11.08.2020

Wi-Fi 6: Schnelle WLANs mit Wi-Fi 6?

Netzwerke können nie schnell genug sein - das gilt auch für drahtlose Netzwerke. Ob diese nun als WLAN oder Wi-Fi bezeichnet werden, fast immer gemein ist ihnen, dass sie als Erweiterung eines bestehenden Unternehmens- oder häuslichen Netzwerks eingerichtet sind und ihre Geschwindigkeit damit natürlich durch diejenige des "festen" Netzes begrenzt wird. Da heutzutage Datenleitungen aber zumeist mindestens als CAT5e, eher aber noch CAT6 und CAT7 ausgelegt sind, könnten sich PCs, Laptops, Smartphones und Tablets sowohl im kabelgebundenen als auch im drahtlosen Netzwerk eigentlich mit 1GBit/s bis 10Gbit/s bewegen.

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

Wi-Fi 6

Wofür sollte das nützlich sein?

Wofür sollte das überhaupt nützlich sein, mag nun der eine oder andere fragen. Schliesslich werden die Schnellläufer aus dem lokalen Netz, wenn sie sich wirklich mit Gigabitgeschwindigkeit bewegen, spätestens am Router ausgebremst - also dem Übergang vom internen Netz ins Internet. Die wenigsten Anschlüsse kommen bereits als Gigabitleitungen daher, wer mit 250 GBit/s ans WWW angeschlossen ist, darf sich bereits glücklich schätzen.

Die Zahl der DSL-, Kabel- oder Glasfaseranschlüsse mit noch höheren Geschwindigkeiten steigt allerdings stetig. Mit VDLS2 sind zwar maximal 250 MBit bzw. 350 MBit pro Sekunde möglich, aber der Ausbau der Glasfasernetze wird mit Hochdruck vorangetrieben. Viele Unternehmen wollen auf 500MBit/s oder gar 1GBit/s umstellen, da nicht zuletzt durch die Coronakrise Zugriffe von Aussen per VPN oder VDI (verteilten Desktops) immer mehr Bandbreite benötigt wird.

Haben Sie dann schnellen Anschluss ans Internet gefunden, ist es natürlich ärgerlich, wenn Ihr WLAN mit schlappen 108MBit/s daherkommt. Auch bei Zugriffen auf interne Ressourcen (Serverfreigaben u.ä.) kann ein schnelleres WLAN sinnvoll sein. Nicht jeder User möchte ewig warten, nur weil eine grosse Datei nicht schnell genug per WLAN auf das Notebook übertragen ist. Aber es tut sich einiges auf dem Wi-Fi-Markt.

Zum einen hat die Wi-Fi-Alliance endlich einmal in den teils verwirrenden Bezeichnungen aufgeräumt. Diese "Wi-Fi Alliance" (übrigens eine eingetragene Warenmarke) ist ein weltweiter Zusammenschluss von Unternehmen, die Wi-Fi bzw. WLAN weiter voranbringen wollen.

WLAN und Wi-Fi ist nicht dasselbe

Ob es nun übrigens "WLAN" oder "Wi-Fi" (WiFi) heisst, ist streng genommen übrigens gar nicht dasselbe. "Wireless Local Area Network" (WLAN)  ist das, was Sie in Ihrem Unternehmen oder daheim nutzen, "Wi-Fi" hingegen steht eigentlich für alles, was von besagter Wi-Fi-Alliance standardisiert wurde. Der Markenbegriff "Wi-Fi" ist übrigens ein Kunstbegriff, eigentlich weiss niemand so recht, wofür er stehen soll - "wireless fidelity" in Ableitung von "High Fidelity" aus der Audiowelt ist noch die naheliegendste Erklärung.

Zusätzlich zum Standardisierungs-Durcheinander (WiFi oder nicht) hat die Wi-Fi Alliance unlängst alte und neue WLAN-Standards umbenannt. Vielleicht haben Sie von 802.11a/b, 802.11n oder 802.11g gehört beziehungsweise auf der Verpackung oder Produktbeschreibung Ihres WLAN-Geräts oder Routers entdeckt. Für diese bisherigen Bezeichnungen soll es nach dem Willen der Wi-Fi-Alliance nun aber die Namen "Wi-Fi 4", "Wi-Fi 5" und "Wi-Fi 6" geben. Eigentlich keine schlechte Idee, denn bisher war es auch für gestandene Administratoren mitunter schwierig, auf Anhieb den Unterschied zwischen "802.11a/b", "802.11n", "802.11ac" und so weiter zu benennen. "a/b" war ein älterer Standard, 2g" etwas neuer, also musste "ac" doch irgendwie langsamer sein?! Dabei sind "ac2 und "ax" jedoch die neuesten und somit leistungsfähigsten Standards. Durch das Hochzählen von Wi-Fi 1 bis Wi-Fi 6 ist nun schneller erkennbar, dass das WLAN mit der höheren Nummer das "bessere" sein muss, zumindest das schnellere.

Wi-Fi 6 ist ein grosser technischer Entwicklungssprung

Wi-Fi 6 ist ein grosser technischer Entwicklungssprung - allerdings hat dessen Verbreitung gerade erst begonnen. Bringt dieser aktuell "höherwertigste" Standard überhaupt etwas, oder sind Namen hier lediglich Schall und Rauch? Tatsächlich heisst es bei den Angaben zu den maximal möglichen Bandbreiten vorsichtshalber "bis zu", weil die tatsächliche Geschwindigkeit von vielen Faktoren abhängt:

  • tatsächliche Geschwindigkeit Ihres Internetanschlusses
  • Leistungsfähigkeit aller Komponenten auf dem Weg vom Router zum WLAN-Endgerät
  • Standort der WLAN-Basis (Router oder AccessPoint)
  • Mauern, Wände, Signalstörungen durch andere Elektrogeräte

Wi-Fi 6 nutzt eine Kanalbandbreite von 160 MHz, damit sind Geschwindigkeiten von bis zu 1733 MBit/s (sprich 11Mbit/s) möglich. Unter optimalen Bedingungen sollte eine Maximalbandbreite 9,6 Gigabit/s erreicht werden können - das ist schon eine beachtliche Übertragungsrate. Eine andere Frage ist die nach der Stabilität eines WLANs. Hier lohnt sich der Umstieg auf Wi-Fi 6 vielleicht, wenn Ihr WLAN stark frequentiert ist. Mit dem neuen Standard ist es möglich, mehr WLAN-Endgeräte als bisher mit zudem grösserer Bandbreite zu versorgen - seitens des WLAN-Routers oder AccessPoints, sofern dieser Wi-Fi 6-zertifiziert ist.

Da Wi-Fi 6 die Datenübertragung effizienter organisiert, werden die Akkus der mobilen Empfänger geschont. Mit der neuen Funktion Target Wake Time (TWT) kann festgelegt werden, wie oft Wi-Fi-Geräte Daten senden und empfangen.

Unzureichende Sicherheit der drahtlosen Datenübertragung

Ebenfalls nicht unwichtig: Wi-Fi 6 verbessert die Sicherheit eines drahtlosen Netzwerks. Eines der Hauptargumente gegen die Nutzung von WLANs im Unternehmen ist die früher oft unzureichende Sicherheit der drahtlosen Datenübertragung. Hier war es der veraltete Verschlüsselungsstandard WEP, der Wi-Fi vor Jahren diskreditierte. Allerdings wird mit WPA2 heutzutage eine Verschlüsselungstechnik als Standard genutzt, die ausreichende Sicherheit verspricht - sofern Sie ein einigermassen komplexes Passwort verwenden oder am besten gleich zu WPA2-Enterprise (statt WPA2-Personal) greifen. Das wird auch mit dem neuen Standard WPA3 so sein - "Personal" eher für den privaten oder KMU-Bereich, "Enterprise" für Unternehmen. Die Frage der Sicherheit ist allerdings recht komplex und wird deshalb in einem gesonderten Beitrag behandelt. Fürs erste haben wir hoffentlich ein wenig Licht in den Dschungel der WLAN- und Wi-Fi-Welt gebracht.

Um Wi-Fi (oder WLAN) 6 nutzen zu können, benötigen Sie allerdings entsprechende Hardware. Neben einem Wi-Fi-6-fähigen Router oder WLAN-AccessPoint sind es vor allem die Endgeräte, die kompatibel zu Wi-Fi 6 sein müssen. Neben dem Galaxy S10 und Note 10 unterstützen auch iPhone 11 und iPhone 11 Pro Wi-Fi 6.

Bevor Sie also alles an vorhandenen WLAN-Geräten rauswerfen und neue Hardware beschaffen, sollten sie sich überlegen, wofür Sie das hohe Tempo in Ihrem "WLAN-Luftraum" überhaupt benötigen. Wi-Fi 6 dürfte eher etwas für all diejenigen sein, die jetzt schon auf den aktuellsten Standard setzen und über ausreichende Reserven im WLAN verfügen wollen. Sie sollten sich allerdings überlegen, welche Endgeräte denn überhaupt schon 802.11ax (respektive Wi-Fi 6) unterstützen.

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