25.06.2014

Server-Virtualisierung: Damit Ihr Server nicht ausfällt

In all den aktuellen Diskussionen um BYOD, Cloud Computing und soziale Netzwerke im Unternehmen geraten manchmal Themen aus dem Blickwinkel, die vor gar nicht langer Zeit noch im Brennpunkt des Interesses standen. Ein Beispiel dafür ist die Server-Virtualisierung.

Von: Lars Behrens   Drucken Teilen   Kommentieren  

Lars Behrens, Dipl.-Paed

Lars Behrens ist Geschäftsführer der Firma MaLiWi IT. Staatlich geprüfter Netzwerkadministrator, Microsoft MCP/Linux LCP. Er hat langjährige Erfahrung in der Beratung bei Planung und Einrichtung von IT-Systemen und Netzwerken und dem Support heterogener Systeme (Apple Macintosh, Microsoft Windows, Linux). Universitätsstudium der Pädagogik, mehrere Jahre Tätigkeit im Ausland. Seminar- und Kursleiter, Referent und Fachbuchautor. Weiterhin ist er Herausgeber von dem Online-Fachportal «InformatikPraxis» bei der WEKA Business Media AG.

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Server-Virtualisierung

Server-Virtualisierung spielt in heutigen IT-Infrastrukturen unserer Erfahrung nach eine grössere Rolle als beispielsweise das aktuell sehr stark gehypte Cloud Computing. Im Gegensatz zu letzterem ist Virtualisierung im Alltag der meisten Unternehmen angekommen, kann mit entsprechendem, aber überschaubarem Aufwand im eigenen Hause betrieben werden und ist nicht zuletzt aus Datenschutzgründen weniger fraglich als die berüchtigte Cloud.

Virtualisierung ist nicht gleich Virtualisierung

Man unterscheidet grundsätzlich erst einmal danach, ob das System vollständig oder nur teilweise virtualisiert wird (Komplett- und Para-Virtualisierung), oder ob innerhalb eines laufenden Betriebssystems ein weiteres System virtualisiert wird.  

Durch letztere Lösung ist die Virtualisierung inzwischen auch in der Welt der Clientsysteme angekommen – oder ein Linux-System auf einem Windows-7-Laptop, oder eine Testumgebung für Windows 7 auf einem Windows-XP-System und so weiter und so fort.

Übrigens: die weniger bekannte, aber sehr leistungsfähige Lösung VirtualBox – inzwischen von Oracle vertrieben – kann hierzu kostenlos genutzt werden.  

Bei den oben zuerst genannten Varianten hingegen muss noch getrennt werden in Lösungen, bei denen das Betriebssystem direkt auf der realen Hardware betrieben wird – man hat dann praktisch mehrere VMs parallel laufen – oder ob die VM weiss, dass sie nicht auf der echten Hardware, sondern auf dem dazwischengeschalteten Virtualisierungs-System läuft. Beide Lösungen haben ihre Vor- und Nachteile, so dass hier keine allgemein gültige Empfehlung gegeben werden kann. Sehr angenehm ist, dass einige Anbieter für ihre Virtualisierungs-Lösungen Testversionen anbieten, so dass Sie sich vorab einen guten Überblick verschaffen können. Achten Sie gegebenenfalls darauf, dass Ihre Serverhardware Prozessor-Virtualisierungs-Techniken bietet (AMD-V und Intel VT-x). Heutige Prozessorgenerationen – zumindest im Business-Serverbereich – haben damit aber eigentlich keine Probleme mehr.

Die wichtigsten Server-Virtualisierungs-Lösungen für den KMU-Bereich:

  • VMWare
  • Parallels Virtuozzo
  • Xensource (Citrix)
  • Microsofts Hyper-V - diese vier stellen allesamt kommerzielle Lösungen dar
  • Xen
  • KVM als zwei Vertreter für OpenSource-Lösungen

Pro und Kontra von Server-Virtualisierung

Server-Virtualisierung dient in erster Linie natürlich der Kostensenkung. Dies geschieht vor allem durch zwei Aspekte:

  • Ein aktueller Server mit einer leistungsfähigen Virtualisierungs-Lösung ersetzt mehrere physische Server – das spart kurzfristig Geld bei einer eventuellen Neuanschaffung, aber auf jeden Fall mittel- und langfristig bei irgendwann fällig werdenden Ersatzbeschaffungen von physischen Servern, die ihre Betriebslaufzeit erreicht haben.
  • Durch den Betrieb mehrerer virtualisierter Server auf ein und derselben virtualisierten Maschine wird Rechenleistung, Kühlungsaufwand im Serverrack und somit letztlich Strom gespart.  

Ein weiterer Aspekt, der oftmals als Vorzug von Server-Virtualisierung genannt wird, fällt unseres Erachtens hingegen weniger ins Gewicht: die zentrale Verwaltung mehrerer Server ist auch bei physikalisch getrennten Geräten möglich, und es kommt ja noch der Administrationsaufwand für das Virtualisierungs-System hinzu. Und wer die VMs (die virtuellen Maschinen) nicht per Remotezugriffstechniken wie RDP, VNC oder ssh verwalten, sondern dazu die in praktisch allen gängigen Virtualisierungs-Lösungen vorhandenen Konsolen nutzen möchte, muss schon recht masochistisch veranlagt sein. Zu klein sind in der Regel die Darstellungen und zu mühselig ist die Bedienung. Solche Konsolen sind praktisch die Gucklöcher auf das virtualisierte System innerhalb des Wirts, also des Systems, welches die Virtualisierung bereitstellt.

Schnelle Wiederherstellung – kein Virtualisierungsprivileg

Hingegen muss unbedingt einer der hauptsächlichen Vorzüge einer Server-Virtualisierung genannt werden, die schnelle Wiederherstellung virtualisierter Maschinen im Ernstfall. Dies fällt aber – und man muss hinzufügen: inzwischen – nicht (mehr) bei allen Systemen gleich schwer ins Gewicht. Linux-Systeme lassen sich beispielsweise mit dem hier bereits vorgestellten Relax And Recover (REAR) schnell und kommod wiederherstellen, und ein Ubuntu-, CentOS- oder Debian-System ist auch als basale Neuinstallation in durchschnittlich einer halben bis einer Stunde neu installiert. Aktuelle Windows-Server lassen sich mit der integrierten Serversicherung oftmals ebenso schnell wiederherstellen. Beim Ausfall beispielsweise eines Exchangeservers oder gar des Domänenkontrollers im ActiveDirectory-Domänenverbund bekommen Sie, wenn Sie beim Ausfall einer virtualisierten Maschine bedenkenlos auf Wiederherstellung klicken, sogar richtig Stress (Stichwort USN-Rollback). Schauen Sie unbedingt auf den Supportseiten von Microsoft nach, bevor Sie Ihren Domänencontroller virtualisieren oder aus einem Snapshot wiederherstellen wollen!  

Fazit: In einer Virtualisierungs-Lösung genügt in der Regel zwar ein Knopfdruck, um ein ausgefallenes System innerhalb weniger Minuten wiederherzustellen; aber eine echte Zeitmaschine ist eine wie auch immer geartete Virtualisierungs-Lösung auch nicht, und im Serververbund müssen Sie unbedingt wissen, was Sie im Ernstfall eines Recovers tun.

Backup und Restore auch für den Virtualisierungs-Server!

Vergessen Sie bitte nicht die ungemein wichtigen Punkte Backupkonzept und Restore des Virtualisierungs-Servers selbst! So mancher Admin, der stolz auf seine VMs mit den virtualisierten Servern war, kam bereits ins Schwitzen, als das Virtualisierungs-System selbst ausgefallen ist. Der Autor dieser Zeilen kann ebenfalls ein Lied von durchwachten Wochenendnächten singen, in denen ein den Dienst verweigernder VMware- oder Hyper-V-Server das Admin-Team um den Schlaf gebracht hat. Üben Sie also nicht nur den Ernstfall der Wiederherstellung einer VM, sondern am besten gleich des gesamten Virtualisierungs-Servers!

Server-Virtualisierung um jeden Preis?

Virtualisierung muss und sollte nicht um jeden Preis betrieben werden.  

Beispiel: Die IT-Abteilung der Raclettepfännli AG betreibt eine betagte Software - etwa eine spezielle Branchenlösung – auf einem ebenso betagten Server mit dem Betriebssystem Windows 2000 – ja, so etwas gibt es noch. Das Alter dieser Kombination verursacht den IT-Verantwortlichen regelmässig Sorgenfalten auf der Stirn aber Software und Server laufen seit Jahren klaglos und ohne Mucken. Die Crux ist, dass Windows 2000 seitens Microsoft bereits lange abgekündigt ist, es gibt also keine Updates mehr für das Betriebssystem. Würde dieser Server jetzt virtualisiert werden, entstünden schnell Kosten im fünfstelligen Bereich. Würde der Server auf eine neue Hardware umziehen, müsste aber höchstwahrscheinlich auch die Branchensoftware aktualisiert oder ausgetauscht werden – ebenfalls mit hohem finanziellen Aufwand. Vermutlich entscheiden sich die Verantwortlichen in einem solchen Szenario für den Weg des geringsten Widerstands: der Server wird sicherheitstechnisch dermassen abgeschottet, dass die Bedrohung trotz fehlender Updates gering gehalten wird.  

Mit diesem Beispiel aus der IT-Praxis des Autors soll einmal kurz aufgezeigt werden, dass Server-Virtualisierung kein Allheilmittel ist. Vor allem ist es immer mit einem mehr oder weniger grossen Administrationsaufwand verbunden, und natürlich mit Kosten: leistungsfähige Hardware, Lizenzkosten für die Virtualisierungs-Lösung und die Schulung der Administratoren.

Langfristig planen!

Ein wichtiger Aspekt, den Sie bei der Auswahl eines Virtualisierungs-Systems beachten sollten, betrifft die zukünftige Erweiterbarkeit – so etwas klingt als Skalierbarkeit ja ungleich moderner. Die Virtualisierungs-Lösungen aus dem Businessbereich haben hiermit schon einmal keine Probleme. Sie müssen bei der Anschaffung der Hardware jedoch berücksichtigen, dass diese irgendwann Ihren Ansprüchen vielleicht nicht mehr genügt. Nicht nur Festplattenplatz ist oftmals schneller aufgebraucht als man denkt – auch beim RAM und bei den Netzwerkschnittstellen könnten Sie schneller an die Grenzen des Systems geraten als Sie es eingeplant hatten. Leistungsfähige Serverlösungen verfügen übrigens nicht nur über Hot-swappable – im laufenden Betrieb auswechselbare – Festplatten, sondern auch über ebensolchen RAM und sogar Hot-Plug-CPUs; allerdings sind solche Geräte auch nicht eben günstig und übersteigen oftmals die Budgets im KMU-Bereich.  

Auf der anderen Seite sollten Sie als IT-Verantwortlicher oder Entscheider einmal folgende Rechnung aufmachen: wenn Sie bei einem Jahresumsatz von vielleicht einer halben Million Franken vor der Entscheidung stehen, einen banal ausgestatteten Virtualisierungs-Server für CHF 4'000.- oder einen erheblich leistungsfähigeren und vor allem gut ausbaubaren Server für CHF 9'000.- anzuschaffen, macht sich die höhere Anfangsinvestition möglicherweise nach einer Betriebszeit von zwei oder drei Jahren bereits wieder bezahlt. Spätestens, wenn Sie ohne Unterbrechung des Serverbetriebs (somit ohne Ausfallzeiten für Ihre EDV und die Mitarbeiter) und vor allem ohne erneute Anschaffung eines weiteren Servers das bestehende Gerät erweitern und dadurch im Idealfall weitere Jahre betreiben können, marginalisiert sich ein Preisunterschied von wenigen tausend Franken.

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