13.06.2014

Windows 8: Die Macht der Acht

Langjährigen Apple-Nutzern wird das Motto der Überschrift womöglich noch in Erinnerung sein - vor mehr als einer Dekade war seinerzeit das Mac-OS-Betriebssystem bei der Nummer 8 angelangt. Jetzt steht der Nachfolger des aktuellen Windows-Systems 7 bereit. Über die Neuerungen dieser brandaktuellen Version ist bereits viel in den Medien berichtet worden. Uns interessiert die Frage, ob sich ein Wechsel zu Windows 8 im Businessbereich lohnt.

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Windows 8

In den letzten Jahren kamen die Windows-Systemwechsel gefühlt alle zwei Jahre, nach dem lange Zeit tonangebenden Windows XP. Der mit viel Pomp angekündigte Nachfolger Vista erwies sich als Totgeburt, da vor allem professionelle Anwender diese Version mieden. Das aus Vista hervorgegangenen Windows 7 wurde da schon eher mit Wohlwollen aufgenommen, wenngleich es sich auch hier im Unternehmensbereich bisher nur schwer durchsetzen konnte.

Über das neue Design Metro, das weitgehend geänderte und vor allem in weiten Teilen nicht nur reduziert wirkende Bedienkonzept ist bereits viel berichtet worden. Spannend ist die Frage: Lohnt es sich für Anwender im Business-Umfeld, kurz- oder mittelfristig auf Windows 8 zu setzen? Langfristig wird den Anwendern ohnehin nur die Wahl zwischen dem aktuellen System aus dem Hause Microsoft, Apples OS oder einem Linuxsystem bleiben, da Microsoft die Unterstützung für Windows XP Pro Mitte 2014 bereits aufgekündigt hat.

Private Computernutzer können ja oftmals in eines der beiden Lager experimentierfreudig oder konservativ eingeteilt werden. Hier ist es auch nicht immer der bedingungslos unkomplizierte Betrieb, der die Prioritäten bei der Auswahl eines Computer-Betriebssystem bestimmt. Wer meint, so schnell wie möglich Windows 8 installieren zu müssen, ruiniert schlimmstenfalls sein privates Computersystem und vielleicht den Hausfrieden in der Familie. Anders sieht es hingegen im Businessumfeld aus. Hier zählen andere Werte wie Stabilität, Verlässlichkeit und Kompatibilität zu bestehenden Programmen. Einfache und vor allem zentrale Verwaltbarkeit sowie zu guter Letzt schlicht IT-fremde Aspekte wie die Amortisierungsphasen neu angeschaffter Computersysteme und derer Betriebssysteme. Es dürfte auf der Hand liegen: Alleine aus letztgenanntem Grund und im Interesse eines möglichst störungsfreien Betriebs der bewährten Dritt-Anwendungen (also solchen, die nicht aus dem Hause Microsoft stammen) verbietet es sich im Businessumfeld, allzu voreilig zu Windows 8 zu migrieren.

Highlights von Windows 8

Es interessiert uns hier also die Frage, was die neue OS-Version ausser dem farbenfrohen Metrodesign und der deutlichen Orientierung auf Tablets und Smartphones in der Bedienung überhaupt bringt? Zählen wir einmal einige Punkte auf, für die sich ein Wechsel zu Windows 8 möglicherweise lohnen könnte:

Windows To Go ermöglicht es, eine Windows-8-Installation von einem Wechseldatenträger – üblicherweise also dem klassischen USB-Stick – zu starten. Interessant ist dies für mobile Mitarbeiter mit wechselnden Arbeitsplätzen. Einfach den USB-Stick an den Windows-8-fähigen Desktop-PC eingesteckt und schon kann es losgehen mit der Arbeit in der vertrauten Umgebung. Inwiefern dieses Feature in Business-Umgebungen, die üblicherweise durch Domänenumgebungen, strikt abgesicherte lokale Netzwerke und per VPN verteilte Remotestrukturen gekennzeichnet sind, wirklich mehr ist als ein nettes Gimmick, bleibt abzuwarten.

  • DirectAccess - die VPN-Verbindungstechnik, die ohne die klassische VPN-Infrastruktur auskommt - ist bereits aus Windows 7 bekannt.
  • Dasselbe gilt für AppLocker, ein Sicherheitsfeature, mit dem der Zugriff auf bestimmte Daten (beispielsweise sensible Firmendaten) eingeschränkt werden kann.
  • BranchCache (auch in der Schreibweise BrancheCache) sorgt dafür, dass über das Netzwerk abgerufene Daten zentral zwischengespeichert werden und dadurch bei einem erneuten Abruf durch die Cache-Technik am gesamten Standort in der Bandbreite des LANs zur Verfügung stehen - auch dieses Feature gibt es seit Windows 7.
  • Der Windows Defender fungiert jetzt erstmals als Virenscanner.
  • Storage Space, die neue Festplattenverwaltung, sowie das ebenso neue Dateisystem ReFS (Resilient File System) interessieren für die Clientsysteme in professionellen Netzwerken eher am Rande.
  • Secure Boot, ein Boot-Verfahren, welches das Starten eines möglicherweise durch Schadsoftware gefährdeten Systems verhindern soll, aber schlimmstenfalls das Booten freier Betriebssysteme unmöglich macht.
  • Wie man sieht, gibt es also im Westen nicht viel Neues. Am interessantesten ist noch der neue Defender, der möglicherweise den Einsatz kostspieliger Virenschutzlösungen von Drittherstellern obsolet macht.

Windows 8 in der Praxis

Installiert man Windows 8 auf einigermassen aktueller Hardware, zeigt es sich, dass das System angenehm läuft und die Bedienung nach kurzer Eingewöhnungszeit flott von der Hand geht. Anders sieht es hingegen bei Prozeduren aus, bei denen man aus jahrelanger Übung heraus nicht mehr vorhandene oder nun anders umgesetzte Befehle oder praktische Vorgänge wie zum Beispiel eine simple Suche ausführen will.

Darauf achten sollte man, dass das Display mit einer Auflösung von mindestens 1024 x 768 Pixeln ausgestattet ist, die neuen Metro-Apps funktionieren ansonsten nicht. Eine Art Fallback ist die ausschliessliche Nutzung des schlichten Desktops. Es kursieren zudem Registry-Hacks im Internet, die helfen sollen, Probleme wie dieses genannte zu lösen. Ein Schelm, wer dabei an die PC-Systembasteleien bisheriger Windows-Versionen denkt, die doch mit dem neuen Windows 8 der Vergangenheit angehören sollten.

Übrigens kann gerade die zwangsweise Verordnung des neuen Metro-Designs gestandene Administratoren durchaus in den Wahnsinn treiben. Die radikale Reduzierung auf die neue Bedienoberfläche lässt einen viele gewohnte Befehle und Shortcuts vermissen. Was Anwender, die hauptsächlich mit Maus und neuerdings Wischfinger arbeiten, erfreuen könnte, ist für Administratoren, die ihre Systeme einfach nur schnell und effektiv bedienen müssen, eher hinder- und ärgerlich.

Die Qual der Wahl

Für Unternehmen dürfte Windows 8 Enterprise die Betriebssystem-Variante der Wahl sein. Nur in dieser Version stehen die so wichtigen Features wie Domänenbeitritt, Remote-Verwaltung der lokalen PCs, erweiterte Sicherheitsfeatures, die Virtualisierungstechnik Hyper-V und weiteres zur Verfügung, und auch nur diese Version ist Volumenlizenzfähig. Für kleinere Unternehmen könnte die Pro-Version genügen. Im Übrigen lassen sich die Versionen natürlich immer noch aufwerten beziehungsweise, wie es im IT-Jargon heissen muss, upgraden.

Fazit

Microsoft hat mit Windows 8 sicher einen grossen Wurf gelandet. Alleine die radikale Hinwendung zum neuen Metro-Design, das Abschneiden alter Zöpfe und die Orientierung an den ständig an Bedeutung zunehmenden Tablets und Smartphones verdienen Anerkennung. Gerade die schlanke Metro-Designlinie ist auch gut umgesetzt. Allerdings besteht das Gros der IT-Hardware mitnichten aus mobilen Geräten. Administratoren und Entscheider im Businessumfeld sollten es sich zweimal überlegen, ob sie sich von einem womöglich soeben erst eingeführten Windows 7 vorzeitig verabschieden wollen.

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