11.06.2015

Windows 10: Im Unternehmenseinsatz

Microsoft hat zu seiner neuesten Betriebssystemvariante Windows 10 ebenso gute wie schlechte Neuigkeiten. Die gute vorweg: Besitzer einer gültigen Windows 7- oder 8/8.1-Lizenz werden kostenlos in den Genuss der 10er-Version kommen. Jetzt die schlechte Nachricht: Dies wird aller Voraussicht noch nicht für kommerzielle Nutzer gelten.

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

 zum Portrait

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Windows 10

Recht lange hat sich Microsoft mit dem «grossen» Betriebssystem-Update beschäftigt, viele Ankündigungen und Verschiebungen und Andeutungen verlauten lassen. Durch das Überspringen der Versionsnummer 9 soll wohl einerseits die Bedeutung des neuen Upgrades unterstrichen als auch der Windows-7/8-Nachfolger marketingtechnisch von dem eher glücklosen Vorläufer Windows 8 abgesetzt werden. Windows 8.1 brachte zwar bereits eine ganze Reihe an Verbesserungen und Weiterentwicklungen, aber der Makel des Ladenhüters und am besten zu überspringenden «Interims-Windows» (bis dann wieder ein «richtiges» Windows kommt) haftete und haftet sowohl Windows 8 als auch 8.1 immer noch an. Hier musste Microsoft also handeln – wobei es sich andererseits auch ohne Not in diese Lage gebracht hatte. Viele Anwender waren mit Windows 7 äusserst zufrieden, und vor allem im Business-Umfeld wechselt man nicht die Betriebssysteme wie Köche die Schürzen. Im Enterprisebereich war und ist Windows 7 für das Gros der Unternehmen der entscheidende Schritt gewesen weg vom Urgestein XP – mit dem weltweit übrigens immer noch Millionen Systeme ausgestattet sind, auch und gerade im Business-Umfeld. Microsoft hatte ja sogar eigens für (zahlende Gross-)Kunden den XP-Support verlängert.

Nun möchte Microsoft also die IT-Entscheider und Vorstände und Geschäftsführer dazu bewegen, den Augiasstall an Windows-Derivaten auszumisten, um eine möglichst homogene Windows-10-Landschaft zu erhalten. Übrigens gilt dies nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Microsoft selbst. Eine einheitliche Plattform für PCs, Smartphones und Tablets soll einerseits den Programmieraufwand für Microsoft gering halten, andererseits neue Märkte erschliessen, vor allem im Bereich des Mobile Computing – also eben bei Laptops, Smartphones und Tablets. Laut Microsofts Betriebssystem-Chef Terry Myerson sei es Ziel des Redmonder Software-Giganten, dadurch die «Fragmentierung in der Windows-Welt zu reduzieren, weil aktuell hunderte Millionen Anwender noch mit älteren Versionen arbeiten» (zit. n. www.winfuture.de).

Früher Vogel fängt den Wurm?

Wir interessieren uns aber ja besonders für die Frage, welchen Mehrwert das neue Windows im professionellen Einsatz aufweisen kann. Immerhin gibt es auch wieder eine Pro- beziehungsweise Enterprise-Version von Windows 10. Leider soll Windows 10 für den Enterprise-Bereich nicht als kostenlose «Dreingabe» zu einer legal erworbenen Lizenz einer der aktuellen Windows-Versionen 7, 8 oder 8.1 erhältlich sein, sondern wird wohl käuflich erworben werden müssen. Das ist zwar ein Wermutstropfen für die professionellen Anwender – aber das kostenlose Upgrade für bestehende Windows-Lizenzen soll ohnehin nur ein Jahr lang gelten, und hier würde sich so manches Unternehmen eher zur Entscheidung gedrängt fühlen. Wie bereits oben bemerkt, tun sich Unternehmen naturgemäss eher schwer mit Migrationen bestehender (und bewährter) Systeme. Früher Vogel fängt vielleicht den Wurm, aber (zu) frühe Migrationen haben sich dann den sprichwörtlichen (Computer-)Wurm eingefangen oder mit anderen Malaisen zu kämpfen. Dies betrifft natürlich nicht nur Windows-Nutzer – auch und gerade in der Welt der MacOS-X-Fans treiben sich viele «Early Adaptors» herum und kaufen und installieren etwas unkritisch jedes Gadget und Upgrade von Apple. So mancher hat dies schon mit Problemen bezahlen müssen, von denen er vor dem Update gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Also: Eher abwarten und beobachten heisst die Devise im Businessumfeld.

Gesicherte Updates, schnellere Bereitstellung von Funktionen

In einem Windows-Blog (www.blogs.windows.com) bestätigte ein Microsoft-Mitarbeiter, dass das bisherige Modell mit Sicherheitsaktualisierungen per Long Term Servicing Branches beibehalten werden soll. Diese Long Term Servicing Branches entsprechen übrigens dem, was als der berühmt-berüchtigte «Patch Day» bekannt und mitunter gefürchtet ist – so manches Update von Microsoft brachte eher Probleme mit sich, als dass es welche beseitigte. Wie bisher auch in den Pro-Versionen werden Unternehmenskunden mit den entsprechenden Lizenzen im Mainstream Support in den ersten fünf Jahren nach Erscheinen der aktuellen Betriebssystemversion und im erweiterten Support sogar für weitere fünf Jahre mit Security-Updates versorgt werden.

Migrationen und Updates erleichtern

Einen erheblichen Anreiz zum Wechsel auf das zukünftige einheitliche Windows hat Microsoft aber noch in petto – und dieser Aspekt zeigt, dass der Konzern sich an den Belangen und Interessen der IT-Abteilungen und Administratoren orientiert. Einer der Schwerpunkte soll nämlich auf dem so genannten Deployment liegen, also Funktionen zur Verteilung und Bereitstellung von Betriebssystem, Features und Updates. Eine ganz wichtige Rolle kommt dabei Sicherheitskomponenten zu. Unternehmen respektive deren IT-Abteilungen wollen und müssen schliesslich die Kontrolle darüber behalten, was die Angestellten mit den PCs, Laptops, Smartphones und Tablets so alles treiben.

Windows 10 soll zuerst einmal aber den sogenannten Roll-Out der Systeme in den Unternehmen effektivieren – und da spielt es dann eher eine untergeordnete Rolle, wann das Upgrade von 7, 8 oder 8.1 vollzogen wird und was die einzelne Lizenz kostet. Im Enterprisebereich tragen nämlich Administrationskosten für Einrichtung, Wartung und Problembehebung den Löwenanteil an der so genannten TCO, der Total Cost of Ownership.

Deployment beziehungsweise Roll-Out bedeuten dabei zweierlei: zum Einen die Installation eines neuen Betriebssystems auf PC, Laptop, Smartphone und Tablet; zum anderen die Einbindung der (möglichst vorkonfigurierten) Systeme in das Gesamtkonstrukt des Unternehmensnetzwerks. Dort tummeln sich nicht nur Applikations-, File-, Print- und Groupware-Server, sondern auch mehr oder weniger viele Mitarbeitende mit potentiell ebenso zahlreich gesetzten Berechtigungen. Vorgaben der IT-Administration müssen einheitlich geregelt und umgesetzt werden: Welcher Desktophintergrund wird verwendet, welche Netzlaufwerke werden zugewiesen, wird der lokale (virtuelle) Schreibtisch (mithin das Benutzerprofil) umgeleitet; welche Drucker werden benutzt, welche Programme werden verwendet und vieles mehr.

Inplace-Upgrade und Provisioning

Das Roll-Out – bisher ein aufwändiger und somit kostspieliger Prozess – soll mit Windows 10 erheblich einfacher und effizienter ablaufen. Zum Einen werden bewährte Methoden wie etwa eine Verteilung per System Center Configuration Manager beibehalten; dies ist wichtig für Unternehmen, die solche Tools einsetzen und damit gute Erfahrungen gemacht haben. Hier würde eine Abkehr davon seitens Microsoft die IT-Entscheider in den Unternehmen wahrscheinlich eher verärgern, weil gegebenenfalls Mehraufwand entstünde.

Windows 10 wird daneben aber «In-Place-Upgrades» beziehungsweise «Provisioning» für neue Geräte anbieten. Interessant dabei: Letzteres, das Provisioning, soll bei Smartphones auch über NFC (Near Field Communication) erfolgen können.

Wie überhaupt Microsoft nach seinem langen Zögern angesichts der stürmischen Entwicklung bei den mobilen Devices nunmehr mit Nachdruck den Vorwurf entkräften zu wollen scheint, zu spät auf den fahrenden Zug der Mobilität aufgesprungen zu sein und den BYOD-Trend (Bring Your Own Device) «sogar komplett verschlafen zu haben» (www.channelobserver.de). Windows 10 soll die neue, einheitliche Plattform werden («one converged platform»), auf der sich Unternehmen ebenso wohl fühlen sollen wie private Anwender. Und dabei soll es auch keinen grossen Unterschied ausmachen, ob die User nun an einem PC, Laptop, Tablet oder Smartphone arbeiten – oder gar mit der HoloLens, der von Microsoft entwickelten Datenbrille für Augmented Reality.

Fazit

Es bleibt im Moment noch abzuwarten, inwieweit die Microsoft-Nutzer im Businessbereich von dem neuen Betriebssystem werden profitieren können. Überstürzt den Wechsel angehen wird niemand müssen, vor allem nicht Unternehmen aus dem KMU-Bereich, die sich weder kostspielige Versionswechsel noch Experimente mit neuen Softwareversionen leisten können und wollen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein von Microsoft als alternativlos angepriesenes System von den Nutzern nicht akzeptiert und alsbald gegen eine Weiterentwicklung ersetzt wird.

Produkt-Empfehlungen

  • InformatikPraxis

    InformatikPraxis

    DIE ultimative Praxislösung für IT-Entscheider!

    ab CHF 168.00

  • IT-Sicherheit

    IT-Sicherheit

    Schützen Sie Ihr Unternehmen konsequent vor Systemstörungen und Risiken.

    Mehr Infos

  • Moderne Kommunikation in der Arbeitswelt

    Moderne Kommunikation in der Arbeitswelt

    So punkten Sie mit Briefen, Mailings und Facebook

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

IT-Verträge entwerfen und verhandeln

Rechtssicherheit bei IT-Projekten, Outsourcing und Cloud Computing

Nächster Termin: 11. Mai 2017

mehr Infos