08.05.2017

Smart Home: Chance oder Risiko?

In Zeiten allgemeiner Digitalisierung der Arbeitswelt und gefühlt vollständiger Durchdringung des Alltags per Smartphone und Internet fragt sich so mancher sicherlich, wann denn endlich auch das «digitale Zuhause» kommt, in dem alle Haustechniken miteinander verbunden und per Smartphone oder Tablet steuerbar sind. Tatsächlich ist dieses längst keine Fiktion mehr - das Stichwort heisst «Smart Home».

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Die Digitalisierung und Vernetzung hat in den letzten Jahren fast alles verändert

Quasi alle Dinge und Prozesse sind heutzutage per WLAN, Cloud und Mobile Computing miteinander vernetzt, alles ist irgendwie elektronisch mess-, regel- und abrufbar. Die Digitalisierung und Vernetzung hat in den letzten Jahren fast alles verändert, vieles erleichtert, manches aber auch eher ungewiss gemacht - zum Beispiel die Sicherheit. Dabei fühlt sich mancher nur noch in seinen eigenen vier Wänden halbwegs geborgen, und das auch nur, solange der Internetanschluss abgeschaltet ist. Dabei ist "Smart Home" als Teil des "Internet of things" (IoT) längst dabei, auch diese letzte Bastion des prä-digitalen Zeitalters zu knacken. Was bringt uns das Thema «Smart Home» - smarten Luxus oder latente Bedrohung?

Was ist denn überhaupt solch ein «Smart Home»?

Wie so oft in der IT, gibt es keine klare Definition des Begriffs. Alles, was irgendwie in einem Gebäude verbaut, implementiert und miteinander vernetzt ist, fällt darunter. Auch Systeme, die dafür sorgen, dass per Messung und Erfassung überhaupt irgend etwas regelbar ist, fallen in diesen Bereich - allerdings gibt es hierfür schon wieder einen weiteren Begriff, Smart Metering. Es herrscht zudem weitgehend Einigkeit darüber, dass die reine Vernetzung von Unterhaltungskomponenten - Stereoanlage, Fernseher und Computer / Smartphone - noch nicht unbedingt das ist, was man unter einem Smart Home versteht. Aber wie bereits gesagt - die Begrifflichkeiten sind noch sehr vage, die ganze Thematik ist überhaupt erst seit etwa dem Anfang dieses Jahrhunderts ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt, und somit dürfen Sie Ihr System aus Sonos-, Bose-, Apple- und sonstigen WiFi-Audiokomponenten, welches Sie bequem per Smartphone-App steuern, natürlich auch gerne als «Smart Home» bezeichnen, wenn es Ihnen zum Beispiel hilft, den Verkehrswert Ihres Hauses zu erhöhen.

Ansonsten geht man eher vom Bild des Nutzers der klassischen Haustechniken aus, der manuell die Heizungsanlage regelt, zum Lüften Terassentür oder Fenster öffnet, sich selber die Tür aufschliesst, diese nach Verlassen des Hauses auch wieder abschliesst und bei Nichtanwesenheit das Haus quasi sich selber überlässt. Im «Smart Home» ist der Nutzer all dieser Tätigkeiten entledigt. Hierzu werden eigentlich «konventionelle» Systeme mit entsprechenden Erweiterungen mess- und regelbar gemacht, mittels Netztechnik miteinander verbunden und in der Regel über einen zentralen Server gesteuert. Die Regulierung erfolgt dann entweder über vorprogrammierte Parameter - so etwas kennt man schon lange von Heizungsanlagen, die sich den äusseren Witterungsbedingungen anpassen und die Wärmeleistung hoch- oder herunterregeln, je nach dem durch den Nutzer voreingestellten Wert. Die Regelung kann aber natürlich auch über ein Programm, mithin eine «App» und somit auch aus der Ferne per Computer, Smartphone oder Tablet erfolgen. Durch die allumfassende Vernetzung ist diese Regulierung und Steuerung - und das ist eine der wirklich spannenden Neuerungen, die durch die Smart Home-Technik möglich geworden sind - von einem beliebigen Standort des Nutzers aus möglich. Voraussetzung ist natürlich, dass Haus und Nutzer über eine Internetanbindung verfügen.

Alle Techniken eines Hauses, die in irgend einer Weise per Steuerungstechnik steuerbar sind, fallen also unter den Begriff «Smart Home». Daneben werden auch die Bezeichnungen «Smart Living», «eHome» oder «Intelligentes Wohnen» benutzt. Ob es nun am steten Drang des Menschen liegt, neueste Technologien nutzen zu wollen, an romantisch veranlagten Zeitgenossen, die ihr armes Haus nicht immer alleine lassen wollten oder doch nur an schlichtem Geschäftsinteresse der Anbieter von entsprechenden Techniken - zweifelsfrei steht fest, dass Smart Home-Techniken in neu errichteten Gebäuden immer mehr Einzug halten.

Smart Home-Systeme bringen einen handfesten Nutzen mit sich

Es ist dabei ein bisschen wie mit dem allgegenwärtigen Internet oder einem Smartphone - irgendwie ging es früher auch immer ohne, aber wenn man es erst einmal kennengelernt hat, mag man es bald auch nicht mehr missen. Wie auch bei anderen Lösungen aus der Elektronikbranche, die erst in den vergangenen Jahren Verbreitung gefunden haben - beispielsweise den anscheinend unvermeidlichen Navis in allem, was sich schneller als mit Schrittgeschwindigkeit bewegt -, bringen Smart Home-Systeme auch einen durchaus handfesten Nutzen mit sich. Wer ein Navi im Wagen hat, braucht keine unhandlichen Strassenatlanten mehr mit sich herumzuschleppen und diese zu studieren, und wer seine Heizungsanlage per Smart Home steuert, kann auf dem Nachhauseweg aus der Ferne per entsprechender App schon mal die Heizung hochdrehen und sich idealer Weise sogar noch die Haustür öffnen lassen, wenn er mit schweren Einkaufstüten beladen nach Hause kommt. Fehlt eigentlich nur noch der elektronische Butler, der die Einkäufe dann auch noch in den richtigen Schränken verstaut ...

Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent

Tatsächlich können - per elektronischer und digitaler Vernetzung «intelligent» gemachte – Smart Home-Systeme uns nicht nur viele lästige Alltagstätigkeiten abnehmen, sondern auch einen fiskalen Mehrwert oder ein Plus an Sicherheit bringen. In einem «Smart Home» werden nicht nur Heizkörper elektronisch reguliert, sondern beispielsweise auch Jalousien geöffnet und geschlossen. Die eingeschaltete, aber vergessene Herdplatte wird automatisch abgedreht, ein Fenster automatisch zum Lüften geöffnet, wenn sich das ebenfalls automatisch gemessene Raumklima verschlechtert. Dabei regelt zeitgleich die Heizung elektronisch herunter- und nach dem Schliessen wieder herauf - all dies sorgt neben dem Komfort auch noch für eine Energieeinsparung von (wenn man den Anbietern solcher Systeme Glauben schenken darf) bis zu 30 Prozent.

Ein Plus an Effizienz und Sicherheit

Erst einmal bringt ein «Smart Home» also ein Plus an Effizienz und auch an Sicherheit. Per Kamera kann das Hausinnere (und bitte nur dieses, ansonsten kollidieren Sie schnell mit dem Datenschutz!) überwacht werden, und über die elektronisch überwachte und gesteuerte Haustür können Sie die Handwerker ins Haus lassen, während die Familie komplett ausgeflogen ist. Dann aber sollten Sie wieder an den Datenschutz denken, bevor die Handwerker oder gar Ihre Putzfrau in den Fokus der Überwachungskamera (die ja eigentlich nur der Erkennung von Einbruchsversuchen dienen sollte) geraten. Sie sehen also, dass das Thema «Smart Home» sehr umfassend und nicht ohne Tücken ist. Allzu gerne vergisst man auch, dass diese ganze Vernetzung, Regelung und Steuerung ja auch gekauft, eingerichtet und gewartet werden muss. Schlecht ist es zudem immer dann, wenn die Technik einmal versagt - aber das ist auch bei den als Beispiel herangezogenen Navigationssystemen der Fall. Im Zweifelsfall steht dann doch immer noch der Mensch als die verlässlichste «Fallback»-Komponente im Hintergrund des ganzen.

Jedes elektronische System ist anfällig für technische Fehler, Fehlbedienung oder gar gewollte Manipulation oder Schädigung

Und vor allem muss man sich dann ausserdem noch die Frage stellen, die heutzutage bei der Befassung mit jedweder Lösung aus dem Bereich IT und Vernetzung mitschwingt - wie ist es um die Sicherheit des Systems selbst bestellt? Dabei geht es zum Einen um die Betriebssicherheit. Durch adäquate Kontrollsysteme muss natürlich dafür gesorgt werden, dass bei einem Versagen der Mess-, Steuerungs- oder Regeltechnik nicht im Hochsommer die Heizung selbsttätig auf volle Leistung oder - schlimmer noch - im Winter bei 20 Grad Frost auf Sommermodus geht. Zum Anderen ist aber sorgsam darauf zu achten, dass das Netzwerk eines Smart Homes nicht durch einen Hacker (was möglich, aber grundsätzlich eher unwahrscheinlich ist), eine schwerwiegende Sicherheitslücke in der Software oder bei der Bedienung der elektronischen Systeme (was weitaus häufiger der Fall ist) kompromittiert wird. Die Geschichten über den Missbrauch oder die Ausfälle von digitalen Systemen sind Legion, und grundsätzlich ist jedes elektronische System anfällig für technische Fehler, Fehlbedienung oder gar gewollte Manipulation oder Schädigung.

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