06.11.2017

Microsoft Windows 10: Verbesserter Datenschutz – Wechsel zu Windows 10 jetzt?

Vorurteile – jeder weiss es – sind nur hartnäckig aus der Welt zu bekommen. Windows 10 ist inzwischen einigermassen etabliert, kämpft aber nach wie vor mit dem zweifelhaften Ruf, eine Art «Datenschleuder» zu sein. Jetzt hat Microsoft nachgebessert, was sogar den Beifall der Schweizer Datenschützer gefunden hat. Zeit, von Windows 7 auf Windows 10 zu wechseln?

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Wechsel von Windows 7 auf Windows 10 

Windows 10 galt und gilt vielen immer noch als schwer zu bedienendes und vor allem geschwätziges Betriebssystem. In vielen Unternehmen wird der Wechsel von Windows 7 auf Windows 10 nach wie vor gescheut. Das liegt aber nicht nur am Datenschutz, sondern auch an weiteren Faktoren.

Zumindest im ersten Punkt - dem Datenschutz - hat Microsoft inzwischen so kräftig nachgebessert, dass Schweizer Datenschützer Entwarnung geben. Bisher galt das aktuelle Windows-System vielen als vor allem im Businessbereich unzumutbar. Die Hauptkritikpunkte kurz skizziert:

  • Windows 10 war in den ersten Releases tatsächlich so eingestellt, dass es viele Informationen über das System und dessen Nutzung an Server des Stammhauses weitergegeben hatte.
  • Und dieses Verhalten liess sich nur bedingt mittels der Datenschutzeinstellungen, die man während der Neueinrichtung seines PCs mit Windows 10 durchläuft, regeln.
  • Die digitale Assistentin Cortana nutzt für ihre Funktion intensiv den Datenaustausch zu Microsoft.
  • Für die Einrichtung eines Windows-10-PCs wird man beinahe schon zur Einrichtung eines Microsoft-Benutzerkontos genötigt.

Datenschutzeinstellungen trugen zum schlechten Ruf von Microsoft Windows 10

Vor allem die während der Installation mittels «Express-Einstellungen» gerne mal leichtfertig abgenickten Datenschutzeinstellungen trugen zum schlechten Ruf von Microsoft Windows 10 in Sachen Datenschutz bei. Zwar ist es nicht die Schuld von Microsoft, wenn erwachsene Menschen nach etwas gefragt werden und unkritisch ihre Zustimmung geben – aber Microsoft Windows 10 fragte eben gar nicht erst richtig nach beziehungsweise liess schlicht zu wenig Einstellungsmöglichkeiten zu. Diese Umstände riefen nicht nur die nationalen, sondern auch viele europäische Datenschutzbehörden auf den Plan. Im Prinzip gaben die so genannten Expresseinstellungen zum Datenschutz bei der Einrichtung von Microsoft Windows 10 quasi sämtliche Daten für den Versand an Microsoft frei.

Und da die Datensammelwut in Microsoft Windows 10 dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) dermassen weit ging, dass er seinerzeit gegebenenfalls sogar vors Bundesgericht gezogen wäre, waren viele Anwender verunsichert. Natürlich wäre es kaum jemals zu einer echten Illegalität gekommen - oder können Sie sich vorstellen, Ihr Windows 10 vom Händler heimlich unter der Ladentheke durchgereicht zu bekommen oder es womöglich in dunklen Ecken der Bahnhofsvorstadt von polizeilich gesuchten Dealern zu erstehen?

Wie verhält es sich denn aber nun aktuell mit Microsoft Windows 10 und dem Datenschutz?

In der Tat hatten die Schweizer Datenschützer diese potentiellen Schwachstellen keineswegs auf die leichte Schulter genommen und vor etwa zwei Jahren sogar gegen Microsoft ermitteln lassen. Inzwischen hat Microsoft in einigen Punkten nachgebessert, was auch das Lob oder zumindest die Anerkennung der Schweizer Datenschützer findet. Spätestens seit Anfang des Jahres 2017 ist Microsoft sichtlich bemüht, dem miserablen Ruf von Windows 10 hinsichtlich des Datenschutzes entgegen zu wirken.

Es gibt seit dem Creators-Update neue Privatsphäre-Einstellungen beim Einrichten von Windows 10. Damit können Nutzer den Versand von Daten ablehnen. In den Installationsroutinen gibt Microsoft sich grosse Mühe zu erklären, welche Daten wofür genau benötigt würden.

Inzwischen gibt es also Entwarnung - zumindest fast. Neben dem Edöb haben sich natürlich auch Datenschützer anderer Länder mit Windows 10 beschäftigt, und eine aktuelle Untersuchung des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht kommt zu dem Schluss, dass die Enterprise-Version von Windows 10 in Unternehmen datenschutzkonform eingesetzt werden könne. Gleichzitig wird in diesem Bericht aber explizit auf noch bestehende Schwachstellen hingewiesen - Schwachstellen aus Sicht der Nutzerinnen und des Datenschutzes! Und die niederländische Datenschutzaufsichtsbehörde bemängelt, dass Microsoft die User nach wie vor nicht klar genug darüber informiert, welche Daten für welchen Zweck erfasst und ausgewertet werden (zit. n. heise.de). Somit verstösst Microsofts aktuelles Betriebssystem sogar gegen europäisches Datenschutzrecht: Die Datenverarbeitung sei «nicht vorhersehbar», «ständig werden Daten gesammelt» und «aufgrund von Microsofts Vorgehensweise haben Nutzer keine Kontrolle über ihre Daten», bilanziert die Behörde (zit. n. ebd.).

Unsicherheit im Umgang mit Windows 10

Zur grundsätzlichen Unsicherheit im Umgang mit Windows 10 trägt diese nicht abstreitbare Datensammelwut von Microsoft ebenso bei wie die öffentliche Diskussion darüber - und nicht zuletzt einige weitere Tatsachen, die dem Autor im beruflichen Alltag immer wieder begegnen:

  • Mit Windows 7 hat(te) Microsoft ein sehr gut eingeführtes, stabil laufendes und eigentlich alle Anforderungen an den Betrieb im geschäftlichen Umfeld erfüllendes «Konkurrenzprodukt», welches zudem nicht mit dem Male des Datenschutzverstosses behaftet war.
  • Zudem hat Microsoft die Oberfläche von Windows 10 (wie bereits beim Vorläufer Windows 8) derart radikal umgestaltet, dass viele User - und auch hier wieder vor allem aus dem Businessbereich - den Umstieg scheuten.

Übrigens ist diese Diskussion nach wie vor nicht ausgestanden - Windows 7 beherrscht nach wie vor das Feld bei den Windows-Derivaten, aktuellen Erhebungen zufolge (beispielsweise auf http://www.zdnet.de) ist der Marktanteil doppelt so hoch wie derjenige des aktuellen Systems Windows 10.

Ein weiterer Aspekt: Microsoft wird zwar nicht müde zu beteuern, dass nach Windows 10 nichts mehr komme und diese Betriebssystemvariante deshalb alternativlos sei. In die Zukunft schauen kann aber niemand, und es wäre nicht das erste Mal, dass Microsoft seinen Kurs korrigiert oder völlig andere Entscheidungen trifft als zu irgend einem Zeitpunkt mal bekanntgegeben.

Dazu passt eine aktuelle Entwicklung vom Sommer 2017: Das Ende von Microsofts Sharingdienst Docs.com wurde beschlossen, obgleich Docs.com erst Mitte 2015 gestartet worden war. Anwender, so heise.de, sollten auf andere Speicherplattformen ausweichen - natürlich solche aus Redmond, passenderweise verfügt der Konzern nämlich seit der 2016 erfolgten Übernahme von LinkedIn eine entsprechende Plattform - SlideShare -, die Docs.com quasi Konkurrenz im eigenen Hause macht(e). Böse Zungen behaupten ja, dass diese Redundanz niemandem bei Microsoft vor der Übernahme von LinkedIn aufgefallen war. Das Ende von Docs.com hat Microsoft denn auch nur in einer knappen Mitteilung der Öffentlichkeit mitgeteilt. «Zum 15. Dezember 2017 fallen alle Funktionen weg, auf zentrale Features müssen Nutzer aber schon deutlich früher verzichten», so heise.de.

Nun muss niemand Angst haben, dass Microsoft urplötzlich den Support für Windows 10 einstellen wird – aber umgekehrt läuft auch die Unterstützung von Windows 7 noch bis zum 14. Januar 2020, mithin mehr als zwei Jahre. Zeit genug, einen etwaigen Wechsel gründlich vorzubereiten – zu welchem System dann auch immer.

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