12.03.2018

Jodel: Neue Art zu kommunizieren

Facebook, Twitter und WhatsApp scheinen aktuell die Platzhirsche moderner Kommunikation zu sein. Mit Huddle, Tellonym und Jodel stehen aber bereits neue Plattformen bereit, mit denen nicht nur Teenies, sondern auch Erwachsene kommunizieren könn(t)en. Was aber steckt dahinter, und gehören Email und Telefon im Unternehmen bald der Vergangenheit an?

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen Kommentieren 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Stetiger Wandel

Die Kommunikation in der Arbeitswelt ist im steten Wandel begriffen - ebenso wie die Arbeitsvorgänge an sich. Beschleunigt wird das ganze seit Durchdringung praktisch aller Bereiche durch Computer und Netzwerke - was vorgestern noch als brandaktuell und «hip» galt, hat sich bis gestern durchgesetzt, wird heute weitflächig genutzt, aber auch schon vom Newcomer bedrängt - und wird morgen Schnee von gestern sein. Kaum vorstell-, aber sicher auch ohne hellseherische Fähigkeiten vorhersehbar, dass auch WhatsApp und Facebook - in den meisten Unternehmen gerade erst angekommen - irgendwann auf dem digitalen Friedhof landen werden. Vielleicht aber auch nicht! So sind einige geradezu «steinzeitlich» anmutende Techniken und Methoden wie zum Beispiel Fax und Email nach wie vor wesentlicher Bestandteil geschäftlicher Kommunikation, allen Unkenrufen und Grabgesängen zum Trotz. Das Thema«Email» haben wir an dieser Stelle bereits behandelt - wie sieht es aber eigentlich mit den erwähnten Platzhirschen Facebook und WhatsApp aus? Ist hier vielleicht etwas Neues in Sicht, womit zu beschäftigen sich lohnt?

Facebook ist «out»

Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass der Facebook Messenger einmal «out» ein könnte? Tatsächlich hat aber offenbar gerade bei den jüngsten Internetnutzern in der Gruppe der unter 20jährigen Facebook inzwischen ein wenig den Status von Fernsehen und gedruckter Tageszeitung. Facebook wird kaum noch genutzt, WhatsApp und Snapchat sind angesagt. Über die ernsthafte Nutzung von Snapchat im Unternehmen muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. WhatsApp hingegen kann vielleicht nicht wirklich zur seriösen Kommunikation mit Kunden genutzt werden, aber eine WhatsApp-Gruppe im Team ist inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Kein Geheimnis ist hingegen, dass es WhatsApp mit dem Datenschutz nicht besonders genau nimmt und vor allem die Zugänglichkeit zu Kontakten ein heikles Thema ist. Hier gibt es bessere Apps für die schnelle Kommunikation im Unternehmen wie etwa Threema oder Heidi. Ganz gleich, welche Plattform Sie nutzen - denken Sie immer dran, dass Kollegen, Kunden und Geschäftspartner gegebenenfalls Ihren Status und Ihr Profilbild zu sehen bekommen - und diese Vermischung von Privatem und Beruflichem möchte man vielleicht nicht wirklich immer haben.

Facebooken Sie noch, oder jodeln Sie schon?

Womit «chatten» dann aber diejenigen, die nicht mehr Ihre Eltern um Erlaubnis fragen müssen, wenn Sie sich ein neues Smartphone kaufen? Vor allem unter Studierenden hat sich hier in letzter Zeit eine App mit etwas kuriosem Namen verbreitet. Frei nach dem Werbeslogan eines skandinavischen Möbelhauses können wir also fragen: Facebooken Sie noch, oder jodeln Sie schon?

Unternehmenskonform?

Bisher hat noch kaum jemand von dieser App gehört, die sich - wie gesagt - vor allem unter Studenten schnell verbreitet hat. Bei Jodel handelt es sich um einen anonymen Messenger, bei dem jedes Mitglied anonyme Postings verfassen kann. Umgekehrt werden Nutzer der App über alle Posts in einem geografischen Umkreis von etwa zehn Kilometern benachrichtigt. Die App nutzt dazu die Trackingfunktionen aktueller Smartphones, die per GPS und unterstützt durch die Verortung der IP-Adresse des Geräts oder des nächsten Routers, bevorzugt auch im WLAN inzwischen sehr präzise den Standort des Nutzers bestimmen kann. Auch hier stellt sich natürlich wieder die Frage nach Datenschutz und Vertraulichkeit. Die Themen, um die es bei Jodel geht, scheinen zur Zeit ohnehin noch nicht so richtig «unternehmenskonform» zu sein - überwiegend geht es um Shoppingtipps und ähnliches. Die Posts bekommen eine fortlaufende Nummer und werden oftmals mit so genannten Hashtags versehen - also Schlagwörtern, wie sie bei Twitter benutzt werden. Jodel bietet weitgehende Anonymität und wird fortlaufend weiterentwickelt - leider nicht immer zum Vorteil, wenn man den Posts einiger User auf der Jodel-Webseite glauben darf. So wurde die für ein potentielles Marketing wichtige Suche nach Hashtags im aktuellen Update entfernt. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung Jodel sich entwickeln wird.

Collaborations-Plattform

Der Alpengruss ist allerdings bei weitem nicht der einzige «Newcomer» in der digitalen Kommunikation - ein für Unternehmen sicher interessanteres Produkt ist Huddle. Unternehmen entwickeln Ideen und Projekte in Teams, also Gruppen, die auch als «Haufen» -also Huddle - bezeichnet werden können. Der Begriff leitet sich aus dem Mannschaftssport ab, bei denen Taktikbesprechungen beispielsweise vor einem Spiel im Kreis eng aufgestellter Spieler stattfinden - eben dem «Huddle». Im Team lassen sich «Huddle Rooms» etwa für spontane Meetings für Brainstorming, Lagebesprechung und Manöverkritik nutzen. Der Prozessgedanke steht hier also ebenso im Mittelpunkt wie die schnelle und unkomplizierte, wenig förmliche Kommunikation. Ohnehin handelt es sich bei Huddle eher um eine Collaborations-Plattform, es geht nicht «nur» ums Chatten, sondern auch um File Sharing, Versionierungen und einiges mehr.

Cybermobbing

Als Mischung aus Messenger und sozialem Netzwerk kommt das bundesdeutsche Start-Up Tellonym daher, mit dem sich Nutzer gegenseitig anonyme Nachrichten schreiben können - ein wenig also wie bei Jodel. Auch hier liegt der Schwerpunkt der Nutzer augenscheinlich auf Teenies, aber Tellonym wächst recht schnell, und eine bereits etwas länger auf dem Markt befindliche App aus Saudi-Arabien (!) namens Sarahah, die ähnlich funktioniert, wurde bereits überflügelt. Tellonym finanziert sich wie die meisten Apps über Werbung - und es hat ein Imageproblem, da anonyme Posts vor allem unter Jugendlichen für Mobbing genutzt werden - so genanntes Cybermobbing. Zwar gibt es Filter und offenbar auch eine gewisse Moderation, und Nutzer können über ihre IP-Adresse gesperrt und im Falle strafrechtlicher Verfolgung auch ausfindig gemacht werden. Das hilft aber ebenso wenig wie bei vielen hetzerischen Kommentaren auf Facebook nicht gegen die augenblickliche Veröffentlichung. Wenn der Schaden erst einmal da ist, nutzt das anschliessende Löschen dem Geschädigten nur bedingt - dieses Problem haben aber, wie gesagt, praktisch alle Kommunikationsplattformen, sofern der Nutzer nicht mit echtem Namen und voller Anschrift dem Betreiber bekannt ist. Aber wer weiss, ob sich das Prinzip der «totalen Ehrlichkeit» solcher Plattformen nicht in Zukunft durchsetzen wird, um etwa Unternehmen oder Produkte glaubhaft zu bewerten?

Fazit

Kommunikation ist im Wandel, die IT-Welt ist es ohnehin - und auch die manchem vielleicht eher schwerfällige und behäbige Arbeitswelt passt sich ständig wechselnden Bedingungen und neuen Herausforderungen an. Die Frage ist nicht, ob neue Kommunikationsplattformen ihren Einzug in die Unternehmen halten werden, sondern wann. Naturgemäss ist es eher die junge und urbane Generation, die die Nutzung und Verbreitung neuer Medien forciert. Derzeit weiss natürlich noch niemand, wie sich das eher anonyme Kommunikationsverhalten, welches Jodel und Co. mit sich bringen, einmal in der Arbeitswelt bemerkbar machen wird. Sicher ist aber heute schon, dass man diese anonymen Kommunikationsplattformen nutzen kann, um ein wenig am Puls der Zeit zu horchen - also quasi Trendforschung zu betreiben, wenn auch im kleinen. Sie werden vielleicht keine Millionen damit verdienen, aber vielleicht neue Möglichkeiten entdecken, mit potentiellen oder bereits vorhandenen Kunden, potentiellen Jobkandidaten oder Geschäftspartnern zu kommunizieren und diese an sich zu binden. Zumindest werden Sie sich den Respekt Ihres Webseitenadministrators oder Webdesigners verschaffen, wenn Sie ihn einmal danach fragen, wie Sie «Jodel» auf der Webseite des Unternehmens einbinden können. Möglicherweise sind Sie ihm ja sogar voraus und er denkt bei «Jodel» zur Zeit noch eher an Heidi und den Alm-Öhi als an Kommunikation 4.0.

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