16.03.2015

Mac OS X Server: Verkannte SBS-Alternative

Zum Frühjahrsputz steht in so mancher IT-Abteilung nicht nur eine Entrümpelung der bestehenden Systeme an – manchmal wird auch gleich die Systemfrage gestellt und die bestehende Infrastruktur infrage gestellt. Eine gute Gelegenheit, mit Mac OS X Server einmal ein unterschätztes Allround-Talent aus dem Schatten zu holen. Einen konkreten Anlass für solche Überlegungen gibt Microsoft mit seiner Abkündigung des beliebten Small Business Servers (SBS).

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

 zum Portrait

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Mac OS X Server

Eines der verkannten Talente im Serverbereich ist sicherlich Apples Server-System Mac OS X Server. Der gemeine Administrator oder IT-Verantwortliche kennt in der Regel gerade mal eines der Serverprodukte aus dem Hause Microsoft – im KMU-Bereich gern in der Variante Small Business Server (SBS), den die Redmonder Softwareschmiede allerdings – zum Bedauern vieler Administratoren – mit der Version 2011 eingestellt hat. Zwar soll die zuletzt verfügbare Version SBS 2011 noch bis 2020 mit Updates versorgt werden, aber grundsätzlich soll es die beliebte Kombination aus Anmelde-, Datei- und Mailserver (Exchange) zukünftig nicht mehr als Stand-Alone-Produkt für KMU geben.

Alternativen zu Microsofts SBS gesucht

Diese Entscheidung von Microsoft können viele Anwender aus dem IT-Bereich nicht nachvollziehen – auch, wenn Microsoft selbst auf die abgespeckten Versionen seines «grossen» Windows 2012 Server, namentlich 2012 Server Essentials verweist (siehe dazu den Link zu blogs.technet.com im Anhang).  

Hier gibt es aber fundierte Kritik – die wesentlichen Angriffspunkte sind dabei:

  • in 2012 Server Essentials ist keine Groupware mehr enthalten – Microsofts Standardgroupware Exchange muss separat erworben werden
  • das (bei SBS-Anwendern allerdings nur mässig genutzte) Sharepoint ist ebenfalls nicht mehr enthalten
  • es kommt zu teilweise erheblichen Kostensteigerungen  

Letzteres gilt für Anwender, die den Funktionsumfang des «alten» SBS weiterhin lokal nutzen möchten. Microsoft forciert nämlich die Verlagerung von Funktionen, die bisher auf einem Small Business Server lokal betrieben werden konnten, in die Cloud. Wer beispielsweise einen Exchange-Server weiterhin lokal nutzen möchte, muss die dafür notwendigen Lizenzen separat erwerben. Das Fazit:

  «Will der Kunde seine Daten und Dienste auch weiterhin selbst betreiben, wird es für ihn mit Microsoft Server 2012 sehr viel teurer als mit der bisherigen SBS-Standard-Edition.»  

(Quelle: www.channelpartner.de)  

Welche Alternativen gibt es aber?

Immer wieder wird auf die Lösungen aus dem Open-Source-Bereich verwiesen, die zu teilweise erheblich geringeren (wenn nicht sogar gänzlich ohne) Lizenzkosten erhältlich sind. Namentlich auf Linux basierende Groupware- und Verzeichnisdienstserver wie Zentyal, Linux SME Server oder der Univention Corporate Server (UCS) bieten sich als Alternative für kleinere Unternehmen und Arbeitsgruppen an. Hierzu werden wir Sie in der nächsten Zeit noch etwas ausführlicher beraten.

Apples OS X-Server: verkanntes Talent

Wenig bekannt ist dabei, dass aus dem Hause Apple nicht nur iPhones, iPads, schicke MacBooks und neuerdings eine gehypte Armbanduhr kommen, sondern auch ein ausgewachsenes Serversystem. Dies wird vermutlich deswegen immer wieder übersehen, weil Apple den Schwerpunkt seit Jahren eben auf seine Life-Style-Produkte legt und die «produktiven» Aspekte seines Portfolios etwas stiefmütterlich behandelt. Dabei ist Mac OS X Server ein seit Jahren bewährtes Serverbetriebssystem.  

Die Liste an Features, die ein OS X-Server von Haus aus mitliefert, ist nicht übermässig lang, dürfte aber die Ansprüche des Gros der Anwender im KMU-Bereich befriedigen: 

  • Anmeldeserver
  • Kalenderfreigaben
  • Zentrale Kontakte, Adressbücher
  • Dateifreigabe
  • Mailserver
  • Nachrichtenserver
  • Profilmanager
  • Time Machine (für Backups)
  • VPN
  • Websites
  • Wiki  

Zu den erweiterten Diensten zählt Apple das, was eigentlich die Brot-und-Butter-Aufgaben eines Serversystems sind:  

  • DHCP
  • DNS
  • FTP
  • Open Directory (Verzeichnisdienst)  

NetInstall (eine zentrale Installationsroutine, allerdings nur für Software-Updates von Mac-Clients) und Xsan für die Integration eines Netzwerkspeichers runden das Bild ab. Nicht alle Features stehen auf allen Client-Betriebssystemen zur Verfügung, aber die Richtung dürfte schon erkennbar sein: zumindest als Datei- und Anmeldeserver in kleineren Netzwerken ist der Mac eine hervorragende Wahl.

Server ohne Serverhardware?

Apple selber bietet seit ein paar Jahren keine dedizierte Serverhardware mehr an – sehr zum Bedauern einiger Fans des OS X-Serversystems, die auf den damals verfügbaren Xserve schwörten. Ein unschlagbares Gespann für kleinere Arbeitsgruppen, Büros, Agenturen etc. kann aber auch ein MacMini mit dem Serveraufsatz MacOS X Server sein. Es wird immer wieder die Kritik geäussert, dass so ein MacMini eben kein «richtiger» Server sei. Das mag insofern zutreffen, als dass die darin verbauten Komponenten nicht ausdrücklich 24/7-zertifiziert, also für Dauerbetrieb ausgelegt sind. Auf der anderen Seite stehen die praktischen Erfahrungen aus einer Unzahl an Umgebungen, in denen ein MacMini als Server für Arbeitsgruppen von 10, 20 oder gar 50 Usern betrieben wird – tagein, tagaus und ohne Ausfälle. Als minimale Absicherung dient ein im MacMini integriertes RAID1. Regelmässige Backups mit dem integrierten TimeMachine sowie gegebenenfalls ein Cold-Standby-System könnten ein solches Szenario absichern.

App-Store

Nein – dies ist kein Witz: Sie erhalten das Mac OS X-Serversystem tatsächlich im App-Store. Der zweite Fakt, der bei so manchem gestandenen Windows-Administrator oder IT-Verantwortlichen Staunen hervorruft, ist der erstaunlich niedrige Preis: aktuell liegt der Preis für die vollwertige Serverlizenz bei etwa CHF 20.-. Nein, wir haben keine Null vergessen! Und das Schönste dabei ist: es gibt keine gesonderten Lizenzen für den Zugriff der Clients. Theoretisch könnten sich mehrere hundert oder gar tausend User mit Windows 7, Windows 8, Mac OS X oder Linux-PCs an einem OS X Server anmelden und auf Kalender, Kontakte, Dateien, Intranet und Internet zugreifen.

Fernverwaltung

Die Server Admin Tools sind leider nur für Mac-Systeme erhältlich. Die Verwaltungsoberfläche des Mac-Servers kann aber über die sogenannte Bildschirmfreigabe unter OS X erreicht werden. Gestandenen Admins wird dies bekannt vorkommen – schliesslich dürfte quasi jeder Server heutzutage per RDP- oder sonstiger Fernzugriffstechnik (Screen Sharing) zu verwalten sein, und kaum ein Admin wird sich noch im gekühlten und lärmenden Serverraum an die KVM (Keyboard, Video, Mouse) begeben, zumindest nicht für längere Administrationsaufgaben. Ansonsten steht es Admins natürlich frei, einen Bildschirm, eine Tastatur und Maus an einen Mac-Server anzuschliessen. MacMinis laufen nahezu geräuschlos und sind deshalb prädestiniert für den Einsatz in kleineren Büros, die in der Regel ja über keinen eigenen Serverraum verfügen.

Und was ist mit Outlook?

Kommen wir zu einer der gravierendsten Beschränkungen eines OS X-Servers: Windows-Clients finden zwar weitgehend Anschluss, aber der beliebte Mailclient Outlook lässt sich nicht vollwertig anbinden. Das wiederum heisst aber nicht, dass es gar nicht möglich ist, ihn einer Mac OS X-Server-Umgebung zu benutzen: die übliche IMAP-Anbindung funktioniert im Grossen und Ganzen (mit den üblichen Beschränkungen, die der mangelhaften Implementierung des IMAP-Protokolls in Outlook geschuldet sind). Wer erweiterte Funktionen wie Shared Calendar, Abwesenheitsnotizen oder personifizierte Spam-Regeln nutzen möchte, muss dann schon tiefer ins System eingreifen. Dies ist zwar aufgrund der Tatsache, dass Apple Standard-OpenSource-Komponenten wie Postfix nutzt, theoretisch möglich, erfordert aber schon tiefergehendes Wissen. Eine Alternative bestünde darin, entweder gleich eine vollwertige (Open-Source-)Groupware wie beispielsweise Zarafa oder Kolab an den OS X-Server anzudocken – oder auf eines der oben erwähnten Serverpakete aus dem Linuxbereich zurückzugreifen. Das wäre dann aber schon wieder ein neues Thema.

Links

www.apple.com

www.blogs.technet.com

www.mac-o-net.de

MaLiWi IT

Produkt-Empfehlungen

  • InformatikPraxis

    InformatikPraxis

    DIE ultimative Praxislösung für IT-Entscheider!

    ab CHF 168.00

  • IT-Sicherheit

    IT-Sicherheit

    Schützen Sie Ihr Unternehmen konsequent vor Systemstörungen und Risiken.

    Mehr Infos

  • Moderne Kommunikation in der Arbeitswelt

    Moderne Kommunikation in der Arbeitswelt

    So punkten Sie mit Briefen, Mailings und Facebook

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

IT-Verträge entwerfen und verhandeln

Rechtssicherheit bei IT-Projekten, Outsourcing und Cloud Computing

Nächster Termin: 22. November 2018

mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos