10.12.2014

Windows-Migration: 7, 8 oder 10?

«Alle neune!» – Windows 9 heisst jetzt Windows 10 – mit diesem Marketing-Coup überraschte Microsoft gerade die Öffentlichkeit. Was kommt nach der Macht der Acht? Auf welchem System Sie zukünftig arbeiten sollten, erfahren Sie in unserem Beitrag «Windows-Migration: 7, 8 oder 10?».

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Windows-Migration

Spötter könnten vermuten, dass der Softwaregigant aus Richmod / USA sich mit dem Auslassen der Versionsnummer Neun nicht den Wortspielen Windows-Fehler-Geplagter aussetzen wollte – denn die Redewendung, «alle Neune ausgespielt» zu haben, gibt es als «he played the nine» durchaus auch im Englischen. Und um im Bilde des Kegelns zu bleiben, hätte Microsoft mit dem bereits sehr früh nach der Vorstellung von Windows 8 respektive 8.1 auf den Markt geworfenen Nachfolger also einen Volltreffer landen müssen – auch, um den recht hohen Erwartungen an die bereits dritte Betriebssystem-Generation innerhalb einer halben Dekade gerecht werden zu können. Vielleicht haben das die Marketingstrategen bei Microsoft ja vorsichtig bezweifelt.  

Tatsache ist aber, dass Microsoft mit Windows 10 einen bedeutsamen Wechsel der Betriebssystemstrategie einführt. Während sich die Systeme für Desktop- und Server-Windows einerseits und den Äquivalenten für die mobilen Gerätekategorien Tablet und Smartphone andererseits bisher voneinander unterschieden, strebt der Softwarehersteller nun eine Vereinheitlichung an – «one size fits it all». Übrigens steht Microsoft nicht alleine mit diesem Modell dar, auch der ewige Dauerkonkurrent Apple setzt mit seinem iOS auf ein einheitliches Betriebssystem für Desktop-Macs, iPhone und iPad.

Windows-Migration – wohin?

Die Fragen, die einerseits uns als Anwender, aber auch als IT-Entscheider und Administratoren vorrangig interessieren, sind sicher folgende:  

  • Welchen Mehrwert bringt das neue System?
  • Was ist dabei im Unternehmenseinsatz zu beachten?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Windows-Migration?
  • Und ist der Einsatz von Microsofts Windows 10 alternativlos?  

Die letzten beiden Punkts dürften vor allem für jene wichtig sein, die bei der Wahl eines Betriebssystems für die PC-Systeme im Unternehmen nicht in erster Linie darauf setzen, den Anwendern immer das aktuellste (und möglicherweise gerade angesagte) System auf die Rechner zu spielen, sondern die eher an stabilen und vor allem möglichst dauerhaften Lösungen interessiert sind. Eine Umstellung auf ein neues Betriebssystem verursacht im Unternehmen nämlich Kosten – solche für die notwendigen Lizenzen, für den Administrationsaufwand bei der Migration, indirekte Kosten durch Fehler, Nachbesserungen, Unzufriedenheiten der User sowie Ausfall oder Unzugänglichkeit der PC-Systeme im Laufe einer Umstellung.  

Und hier hat Microsoft in den vergangenen Jahren nicht unbedingt eine glückliche Hand bewiesen. Vielen ist noch das Vista-Disaster in Erinnerung – Entscheider in Unternehmen, die seinerzeit vorzeitig darauf gesetzt hatten, mussten schon bald mitansehen, wie das vormals totgesagte Windows XP den vermeintlichen Nachfolger überdauerte und sogar überflügelte. Im Moment sieht die Situation ähnlich aus mit dem Wechsel weg von XP hin zu einem aktuelleren System. Viele IT-Fachleute sahen und sehen immer noch Windows 7 als das State-of-the-Art-System für den Einsatz im Unternehmensbereich. Das hat einige gute Gründe. Die Optik ist noch recht nah an demjenigen des bekannten Windows XP, das System ist sehr stabil, und es stand vor allem zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung. In vielen Unternehmen wurde ja erst in den vergangenen zwei, drei Jahren von Windows XP wegmigriert - da bot sich natürlich Windows 7 als adäquater Nachfolger an. Und kaum ein Unternehmen mag nun schon wieder sämtliche PCs auf Windows 8 oder gar 10 umstellen, was ja mit teilweise nicht unerklecklichen Kosten und entsprechendem Aufwand verbunden ist.  

Denn eines muss man sich trotz allen Hyes um Windows 8, 8.1 und 10 klar machen: Windows 8 und 8.1 werden nach Zahlen von Net Applications derzeit von nur etwa 12 Prozent der weltweiten PC-Systeme verwendet. «Populärste Version ist Windows 7 mit 51,2 Prozent vor Windows XP mit 24,8 Prozent. Nach der Beendigung der Wartung für XP für Microsoft sind insbesondere Firmen-Kunden auf das bewährte Windows 7 umgestiegen.»  

Das verblüfft womöglich den Laien – lässt hingegen den Fachmann sich kaum wundern, siehe obige Überlegungen zur notwendigen oder vermeidbaren Windows-Migration auf das jeweils aktuelle Betriebssystem.

«Zwang» zur Windows-Migration: Ende des Supports

Dass der Support für Windows XP (Service Pack 3) bereits am 8. April 2014 geendet ist, dürfte sich inzwischen überall herumgesprochen haben. Interessanterweise gibt es für den offensichtlich äusserst zähen Betriebssystemgreis nach wie vor Support – aber nur für einen exklusiven Kreis von Kunden im Businessbereich und bei Behörden, die die Windows-Migration weg von XP bisher nicht geschafft haben. Und auch dieser letzte Nachschlag soll Microsoft zufolge auf den Zeitraum von einem Jahr begrenzt sein, um den letzten Nachzüglern eine Schonfrist für die endgültige Umstellung auf ein moderneres Windows einzuräumen.

Daneben kursieren im Internet zahlreiche Anleitungen, wie man per «Hack» (also einer Manipulation) in der Registry dem eigenen XP vorgaukeln kann, es sei ein sogenanntes Embedded System, also ein solches, das auf Kassensystemen und Geldautomaten eingesetzt wird. Da für dieses «Windows Embedded POSReady 2009» der Support noch bis 2019 läuft, könnte man sich also beruhigt zurücklehnen und XP noch für etwa fünf Jahre weiter betreiben. Von dieser Herumfummelei am Betriebssystem und dem Austricksen der Updatestrategie von Microsoft muss aber dringend abgeraten – ein Embedded XP ist eben kein Desktop-XP, entsprechend dürften früher oder später die Updates für die Systeme auseinander divergieren, und schon nützt einem der Hack nichts mehr.  

Der erweiterte Support für Windows Vista (Service Pack 2) läuft hingegen erst am 11. April 2017 aus. Allerdings dürfte eine Migrations-Planung nur für die wenigsten interessant sein. Das glücklose Vista hat nach aktuellen Angaben einen Verbreitungsgrad von unter 3 % – weltweit, wohlgemerkt, und für Privat- als auch Unternehmensanwender zusammengenommen. Die Verbreitung in Unternehmen dürfte also verschwindend gering sein.  

Besser sieht es dann erst ab Windows 7 aus – und wer nicht gerade die frühe Variante Windows 7 RTM ohne Service Pack nutzt (dessen Support wurde bereits am 9. April 2013 eingestellt!), kommt zwar nur noch bis Januar nächsten Jahres in den Genuss des grundlegenden, aber bis Januar 2020 in denjenigen des erweiterten Supports. Das ist ein Zeitraum von mehr als vier Jahren, und damit können Entscheider eine Migration schon recht gut kalkulieren.  

Übrigens unterscheiden sich diese beiden Support-Kategorien technisch nicht voneinander, IT-Entscheider und Administratoren müssten sich also eigentlich auf das Datum Januar 2020 verlassen können – sofern Microsoft nicht einen Schlenker in der Update-Politik vollführt, was aber nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre unwahrscheinlich sein dürfte.  

Interessant sind die Zahlen für Windows 8 und Windows 8.1. Zwar haben beide Betriebssystemvarianten bisher kaum Anklang und entsprechend nur eine sehr geringe Verbreitung in Unternehmen gefunden, aber Microsoft gibt das Ende des erweiterten Supports für Windows 8 bereits jetzt mit Januar 2023 (!) an. Das ist ein Zeitpunkt in acht Jahren – man kann durchaus den Eindruck bekommen, dass Microsoft das 8er-System gegen die offenkundigen Wünsche der Anwender durchdrücken wollte. Dazu passt, dass das gerade im Unternehmenseinsatz beliebte Windows 7 offiziell nicht mehr an Endanwender verkauft wird – erhältlich ist es nur noch für Hersteller von PC-Systemen als so genannte OEM-Version, die auf PCs oder Laptops vorinstalliert ist. Der im europäischen Rechtsraum vorherrschenden Rechtsauffassung zufolge dürfen aber diese OEM-Versionen auch ohne Bündelung an einen PC verkauft werden – obwohl Microsoft immer wieder versucht, dieses zu unterbinden. Wer aber Windows 7-Lizenzen für seine PC-Systeme benötigt, bekommt diese im Moment noch ohne Probleme auf dem freien Markt, und das auch noch zu mittlerweile äusserst attraktiven Preisen. Der Kostenfaktor stellt also zumindest hinsichtlich der Lizensierung kein Argument Pro Windows 8 und Contra Windows 7 dar. Und wie sich die Preispolitik beim neuen Windows 10 entwickelt, bleibt vorerst noch abzuwarten.

Windows-Migration: Fazit

Wohin sollten Sie aber im Unternehmen bei einer Windows-Migration wechseln? Diese Frage müssen Sie zwar schon für sich und Ihr Unternehmen selber beantworten, aber einige Denkanstösse seien gegeben. So sollten Sie, sofern Sie noch auf Windows XP setzen, so schnell wie möglich auf ein aktuelleres Windows wechseln – das betagte OS ist schon längst nicht mehr gegen aktuelle Bedrohungsszearien gewappnet. Gelingt es Ihnen, an die notwendigen Lizenzen zu gelangen, wäre unsere Empfehlung nach wie vor Windows 7. Das System ist stabil, die Oberfläche noch recht vertraut, und falls im Zuge einer Migration ohnehin die Anschaffung neuer PCs ansteht, kann Ihnen Ihr Händler diese mit vorinstalliertem Windows 7 liefern. Mögen Sie sich mit dem ungewohnten Look and Feel von Windows 8/8.1 anfreunden, verspricht Ihnen ein Wechsel zur 8 neben einem Support für die nächsten neun Jahre vor allem schon mal eine Gewöhnung an die (vermutlich) zukünftige Windows-Oberfläche mit einer zunehmenden Integration von Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone – die wird mit Windows 10 ohnehin unausweichlich kommen.

Links:

www.windows.microsoft.com

www.digital-eins.com

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