20.06.2019

Buchungsportal: Alternative für lokale Hotelbetriebe

Hotelbuchungen über Online-Portale sind für den Hotelgast von heute eine Selbstverständlichkeit. Der globale Markt der Buchungsportale wird heute beherrscht von booking.com und Co. Der Hoteliersund Gastwirtverband Südtirol hat mit «booking südtirol» ein regionales Buchungsportal ins Leben gerufen und bietet den lokalen Hotelbetrieben damit eine gelungene Alternative für Online-Buchungen. Mit Elmar Premstaller sprechen wir im Interview über die Idee hinter «booking südtirol» und wie sich die Portale in Zukunft verändern werden.

Von: Armin Rainer  DruckenTeilen 

Armin Rainer

Armin Rainer ist Partner von Weissman Italia und Austria und begleitet Familienunterneh­men in ihrer kulturellen, strate­gischen und organisatorischen Ausrichtung.

Buchungsportal

Ein Gespräch mit Elmar Premstaller, Leitung IT und Online-Marketing des Hoteliers- und Gastwirtverbands Südtirol

Sehr geehrter Herr Premstaller, mit «booking südtirol» hat der Südtiroler Hoteliers- und Gastwirtverband ein eigenes offizielles Online-Buchungsportal entwickelt. Welche Überlegungen stecken hinter «booking südtirol»?

Der HGV (Hotel- und Gastwirte-Verband Südtirol, Anm. der Redaktion) hat im Jahr 2010 festgestellt, dass, obwohl es bereits seit vielen Jahren Buchungsportale am Markt gab, die Nachfrage der Gäste zur direkten Buchung weiter ansteigt und noch wenige Betriebe diese Möglichkeit aktiv zur Verfügung gestellt haben. Damals waren nur knapp 200 Betriebe in Südtirol über internationale Buchungsportale buchbar. Die Verträge der Buchungsportale waren sehr einseitig, wenig transparent, und es gab die Preis-, Verfügbarkeits- und Ratenparität.

Daraufhin hat der HGV beschlossen, sich in diesem Bereich einzubringen und im Speziellen den Betrieben und auch den Gästen eine alternative Buchungsmöglichkeit anzubieten, welche die Wünsche der Gäste und die Bedingungen der Betriebe besser verbindet. Im April 2011 wurde dann «booking südtirol» ins Netz gestellt und für Buchungen freigegeben.

Was zeichnet ein gutes Buchungsportal aus? Worauf legt der Nutzer den grössten Wert?

Ein Buchungsportal muss als wichtigstes Kriterium Vertrauen erwecken. Im E-Commerce ist Vertrauen die Basis für Abschlüsse. Eine Seite, die schlecht programmiert ist, Fehler aufweist, nicht klar kommuniziert, was sie macht bzw. wer dahintersteht, weckt viele Zweifel bei den Benutzern und vermindert die Abschlusschancen. Eine Buchung muss verbindlich sein, die Konditionen müssen im Moment der Buchung stimmen.

Das ist auch der Grund, warum die internationalen Buchungsportale so erfolgreich sind: Sie sind einfach, klar und erwecken Vertrauen bzw. sind Marken, welche sich am Markt etabliert haben.

Wie viel wird heute über Portale gebucht und wie viel direkt beim Hotel? Und wie sehen Sie die Entwicklung der Buchungsgewohnheiten des Hotelgastes in Südtirol?

Es ist sehr unterschiedlich, es hängt sehr stark davon ab, wie ein Betrieb organisiert ist und welche Gästeschicht bedient wird. Wir sehen bei einigen Betrieben, die sehr stark im Vertrieb sind, vor allem Buchungen über die eigene Homepage, was für den Vermieter natürlich die beste Art der Buchung ist, weil sie den Gast bindet und provisionsfrei ist. Andere Betriebe, die nicht viele Stammgäste haben, bekommen sehr viele Buchungen über internationale Buchungsportale, weil diese Portale eine sehr grosse Sichtbarkeit bieten. Nachdem Südtirol sehr viele Gäste hat, die Südtirol regelmässig besuchen, ist es in unseren Augen realistisch und sinnhaft, dass diese Gäste auch bei der Buchung von lokalen Anbietern bedient werden.

Wie hat sich Ihr Portal seit seiner Einführung entwickelt? Wer nutzt das Buchungs portal vorwiegend, und wie sehen Sie die weitere Entwicklung?

«booking südtirol» wurde inhaltlich und technisch laufend verbessert. Es gibt nun auch einen Blog (booking südtirol inside), der interessante Themen rund um Südtirol erzählt. Dieser Inhalt dient vor allem dazu, interessierte Südtirol-Gäste auf das Portal zu bringen und dann im Moment der Buchung das passende Angebot für sie zu haben. Mittlerweile sind knapp 2300 Betriebe buchbar, es gibt somit für jeden Gast ein passendes Angebot.

Wir bieten nun auch, neben der Sichtbarkeit auf «booking südtirol», Module für Betriebe an: Das Wichtigste ist dabei sicher das Buchungswidget, welches unsere Mitgliedsbetriebe in ihre eigene Homepage integrieren können. Wir konnten auch viele Partner von unserer Lösung überzeugen: Somit sind die Daten, die ein Betrieb für «booking südtirol» pflegt, auf vielen Portalen sichtbar. Unsere grössten Partner hier sind IDM mit der offiziellen Südtirol-Seite suedtirol.info und dem grossen deutschen Anbieter hrs mit hrs holidays.

Wir sehen unsere Stärke vor allem darin, dass wir nicht nur ein Buchungsportal haben, sondern ein Netzwerk, welches Sichtbarkeit in verschiedensten Kanälen generiert. Wir werden diesen Bereich in den nächsten Jahren noch stärker ausbauen und vor allem die neuen Technologien beobachten.

Kann ein regionales Buchungsportal wie «booking südtirol» gegen die Online- Platzhirsche wie booking.com, Expedia oder trivago bestehen?

Mit «booking südtirol» ist es uns gelungen, für Betriebe und Gäste eine regionale Alternative für die Buchung anzubieten. Natürlich kann «booking südtirol» nicht alle anderen Portale ersetzen, es wäre vermessen, das zu glauben. Auf «booking südtirol» gibt es für Betriebe alternative Möglichkeiten, ihre Urlaubsangebote zu präsentieren.

Unsere Gäste schätzen diesen Unterschied sehr, wir können in Bewertungen von Gästen auf trustpilot, einem Bewertungssystem für Portale, nachlesen, dass auf «booking südtirol» Angebote gefunden werden, welche sonst nirgends sichtbar sind. Wir haben eine Gästezufriedenheitsquote von über 90%. Die grossen OTAs hingegen bilden die Betriebe und deren Angebote nach einem bestimmten Muster ab, welches weltweit gleich oder ähnlich ist. Da haben wir mit «booking südtirol» auf jeden Fall einen Vorteil.

Wie sehen Sie generell die Entwicklung von Online-Hotelbuchungsportalen? Sehen Sie die Digitalisierung mit ihren neuen Technologien als Chance oder Risiko für das Geschäftsmodell der Buchungsportale?

Die Online-Buchung wird in Zukunft noch wichtiger sein, die Branche wird weiterhin wachsen. Vor allem andere grosse Player mischen am Markt mit, z.B. baut Google bereits seit Längerem an der Integration der Buchung in die Suchmaschine. Die Bewertungsportale haben sich mittlerweile zu Buchungsportalen gewandelt: Auf tripadvisor kann entweder direkt gebucht oder über ein angebundenes Buchungsportal gebucht werden. Die «Meta Search»-Kanäle, also jene Portale, welche Preise vergleichen, wie z.B. trivago, sind bei den Gästen sehr beliebt. Die Sprachassistenten, welche sicherlich in Zukunft noch wichtiger werden, z.B. Amazon mit Alexa, werden auch Buchungs lösungen anbieten. Somit wird der Gast in Zukunft laufend die Möglichkeit haben, eine Unterkunft schnell und einfach zu buchen. Der Konkurrenzkampf zwischen den Buchungsportalen wird mit Sicherheit härter. Speziell die Sprachassistenten, welche heute noch nicht technisch ausgereift sind, werden in Zukunft bestimmen, auf welchen Plattformen gebucht wird.

Dieses Interview stammt aus dem Print-Newsletter «Mein Unternehmen».

Informationen zur Person: Elmar Premstaller ist Leiter der Abteilung IT/Online-Marketing im HGV und seit 1993 angestellt. Die Tätigkeitsbereiche sind die interne IT und seit 2010 zusätzlich das Online-Marketing für Mitgliedsbetriebe.

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