08.03.2019

5G: Was bringt das?

Da hat man sich gerade erst daran gewöhnt, auf aktuellen Handys bei entsprechender Verfügbarkeit mit dem aktuellen Mobilfunkstandard 4G auf das Internet zugreifen zu können - da steht mit 5G bereits dessen Nachfolger in den Startlöchern. Was bringt 5G? Und taugt der neue Standard vielleicht sogar als Internetalternative dort, wo Breitband noch nicht zur Verfügung steht?

Von: Lars Behrens  DruckenTeilen 

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

MaLiWi IT

5G

Extrem hohe Datenrate

Die Versprechungen sind wie immer nicht zu bescheiden: 5G, die Nachfolgetechnik des inzwischen grossflächig verfügbaren LTE (4G), soll extrem hohe Datenraten bei äusserst geringen Latenzzeiten (die Zeit, die ein Datensignal benötigt, bis es zum Absender zurückkehrt) von 1 ms (einer Millisekunde) bringen. Ein Newsletter ist nicht der geeignete Rahmen für ausgiebige technische Details, deshalb an dieser Stelle im Schnelldurchlauf die Vorteile, die 5G mit sich bringen soll:

  • bis 100 höhere Datenrate als heutige LTE-Netze (also bis zu 10.000 MBit/s)
  • rund 1000fach höhere Kapazität
  • weltweit 100 Mrd. Mobilfunkgeräte gleichzeitig ansprechbar
  • extrem niedrige Latenzzeiten -> Ping von unter 1 Millisekunde
  • 1/1000 Energieverbrauch pro übertragenem Bit
  • 90% geringerer Stromverbrauch je Mobildienst.

(Quelle: https://www.lte-anbieter.info/5g/)

Wie auf lte-anbieter.info treffend angemerkt, verspricht 5G also eine Art «eierlegende Wollmilchsau» zu sein - wobei eine der interessantesten und augenfälligsten Verbesserungen tatsächlich die im Vergleich zu den Vorläufern drastisch reduzierte Latenzzeit zu sein scheint. Eine (1) Millisekunde (ms) bei 5G anstelle von etwa 30 ms bei 4G - das ist schon eine Hausnummer, und mit derart rasant reagierenden Datenströmen geraten nicht nur Onlinegames in den Fokus des Nutzers, sondern auch IP-Telefonie, Videokonferenzen und andere zeitkritische Anwendungen. Wie gesagt - die technischen Hintergründe sollen uns an dieser Stelle weniger interessieren, im Prinzip bedient 5G sich derselben Grundlagen wie 4G, nur eben erheblich ausgeweitet. So kommt das Prinzip der Mehrfachantennen (MIMO), das mit 4G eingeführt wurde und inzwischen sogar in heimischen WLAN-Netzen Verbreitung findet, in einer Art «XXL-Variante» (Multiple-MIMO) zum Einsatz, ebenso das bereits bekannte Beamforming. Sie finden Details zu diesen technischen Aspekten beispielsweise im Portal InformatikPraxis Online aus unserem Hause.

Was bringt Ihnen 5G im beruflichen Alltag?

Zurück zur Praxis - hier interessiert es Sie sicher auch, ob die mehr oder weniger lustigen und/oder spannenden Filmchen und Bildchen aus Instagram, Facebook, WhatsApp und Co. ruckelfrei auf Ihrem Handy laden - spannender wird für Sie aber die Frage sein, was 5G Ihnen im beruflichen Alltag bringt. Die nüchterne Erkenntnis vorab: Einer der beiden Hauptfunktionen eines Smartphones, dem Telefonieren ist es relativ gleichgültig, in welcher Geschwindigkeit die Sprachsignale übertragen werden. Interessanter ist da schon die Frage, weshalb es auch im Jahre 2019 immer noch nicht möglich ist, mit einem brandaktuellen Handy gleichzeitig zu surfen, zu telefonieren und es als HotSpot zu benutzen. Zu den Gründen sowie Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie am besten Ihren Mobilfunkprovider.

Für uns steht die Beantwortung der Frage im Fokus, ob 5G es endlich möglich macht, sich den ernsthaften Dingen der Berufswelt möglichst störungs- und ruckelfrei zuzuwenden. Mailabrufe, Zugang zu den Dateifreigaben des Firmenservers, vielleicht sogar noch Videokonferenzen oder andere Formen der Online-Meetings - die Freude an all dem vergeht einem schnell, wenn man sich beispielsweise auf der hinterletzten Alp oder in einer ruckelnden Tram in Zürich befindet. Hier könnte 5G theoretisch einen wahren Boost bewirken - aber leider ist die WWW-Welt auch bei 5G nicht am nächsten Funkmast zu Ende. Die von Ihrem iPhone X oder Samsung S10 rasant schnell zur nächsten 5G-Funkzelle übertragenen Datenströme müssen von dort ja auch weitertransportiert werden; und wenn eben jener Funkmast lediglich mit einer altertümlichen Kupferverbindung ans weltweite Netz angebunden ist, steht wieder weltweites Warten (die wahre Bedeutung der drei Buchstaben WWW) an. Hinzu kommt, dass die neue 5G-Technik schon prinzipell bedingt die Datenströme weniger weit und effektiv übertragen können wird - das hat mit Funkfrequenzen und -Bändern zu tun und lässt sich nicht so einfach beeinflussen.

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Internet per Mobilfunk und 5G statt einer DSL-Leitung?

Das beantwortet auch beinahe schon die Frage, ob 5G eine Alternative für Internetnutzer mit langsamen Anbindungen werden könnte. Internet per Mobilfunk und 5G statt einer DSL-Leitung? Bei der Einführung von 4G war das terrestrische WAN (also Internetanschlüsse über DSL und Glasfaser) noch nicht so weit ausgebaut wie heute. Entsprechend verlockend war seinerzeit die Aussicht, 4G als Alternative für Interanbindungen in Gegenden nutzen zu können, in denen keine ausreichend schnellen DSL- oder Glasfaserverbindungen zur Verfügung gestanden hatten. Bei theoretisch möglichen Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 50MBit/s und mehr (300 MBit bis 1Gbit) über 4G eine durchaus realistisch erscheinende Möglichkeit. So richtig durchgesetzt hat sich dies aber weder in der Schweiz noch in der benachbarten Bundesrepublik, teilweise waren die Mobilfunknetze nämlich noch schlechter ausgebaut als die terrestrischen Netze. In einigen Nachbarländern wie zum Beispiel im teilweise sehr dünn besiedelten Dänemark ist dies anders, Internetanschlüsse über Mobilfunk sind dort fester Bestandteil des Portfolios der meisten Internetprovider.

Dabei geht es heutzutage nicht einmal unbedingt mehr um eine Abdeckung von Gegenden mit unzureichender Internetanbindung, vielmehr bieten 4G- oder entsprechend zukünftig auch 5G-WAN-Anbindungen den unschlagbaren Vorteil der Flexibilität: Eine Antenne für Mobilfunk ist schnell aufgestellt, und wenn darüber die Daten demnächst mit 5G-Geschwindigkeit rauschen, könnte ein solcher Anschluss eine interessante Alternative für Unternehmen sein, die vielleicht nur temporär ein Projektbüro ans WAN anbinden wollen. 5G taugt dabei übrigens nicht nur zur Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellem Internet, auch und gerade in Ballungsgebieten gibt es teilweise immer noch Versorgungslücken bei Breitbandanschlüssen. Die Internetnetprovider haben sich hier teilweise zu sehr auf den Anschluss von Neubaugebieten oder den ländlichen Raum konzentriert in der Annahme, dass bereits erschlossene Gebiete mit dem dort jeweils verfügbaren Netz ausreichend bedient seien. Teilweise handelt es sich dabei aber noch um sehr langsame DSL-Verbindungen - und neben dem reinen «Geschwindigkeitsrausch» ist für Internetkunden aus dem Businessbereich gerade auch die Möglichkeit der symmetrischen Anbindung wichtig. Zur Erinnerung: Übliche DSL-Anschlüsse stellen einen höheren Download als Upload zur Verfügung - es heisst auch nicht umsonst Asymmetric Digital Subscriber Line (ADSL). Damit lässt es sich eventuell prima surfen - in Unternehmen wird aber eher weniger Fussball online geschaut oder der aktuelle Kinofilm gestreamt, sondern produktiv gearbeitet. Und um von einem Filialbüro aus auf dem zentralen Server in der Geschäftsstelle arbeiten zu können, bedarf es eines Anschlusses, der die Datenströme in hoher Geschwindigkeit ins Netz überträgt (Upload) und nicht nur von dort herunterlädt (Download). Auch das aktuellere VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) ist zwar sehr viel schneller als ADSL, es handelt sich aber auch hier um einen asymmetrischen Übertragungsstandard.

Fazit

5G wird kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche - oder soll man heutzutage eher sagen «wie die Likes nach einem Facebook-Post»? Ob aber der Nachfolger des aktuellen LTE / 4G diesen tatsächlich überflügeln und vor allem uns Usern spürbare Verbesserungen bringen wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Eine der interessanten Fragen ist dabei auch, ob 5G womöglich nur wieder in den ohnehin gut versorgten Ballungsgebieten verfügbar sein wird. 5G wird vermutlich nicht als Funktechnik geeignet sein, um Gigabit-Internet endlich auch aufs Land zu bringen.

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