17.09.2019

Microsoft Cloud: Migration in der Praxis

Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt, hiess es in einem Schlager aus den 70ern - und Microsoft schneidet alte Zöpfe ab, aktuell namentlich Windows 7 und alles an Serversystemen, was noch Exchange 2010 im Namen trägt. Höchste Eisenbahn, sich den Wechsel zu einer zeitgemässen Lösung einmal in der Praxis anzusehen.

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Microsoft Cloud

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Wir haben das Thema an dieser Stelle ja wiederholt vorgestellt, aufmerksame Leser und Leserinnen kann es also nicht mehr wirklich überraschen: Windows 7 ist tot, der SBS (Small Business Server) ist tot, Windows Server älter oder gleich 2008 ebenso. "Tot" ist dabei nicht wörtlich zu verstehen - selbstverständlich dürfen Sie alle diese Systeme auch nach dem offiziellen Supportende am 14. Januar 2020 weiterhin nutzen. Schliesslich handelt es sich ja nicht um eines der immer beliebter werdenden Abomodelle, bei denen die Funktionalität mit Ablauf der bezahlten Aboperiode entweder stark eingeschränkt oder sogar ganz eingestellt wird. "Beliebt" übrigens bei den Anbietern solcher Lösungen, nicht unbedingt bei deren Nutzern - aber das ist ein anderes Thema.

Wir wollen an dieser Stelle auch nicht noch einmal auf die verschiedenen Aspekte eingehen, die die bevorstehenden Systemwechsel mit sich bringen - auch dazu finden Sie an dieser Stelle weitere Lektüre, gerade in den vergangenen Monaten haben wir uns wiederholt dem Thema gewidmet. Vielmehr geht es uns mit Blick auf den Kalender - der Herbst ist inzwischen angebrochen - um einige praktische Hinweise für die Migration Ihres Exchange 2010 oder Small Business Server 2008 / 2011 in die Microsoft Cloud. Dass dies nur eine der möglichen Optionen ist, sei selbstverständlich ebenfalls noch einmal betont.

Migration zu Office 365

Das Gros der Anwender aus dem typischen KMU-Umfeld wird aber wohl diese Variante wählen beziehungsweise - so bestätigen es die Erfahrungen der vergangenen Monate - ist bereits im Prozess der Migration zu Office 365 eingebunden oder hat diesen sogar bereits abgeschlossen.

Welche Möglichkeiten gibt es beim Ablösen eines alten Windows-Servers? In vier groben Zügen:

  • Sie behalten die Serverstruktur bei und führen schrittweise Upgrades durch
  • Sie behalten die Serverstruktur bei, installieren aber "frische" Server und migrieren Daten und Anwendungen
  • Sie verzichten auf einen eigenen Server und überführen Mails, Daten, Anmeldungen und so weiter in die Cloud
  • Sie migrieren Mails und Daten in die Cloud (Office 365 / Exchange Online, Sharepoint) und nutzen lokal einen (kleinen) Windows Server (Essentials, Core) für bestimmte Anwendungen oder Dienste.

Welche Strategie die für Sie richtige ist, können wir Ihnen natürlich nicht im Rahmen eines solchen Beitrags empfehlen - rechnen Sie die einzelnen Varianten in Ruhe durch, beachten Sie dabei auch die Kosten der Migration und behalten Sie die langfristigen Kosten im Auge! Wie gehen Sie (zumindest vereinfacht dargestellt) nun in der Praxis einer Migration vor?

Handelt es sich um einen Windows Server 2008 R2, ist es möglich, diesen schrittweise auf Windows Server 2019 upzugraden. Zuerst "ziehen Sie den Server hoch", wie der Admin gerne sagt, nämlich auf Windows Server 2012, von dort auf Windows Server 2016 und schliesslich auf Windows Server 2019.

Bei einem Small Business Server klappt dieses Vorgehen selbstverständlich nicht. Hier bleibt nur die Möglichkeit, die Dienste (File, Mail, Domain, Print usw.) in deren einzelnen Teilen auf einen Server ab Windows Server 2012 aufwärts zu migrieren.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit, die Daten und Applikationen eines älteren Windows-Server per Migration (Re-deployment) auf einen frisch installierten Windows Server 2019 zu verschieben.

Server 2019 oder 2016?

Das bringt uns zu der Frage, ob Sie jetzt auf einen Server 2019 oder 2016 wechseln sollten. Wenn Sie sich jetzt ohnehin bereits der Mühe des Wechsels unterziehen, dann sollten Sie doch auch gleich auf das aktuellste Serversystem (also 2019) wechseln - oder? Die Lebenszyklen der beiden Varianten 2016 und 2019 sind zwar "nur" zwei Jahre auseinander, aber weshalb sollten Sie diesen zusätzlichen Zeitraum nicht ausnutzen? Nun, vielleicht aufgrund eines einfachen Rechenbeispiels: Die Strassenpreise für einen 2016er Server liegen unter denen eines 2019er Servers, und wenn Sie dann noch die zusätzliche Supportzeit für das Upgrade eines 2016er-Servers auf den 2019er-Server hinzurechnen, wird sich eine eher konservative Upgradestrategie sogar pekuniär bemerkbar machen. Der Mainstream Support für Windos Server 2016 endet im November 2022, der Extended Support im Dezember 2027. Windows Server 2019 wird jeweils bis 2024 beziehungsweise 2029 unterstützt - so gross sind die zeitlichen Unterschiede also gar nicht, und wer weiss, welches Serversystem dann aktuell und zukunftssicher sein wird.

Wechseln Sie ohnehin auf die Microsoft-Cloud (was seitens der Redmonder Softwareschmiede für kleinere Umgebungen ja immer wieder empfohlen wird), können Sie die Daten Ihrer Freigaben mittels des SharePoint-Migrationstools zu - richtig, Sharepoint migrieren. Die Verwendung des Tools ist nicht zuletzt deswegen empfehlenswert, weil es die Namenskonventionen des Cloud-Sharepoints berücksichtigt.

Besorgen Sie sich vor dem Wechsel in die Microsoft-Cloud einen entsprechenden Microsoftaccount, mit dem Sie Ihre User, Freigaben und Berechtigungen verwalten können. Auf den Client-PCs sollten Sie zudem Officeversionen wie zum Beispiel 2010 deinstallieren und anschliessend Office 365 installieren. Die notwendigen Lizenzen verwalten Sie ganz einfach über Ihren Microsoftzugang - in dieser Beziehung wird es gerade für kleinere Netzwerke mit einer Microsoft-Cloud einfacher. Ohne Internetanschluss geht dann zwar kaum noch etwas - aber ehrlich gesagt, ist das in den meisten KMUs doch heutzutage ohnehin bereits der Fall, und sei es, weil die Emails im Falle eines Internetausfalls nicht mehr eintreffen oder die Voice-Over-IP-Telefonanlage dann keinen Pieps mehr von sich gibt.

Wenn Sie den "grossen" Schritt in die Microsoft Cloud gehen wollen, können Sie Ihre lokalen Server mit Windows Server 2008 oder 2008 R2 mithilfe von Azure Site Recovery zu Azure migrieren. In diesem Fall hätten Sie auch Ihre Active Directory-Struktur.

Besondes aufwendig wird es übrigens, wenn Sie einen Windows Exchange Server 2010 nutzen und diesen auf ein Niveau ab Server 2016 auf einem eigenen Server heben wollen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • eine Migration auf Exchange 2013 - vielleicht nicht die günstigste Möglichkeit, denn hier endet der Support durch Microsoft im November 2023
  • Migration zu Exchange 2016 als Produktivlösung
  • Migration zu Exchange 2016 mit einem weiteren Migrationsschritt zu Exchange 2019, wie beim obigen Beispiel mit dem Windows Server

Daneben steht Ihnen naürlich auch die Migration zu Office 365 mit Exchange Online zur Verfügung, der Wechsel zu einem gehosteten Exchange oder einer ganz Groupware-Lösung, entweder in der Cloud, gehostet oder On-Premise (also auf eigener Hardware). Über all diese Möglichkeiten haben wir ja bereits mehrfach berichtet. Bei einem Wechsel zu Office 365 lassen sich die Benutzerpostfächer Ihres bisherigen Exchangeservers recht problemlos zu Office 365 migrieren. Microsoft nennt dies eine "Übernahmemigration", die vor allem für kleinere und mittlere Umgebungen empfohlen wird. Voraussetzung ist, dass Sie Microsoft Exchange Server 2003 oder höher nutzen.

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