14.08.2018

Fax: Ist das Zeitalter doch noch nicht vorbei?

Preisfrage: Es gibt eine ziemlich betagte Kommunikationstechnik, die sich selbst im Zeitalter von alles durchdringendem Internet, Clouds, digitalen Alleskönnern im Mobilgeräteformat und kontaktlosem Bezahlen am Imbissstand hartnäckig behauptet - erraten Sie, worum es geht? Richtig – es geht um das uralte Thema «Fax».

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen Kommentieren 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Absolute Notwendigkeit

Tatsächlich stellen Versand und Empfang von Faxen auch aktuell im dritten Jahrtausend für Viele offenbar eine absolute Notwendigkeit dar. Dass es längst weitaus sicherere und leistungsfähigere Übertragungswege wie verschlüsselte Emails und Cloudtransfers gibt, interessiert dabei nicht - schnell mal eben ein Fax zu senden und es auch empfangen können steht auch im Jahre 2018 noch weit oben auf der Anforderungsliste, wenn es um die Einrichtung und Kommunikationssaustattung eines Büros geht. Weshalb hält sich diese Technik aus dem vorvergangenen Jahrhundert dermassen hartnäckig? Und wie ist der aktuelle technische Stand - was gibt es zu beachten, wenn Faxen auch noch im All-IP-Zeitalter genutzt werden soll?

Woher stammt der Begriff «Faxen»

Der Begriff «Faxen» leitet sich aus der Kurzform von Telefax ab, was wiederum ursprünglich Telefaksimile hiess. Ein «Faksimile» wiederum ist eigentlich die weitgehend exakte Nachbildung eines Originals - was man von dem hier thematisierten Fax nicht unbedingt behaupten kann. Faxe weisen oftmals eine erheblich schlechtere Qualität auf als das ursprüngliche Dokument - was ganz natürlich ist und daran liegt, dass mit einem Fax über schmalbandige Leitungen Bilder und Texte (auf jeden Fall quasi «abfotografierte» Dokumente) übertragen werden konnten; und das ganze fast in Echtzeit! Das war vor hundert oder auch noch vor ein paar Dutzend Jahren sicherlich eine echte Neuerung und Erleichterung - niemand musste mehr tagelang auf die Zustellung eines Briefes warten. Und im Gegensatz zu einem Telex (kennt das noch jemand?) konnten mit der «Fernkopie» auch beispielsweise ein Foto oder ein Vertragsdokument übertragen werden. Wie bereits gesagt, sah und sieht das Ganze zwar teilweise eher verfremdet aus, da Faxgeräte das Dokument gerastert (also in Linien und Pixel aufgelöst) erfassen und übertragen. Da die Übertragung aber über das ehemals ausschliesslich durch staatliche Institutionen betriebene Telefonnetz oder per Funk geschah, galt die Zustellung als sehr zuverlässig und vor allem auch fälschungssicher und nachverfolgbar. Die Zustellung eines Dokumentes per Fax gilt auch heute noch fast überall als rechtssichere Methode, eine Zustellung nachzuweisen.

Zudem kommt die Möglichkeit, Faxe zu senden und zu empfangen, quasi zwangsläufig mit jedem Telefonanschluss ins Haus oder Unternehmen. Und da selbst Multifunktionsgeräte der unteren Preisklassen heutzutage oftmals schon eine Faxfunktion integriert haben, wird gefaxt, was das Zeug hält - nur leider hält es eben nicht mehr so zuverlässig wie früher. Woran liegt das?

Analoge Telefontechnik

Faxen entstammt der alten, analogen Telefontechnik - selbst über ISDN-Leitungen sind die dort verwendeten Protokolle ein wenig in die Jahre gekommen. Das hauptsächliche Manko aber ist, dass das klassische Faxen - wo es immer so schön Tüt-tüt-tüt-krr-krr macht und anschliessend mehr oder weniger nervtötend durch die Leitung rauscht - kein IP benutzt. Sie wissen schon - heutzutage will kein Netzbetreiber mehr «klassische» Signale über die Leitungen transportieren, das gilt für Telefon, Fernsehen und Radio ebenso wie für Faxe. Informationen müssen heutzutage digitalisierbar, d.h. in winzige elektronische Datenpakete zerlegbar sein. Bit an, Bit aus - und schon lassen sich ein und dasselbe Medium, ein und dieselbe Übertragungstechnik für alles nutzen, was nicht bei «Drei» auf dem Baum ist.

Bei der Faxübertragung hat man ursprünglich Audiosignale über die Leitungen geschickt - das gerade eben erwähnte Tüt-tüt. Das macht das so genannte Faxmodem in Ihrem 300-CHF-Drucker immer noch so - und solange Sie das Ganze über eine klassische analoge oder ISDN-Leitung schicken und auf der Empfängerseite jemand auf das Fax wartet, der ebenfalls ein Gerät mit klassischem Faxmodem verwendet, wird auch alles funktionieren.

Analoge Telefonleitungen sind vom Aussterben bedroht

Die analogen Telefonleitungen sind aber akut vom Aussterben bedroht, ISDN wird wohl in ziemlich kurzer Frist verschwinden. Auf den dann einheitlich auf IP ausgelegten Kommunikationswegen kommen Faxmodems mit ihrem Signalgepiepe aber nicht weit. Wie auch beim digitalen Fernsehen muss ein Wandler vorgeschaltet werden, der analog aufgezeichnete Bilder digitalisiert. Wer also weiterhin sein analoges Faxgerät nutzen möchte, wird ein so genanntes Faxgateway respektive einen Analog-Digitalwandler vorschalten müssen, damit der Rest der IT-Welt überhaupt von seinem Fax Kenntnis erhalten kann. Getoppt wird das Ganze dann noch, wenn auf der Empfängerseite ebenfalls ein analoges Faxgerät steht. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass das Signal einmal mehr durch ein Gateway geschickt und rückgewandelt wird. In einem Beitrag auf administrator.de heisst es dazu treffend: «Es sind jetzt insgesamt vier Modems beteiligt, die mit ein wenig Pech ein klein wenig inkompatibel zueinander sind und am Ende keine Faxverbindung zustande bringen».

Dabei könnte man Dokumente ebenso vertraulich wie verifizierbar per PGP oder S/Mime als Email verschicken - aber hier gibt es leider noch keine einfach verwendbare und flächendeckend zur Verfügung stehende Lösung. Und die zur Verfügung stehenden Lösungen OpenPGP und S/Mime sind zu allem Überfluss ausgerechnet durch eine aktuelle Sicherheitslücke namens Efail zu unrühmlicher Popularität gelangt.

Dateiaustauschdienste sind komplizierter als ein Faxgerät

Dateiaustauschdienste wie Dropbox oder WeTransfer bieten sich für den Dokumentenversand ebenfalls an – während aber die meisten von uns irgend eine Faxnummer angeben können, an die dann ein Fax geschickt werden kann, setzen Dateiaustauschdienste etwas mehr Aufwand voraus und sind keineswegs dermassen selbstverständlich wie der Gebrauch eines Faxgeräts. Ausserdem übergibt man seine eventuell vertraulichen Dokumente einem Dritten, siehe die Anmerkungen zum Datenschutz weiter unten.

Also bleibt die alte Faxmethode offenbar doch unausrottbar? Der User Wille ist schliesslich ihr Himmelreich; oder wie es in dem oben bereits erwähnten Kommentar treffend beschrieben ist, werden «Breitband-Internetverbindungen benutzt(,) um schön langsam mit 9.600 bps ein Schwarzweiss-Faksimile eines Dokuments mittels Akustik-Signal zu übertragen. Anstatt, dass es per E-Mail über vorbezeichnete Breitband-Internetverbindung verschickt wird» (zit n. ebd.).

T.38 über IP-Leitungen übertragen

Im Prinzip ist mit dem Protokoll T.38 auch schon lange der notwendige Standard vorhanden, um Faxe über IP-Leitungen zu übertragen – nur leider wird T.38 weder von allen Providern noch von allen Faxgeräten unterstützt.

Bleiben folgende Möglichkeiten für alle diejenigen, die auf das Versenden und den Empfang von Faxen angewiesen sind:

  • Die Nutzung eines Faxdienstes aus der Cloud; hier werden Dokumente per Browser oder Emailversand auf den Server des Anbieters übertragen, die gewünschte Zielfaxnummer eingetragen - und der Anbieter kümmert sich um den Rest. Auch der Empfang von Faxen ist hierüber möglich - in aller Regel selbstverständlich gegen Entrichtung eines kleinen Obolus´ oder sogar kostenfrei, wenn der Anbieter ein Werbebanner einblenden darf - letzteres kommt besonders seriös und professionell bei per Fax übertragenen Kündigungen oder Vertragsabschlüssen daher. Es gibt aber genügend seriöse Anbieter, googeln Sie einfach nach «Faxe versenden». Aber aufgepasst! Sie übergeben die Dokumente dann der Obhut des jeweiligen Anbieters! Bei sämtlichen sensiblen, personenbezogenen Daten müssen Sie den Datenschutz beachten, sofern Ihr Fax das schweizerische Hoheitsgebiet verlässt, eventuell auch die strengen Vorgaben der europaweiten Datenschutzgrundverordnung (GDPR oder DSGVO).
  • Die Nutzung eines SIG-Faxgateways wie etwa https://www.sipgateteam.de/funktionen/online-fax. Letztlich entspricht dies einem Online-Faxdienst.
  • Über das EPost-System der bundesdeutschen Post lässt sich Faxdienst nutzen, allerdings ist dazu eine etwas mühselige Registrierung notwendig.

Sie sehen also, dass es keinen Königsweg gibt bei der Nutzung von Fax im IP-Zeitalter. Im Grunde betrifft dies ja auch mehr, nämlich die Frage, wie vertrauliche Informationen über die zur Verfügung stehenden Kommunikationswege übertragen werden können - vor allem in Zeiten von DSGVO einerseits und Ausspähens der Netzwerke durch Hacker und sogar durch staatliche Organe, Stichwort NSA. Das berührt dann aber schon wieder ein viel weiter gefasstes Themenfeld.

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