27.02.2017

Innovationsfähigkeit: Innovation lässt sich managen

Der Schuheinzelhändler musste den Filialisten weichen – sie werden von Zalando & Co. bedrängt. Nach dem Walkman kam der Discman. Mit der Entdeckung des MP3-Formats und der Entwicklung des iPods wurde mit iTunes ein neuer Vertriebskanal für Musik eröffnet, der einen völlig neuen Markt geschaffen hat. Erfolgsgeschichten, die nur durch Innovation möglich waren. Doch woher kommen Innovationen, lassen sie sich forcieren und, wenn ja, wie? Brauchen wir nur ausreichend viele Ideen – die zündende wird dann schon dabei sein?

Von: Julian van der Linden, Marcel Megerle   Drucken Teilen   Kommentieren  

Julian van der Linden

Julian van der Linden ist bei der WeissmanGruppe Projektleiter. Seine Schwerpunkte liegen in der Entwicklung, Umsetzung und Begleitung von Strategien für Familienunternehmen und passenden Lösungskonzepten – in einem sehr weiten Branchenspektrum.

Marcel Megerle

Marcel Megerle (M.A.), aufgewachsen in einem Familienunternehmen, betreut als Senior- Consultant des Family Office, «Nötzli, Mai & Partner Family Offi ce AG», ganzheitlich Unternehmerfamilien.

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Wenn eine Idee zu einer Erfindung

Innovationsmanagement sollte ein kontrollierter Prozess sein, der sich letztlich an der Steigerung des Unternehmenswerts orientiert, denn Innovation ist für Unternehmen die Möglichkeit, über Differenzierung zu wachsen und so ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Innovationen entstehen, wenn eine Idee zu einer Erfindung wird, also zu einem Produkt oder einer patentfähigen Beschreibung. Sie sollte eine bisher unbekannte Problemlösung sein, technologischen Fortschritt erzeugen oder neue Produkte und Prozesse schaffen. Gelingt dann die erfolgreiche Umsetzung im Markt, wird die Invention zur Innovation.

Innovation und Differenzierung können auf verschiedenen Ebenen erfolgen: produktbezogen, produktbegleitend oder emotional. Durch Innovationen kann sich das Unternehmen hinsichtlich wichtiger Kaufkriterien der Kunden von Wettbewerbern differenzieren. Innovationen in Geschäftsmodellen besitzen das grösste Veränderungspotenzial – im Markt und für das Unternehmen. IKEA zum Beispiel hat die Möbelbranche revolutioniert, weil es gelang, die Kunden zu überzeugen, ihre Möbel selbst abzuholen und zusammenzubauen. Adidas hat gezeigt, dass ein Sportartikelhersteller nicht mehr selbst produzieren muss, sondern die Marke seine Kernkompetenz ist.

Internes und externes Potenzial nutzen

Das Innovationsmanagement hat die Aufgabe, möglichst viele gute Ideen aufzuspüren und zu generieren, die besten auszuwählen und sie ressourcenschonend und effizient zu realisieren. Dazu muss sich die Unternehmensführung jedoch bewusst sein, wo Innovationsbedarf und -chancen bestehen. Das heisst, technologische Trends und künftige Potenziale müssen identifiziert, Kundenbedürfnisse analysiert und Zukunftsbilder erarbeitet werden. Dafür stehen Technologiebeobachtung, Wettbewerbsanalysen, Innovationsworkshops mit Kunden und Lieferanten, Kundeninterviews und Megatrendanalysen zur Verfügung.

In Wissenskonferenzen, Ideenwettbewerben und internen Innovationsworkshops werden die Impulse aus dem Unternehmen aufgenommen, Ideen generiert und ausgewertet. Benchmarks und Best Practices können weitere Impulse bringen. Zunehmend an Bedeutung gewinnt Open Innovation. Dabei werden nicht nur Kunden- und Lieferantenplattformen genutzt, sondern auch verschiedene Communities off- und online. Impulse können von wissenschaftlichen oder technologischen Symposien und Branchen-Netzwerken ebenso kommen wie aus Online-Communities, die sich über technologische und gesellschaftliche Trends austauschen, oder aus globalen Wissensnetzwerken. Die Nutzung externer Communities bringt Aspekte in die Innovationsdiskussion, die über den eigenen Tellerrand hinausführen und bei internen Diskussionen möglicherweise der eigenen Betriebsblindheit zum Opfer fallen würden.

LEGO zum Beispiel lässt seine Kunden eigene Welten bauen und nimmt diese Ideen in die LEGO-Produktwelten auf. McDonald’s lässt Kunden ihren eigenen Burger entwickeln, Sportler geben ihre Erfahrungen mit neuen Materialien und ihre Ideen an die Hersteller weiter, Autohersteller nutzen Kundenplattformen. Open Innovation dient damit nicht nur der Verbesserung der Innovationsfähigkeit, sondern auch der Kundenbindung.

Innovation ist eine Führungsaufgabe

Der Ideentrichter muss also am Anfang weit geöffnet sein, sowohl nach innen in die Organisation als auch nach aussen in die Umwelt. Enger wird er durch die Auswahl der Ideen, von denen in der Regel nur wenige bis zur Projektreife vorangetrieben werden. Der Prozess sollte von Anfang an dokumentiert werden, um sicherzustellen, dass Ideen, die vielleicht noch nicht reif sind, zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen werden können. Entscheidende Fragen sind die zeit-, kosten- und qualitätsgerechte Realisierung der Projekte, die Steuerbarkeit des Innovationsgeschehens für das Management und die Sicherstellung des künftigen ROI der Innovationsausgaben.

Im Verlauf dieses Prozesses müssen die Risikofaktoren beachtet und minimiert werden. Budgets müssen festgelegt, Märkte ausgewählt und sichergestellt werden, dass nicht am Markt – und damit am Kunden – vorbei entwickelt wird. Weitere Themen für das Innovationsmanagement sind die Mobilisierung der Mitarbeiter und die Schaffung einer innovationsfreundlichen Unternehmenskultur. Innovationen gedeihen nur in einer offenen Atmosphäre, in der querdenken erwünscht ist und Fehler als Chance betrachtet werden. Angesichts dieser Aufgaben sollte das Innovationsmanagement auf der Führungsebene angesiedelt sein.

Innovation ist ein anspruchsvolles, die ganze Organisation betreffendes Unterfangen, mit Veränderung verbunden und mit Risiken, die bewertet werden müssen. «Richtiges» Innovationsmanagement stellt eine strategische Herausforderung dar, denn Innovation muss sich an den strategischen Zielen des Unternehmens ausrichten und in den Massnahmenplan der Strategieumsetzung integriert werden.

Fünf Pluspunkte für Innovation

  1. Den Innovationsprozess steuern. Ideenfindung, -auswahl und –entwicklung müssen systematisch betrieben werden. Es gibt Verantwortliche sowie festgelegte Verfahren und Ressourcen.
  2. Ideen von aussen willkommen heissen. In manchen Unternehmen herrscht eine Misstrauenskultur gegenüber Ideen von aussen, das sogenannte Not-invented-here-Syndrom. Ideen, die nicht aus dem Unternehmen kommen, werden ignoriert. Dadurch schmort das Unternehmen im eigenen Saft und verpasst eventuell wichtige Entwicklungen und Trends.
  3. Sich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen. Innovation ist ein ständiger Prozess. Wer sich auf der Marktführerschaft oder einem besonderen technologischen Vorsprung ausruht, bleibt nicht lange an der Spitze.
  4. Den Kunden ernst nehmen. Erfolg hat, wer die wichtigsten Probleme seiner Kunden sichtbar besser löst als andere. Dafür braucht es aber den direkten Draht zum Kunden. Wer seine Kunden und ihre Probleme nicht kennt, kann auch ihre Probleme nicht lösen.
  5. Visionär denken. Eine Führung, die im Klein-Klein des täglichen operativen Geschäfts stecken bleibt, kann keine Unternehmenskultur etablieren, die Innovationsfähigkeit fördert. Auch autoritäre Strukturen sind der Kreativität nicht förderlich. Transparenz und Offenheit in der Unternehmenskultur fördern visionäres Denken und Innovation.

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