28.10.2019

Digitalisierung: Umgang mit der Digitalisierung in KMU

Die Digitalisierung ist definitiv auch in den Leitungsgremien von KMUs angekommen. Eine Befragung von Rainmaker zeigt, dass in nur noch ganz wenigen Unternehmen die Digitalisierung noch kein Thema ist – bei den meisten befragten KMUs gehört heute die Digitalisierung auf die Agenda der Verwaltungsratssitzungen.

Von: Daniel Seiler  DruckenTeilen 

Daniel Seiler

Daniel Seiler, Betriebsökonom HWV/FH, Berater für Strategie und Marketing, ist Inhaber und Geschäftsführer von www.rainmakercorp.ch.

Digitalisierung

Ungewisse Reise

Die Digitalisierung wird auch in Zukunft für Schlagzeilen sorgen. Aber wohin geht die Reise? In letzter Zeit mehrten sich auch kritische Berichte – Machbarkeit, Nutzen und Kosten von gross angekündigten Projekten werden infrage gestellt. So scheint z.B. die Blockchain-Technologie noch nicht so weit zu sein, dass man sie grossflächig und effizient einsetzen kann. Auch beim E-Voting wird kräftig auf die Bremse gedrückt, und das als Konkurrenz zu Amazon gestartete Schweizer Projekt «Siroop» wurde nach zwei Jahren bereits wieder eingestellt, und wie man hört, mussten rund CHF 140 Mio. abgeschrieben werden.

Die Beispiele zeigen es, die Digitalisierung kann voller Hürden sein, und wohin die digitale Reise geht, ist schwer vorhersehbar. Aus unternehmerischer Sicht geht es darum, Chancen, aber auch Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und sich auf die digitale Transformation einzulassen, sie zu verstehen und in Zusammenhang mit dem eigenen Unternehmen zu bringen.

Die digitale Transformation ist eine Reise des heutigen Unternehmens in die digitale Zukunft. Die Reise ist dabei aber kein Charterflug von A nach B mit einem Aufenthalt im 5-Sterne-Hotel – all inclusive. Es ist eher mit der Besiedlung von Nordamerika zu vergleichen. Mit der Fahrt der Siedler nach Westen – vieles war unbekannt, und die Reise war lange und abenteuerlich.

Viele Siedler wussten nicht so genau, was sie im Westen erwartete, daher waren die Vorbereitung und die Planung der Reise von zentraler Bedeutung. Es ging darum, die richtige Ausrüstung zu organisieren sowie genügend Proviant mitzunehmen. Das genaue Ziel, wohin die Reise gehen sollte, war oftmals nicht so klar – viele Siedler zogen los und liessen sich da nieder, wo es ihnen gefiel. Für die digitale Reise heisst das, dass nicht primär das Endziel im Fokus stehen sollte, sondern die Möglichkeiten, die sich auf der Reise ergeben könnten. Dazu braucht es eine gute Reisevorbereitung.

Konzerne oder grössere Unternehmen verfügen heute über einen Chief Digital Officer (CDO), der sich genau diesen Themen annimmt und mit seinem Team die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat auf dem Weg in die digitale Zukunft begleitet. KMUs haben selten die Ressourcen für einen CDO. Daher ist es wichtig, dass die Fragen zur digitalen Zukunft direkt von der Geschäftsführung oder vom Verwaltungsrat angegangen werden.

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Bewusstsein vorhanden

Rainmaker hat in einer Online-Befragung Leitungsgremien von KMUs zum Umgang mit der Digitalisierung befragt. Die Mehrheit der Befragten ist als Geschäftsleiter oder Verwaltungsrat in klassischen Gewerbe- und Industriebetrieben oder Dienstleistungsunternehmen tätig.

  • Die befragten Führungspersönlichkeiten bringen den Betriff Digitale Transformation vor allem mit Fortschritt, Vereinfachung, Schnelligkeit und Effizienz in Verbindung. Sie erwarten, dass Arbeits- und Produktionsprozesse vereinfacht und bestehende Berufsbilder verschwinden werden.
  • Das Thema hat für die überwiegende Mehrheit der Befragten heute schon eine grosse bis sehr grosse Relevanz. Der Verwaltungsrat der Unternehmen beschäftigt sich regelmässig mit dem Thema – bei einigen Unternehmen steht das Thema «Digitalisierung» immer auf der Agenda von VR-Sitzungen. Nur eine kleine Minderheit meinte, dass das Ganze heute eigentlich noch kein Thema ist im Verwaltungsrat.
  • Dass die Digitalisierung ein Megatrend ist, darüber herrscht heute auch in KMUs Einigkeit. Viele Führungskräfte teilen die Meinung, dass, wer frühzeitig die Chancen der Digitalisierung erkennt, sich Wettbewerbsvorteile verschaffen kann und dass grosse Veränderungen auf die eigene Branche zukommen. Nur ganz wenige Befragte vertraten den Standpunkt, dass sich durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren ihn ihrer Branche wenig ändern wird. Niemand meinte, dass die Digitalisierung nur ein Medienhype sei und dass sich das Thema wieder legen werde.
  • Die Befragten wurden auch nach den Herausforderungen befragt, die sie für ihr Unternehmen bzw. ihre Branche im Zusammenhang mit der Digitalisierung sehen. Viele Befragte äusserten sich dahin gehend, dass die digitale Transformation ganz neues Know-how braucht, damit man die Herausforderungen strukturiert angehen kann. Ebenfalls häufig bestätigt wurde die These, dass die Digitalisierung und die neuen Technologien z.B. zur Automatisierung rasch mit hohen Investitionen verbunden sind und die Themen komplex sind und es oft an der notwendigen Zeit fehlt, um sich damit vertieft auseinanderzusetzen. Des Weiteren wurde die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter, der Generationenkonflikt oder die Bedrohung durch einen Internet giganten oder einen grösseren Konkurrenten als Herausforderung gesehen.
  • Bezüglich der Zukunft in zwei bis drei Jahren meinte eine Mehrheit, dass im eigenen Unternehmen mehr Prozesse als heute digitalisiert bzw. automatisiert sein werden. Ein Teil der Befragten plant die Digitalisierung mittels externer Unterstützung voranzutreiben oder eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Nur wenige können sich vorstellen, einen Digital Officer im Unternehmen zu haben.

Fazit

Die Befragung, aber auch die Erfahrung von Rainmaker zeigt, die Digitalisierung gehört auf die Agenda von Verwaltungsratssitzungen. Das Thema kann rasch komplex werden und verlangt Pioniergeist. Damit die Investitionen in Digitalisierung nicht aus dem Ruder laufen und der Kosten-Nutzen-Aspekt im Auge behalten wird, braucht es für die Digitalisierung ein strategisches Vorgehen und die notwendige Kompetenz im Verwaltungsrat von KMUs.

Um die digitale Kompetenz im Verwaltungsrat zu erhöhen, gibt es viele Möglichkeiten.

Wie die digitale Kompetenz erhöht wird:
    –
«Learning from the best»: Mitverfolgen, wie digitale Leader das Thema angehen
    laufende Markt- und Konkurrenzbeobachtung
    Prozess- und Systemanalyse und Entwicklung einer Digitalstrategie
   ein offenes Ohr gegenüber neuen Ideen – auch von den Mitarbeitenden
    Entwicklung einer Zukunftsvision
    Etablieren einer Kreativ- und Innovationskultur

Eine Alternative zum Erarbeiten der Kompetenz im Hause, ist auch der Beizug von externen Experten für die Erarbeitung einer Digitalstrategie oder für den Einsitz im Verwaltungsrat. KMU Verwaltungsräte bestehen heute oft aus Inhabern, Juristen und Treuhändlern. Warum nicht den Verwaltungsrat mit einem Digitalexperten oder einem Strategieexperten, der sich mit der Digitalisierung beschäftigt, ergänzen?

Wie immer ein Leitungsgremium mit der Digitalisierung umgeht. Auch im digitalen Zeitalter werden die Unternehmen langfristig erfolgreich sein, die den Transformationsprozess proaktiv angehen und auf der Reise in die digitale Zukunft die sich bietenden Chancen packen.

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