01.07.2014

Risikobeurteilung: Vorschriften und Methoden zur Risikobeurteilung nach Maschinenrichtlinie

Seit dem 29.12.2009 müssen die Anforderungen der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG umgesetzt werden. Dazu gehört auch die sogenannte Risikobeurteilung.

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Risikobeurteilung

„Der Hersteller einer Maschine oder sein Bevollmächtigter hat dafür zu sorgen, dass eine Risikobeurteilung vorgenommen wird, um die für die Maschine geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln. Die Maschine muss dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung konstruiert und gebaut werden.“ (EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, Anhang I).

Gleich im ersten Satz des Anhang I stellt die EG-Richtlinie Maschinen 2006/42/EG unmissverständlich klar: Eine Risikobeurteilung muss durchgeführt werden. Die Richtlinie untersagt ausdrücklich Maschinen ohne vorherige Risikobeurteilung mit der CE-Kennzeichnung zu versehen oder gar in Verkehr zu bringen. Auch aus Sicht der Produkthaftung ist es unerlässlich, Gefährdungen bereits vor Beginn der Konstruktion zu kennen, einzuschätzen und zu bewerten. Das geht nur über eine Risikobeurteilung. Doch wie er die Risikobeurteilung genau durchführt, bleibt zunächst einmal dem Hersteller überlassen.

Folgende Normen, helfen Ihnen bei der Risikobeurteilung weiter:

EN ISO 12100-1:2004-04

  • Sicherheit von Maschinen – Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsätze – Teil 1: Grundsätzliche Terminologie, Methodologie (ISO 12100-1:2003); Deutsche Fassung EN ISO 12100-1:2003
  • Diese Norm soll Herstellern helfen, durch Strategien zur Risikominderung eine sichere Maschine herzustellen, sie listet dazu mögliche Gefährdungen auf.

DIN EN ISO 14121-1:2007-12

  • Sicherheit von Maschinen – Risikobeurteilung – Teil 1: Leitsätze (ISO 14121-1:2007); Deutsche Fassung EN ISO 14121-1:2007
  • Diese Norm listet allgemeine Leitsätze für die Risikominderung auf. Sie beschreibt Verfahren zur Identifizierung von Gefährdungen sowie zur Risikoeinschätzung und -bewertung. Ausserdem legt sie fest, was die Dokumentation einer Risikobeurteilung enthalten muss.

DIN EN ISO 13849-1 (Typ-B-Norm)

  • Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen – Teil 1: Allgemeine Gestaltungsleitsätze DIN EN ISO 13849-1 beinhaltet Sicherheitsanforderungen für Steuerungen einschliesslich der zugehörigen Software.
  • Die Norm gilt für Steuerungen aller Arten von Maschinen, ungeachtet der verwendeten Technologie und Energie (elektrisch, hydraulisch, pneumatisch, mechanisch usw.).

Zu EN ISO 12100-1, EN ISO 14121-1 und EN ISO 13849-1 gibt es zudem ergänzende Teile 2. Davon sind jedoch nur EN ISO 12100-2 und EN ISO 13849-2 harmonisiert. ISO/TR 14121-2 ist keine harmonisierte Norm und liegt nicht in deutscher Sprache vor.

Maschinenspezifische Normen (Typ-C-Normen) enthalten detaillierte Sicherheitsanforderungen an eine bestimmte Maschine oder eine bestimmte Gruppe von Maschinen. Vielfach findet man darin auch eine Liste von Gefährdungen speziell für das behandelte Produkt. Diese speziellen Gefährdungskataloge dienen als Ergänzung zu den grundlegenden Normen zur Risikobeurteilung.

Falls die Festlegungen in einer Typ-C-Norm von Festlegungen in Typ-A- oder Typ-B-Normen abweichen, haben die Festlegungen der Typ-C-Norm für Maschinen, die nach den Festlegungen der Typ-C-Norm konzipiert und gebaut wurden, Vorrang vor den Festlegungen anderer Normen.

Zwar sind DIN EN ISO 14121-1 und EN ISO 12100-1 aufeinander abgestimmt, aber schon aus den Titeln wird deutlich, dass es Überschneidungen zwischen beiden Normen gibt. Beide enthalten z.B. eine Auflistung von möglichen Gefährdungen und Ablaufschemata zur Risikobeurteilung.

EN ISO 12100-1/2 sind ersetzt worden durch EN ISO 12100 (2011-03)!

Dreistufenmethode

Diese Normen beschreiben also Konzepte zur Risikobeurteilung. Ein wichtiges Konzept ist die so genannte Dreistufenmethode. Sie besagt, dass der Hersteller bei der Risikobeurteilung verpflichtet ist, die dem Sicherheitsinteresse angemessensten Lösungen anzuwenden. Dabei muss er die folgenden Grundsätze in der nachstehend beschriebenen Reihenfolge anwenden („Dreistufenmethode“):

  1. Beseitigen oder Minimieren der Gefahren durch konstruktive Massnahmen bei der Entwicklung und vor dem Bau der Maschine.
  2. Ergreifen von technischen Schutzmaßnahmen gegen Gefahren, die sich durch konstruktive Massnahmen nicht beseitigen lassen.
  3. Informieren der Benutzer über Restrisiken, wenn die getroffenen Schutzmassnahmen unter bestimmten Umständen nicht vollständig wirksam werden können. Gegebenenfalls Unterrichten der Benutzer über eine erforderliche Spezialausbildung und zweckmässig anzuwendende Mittel der persönlichen Schutzausrüstung.

Bei der Wahl der angemessensten Lösungen muss der Hersteller jede mögliche Gefährdung vorrangig durch konstruktive Massnahmen beseitigen. Nur wenn dies nach dem Stand der Technik nicht möglich ist oder die erforderliche Schutzfunktion so nicht erreicht werden kann, darf er gleichwertig wirksame technische Schutzmassnahmen ergreifen.