09.10.2019

Social Media Monitoring: Sind soziale Medien im Businessbereich out?

Die Nutzung sozialer Medien ist im Businessbereich längst kein Thema mehr - oder doch? Denn nach einer stürmischen Pionierphase, in der jedes Unternehmen, das etwas auf sich hielt, mindestens das Dreigestirn aus Facebook-, Twitter-, Instagram-Button auf seiner Webseite einbauen musste, ist ein gegenläufiger Trend zu erkennen. Mit den Datensammelskandalen um Facebook, WhatsApp und Co. ist wieder ein wenig Ernüchterung eingekehrt - und wer sich heute besonders fortschrittlich zeigen will, kehrt vor allem Facebook den Rücken.

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

Social Media Monitoring

Closed Media

Dass der Trend heute eher wieder in Richtung "Closed Media" zeigt, liegt vor allem an der erhöhten Sensibilität für Datenschutz und Privatsphäre. Ja, auch ein Unternehmen kann letztere besitzen – „privat“ nicht im landläufigen Sinne, aber als Unternehmer sollten und müssen Sie die Kontrolle über Ihre Daten und die Ihrer Nutzer (!) behalten. Nicht zuletzt das Inkrafttreten der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO oder GDPR) hat dazu geführt, dass mit diesem Thema inzwischen behutsamer umgegangen wird. Denn "Facebook bleibt für Unternehmen weiterhin eine Baustelle, wenn es um das Thema Datenschutz geht", heisst es zum Beispiel auf www.datenschutzkanzlei.de. Wer eine sogenannte "Fanseite" im Namen seines Unternehmens betreibt, muss aufpassen:

"Die erforderliche Vereinbarung nach Art. 26 DSGVO liegt damit zwar vor, der Betreiber der Fanpage muss aber weiterhin bestimmte datenschutzrechtliche Anforderungen, insbesondere hinsichtlich seiner Informationspflichten, beachten. Hier sollte besonders sorgfältig vorgegangen werden, da bei unvollständigen Informationen eine Abmahnung drohen kann", heisst es auf www.datenschutzkanzlei.de (ebd.).

Vor allem das Schreckgespenst der Abmahnungen und die damit verbundenen, teilweise abstrus hohen möglichen Zahlungen haben hauptsächlich im KMU-Bereich zu einer Art Schockreaktion geführt. So können bei Verstössen gegen die DSGVO zwei bis vier Prozent des weltweiten Unternehmensumsatzes als "Bussgeld" fällig werden - oder in absoluten Zahlen 10 bis 20 Millionen Euro. Und dass auch Schweizer Gewerbetreibende hiervon betroffen sein können, haben wir ja bereits mehrfach ausgeführt. Sofern Sie nicht in einem rein auf den Schweizer Rechts- und Wirtschaftsraum beschränkten Geschäftsfeld tätig sind, wird die DSGVO Sie bereits beim Betrieb einer Webseite einholen - und damit auch das drohende Abmahnrisiko.

Globale Konzerne oder Unternehmen mit einer entsprechenden Grösse und zugehörigen Rechtsabteilung haben bezüglich Ihrem Social Media Monitoring in der Tat zumeist etwas gelassener reagiert, weil sie entweder bereits im Vorfeld juristisch gut beraten waren oder bei möglichen Rechtsstreitigkeiten auf ihre qualifizierten Rechtsabteilungen vertrauen. In der mittelständischen Wirtschaft hingegen haben die Bestimmungen der DSGVO unter anderem dazu geführt, "dass 44 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe ihre Online-Aktivitäten 'etwas' und weitere 26 Prozent 'sehr' eingeschränkt haben. Knappe drei Prozent zogen einen kompletten Schlussstrich und verabschiedeten sich gänzlich aus der digitalen Welt", so das Ergebnis einer Umfrage des bundesdeutschen BVMW (Bundesverband mittelständische Wirtschaft, zitiert nach deutsche-handwerks-zeitung.de).

Nun mag so mancher von einem etwas übertriebenen Verhalten und einer Art "vorauseilendem Gehorsam" sprechen. Die Gefahr ist aber durchaus real - so gibt der bundesdeutsche Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) als Ergebnis einer eigenen Umfrage an, dass fünf Prozent aller Unternehmen bereits eine Abmahnung wegen Verstosses gegen die Bestimmungen gegen die DSGVO erhalten haben. Und etwa ein Drittel der Befragten nahm das Inkrafttreten der DSGVO zum Anlass, die digitalen Aktivitäten einzuschränken. Die Zahlen variieren zwar je nach Umfrage (der BVDW hat mehrere Befragungen vor und nach Inkrafttreten der DSGVO durchführen lassen), aber der Trend ist zu erkennen: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, und eine Webseite ohne Verweis auf Social Media, Anmeldungsmöglichkeiten zum Newsletter oder Kontaktformular kann auf diese Punkte hin schon mal nicht abgemahnt werden.

Marktchance «Social Media Monitoring»

Dabei gibt es nach wie vor gute Gründe, auf eine umfassende digitale Präsenz zu setzen. Zum Einen ist die Informationssuche im Internet zum State-of-the-Art geworden - und nur über eine aktiv betriebene und laufend aktualisierte Webseite haben Unternehmen die Möglichkeit, die Suchergebnisse mit zu beeinflussen. Wir berichteten ja bereits mehrfach über die Grenzen, aber auch Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung (SEO), vor allem in unserem Portal "InformatikPraxis" finden Sie zahlreiche Hinweise und Tipps für eine Verbesserung der Platzierung bei Googles Suchergebnissen. Google deswegen, weil es ebenso "State-of-the-Art" und derzeit unangefochtener Platzhirsch unter den Suchmaschinenbetreibern ist. Wer im Internet gefunden werden will, kommt also um eine aktuelle und gut verlinkte Webseite nicht umhin.

Und zum Anderen können Unternehmen im Gegenzug aus den Rückmeldungen der Nutzer ja auch Nutzen ziehen:

"Konsumenten und Bürger berichten und diskutieren eifrig in Sozialen Netzen", heisst es beim eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB):

"Folglich wollen die Unternehmen (...) nicht mehr nur die klassischen Medien beobachten, sondern auch möglichst gut darüber informiert sein, wie sie in den Sozialen Medien dargestellt werden. Daraus entwickelte sich die Dienstleistung Social Media Monitoring" (Quelle: https://www.edoeb.admin.ch/edoeb/de/home/datenschutz/Internet_und_Computer/onlinedienste/soziale-medien.html).

Wer sich den digitalen und vor allem sozialen Medien aber verweigert oder seine Aktivitäten aus Angst vor negativen Folgen der Datenschutzverordnungen einschränkt, trifft also wahrscheinlich nicht die schlaueste Entscheidung - sofern er oder sie ein Gewerbe betreibt, bei der eine Internetpräsenz von entsprechender Bedeutung ist.

Alternative: Online bleiben, Datenschutz beachten

Dabei ist ein gesetzeskonformes Verhalten im weltweiten Netz eigentlich gar nicht so kompliziert - Hier in Kürze noch einmal eine Checkliste mit den wichtigsten Anforderungen, die sich aus der DSGVO ergeben - wie Sie sehen, betrifft ein ganzer Teil davon auch Ihren etwaigen Auftritt bei Facebook, Instagram und Twitter:

  • Verfassen einer Datenschutzerklärung für die Unternehmenswebseite
  • Für Schweizer Unternehmen die Benennung eines Datenschutz-Vertreters in der EU
  • Hinweise beim Setzen von Cookies und - falls genutzt - bei der Nutzung von Analyse-Tools
  • Die Anlage und Pflege eines Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten zur Erhebung und Speicherung personenbezogener Daten
  • Vereinbarungen zur Verarbeitung personenbezogener Daten, sofern diese in Ihrem Auftrag durch Dritte verarbeitet werden ("Auftragsdatenverarbeitung")
  • Beschäftigtendatenschutz, sofern es Sie trifft. Achtung: hierunter fallen auch die Daten von Stellensuchenden!
  • Verpflichtung Ihrer Mitarbeiter auf das Datenschutzgeheimnis

Einen Datenschutzbeauftragten müssen Sie übrigens nur dann bestellen und der zuständigen Aufsichtsbehörde melden, wenn mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind! In der Schweiz können Sie einen Mitarbeiter oder einen Dritten als betrieblichen Datenschutzverantwortlichen benennen. Zwingend ist dies aber nur, wenn die umfangreiche regelmässige und systematische Überwachung von Betroffenen und/oder sensitive Daten zu den Kernaktivitäten Ihres Unternehmens zählt!

Aussitzen?

Es soll ja Menschen geben, die schwierige Entscheidungen einfach aussitzen - das heisst durch Nichtstun abwarten, was im Laufe der Zeit passiert. Sieht man so etwas als eine Art fernöstliche Gelassenheit, kommt einem vielleicht die etwas makabre Fabel über den Weisen in den Sinn, der so lange am Fluss sass, bis er seine Gegner tot im Strom vorübertreiben sah. Allerdings könnte abwarten und Tee trinken sich im Falle des Datenschutzes im Web auch als Bumerang erweisen, denn auch in der Schweiz wird an einer Revision des Datenschutzgesetzes gearbeitet. Im Zweifelsfall ziehen Sie einfach juristischen Beistand hinzu: Die Honorarsätze für einen Juristen dürften allemal niedriger sein als die fälligen Zahlungen bei einer erfolgreichen Abmahnung gegen Ihr Unternehmen.

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