07.09.2018

Arbeitswelt der Zukunft: Wie werden wir künftig arbeiten?

Wie und wo wir arbeiten und die Arbeit an sich verändert sich aufgrund der Entwicklungen im Bereich der technischen Lösungen, aber auch aufgrund einer Veränderung der Bedürfnisse der Arbeitnehmenden. Dies bedeutet jedoch nicht nur einen Wandel aufseiten der Arbeitnehmenden, auch den Arbeitgebern werden hier in Zukunft Veränderungen ins Haus stehen.

Von: Frithjof Müller  DruckenTeilen Kommentieren 

Dr. Frithjof Müller

Dr. Frithjof Müller ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Zentrum für Human Capital Management, ZHAW School of Management and Law. Er ist spezialisiert in Leader ship, Organisationsentwicklung sowie New Work.

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Viele der heute noch üblichen Routinearbeiten auch in Büros werden wegfallen – etwa der Beruf des Buchhalters. Die neuen Arbeitsplätze werden anspruchsvoller und erfordern eine bessere Ausbildung. Zukünftig wird vor allem Problemlösungskompetenz gefragt sein. In der vernetzten Industrie 4.0 hat gute Chancen, wer Produktions- und Digital wissen zugleich hat. Die kontinuierliche Weiterbildung bekommt dadurch ein noch stärkeres Gewicht. Man wird sich vermehrt über ein Set von Kompetenzen definieren, nicht so sehr über einen erlernten Beruf. Weil die Arbeitswelt trotz aller Risiken immer technischer wird. Computerbasierte, technologische Fähigkeiten werden zu Grundqualifikationen. Kritisches Denken und Hinterfragen werden wichtiger, als Fakten zu lernen. Gefragt sind zudem Flexibilität und lebenslanges Lernen. Ganz gleich, wie alt die Mitarbeitenden sind.

Der Roboter wird zum «Kollegen»

Stark verändern wird sich die Industriearbeit. Dabei wird der Mensch keineswegs vom Roboter verdrängt, sondern zukünftig eng mit ihm zusammenarbeiten. «In der Zukunft darf der Roboter den Käfig verlassen, um mit dem Menschen Hand in Hand zu arbeiten», sagt IAB-Chef Möller. Dementsprechend wird die Mensch–Roboter-Kollaboration in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. «Sie eröffnet grosse Potenziale auch für Unternehmen, für die der Einsatz von Robotern bisher nicht sinnvoll war», sagt Stefan Sagert, Robotik-Experte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Hochintelligente Produktionsautomaten werden vor allem belastende Arbeiten übernehmen.

Sicher ist die künftige starke Veränderung vieler Tätigkeiten. Wenn Computer und Roboter die langweiligen und anstrengenden Routinetätigkeiten übernehmen, könnte das den Mitarbeitenden mehr Freiräume verschaffen.

Die Arbeit geht uns nicht aus

Werden Computer und Roboter künftig die Arbeitswelt beherrschen, vielleicht sogar menschliche Arbeit überflüssig machen? Rein technisch gesehen wäre es heute schon möglich, viele Tätigkeiten nicht nur in Produktion und Logistik, sondern auch in Büros oder im Handel zu automatisieren. Katastrophenszenarien stiessen in den vergangenen Jahren auf grosse öffentliche Resonanz, nachdem Wissenschaftler den Wegfall fast der Hälft e der Arbeitsplätze in den USA prognostiziert hatten.

Dass Arbeitsplätze automatisierbar sind, heisst aber noch lange nicht, dass sie in Zukunft verschwinden werden. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte ist der Frage nachgegangen, wie sich die Automatisierung auf die Beschäftigung in der Schweiz auswirken dürfte. Basierend auf einer breit diskutierten Studie der Universität Oxford ist Deloitte zum Schluss gekommen, dass in der Schweiz 48 Prozent der Arbeitsplätze im Prinzip automatisierbar sind. Vor allem in der Produktion werden weiterhin Jobs im Zuge der fortschreitenden Rationalisierung wegfallen, und nachdem in der Vergangenheit vor allem Routinetätigkeiten ersetzt worden sind, sind nun vor allem der Dienstleistungssektor und administrative Stellen im Industriebereich im Fokus.

Industrieverbände verbreiten dagegen optimistische Prognosen: Durch die zu erwartenden Produktivitätssteigerungen würden deutlich mehr Stellen entstehen als wegfallen. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren gerade in den am stärksten automatisierten Branchen viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Gemäss aktuellen Beschäftigungsprognosen dürft en in der Schweiz bis 2025 netto 270 000 neue Stellen entstehen.

Darüber hinaus werden mit den neu entstehenden Bedürfnissen mehr neue Arbeitsplätze geschaffen, als durch Rationalisierung wegfallen. Als Beispiel sei hier das Smartphone genannt, mit welchem ein ganz neuer Markt geschaffen wurde, welcher viele neue Arbeitsplätze geschaffen hat – sowohl in der Produktion als auch in der Entwicklung und vielen weiteren Bereichen. Im gleichen Atemzug kann hier zum Beispiel auch der Bereich der erneuerbaren Energien genannt werden, welcher ebenso wie das Beispiel des Smartphones zeigt, dass nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch ganz neue Kompetenzprofile für Mitarbeitende geschaffen wurden, die wiederum auch ein grosses Potenzial für die Arbeitnehmenden bieten.

Technologie bringt immer neue Arbeit hervor

Die Debatte, welche prophezeit, dass es in den nächsten Jahren zu einer gewaltigen Krise der Erwerbsgesellschaft kommt, ist derzeit auf jeden Fall nicht haltbar – auch wenn es immer sehr überzeugend klingt.

So wenig, wie uns die Ressourcen ausgehen, wird uns die Arbeit «ausgehen». Arbeit ist kein Kuchen, der irgendwann vertilgt ist. Jeder Technologieschub erzeugt eine Rekursion, eine Komplexitäts-Kaskade, die zu gesteigerten Nachfragen und ganz neuen Bedürfnissen führt. Automatisierte Fabriken erzeugen Bedarf nach «High Services» und technischer Expertise, aber auch nach «Low Services» im Bereich von Wartung und Betreuung. Die «Freigesetzten» finden rasch neue Jobs in Berufen, von denen man gestern noch nichts ahnte.

Arbeit ist eine Ökologie, in der die nichtlinearen Gesetze der Evolution gelten. Automatisierung – weniger körperliche Arbeit – erzeugt zum Beispiel sofort einen riesigen Bewegungs- und Gesundheits-Markt. Dementsprechend wird es Zukunftschancen über alle Qualifikationsstufen hinweg geben, insbesondere für Stellen, bei denen es auf Kreativität, soziale Interaktion und hochwertigen Kundenservice ankommt, also Tätigkeiten, die nur schwer oder kaum standardisierbar sind und entsprechend schlecht von Maschinen übernommen werden können.

Die Arbeit wird flexibler

Arbeiten am Wochenende, am späten Abend, in der Nacht und an unterschiedlichen Orten wird künftig verbreiteter als heute sein. Denn die stärkere weltweite Vernetzung der Firmen und eine Produktion, die rasch auf kurzfristige Nachfrage reagieren muss, werden die Betriebe nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums stärker unter Druck bringen. Die Gefahr besteht, dass für die Beschäftigten Freizeit weniger planbar wird. Jedoch kann in der grösseren Flexibilität der Arbeitswelt auch eine Chance für die Beschäftigten gesehen werden, wenn sie selbst mitgestalten können. Dies kann man gut am Beispiel der Gig-Economy aufzeigen – Arbeitskräfte sind hier in der Regel nicht fest angestellt, sondern werden je Auftrag (Gig) bezahlt und bieten ihre Kompetenzen und Fähigkeiten im Netz an. Dieses Geschäftsmodell ermöglicht den Arbeitskräften viele Freiheiten. Sie entscheiden selbst, wie viel sie arbeiten, wann sie welche Aufträge annehmen und für wen sie arbeiten möchten. So können Tätigkeiten in der «Gig-Economy» auch zum Nebenerwerb zusätzlich zu der eigentlichen Stelle werden. Fakt ist, dass sich im Zuge der Digitalisierung die Beziehungen zwischen Unternehmen und Arbeitskräften wandeln und somit den Arbeitnehmenden auch die Möglichkeit geben, in einem grösseren Ausmass als bisher freiberuflich zu arbeiten.

Die sozialen Kosten von Home Office

Nicht am gleichen Arbeitsplatz zu sein und weniger sozialen Austausch zu haben, wird in Zukunft auch eine Herausforderung für Unternehmen. Wenn man nur noch aus der Ferne arbeitet, fehlt der informelle Austausch an der Kaffeemaschine über ein ähnliches Problem und die entsprechenden Lösungen. Nicht an einem Ort zu sein, bedeutet in diesem Fall auch eine Art Verlust für die Organisation. Dies wird vor allem ein Problem für die Wissensarbeit. Darüber hinaus brauchen viele Mitarbeitende weiterhin das Soziale. Deshalb werden sich neue organische Netzwerke bilden, eine Art neuer Organisationsform, von Wissensarbeitern, welche sich in Shared-Office-Lösungen, in Cafés oder anderen Orten zusammenfinden (McKinsey Quarterly, September 2017). Deshalb liegt die Kernkompetenz des Büros immer weniger in der Technik allein und immer mehr in der Ermöglichung von Kommunikation und Kooperation.

Die weitere Entwicklung: unvorhersehbar

Das sollte aber kein Anlass sein, Entwarnung zu geben. Denn zwei Entwicklungen können auch die sorgfältigsten Studien nicht vorhersehen. Das betrifft zunächst die exponentielle Geschwindigkeit, mit der sich die digitalen Technologien entwickeln. Diese hält seit über 30 Jahren an, und ein Ende ist nicht abzusehen. Noch drastischer können die Auswirkungen von Trendbrüchen sein, wie wir sie gegenwärtig durch das Vordringen der Plattformökonomie beobachten – Uber und Airbnb sind hier nur als zwei Beispiele zu nennen. Durch sie können die Geschäftsmodelle bestehender Branchen in Monaten oder wenigen Jahren hinweggefegt und ersetzt werden. Arbeit wird es immer geben; wie und wo diese in Zukunft stattfinden wird, wird sich vor allem in den kommenden Jahren entwickeln.

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