11.06.2019

Small Business Server: Sicherheitsupdates werden eingestellt

Vor ein paar Jahren haben wir uns an dieser Stelle bereits Office 365 angesehen - seinerzeit mit der Fragestellung, ob die Bürosuite "aus der Cloud" eine Alternative für Unternehmen sein könnte, die nach der Abkündigung des Small Business Servers auf das Gespann Outlook / Exchange nicht verzichten wollen. Seinerzeit wurde auch schon deutlich, dass die Anbindung von Outlook an ein Office 365-Konto gerade kleineren Unternehmen alle notwendigen Funktionen bietet, die man in klassischen Büro- und Teamumgebungen benötigt: Mail, gemeinsame Kalender und Adressbücher, über mehr kommt das Gros der Anwender ohnehin nur selten hinaus

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

Small Business Server

Microsoft stellt am 14. Januar 2020 den Support für den Small Business Server 2011 und Microsoft Exchange 2010 vollständig ein

Was aber, wenn spätestens Anfang nächsten Jahres der gewohnte Small Business Server (SBS) in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden soll? Bekannter Weise wird Microsoft am 14. Januar 2020 den Support beziehungsweise die Sicherheitsupdates für den Small Business Server 2011 und Microsoft Exchange 2010 vollständig einstellen. Gibt es Alternativen? Wie sehen diese aus? Ist noch genug Zeit für einen Wechsel? Spannend ist auch die Frage, welche Kosten dabei entstehen - einmal für die Alternativen an sich, aber auch für den zwangsläufig anfallenden Wechsel, die so genannte Migration.

Grundsätzlich läuft ein Server auch nach Beendigung des Supports durch den Hersteller natürlich erst einmal weiter - risikofreudigere Naturen könnten ihre Small Business Server durchaus weiterhin nutzen. Solange die Systeme regelmässig kontrolliert, mit Backups gesichert und vielleicht noch mit einer aktuellen Antivirenlösung versorgt werden, spricht auch erst einmal nichts dagegen. Es wird aber der Tag kommen, an dem eine bisher noch unentdeckte Sicherheitslücke von Hackern ausgenutzt werden könnte. Da kein produktiv genutzter Server isoliert im Nirvana steht, sondern immer Anschluss an ein Netzwerk haben wird, ist es somit nur eine Frage der Zeit, wann es zum Crash ergo Serverausfall durch Schadsoftwarebefall kommt. Zudem entwickelt sich die Welt um Ihren Server herum weiter, und früher oder später werden Inkompatibilitätsprobleme entstehen - das aktuelle Outlook funktioniert dann nicht mehr am alten Small Business Server, oder der Dateiaustausch mit Externen misslingt, falls Sie auf die vermeintlich clevere Idee kommen sollten, auch Ihre Officeanwendungen auf Stand 2003 oder 2010 "einzufrieren".

Es heisst also Abschied nehmen vom Small Business Server - womit wir zugleich die Frage beantworten, ob es Alternativen gibt. Die gibt es - grob skizziert wären das:

  • Verlagerung möglichst aller benötigten Dienste und Anwendungen in die (Microsoft-)Cloud - selbstverständlich können sie auch zum Hosted Exchange eines Anbieters wechseln, der idealer Weise seinen Server in der Schweiz betreibt.
  • Wechsel zu einer komplett anderen Lösung, mithin weg von Microsoft, beispielsweise zu einer Groupware wie Kopano und Datei- und Datenbankserverlösungen auf der Grundlage von Linux (Apples Mac-Server hat sich inzwischen bedauerlicherweise aus dem Kreis ernst zu nehmender Lösungen so gut wie verabschiedet).
  • Umstieg auf einen der aktuellen Windows Server 2016 / 2019 wie zum Beispiel Windows Server Essentials 2019 in kleineren Umgebungen.
  • Eine Kombination dieser unterschiedlichen Möglichkeiten.

Letzteres etwa könnte so aussehen, dass Sie mit Ihrer Maildomain in die Microsoft-Cloud wechseln (also Office 365 nutzen) oder ein Hosted Exchange anmieten - dabei würden Sie Office 2016 oder 2019 lokal installieren und nutzen. Die reinen Dateifreigaben des Small Business Servers könnte auch eine NAS bereitstellen - solche Geräte gibt es für wenige hundert Franken, sie bieten je nach Modell Benutzer- und Rechteverwaltung und dabei teilweise sogar die Authentifizierung der Nutzer gegen eine Active Directory-Domäne.

Womit wir nahtlos zu einer der spannendsten Fragen überleiten - was geschieht mit der Windows-Domäne, in die Sie bisher alle Ihre PCs und Laptops eingebunden hatten? Bekanntermassen bildet diese ja das Herzstück auch eines Small Business Servers und mit der zentralen Verwaltung der Dienste, Benutzer und Berechtigungen einiges an Komfort und Flexibilität - zumindest gilt dies, solange Sie sich bei den Betriebssystemen Ihrer Anwendergeräte auf Windows ab Version 7 beschränken. Apropos: Auch Windows 7 steht vor der Ablösung, aber das dürfte sich inzwischen überall herumgesprochen haben.

Wenn man sich für Office 365 registriert, erhält man quasi als Dreingabe Azure Active Directory, eine Art „Domain light“, mit der sich Ihre Office-Clients verwalten lassen. Aber Vorsicht - das Active Directory von Azure entspricht bei weitem nicht dem, was sie wahrscheinlich von Ihrem lokalen Active Directory mit dessen vielfältigen Möglichkeiten kennen! Mit dem Wechsel in die Cloud werden Sie sich im Extremfall von Gruppenrichtlinien, Domainforests und so fort verabschieden müssen.

Es wird also darauf ankommen, wie viele User Sie mit welchen Features versorgen müssen und wollen. Sind Sie beispielsweise auf die Datenbank des SQL Express auf Ihrem Small Business Server angewiesen, werden Sie nicht um einen lokal installierten Server herumkommen. Eventuell könnten Sie Dienste auf angemietete Ressourcen im Rechenzentrum auslagern, dann wiederum sollten Sie aber prüfen, in welcher Form Sie aus Ihrem Netzwerk heraus darauf zugreifen können.

Angebote heranholen und vergleichen!

In einem alten Schlager wurde einmal mit Herz-Schmerz von "der Frage aller Fragen" geträllert - ähnlich ergeht es vielen offenbar bei der Wahl zwischen Cloud und On-Premise (also lokal vorgehaltenem Server). Je nach Gusto und Intention von Käufer und Kunde ist entweder eine Cloud- oder eine lokale Lösung angeblich überteuert, mit Risiken und Mängeln behaftet oder liefert die Kundendaten auf Gedeih und Verderb Microsoft aus. Klarheit bekommen Sie nur, wenn Sie sich verschiedene Angebote - und diese immer auch von mehreren Anbietern! - geben lassen. Kalkulieren Sie dabei verschiedene Faktoren ein und versuchen Sie, das Ganze möglichst ergebnisoffen und vorurteilsfrei anzugehen! So etwas fällt IT-Verantwortlichen und Entscheidern übriges oft leichter als Administratoren, die doch immer die eine oder andere "Lieblingslösung" haben und darüber gerne zur Betriebsblindheit neigen. Punkte für eine solche Kosten-Nutzen-Analyse könnten sein:

  • Welche Kosten haben Sie im Verlauf von fünf oder sechs Jahren zu erwarten?
  • Was ist mit der Ausfallsicherheit?
  • Welches Backupmodell benötigen Sie?
  • Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
  • Wer wird das System administrieren?
  • Was machen Sie beim Ausfall der Internetanbindung?

Und erstellen Sie eine Liste der tatsächlich bei Ihnen verwendeten und auch zukünftig notwendigen Programme! Es wäre ansonsten nicht die erste Migration, bei der man sich über ein neues System freut, bis anlässlich des Monatsabschlusses die Buchhaltung oder das Controlling um die Ecke kommen und verzweifelt fragen, wo denn die Fibu-Software abgeblieben ist; schlimmstenfalls auf dem abgeschalteten Server, weil jetzt ja alles in der Cloud liegt – aber dann eben nur fast alles.

Fazit

Es heisst Abschied nehmen von den vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen beliebten Serverversionen Small Business Server 2011, Windows Server 2008 R2 und vor allem Exchange 2010. Ein Umstieg ist mit überschaubarem zeitlichen und finanziellen Aufwand machbar, wobei die Kosten beim Wechsel in die Cloud anfangs gering sind. Die möglichen Alternativen zu SBS 2011 oder Windows Server 2008 können sogar neue Möglichkeiten bieten. Da auch die PC- und Serverhardware früher oder später reif für einen Austausch sein wird, könnte das vor uns liegende Halbjahr 2019 der perfekte Zeitpunkt für die Ablösung Ihres auslaufenden Serversystems sein. Planen und analysieren Sie den Wechsel aber unbedingt sorgfältig und vorurteilsfrei! Ob Sie sich für eine Cloudlösung entscheiden oder das Beibehalten eines eigenen Servers – keine der möglichen Optionen wird Ihr Unternehmen in den finanziellen Ruin treiben, aber die Kostenunterschiede können immens sein, vor allem, wenn Sie für die nächsten fünf oder sechs Jahre kalkulieren. Vielleicht werden dann auch schon wieder ganz neue IT-Strategien interessant sein.

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