13.04.2016

Bitcoins: Virtuelle Realität oder Hype?

In der Geschichte der Menschheit gab es immer schon Goldgräberstimmungen und wechselnde Versprechungen, die leicht und schnell zu Reichtum verhelfen sollten. So ist es wenig erstaunlich, dass dies auch im digitalen Zeitalter so geblieben ist. Heutzutage versprechen BitCoins wenn auch nicht unbedingt schnellen, dann zumindest doch einfach und ohne all zu grosses eigenes Zutun zu erwerbenden Gewinn. Aber was steckt hinter der digitalen Währung?

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Grundsätzlich handelt es sich bei Bitcoins um ein digitales Währungssystem, welches - analog zu einer «echten» monetären Währung - unabhängig von anderen Währungssystemen ist und seinen Wert über den so genannten Wechselkurs bestimmt - also das Verhältnis zu anderen Währungen respektive einer allgemein anerkannten Leitwährung. Streng genommen dürften Bitcoins gar nicht als Währung bezeichnet werden, da «der Begriff Währung normalerweise von Staaten emittierte Zahlungsmittel bezeichnet». Es werden für Bitcoins auch die Bezeichnungen Kryptogeld oder Kryptowährung benutzt.

Irgendwann gegen Ende des vorherigen Jahrzehnts hatte ein bis heute anonym gebliebener Erfinder - oder eine Erfindergruppe - die geniale Idee, eine digitale, virtuelle Währung zu entwickeln: «Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System» hiess das vermutlich aus Japan stammende White Paper aus dem Jahre 2008 dazu. Hier sieht man schon einen der zentralen Gedanken dieses Bezahlprinzips: es sollte über ein Peer-to-Peer-Netzwerk, also direkt zwischen den Beteiligten ohne Einschaltung Dritter ablaufen - so etwas kennt man von den eher etwas «anrüchigen» Tauschnetzwerken, in denen zwar nicht nur, aber gerne auch Urheberrechtliches wie etwa Software oder Musik «getauscht» wurde. Im Falle der BitCoins ist es eher ein Aspekt, der für dieses Zahlungsmittel spricht, da es nicht von einer staatlichen Stelle oder Zentralbank, sondern dezentral über die PC-Systeme der Bitcoin-Nutzer nach bestimmten Algorithmen verwaltet und gesteuert wird. «Aufbewahren» tut man BitCoins dann logischerweise nicht in einer Brieftasche, aber auch nicht auf einem Bankkonto, sondern in digitalen Brieftaschen, den so genannten «Wallets».

Eine Inflation ist bei Bitcoins zwar ausgeschlossen, da die Gesamtmenge von vornherein beschränkt war, nämlich auf 21 Millionen Einheiten. Kursschwankungen hingegen gibt es durchaus - und da mit BitCoins gehandelt wird und im Gegensatz zu Schweizer Franken oder anderen «analogen» Währungen kein Staat und keine Bank regulierend eingreift, schwankt der Wert der BitCoins sogar erheblich. Die Analogie zum Aktien- und Devisenhandel liegt nahe - auch hier bestimmt sich deren Wert ja nicht allein aus einem «echten» Wert, sondern aus der Wertschätzung derjenigen, die diese Mittel kaufen oder verkaufen.

Bitcoins stellen also quasi eine abstrakte Recheneinheit dar. Gerade in den letzten Jahren hat die Akzeptanz aber erheblich zugenommen, und mittlerweile kann bei vielen Internethändlern und Online-Shops mit dem Internet-Geld bezahlt werden. Bitcoins werden an Börsen gehandelt und gegen andere Währungen getauscht.

Auf bitcoin.org heisst es zu den technischen Hintergründen:

«Hinter den Kulissen des Bitcoinnetzwerks gibt es ein öffentliches Buchungssystem, die so genannte 'Blockchain'. In diesem Buchungssystem wird jede Transaktion, die je über das Bitcoinnetzwerk gebucht wurde, gespeichert. Das ermöglicht dem Computer jedes Nutzers die Gültigkeit jeder Transaktion zu überprüfen. Die Echtheit jeder Transaktion ist durch eine digitale Signatur und der dazugehörigen Adresse des Senders gesichert; dies ermöglicht jedem Nutzer die volle Kontrolle über Zahlungen von seiner Adresse aus. Zusätzlich kann jeder selbst durch spezielle Hardware Transaktionen verarbeiten und dafür eine Vergütung in Form von Bitcoins erhalten. Dieser Prozess wird 'Mining' genannt.»

Mining - modernes Goldschürfen?

Bitcoins sind also nicht nur als dezentrales, verteiltes und quelloffenes System angelegt (man könnte durchaus von einer «Open-Source-Währung» sprechen); durch das Mining, also das «Schürfen» der digitalen Währung bekommt es nachgerade demokratischen Charakter, da sich jeder Computerbesitzer an diesem Prozess beteiligen kann.

«Jeder, der einen Computer sein eigen nennt, darf mitmachen, um neue Einheiten der virtuellen Währung zu generieren», heisst es dazu auf bitcoinblog.de. Im Prinzip könnte jeder seinen Rechner anwerfen und 24/7, also den ganzen Tag lang und an allen sieben Tagen der Woche die SHA-256-Hashes berechnen, die als «Platzhalter» im Bitcoin-System dienen. Zum Verständnis hilft vielleicht das Bild eines Schachbretts - die Zahl der Felder ist begrenzt, aber es sind noch nicht alle Steine gesetzt oder alle Felder «belegt». Mit den Hashes, die jeder selbst errechnen kann, hat man eine Art Anrecht (sozusagen einen «Claim» wie beim realen Goldrausch des 19. Jahrhunderts) auf eines der Felder - falls nicht jemand anderes einem bereits zuvorgekommen ist. «Findet» (d.h. errechnet) der Miner einen unbesetzten Block, bekommt er als Gegenwert einige Bitcoins.

Das Mining verspricht aber nur dann einigermassen nennenswerten Erfolg, wenn man über einen PC mit besonders auf diesen Zweck abgestellter Ausstattung verfügt. Mit einer noch so guten CPU lassen sich dabei nicht genügend Hashes in akzeptabler Zeit errechnen - erst mit der Auslagerung der Rechenoperationen auf eine GPU, also eine hierauf spezialisierte leistungsfähige (und teure) Grafikkarte wird das «Mining» halbwegs lohnend. Die Unterscheidung lässt sich grob gesagt darin treffen, ob mit dem eigenen PC Kilohashes, Megahashes oder Gigahashes berechnet werden können. Eine hochwertige Grafikkarte etwa kann zwar viele Hashes in akzeptabler Zeit berechnen, ist aber auch nicht gerade ein Schnäppchen. Hinzu kommt der sehr hohe Strombedarf solcherart ausgerüsteter PCs - die dann ja auch noch mehrere Stunden lang laufen müssen, bis die Bitchains berechnet worden sind. Eine Alternative besteht im Erwerb eines mit einem Asic-Chip ausgestatteten Systems. Diese können dann aber nur eins - das Errechnen der SHA-256-Hashes, für etwas anderes lassen sie sich praktisch nicht verwenden. Immerhin versprechen moderne Asics einen geringeren Energieverbrauch. Die Bitmain Antminer S5 beispielsweise schafft bis zu 1,2 Terahashes (Hash Rate: 1155 GH/s), kostet aber auch mehrere hundert Schweizer Franken. Immerhin lässt sich das ganze Mining auch zu einem Dienstleister auslagern.

Ist Bitcoin-Mining überhaupt noch profitabel?

Um ein Bild aus den Zeiten des «echten» Goldrauschs á la Klondyke und Alaska zu bemühen: das Suchen nach dem Gold und das Finden desselben war die eine (mehr oder weniger) lohnende Sache, die weitaus profitablere Seite war jedoch der Verkauf der Ausrüstung an die Goldsucher. So heisst es im Internet zum Thema «Bitcoin-Mining», dass «der Verkauf der Hardware für die Profitabilitätsrechnung immer wichtiger wird. 'Man muss das einberechnen: Was bekomme ich am Schluss für die alte Hardware, und zu welchem Zeitpunkt sollte ich diese verkaufen? Ich sehe das als einen sogenannten sweet point an – zu früh ist schlecht, und zu spät ist schlecht. Um ihn zu treffen, braucht man Erfahrung'» (zit. n. bitcoinblog.de). Und unter www.weusecoins.com heisst es:

«Bitcoin-Mining ist ein Geschäft mit einer sehr grossen Konkurrenz. Mining macht nur Sinn, wenn Sie es aus Spass machen und es Ihnen nicht so wichtig ist, ob Sie Profit daraus schlagen.»

Ein weiterer Aspekt, der in der Geschichte von Handel und Wirtschaft ebenfalls genügend Parallelen hat: Lohnen tut sich oftmals weniger das Erstellen eines Wertes oder einer Ware, sondern der Handel damit. Analog zum Aktienhandel waren hier also mitunter die «Early Adaptors» im Vorteil, die früh auf den Handel mit Bitcoins setzten.

Haben Bitcoins eine Zukunft? Im bereits oben zitierten Bericht (heise.de) heisst es dazu: «Insgesamt deutet es in den USA darauf hin, dass die eigentlich ohne Staat und Banken funktionierenden Kryptowährungen wie Bitcoin langsam in das bestehende Finanz- und Wirtschaftssystem integriert werden» (zit. n. ebd.). Microsoft hingegen hat aktuell (März 2016) angekündigt, Bitcoins nicht mehr als Zahlungsmittel in seinen Onlinestores zu akzeptieren. «Bestehende Bitcoin-Guthaben könnten allerdings noch ausgegeben werden»(vgl. ebd.).

Falls wir Ihr Interesse geweckt haben sollten: Unter www.bitcoinnews.ch finden Sie eine aktuelle Liste, wo sie Bitcoins kaufen können. Viel Spass und Erfolg beim virtuellen Goldschürfen und -handeln!

Weiterführende Links:

www.btc-echo.de

www.heise.de

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