12.08.2019

Migrationen: Perspektiven und Alternativen der Migration

Microsofts Unterstützung von Windows 7 wird am 14. Januar 2020 endgültig auslaufen. Natürlich wird Windows 7 nicht ab dem 15. Januar 2020 unbenutzbar werden, aber da es zukünftig dann keine Sicherheitsupdates mehr für das Betriebssystem geben wird, wächst das Sicherheitsrisiko.

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Migrationen

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Migrationen: Unterstützung für Windows 7 endet 2020

Sicherheitslücken, die dann noch aufgedeckt werden, dürften nicht mehr durch Patches und Updates gestopft werden. Spätestens zum Zeitpunkt Anfang 2020 sollten Sie also auf eine Alternative umgestellt haben.

Windows 10: Es kann nur einen geben

Microsofts Update-Politik ist mitunter schwer nachvollziehbar, und nicht nur mit dem ungeliebten Windows Vista im Jahr 2007 hatte Microsoft sich wenige Freunde gemacht. Windows 8 erging es nicht viel besser – und so laufen fast 40% der PCs und Laptops weltweit auch im Jahr 2020 noch unter Windows 7:

"Windows 10 held 39.22 percent of desktop OS market share in December 2018, compared to 36.9 percent for Windows 7. It’s a statistic that’s taken Microsoft three and a half years to achieve, and it demonstrates just how popular Windows 7 has been since its release nearly 10 years ago", heisst es auf www.theverge.com

Neue PC-Systeme werden inzwischen fast ausschliesslich mit Windows 10 ausgeliefert, wollen Sie jetzt noch ein System mit Windows 7 ergattern, müssen Sie beim Kauf darauf achten – in der Regel wird Ihnen ein Windows-10-System mit einer Downgrade-Möglichkeit auf Windows 7 angeboten werden. Es kann durchaus noch gute Gründe für den Beibehalt von Windows 7 geben – vielleicht ist eine Anwendung noch nicht mit dem neuen Windows kompatibel, oder Sie scheuen den Umstieg auf die Windows-10-fähige Version einer Software, die in Ihrem Betrieb genutzt wird. Ein Mischbetrieb verschiedener OS-(Betriebssystem-)Versionen kann auf jeden Fall problematisch sein.

Genau wie bei Windows XP ist es aber nur eine Frage der Zeit, dass Sie auf den Nachfolger umsteigen müssen – wenn Sie sich nicht der beschriebenen Sicherheitsproblematik aussetzen wollen. Spätestens Januar 2020 wird es keine Updates mehr für Windows 7 geben, und vor allem wird Windows 10 alternativlos sein, zumindest solange Sie den Microsoft-Kosmos nicht verlassen wollen oder können. Denn war man es bisher gewohnt, dass Microsoft regelmässig neue Versionen von Windows veröffentlichte und dabei – von Ausnahmen wie Windows ME oder XP abgesehen – jeweils eine Versionsnummer hochzählte, hat Microsoft mit Windows 10 diese Strategie geändert. Frei nach dem Highlander-Prinzip soll es nur ein OS geben, nämlich Windows 10. Statt neuer Versionsnummern wird es unterschiedliche Builts geben. Auf Windows 11 brauchen Sie also nicht zu warten. Aber vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich nach einem anderen Betriebssystem umzusehen?

Alternativen zu Windows 10 Migrationen

Apple MacOS

Schaut man sich Statistiken wie beispielsweise unter https://netmarketshare.com an, wird sofort klar, dass Windows mit annähernd 90% der unangefochtene Platzhirsch bei den Betriebssystemen ist. Apples MacOS hält sich im weltweiten Vergleich zwar recht wacker bei etwa 10%, dabei gibt es aber grosse nationale Unterschiede. So ist das auf Unix beruhende MacOS in den USA viel weiter verbreitet als etwa in Europa.

Das soll natürlich niemanden daran hindern, in seinem Homeoffice oder auch im Büro auf Apples stylishe Geräte zu setzen – iPhones und iPads haben auf ihrem weltweiten Siegeszug ja ohnehin in vielen Büros Einzug gehalten, vor allem auf den Chefetagen. Nur Samsung ist weiter verbreitet, von Windows Phones redet kein Mensch mehr.

Allerdings käme ein Wechsel von Windows 7 zu MacOS (aktuell Mojave, 10.14) einem kompletten Systemwechsel gleich: Aussehen, Bedienung und Systemintegration würden sich vollständig ändern.

Erschwerend kommt hinzu, dass Sie, um MacOS als Alternative zu Windows 10 nutzen zu können, vermutlich gleich Ihre gesamte PC-Hardware austauschen müssten: Auf einem Apple (MacMini, MacPro, iMac, MacBook) können Sie Windows installieren (Stichwort Bootcamp), umgekehrt klappt das allerdings nicht. Zudem laufen viele Anwendungen gerade aus dem Bürobereich ausschliesslich auf einem Windows-Betriebssystem. Microsofts Office gibt es zwar für MacOS, aber schon bei den diversen Anwendungen, die rund um Microsofts Access gestrickt sind, schauen Mac-Benutzer in die Röhre.

Dennoch sollte man eine solche Überlegung – ein Wechsel zu Apples MacOS – nicht gleich vom Tisch wischen. Mehr und mehr gehen Softwareanbieter dazu über, ihre Lösungen webbasiert anzubieten. Hier geht der Trend langsam, aber stetig weg vom "Fat Client" mit einer eventuell mühselig zu installierenden und durch Updates und Patches aktuell zu haltenden Software auf dem Server oder dem PC hin zu Web-GUIs – und denen ist es in der Regel gleichgültig, ob sie von einem Browser auf einem Mac, einem Windows-PC oder gar unter Linux aufgerufen werden. "In der Regel" heisst natürlich, dass nicht jeder Browser mit jeder Webanwendung vollständig kompatibel ist – aber das steht dann noch auf einem ganz anderen Blatt und betrifft mitunter sogar verschiedene Browser innerhalb ein und desselben Betriebssystems (Firefox, Chrome, Edge, Opera).

So ist beispielsweise die Fibulösung DATEV neuerdings mit einem Mac nutzbar:

"Eine weitere gute Nachricht für Mandanten, die mit Apple Mac arbeiten", heisst es auf www.spba.de: "Zum Zeitpunkt der Freigabe der neuen Version von Belege und Bank online unterstützt DATEV Unternehmen online neben dem Internet Explorer 11 auch Google Chrome für Windows und macOS (in Verbindung mit SmartLogin). Ab diesem Zeitpunkt können also auch Mac-Anwender mit DATEV Unternehmen online arbeiten und darüber digital Daten mit SPBA austauschen" (zit. n. ebd.).

Es gibt aber eine Vielzahl gerade an Branchensoftware und speziell programmierten Anwendungen, die ein Windows-Betriebssystem als Grundlage zwingend voraussetzen. Und dann ist da ja noch das Thema "Windows-Domäne".

Dreh- und Angelpunkt eines Windows-Netzwerks ist der Verzeichnisdienst Active Directory (AD DS). Hierin können Sie an zentraler Stelle Benutzerkonten verwalten, Freigaben, Drucker und weitere Berechtigungen verteilen. Auf Clientseite kann jeder in der sogenannten Domäne aufgenommene PC von jedem entsprechend berechtigten User genutzt werden. Einen Mac mit dem Active Directory zu verbinden ist nicht ganz trivial und bietet auch einige Fallstricke und Einschränkungen, aber grundsätzlich geht es. Dazu gibt es im MacOS ebenfalls einen Verzeichnisdienst: https://support.apple.com/de

Nutzen Sie dann noch vorwiegend Webanwendungen oder gar den Remote-Desktop-Zugriff eines Windows-Servers, könnten Sie theoretisch alle Ihre PCs durch Macs ersetzen. Neben dem nicht ganz ernsthaft zu wertenden Zugewinn an "Lifestyle" (Macs gelten allgemein als besser gestylt und das MacOS als einfacher zu bedienen als Windows-Systeme) könnten Sie die unbestreitbaren Vorteile der Apple-Systeme in die Berechnung einfliessen lassen:

  • weitaus geringere Bedrohung durch Schadsoftware
  • sehr stabiles Gesamtsystem: Das liegt aber hauptsächlich an Apples grundsätzlich rigider, aber auch nicht lückenloser Kontrolle der für MacOS freigegebenen Anwendungen sowie der Einheit von Hardware und Betriebssystem (beides stammt ja aus demselben Hause).
  • guter Werterhalt

Dem muss man aber neben dem erhöhten Aufwand für die zentrale Verwaltung von Macs innerhalb einer Windows-Domäne die in der Regel weitaus höheren Anschaffungskosten für Desktop-Macs gegenüberstellen. Für die Notebooks von Apple, also die MacBooks, gilt das nicht ganz so, diese sind gemessen an der Ausstattung vergleichsweise konkurrenzfähig zu wertigen Laptops von Dell, Lenovo und so weiter.

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Linux

Mit einigen Abstrichen gilt das eben Gesagte auch für PCs und Laptops, die mit Linux als Betriebssystem betrieben werden. Hat Linux im Serverbereich inzwischen unbestritten Microsofts Windows-Serversysteme eingeholt (je nach herangezogener Statistik geht es immer nur um den knappen ersten oder zweiten Platz in einem Kopf-an-Kopf-Rennen), liegt der Marktanteil aller Linux-Derivate zusammengenommen weit im unteren einstelligen Bereich. Derivate sind die verschiedenen Versionen wie Ubuntu, Suse, Red Hat, Fedora, Debian usw.

Trotzdem: Wer heutzutage ein aktuelles Linux-OS wie etwa Ubuntu installiert, wird kaum einen erhöhten Administrationsaufwand betreiben müssen. Die Hardwareunterstützung ist hervorragend, die Installer laufen wie bei Windows oder Mac mit einer geschmeidigen grafischen Oberfläche durch, und durch Systemsteuerungen muss man sich bei Linux ebenso durchhangeln wie bei Windows oder MacOS – nur wer weiss, wo er findet, erspart sich das Suchen, als richtig intuitiv wird wohl ernsthaft kaum jemand die Verwaltung aller drei Systeme bezeichnen.

Aber sei es die Anbindung an das erwähnte Active Directory, die Verteilung von Druckern über das Firmennetzwerk, die Verteilung von Einstellungen über Gruppenrichtlinien: Hier stellt sich Linux ähnlich quer wie MacOS oder versagt gleich ganz.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Möglichkeit, ältere Hardware mit einem der eher anspruchslosen Linux-Betriebssysteme zu versehen und vielleicht noch als reine Surfstation oder für einen Zugriff ausschliesslich per Remote Desktop nutzen zu können – mithin also als eine Art "Thin Client".

Ist Windows 10 ein ausgereiftes Betriebssystem?

Grundsätzlich kann diese Frage natürlich mit "Ja" beantwortet werden. Windows 10 ist "Business ready", und es ist ja auch schon einige Zeit am Markt. Dabei ist die Frage nach "dem" Windows 10 eigentlich nicht korrekt zu beantworten, denn dessen frühe Versionen sind inzwischen schon wieder am Ende ihres Lebenszyklus angelangt:

"Windows-10-Nutzer sollten die Version ihres Betriebssystems überprüfen", heisst es in einer Meldung vom April 2019 auf www.t-online.de (siehe Links). "Denn seit Dienstag hat Microsoft den Support für bestimmte Versionen von Windows 10 eingestellt", wodurch "die betroffenen Systeme keine Sicherheitsupdates mehr erhalten. Dadurch sind sie anfällig für Sicherheitsgefahren. Betroffen ist die Version 1709 von Windows 10 Home-, Pro, Pro for Workstation- und IoT-Core. Zudem endet auch der Support für die Version 1607 in den Versionen Enterprise, Education und IoT-Enterprise." (zit. n. ebd.)

Sehen wir uns zum Beispiel die erste Version, den "Build 1507" von Windows 10 an. Veröffentlicht im Juli 2015, endete der Support für die Varianten Home, Pro, Enterprise und Education bereits im Mai 2017. Lediglich die Longtime-Version "Enterprise LTSC" wird noch bis Ende 2025 mit Updates versorgt werden.

Dabei schaffen die Updates selbst teilweise Probleme, auch in aktuell gehaltenen Builds:

"Etliche Updates aus jüngster Vergangenheit schaden Windows mehr, als dass sie nützen", heisst es dazu bei der Computerzeitschrift c't:

"Updates für Windows 10 werden mehr und mehr zu einem Risiko für einen zuverlässigen Betrieb des Systems. Ob 'nur' einige Netzwerkverbindungen nicht mehr funktionieren oder sämtliche Daten des Anwenders verschwinden: Die Nebenwirkungen übersteigen immer öfter den versprochenen Nutzen." (Quelle: www.heise.de)

Wer sich also für Windows 10 Migrationen entscheidet, begibt sich in die Abhängigkeit von Microsoft und dessen Update-Politik. Das gilt aber mindestens für Apples MacOS genauso, zumal hier die Abhängigkeit von der Hardware hinzukommt. Bei Linux sieht das zwar etwas anders aus, aber auch hier ist keines der Derivate für alle Ewigkeiten in Stein gemeisselt.

Was die Zuverlässigkeit und Stabilität von Windows 10 angeht, ist es nicht besser und schlechter als die Vorgänger. Gerade die teilweise Umgestaltung so vertrauter Funktionen und Bereiche wie Systemsteuerung, Startmenü und Explorer verwirren die meisten User offenbar mehr, als dass sie eine Erleichterung darstellt. Allerdings reagiert Microsoft doch immer mal wieder auf Rückmeldungen der Anwender und passt die Bedienung entsprechend an.

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