13.06.2014

Windows-Server 2012 R2: Virtualisierung, Stabilität und Sicherheit

Bereits zwei Jahre nach Einführung des neuen Windows-Server 2012 und parallel zur Aktualisierung des Client-Betriebssystems Windows 8.1 ist der Release 2 erschienen. Windows-Server 2012 R2 führt die Entwicklung der reinen 64-Bit-Betriebssysteme, die mit der Vorgängerversion Server 2008 ihren Anfang gefunden hat, konsequent fort und setzt stark auf Virtualisierung, Stabilität und Sicherheit. Allerdings sind auch die Preise teilweise deutlich angehoben worden.

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

 zum Portrait

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Windows Server 2012 R2

Ab in die Cloud!

Microsoft setzt mit Windows-Server 2012 R2 ganz auf die schlagwortträchtige Cloud. Was die Cloud ausmacht, sollte inzwischen hinreichend bekannt sein. Leistungsfähige Virtualisierung auf entsprechend ebenso leistungsfähiger Hardware sowie flexible und möglichst einfache Bereitstellung und Verteilung der Ressourcen sind hier die elementaren Prinzipien. In Windows-Server 2012 sind die dazu notwendigen Voraussetzungen mit der Hyper-V-Technik geschaffen worden.

Wichtigste Neuerungen von Windows-Server 2012 R2

  • Verbesserter Zugriff auf virtuelle Server per RDP.
  •  VM Connect unterstützt jetzt das Verschieben von Dateien per Drag and Drop.
  • Virtuelle Festplatten (VHDX) können im laufenden Betrieb vergrössert und verkleinert werden.
  • Virtuelle Server können sich eine virtuelle Festplatte teilen (Shared VHDX).
  • Die Live Migration wurde laut Microsoft deutlich beschleunigt und die neue Version ist kompatibel zu Windows-Server 2012. Virtuelle Server lassen sich somit zwischen Hosts mit Windows-Server 2012 und Windows-Server 2012 R2 verschieben.

Editionen

Mit Server 2012 gibt es nur noch vier unterschiedliche Varianten namens Editionen, dies ändert sich auch nicht mit dem aktuell erscheinenden Nachfolger Windows-Server 2012 R2. Bleiben wird hier die Aufteilung in die vier Editionen, die Editionen werden aber teilweise deutlich teurer. Dafür wird es zu einer Liberalisierung bei einigen Nutzungsrechten kommen:

Foundation = diese Edition soll als Einstiegsserver für kleinere Unternehmen dienen, sie ist recht beschränkt nicht nur in der Funktion (maximal 15 Benutzerkonten und 32 GB RAM werden unterstützt), sondern vor allem im Erwerb. Foundation Server wird es nur als an den Erwerb von Hardware gebundene OEM-Version geben.

Essentials = durch die im Vergleich zum Metro-Look der anderen GUI-Servervarianten noch einmal vereinfachte Benutzeroberfläche und den Verzicht auf die Virtualisierung mit Hyper-V wird die Marschrichtung klar. Microsoft will Server Essentials als Nachfolger des nicht mehr weiterentwickelten SBS (Small Business Server) verstanden wissen. Die neue Edition Server Essentials benötigt keine Clientzugriffslizenzen und erlaubt die Anbindung von maximal 25 Benutzern mit bis zu 50 Computern - allerdings nur solchen mit dem Client-Betriebssystem Windows 7 oder Windows 8, was nach dem Ende des Supports für Windows XP im April 2014 nur folgerichtig ist. Der missratene Zwischenschritt namens Windows Vista wird seitens Microsoft ja ohnehin schon nicht mehr supported.

Server Essentials könnte also ein adäquater Nachfolger des gerade im KMU-Umfeld beliebten SBS werden – allerdings mit zwei gewichtigen Einschränkungen. In Server Essentials gibt es weder den Groupwareserver Exchange noch den Datenbankserver Microsoft SQL. Microsoft empfiehlt hier die Nutzung seiner eigenen Clouddienste, ergo Office 365 oder den Umstieg bzw. das Upgrade auf eine der beiden grossen Servervarianten Datacenter oder Standard. Letztere sind aber alles andere als ein Schnäppchen. Möglicherweise wird diese rigide Lizenzpolitik Microsoft viele Kunden aus dem KMU-Umfeld kosten, die die Gelegenheit nutzen könnten, auf eine der leistungsfähigeren und in der Regel auch deutlich günstigeren Alternativen wie Univentions UCS umzusteigen. Die Windows-Usersysteme können dabei ja weiter genutzt werden.

Die Editionsschwestern Standard und Datacenter bringen die vollständige Windows Server-Funktionalität ohne Unterschiede hinsichtlich der Features. Die Editionen unterscheiden sich in der Anzahl möglicher virtualisiert betriebener Instanzen.

Die Lizenzen sind dabei grundsätzlich an physikalisch vorhandene Server gebunden, pro Lizenz werden zwei Prozessoren abgedeckt, unabhängig von der Zahl der Prozessor-Kerne. In der Standard Edition ist lediglich die Ausführung maximal zweier virtueller Instanzen von Windows-Server (Virtual Operating System Environments – VOSE) möglich, während die Datacenter Edition unbegrenzt viele VOSEs zulässt. Letztlich ist die Entscheidung für eine der beiden Editionen also ein reines Rechenbeispiel, vor allem nach der aktuellen kräftigen Preiserhöhung für die Datacenter Edition. Als Faustregel konnte man bisher kalkulieren, dass sich die Datacenter Edition ab 12 VOSEs rentierte.

Weniger ist mehr

Gemäss eines umgebogenen Bonmots könnte man für eine ganze Reihe an Paradigmenwechseln Microsofts der letzten Jahre sagen, dass für den Softwaregiganten aus den USA von Linux lernen siegen lernen hiess. Zumindest ist es äusserst interessant, dass Microsoft nicht nur verstärkt auf die Power Shell setzt, die durchaus Parallelen zu den nüchternen Kommandozeilen der üblichen Unix/Linux-Serverderivate aufweist. In Windows-Server 2012 R2 wird dieses noch weitergetrieben, indem die Installation der Core-Variante als Voreinstellung bei der Installation angeboten wird. Wer es also gewohnt ist, ohne vertiefte Sichtung der jeweiligen Optionen alle Abfragen mit Enter abzunicken, wird nach dem Abschluss der Installation ein nacktes Server-System ohne grafische Benutzeroberfläche vorfinden.

Windows-Server 2012 R2: Unterstützte Serverrollen und -features

Diese basale Variante ist aber mitnichten eingeschränkt, was die Funktionalität betrifft. Die Liste an unterstützten Serverrollen und -features ist beeindruckend lang:

  • Active Directory Domänen- und Zertifikatsdienste
  • Die bereits in Server 2008 neu eingeführte Light-Variante des Active Directory, die Active Directory Lightweight Directory Services (ADLDS).
  • DHCP-Server, DNS-Server - letzterer ist ohnehin essentieller Bestandteil des Active Directory.
  • Dateidienste (einschliesslich Ressourcen-Manager für Dateiserver)
  • Die Virtualisierungslösung Hyper-V
  • Druck- und Dokumentdienste, Streaming Media-Dienste
  • Webserver (einschliesslich einer Teilmenge von ASP.NET)
  • Windows Server-Aktualisierungsserver
  • Routing- und RAS
  • Microsoft .NET Framework 4.5
  • Windows PowerShell
  • Der intelligente Hintergrundübertragungsdienst BITS
  • BitLocker
  • BranchCache
  • Data Center Bridging (DCB), die Überbrückung für Rechenzentren, wie es etwas holprig bei Microsoft übersetzt wird.
  • Failover-Clusterunterstützung
  • WINS-Server, sogar den Windows Internet Naming Service als entfernten Urahnen des DNS treffen wir im neuesten Serversystem wieder.

Diese Liste an verfügbaren Rollen und Features ist dabei nur ein Auszug, die Unterscheidung zwischen Server-Core- und GUI-Variante (also derjenigen mit der grafischen Oberfläche) ist also hauptsächlich optischer Natur.

PowerShell endlich auf Core-Server

Eine der wichtigsten Neuerungen stellt sicher die Möglichkeit dar, die PowerShell überhaupt auf einem Core-Server nutzen zu können. Hier leistete sich Microsoft mit dem Vorgänger aus der Sicht vieler Administratoren noch einen ziemlichen Fauxpas. Ausgerechnet in der optisch aufs Notwendigste reduzierten Core-Variante stand dieses wichtige und leistungsfähige Verwaltungstool nicht zur Verfügung, was überspitzt dargestellt ein bisschen so ist, als würde umgekehrt in der GUI-Variante die Unterstützung für eine Maus fehlen. Mit Windows-Server 2012 R2 steht die PowerShell 3.0 mit ihren zahlreichen Befehlen (Cmdlets, ausgesprochen Commandlets) nun endlich auch in der Core-Variante zur Verfügung.

Im Gegensatz zu Windows-Server 2008 ist die Festlegung auf eine der beiden grafischen Varianten bei der Installation nun nicht mehr unumstösslich. Wer von der schlichten Core- zur GUI-Variante wechseln will, kann dies jederzeit tun. Im Gegensatz zum Vorgänger Windows-Server 2008 – hier mussten sich die Administratoren bisher bei der Installation für die Core- oder GUI-Variante entscheiden und ein Wechsel war nur mittels einer kompletten Neuinstallation möglich. Nun kann der Wechsel auch bei einem bereits installierten System fröhlich hin und her vollzogen werden.

Rollen und Features

Hier hat Microsoft ebenfalls aufgeräumt und für mehr Stringenz gesorgt. Verzweifelte unter Server 2008 noch so mancher Admin an der Frage, ob eine bestimmte Serverfunktion nun als Rolle oder Feature zu installieren sei, wird er im neuen Serverbetriebssystem virtuell an die Hand genommen und mittels eines Assistenten bei dieser Entscheidung und der anschliessenden Installation unterstützt. Es bleibt abzuwarten, wie die Vertreter der Administratoren-Zunft die vielen Verbesserungen annehmen, da ihnen zugleich ja bei der grafischen Verwaltung eine gewisse Beschränkung auf das Wesentliche auferlegt wird. Der Trend ist jedenfalls klar: es geht zügig weiter in Richtung Virtualisierung und Clouddiensten bei gleichzeitiger Schlichtheit der Administrationsoberflächen.

MaLiWi IT

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

IT-Verträge entwerfen und verhandeln

Rechtssicherheit bei IT-Projekten, Outsourcing und Cloud Computing

Gehen Sie rechtssicher mit IT-Outsourcing und Cloud Computing um. Lernen Sie die Rahmenbedingungen kennen, schätzen Sie Risiken realistisch ein und beurteilen Sie Verträge professionell.

Nächster Termin: 22. November 2018

mehr Infos

Produkt-Empfehlungen

  • Cloud-Computing

    Cloud-Computing

    Erfahren Sie welchen Nutzen Cloud-Computing Ihnen und Ihrem Unternehmen bringen kann.

    CHF 38.00

  • InformatikPraxis

    InformatikPraxis

    DIE ultimative Praxislösung für IT-Entscheider!

    Mehr Infos

  • WEKA Musterverträge

    WEKA Musterverträge

    Die in der Praxis am häufigsten eingesetzten Musterverträge.

    Mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos