei um kleine Tools oder Hilfsprogramme, die auf den zu erfassenden Rechnern installiert und ausgeführt werden. Der Vorteil kann darin liegen, dass eine Inventarisierung mit solchen «Agents» mehr und präzisere Informationen über die Geräte und Systeme ausspuckt; der Nachteil liegt ganz klar darin, dass Sie eine solche Mini-Software auf allen Geräten installieren oder ausrollen müssten. Dabei müssten Sie dies mit entsprechenden Verteilungstools, also einer Softwareverteilung erledigen - oder sich mühsam per Fernwartung auf jeden PC schalten. Schlimmstenfalls ist vielleicht sogar ein Termin vor Ort notwendig - viel Spass bei einem Unternehmen mit Standorten von St. Gallen bis Genf! Fein heraus sind hierbei wieder Unternehmen, die Microsofts Active Directory im Einsatz haben - und das dürfte die Mehrzahl unter den Lesern und Leserinnen sein. Hier können Sie eine Software auf Basis des Active Directory an Computer und auch an Benutzer verteilen. Und wenn Sie den zentralen Verzeichnisdienst der Windows Server ohnehin schon nutzen - mittels der Windows Power Shell können Sie auch ganz ohne zusätzliche Software eine Inventarisierung der Systeme durchführen.

Beispiel «PCs im Active Directory inventarisieren» - anlässlich der anstehenden Migration auf Windows 10, per PowerShell alle PCs in der Domäne mit Betriebssystem auflisten:

import-module ActiveDirectory

Get-Help Get-ADComputer -Full

get-ADComputer -Filter * -Properties Name,OperatingSystem | Select-Object Name, OperatingSystem | Out-File -LiteralPath C:\non-win-10-computers.csv

Eine solche Liste führt dann die PCs mit ihrem jeweiligen Betriebssystem an, die sich in Ihrer Domäne tummeln. Es lohnt sich, die zahlreichen Dokus und Anleitungen und Beispiele, die Microsoft dazu anbietet, einmal anzusehen, zum Beispiel diese hier:

https://blogs.technet.microsoft.com/askds/2010/02/04/inventorying-computers-with-ad-powershell/

Neben der PowerShell kann auch das bereits in den Betriebssystemen von Microsoft integrierte WMIC (Windows Management Instrumentation Command) für eine Inventarisierung genutzt werden. Logischerweise betrifft dies nur solche IT-Systeme, die bereits im Active Directory aufgenommen sind. Zudem können nicht alle Systeme vernünftig erfasst werden - Monitore, Drucker und NAS-Systeme stellen eine solche «hausgemachte Inventarisierung» (oder sagen wir eher: eine Inventarisierung mit Windows-Bordmitteln) vor Probleme.

Ausgefeilte Inventarisierung

Wer eine ausgefeilte Inventarisierung benötigt, wird dazu eine zusätzliche Software erwerben müssen. Natürlich ist ein Newsletter nicht der richtige Ort, um die zahlreichen Lösungen der diversen Anbieter aufzulisten - eine solche kurze Auswahl könnte auch nie vollständig sein und würde nicht allen Ansprüchen genügen. In unserem Portal InformatikPraxisOnline werden wir uns in der kommenden Ausgabe näher mit den verschiedenen Inventarisierungs- und Dokumentationslösungen befassen. An dieser Stelle sei auf den Unterschied zwischen agentenloser und agentengestützter Inventarisierungs-Software hingewiesen. Achten Sie auch darauf, ob Sie für eine jeweilige Lösung auch Support erhalten und ob es idealerweise Demo- und Testversionen davon gibt.

Und wenn Sie sich schon die (lohnenswerte!) Mühe machen, die IT-Landschaft Ihres Unternehmens zu erfassen, sollten Sie die Inventarisierung der auf den Clients und den Servern installierten Software nicht vergessen! Dies dient nicht nur Kontrollfreaks für eine bessere Übersicht; auch die Finanzplanung und das Controlling haben von einem aktuellen Stand der eingesetzten Systeme und Lizenzen einen Nutzen. Übrigens könnte es Ihnen, sofern Sie Softwarelizenzen gewerblich nutzen, durchaus passieren, dass der Anbieter des jeweiligen Produkts eine Kontrolle durchführen möchte, ob in Ihrem Unternehmen denn auch korrekt lizenziert wurde. So etwas ist das gute Recht der Anbieter, schliesslich leben Sie ja vom Verkauf der Software - auch, wenn die Geschäftsmodelle mehr und mehr von einem Kauf weggehen hin zur Miete einer Software. Zahlt man nicht mehr, erlischt das Recht, eine Software zu nutzen - und manchmal sogar die technische Möglichkeit. Bei gekauften Lizenzen ist das aber in der Regel nicht der Fall.

Einkaufsbelege

Es ist also den Anbietern von lizenzpflichtiger Software nicht zu verdenken, dass sie gerne einmal den Einkaufsbeleg für die bei Ihnen genutzten Lizenzen sehen wollen. Vor allem Microsoft sei hier erwähnt - die europäischen Töchter des US-Konzerns fragen bei Unternehmen, die im grossen Stil Lizenzen für Windows, Office und so weiter zu oftmals besseren (weil Business-)Konditionen einsetzen, gerne einmal nach, wie es denn um die Korrektheit des Lizenzbestands bestellt ist. Natürlich müssen Sie, sofern Sie keinen gewerbsmässigen Schwarzhandel mit Microsoft-Lizenzen betreiben, keine Hausdurchsuchung fürchten - dazu wäre Microsoft auch gar nicht so einfach in der Lage, zumindest rechtlich gesehen. Aber das Recht zur Überprüfung der Lizenzierung auch in Ihrem eigenen Hause können Sie Microsoft nicht verwehren, wenn Sie von den Vorzügen von Software Assurance, Volume Licensing Keys und so weiter profitieren wollen. Verweigern Sie hier die Zusammenarbeit, könnte Microsoft Ihnen im Gegenzug die Nutzung der Software untersagen. Und ein realistisches und immer wieder erlebtes Szenario ist die Unterlizenzierung - dabei handeln IT-Verantwortliche und Administratoren gar nicht unbedingt einmal mit bösem Vorsatz. Vielmehr kann auch die redlichste IT-Abteilung schlicht den Überblick darüber verlieren, wie oft die erworbenen Lizenzen im Unternehmen bereits genutzt werden. In diesem Falle wird Microsoft aber mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Nachlizenzierung einleiten - und dabei gibt dann Microsoft die Preise vor, auf Nachlass und Rabatt darf hier niemand hoffen.

Inventarisierung der IT ist kein Luxus

Sie sehen also: Inventarisierung der IT ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit! En passant könnten Sie mit den entsprechenden Lösungen sogar noch die Dokumentation Ihrer IT mit erledigen - die sicher noch vor Inventarisierung, Kontrolle der Datensicherung und einem Monitoring mit Abstand unbeliebteste und am wenigsten erledigte Pflicht, der jeder IT-Administrator nachkommen sollte. Wie so oft erkennt man dies aber erst im Schadensfall.

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