14.07.2014

Boiled-Frog-Effekt: Verschlechterungen frühzeitig erkennen und Massnahmen ergreifen

Krisen, die plötzlich auftreten, aktivieren zur Lösungsfindung alle Ressourcen im Unternehmen. Zeigen sich jedoch Verschlechterungen nur allmählich, fast unmerklich, tritt oftmals der Boiled-Frog-Effekt ein: Die Rückgänge und Verschlimmerungen werden weder ernst genommen, noch kuriert, so dass das Unternehmen – wie der Frosch – zugrunde geht. Kein Unternehmen kann sich einen Boiled-Frog-Effekt leisten.

Von: Brigitte Miller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

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boiled-frog-effekt

Tipps gegen den Boiled-Frog-Effekt

Leider haben viele Unternehmen einen „Boiled-Frog-Blind Spot“ entwickelt. Ähnlich wie der Frosch, der sobald er in heisses Wasser geworfen, sofort wieder hinausspringt, springt bei Krisen und Probleme das Krisenmanagement im Unternehmen auch schnell an. Wird dagegen das Wasser, indem sich der Frosch befindet, langsam erhitzt, bleibt er im Wasser und stirbt – dies wird der Boiled-Frog-Effekt genannt, weil der Frosch die Gefahr nicht erkennt und dadurch zu Grunde geht.

Der Frosch steht mit dieser Schwäche, schleichende Verschlechterungen nicht zu registrieren, nicht alleine da. Unternehmen (und natürlich auch Personen) zeigen oft genug die gleiche Verhaltensweise: Sie blenden Signale, die auf eine Verschlimmerung, einen Rückschritt oder eine Stagnation hinweisen, aus. Den Fokus auf den angeblichen guten Ist-Zustand gerichtet, wird vergessen, dass (Ver-)Änderungen an der Tagesordnung stehen – und somit Verschlechterungen als potenzielles Risiko „eingeplant“ gehören.

Der Boiled-Frog-Effekt zieht Kreise

Ein Boiled-Frog-Effekt ist deshalb für jedes Unternehmen so tückisch, weil jede schleichende Verschlechterung stets Wellen verursacht, die das gesamte Unternehmen erfassen können. Denn eine Verschlechterung eines Unternehmensbereiches beeinflusst stets auch andere Bereiche innerhalb und ausserhalb des Unternehmens.

Einige Beispiele verdeutlichen dies:

  • Verschlimmern sich allmählich die bestehenden Kundenbeziehungen, so das Kunden zur Konkurrenz abwandern, ist der Verkauf und auch der Umsatz mitbetroffen. Bricht der Umsatz stark ein, drohen eventuell Kündigungen, Standortverlust und Imageeinbussen.
  • Tritt eine schleichende Verschlechterung bei den Lieferanten und Zuliefern ein, wirkt sich dies nicht allein auf die Produktion und die rechtzeitige Bereitstellung der Ware aus, sondern auch auf die Kundenbeziehungen (Abwanderung droht) und letztendlich auf den Verkauf und Umsatz.
  • Hat sich allmählich die Nachwuchsbindung negativ entwickelt, droht ein Qualitätsverlust in vielen Bereichen des Unternehmens: Bei der Freisetzung von Innovationen, der Produktion, dem Verkauf, den Kundenbeziehungen – und letztendlich wieder beim Umsatz.

Mit 5 Schritten dem Boiled-Frog-Effekt entgegenwirken

Damit der Boiled-Frog-Effekt erst gar nicht entstehen kann, sollte im Unternehmen ein Umdenken stattfinden. Der Blickwinkel sollte so geschult und trainiert werden, dass nicht erst Krisen wahrgenommen werden, sondern bereits erste Anzeichen und Signale erkannt werden, die auf eine Verschlechterung der Situation hindeuten.

Schritt 1: Verschlechterungen als potenzielles Risiko definieren

Der erste Schritt ist entscheidend. Verabschieden Sie sich von dem positiven „Blind-Spot“, d.h. sensibilisieren Sie sich für einen Fakt: Obwohl es Ihnen und Ihrem Unternehmen gut geht, können Verschlechterungen auftreten, die intern oder extern initiiert werden.

Sich für dieses potenzielle Risiko zu öffnen, lenkt Ihren Fokus auf Schwachstellen einzelner Unternehmensbereiche, die anfällig für einen Boiled-Frog-Effekt sein könnten. Gehen Sie deshalb systematisch vor. Prüfen Sie, ob es Schwächen gibt – wie minimal diese auch sein mögen –

  • in den Kundenbeziehungen.
  • im Verkauf und beim Umsatz.
  • bei der Produktentwicklung und –herstellung.
  • bei den Geschäftspartnern, den Zulieferern und Lieferanten.
  • dem Personalwesen, der Mitarbeiterbindung und dem Recruiting.
  • bei der Standortfrage, dem regionalen und globalen Markt.

Listen Sie auf, mit welchen potenziellen Rückschritten oder Stagnationen Sie rechnen müssen. Vielleicht altert Ihre Zielgruppe und entwickelt dadurch andere Bedürfnisse, die Sie noch nicht bedienen können. Vielleicht wird auch Ihre Branche bald mit Nachwuchskräftemangel konfrontiert. Leiten Sie aus diesen Erkenntnissen potenzielle Verschlechterungen ab, auf die Sie nicht allein reagieren können sollten, sondern die Sie am besten im Vorfeld aktiv minimieren.

Schritt 2: Frühwarnkriterien etablieren

Für jeden Unternehmensbereich sollten Kriterien entwickelt werden, die als Frühwarnsystem für eine schleichende Verschlechterung dienen. Legen Sie Kennzahlen fest, die nicht unterschritten werden sollten. Bestimmen Sie Merkmale und Eigenschaften, die die Beziehungen zu Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten bestimmen, umso besser prüfen zu können, ob sich etwas zum negativen geändert hat. Kommunizieren Sie diese an Ihre Belegschaft.

Schritt 3: Standardisierung einführen

Standardisieren Sie den aktuellen positiven Ist-Zustand. Erklären Sie ihn als Richtwert. Beauftragen Sie Ihre Mitarbeiter, sofort auf Signale zu reagieren, die von diesem Richtwert abweichen und auf einen Abwärts-Trend hinweisen.

Schritt 4: Mitarbeiter schulen

Coachen Sie Ihre Mitarbeiter. Schulen Sie sie, Rückschritte, Verschlimmerungen und qualitative Verminderungen wahrnehmen zu können. Zum einen sollten dafür die Frühwarnkriterien verinnerlicht werden. Zum anderen sollte bestimmt werden,

  • wem die Verschlechterung gemeldet wird.
  • wie mit dieser umgegangen werden soll.
  • welche Gegenmassnahmen und Lösungen der einzelne Mitarbeiter einleiten darf und soll.
  • welche Ressourcen und Kompetenzen dem Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Schritt 5: Kommunikation als wichtige Strategie

Jede auftretende Verschlechterung sollte offen kommuniziert werden. Aber nicht allein in der betroffenen Abteilung, sondern im gesamten Unternehmen. Gerade Bereiche, die sich anschliessen, müssen unverzüglich informiert werden, wenn beispielsweise die Zulieferung einen Abwärts-Trend aufweist. Nur so können Gegenmassnahmen gemeinsam entwickelt und aufeinander abgestimmt werden. Denn oft kann eine Abteilung eine Verbesserung – und somit eine Abwendung des Boiled-Frog-Effektes – nicht alleine bewältigen. Das gesamte Unternehmen ist gefragt. Ohne eine offene Kommunikationsstruktur kann dies aber nicht gelingen.

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