01.07.2017

Economy 4.0: Ein Gespräch mit Reinhold Karner, Berater und Mentor für Unternehmer

Die Digitalisierung ist ein Teil von zurzeit parallel ablaufenden globalen Entwicklungen, die die Welt massgeblich verändern werden. Reinhold Karner gibt uns im Interview einen kurzen Einblick, wie unsere Welt in Zukunft aussehen wird und welche Dimensionen die aktuellen Entwicklungen wirklich haben.

Von: Armin Rainer   Drucken Teilen   Kommentieren  

Armin Rainer

Armin Rainer ist Partner von Weissman Italia und Austria und begleitet Familienunterneh­men in ihrer kulturellen, strate­gischen und organisatorischen Ausrichtung.

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Man hört von Economy 4.0, Industrie 4.0, Digitalisierung: Was ist der Unterschied zwischen diesen Ausdrücken?

Das ist übrigens eine Schlüsselfrage! Denn nur der reine Blick auf die Digitalisierung wäre verfehlt, um zu verstehen, was auf der Welt los ist, wie die Zusammenhänge sind, die unsere Zukunft massgeblich bestimmen. Das sind drei verschiedene Themen mit jeweils gravierend unterschiedlichem Schwergewicht. Die Economy 4.0 ist der ganz grosse Bogen über alledem, getragen von fünf grossen Säulen sozusagen: die rasende Urbanisierung, digitale Transformation und Digital Economy, neue Material-, Energie und Gen-Technologien, demografischer Wandel und Globalisierung.

Wenn man sich jede Säule als eine Art Babuschka-Puppe vorstellt, so ist die Digitalisierung eine davon, und Industrie 4.0 ist eine der vielen inneren Puppen der Digitalisierung. Diese fünf Säulen der Economy 4.0 sind immense, gegeneinander wirkende Mega-Umbrüche. Jede für sich alleine schon eine Globalrevolution. Um sich die Dimension klarzumachen: Die Dynamik der Economy 4.0 ist gegenüber der ersten Industriellen Revolution zehnmal schneller, dreihundertmal umfangreicher und in der Folge dreitausendmal mächtiger in ihrer Auswirkung. Dies stellt – zügig – viele Gegebenheiten und Entscheidungsmuster ziemlich auf den Kopf.

In der Presse, bei Veranstaltungen, in der Beratung und in der Politik wird nur mehr über Digitalisierung gesprochen. Es ist wie eine Dampfwalze, die alles plattmacht, was nicht digital ist. Ist das nicht eine Übertreibung? Kann es sein, dass das Thema Digitalisierung künstlich aufgebauscht ist?

Sie haben dahin gehend recht, dass die Digitalisierung wirklich zum ausgelutschten Buzzword wurde. Nur haben sich, völlig unverständlich, gerade diejenigen, die es wirklich betrifft, so auch KMUs, Institutionen und Kommunen, noch immer nicht intensiv und ernsthaft genug damit auseinandergesetzt. Das zeigt, die Ernsthaftigkeit und Tragweite dieser Thematik wird noch breit und gross unterschätzt. Vielleicht auch, weil man meint, das wäre nur eine Art Hype oder Modeerscheinung, die schon wieder von selbst verschwinden würde. Das ist aber ein grosser, besorgniserregender Trugschluss. Jedes Quartal, jedes Jahr, das man hier versäumt, wird später gravierend teurer, um es nach- und aufzuholen, sich seine Position zu erkämpfen, so es dann nicht sogar zu spät ist. Denn man sollte sich inzwischen auch fragen, warum gerade die Konkurrenten aus China, aber auch in den USA in letzter Zeit in so vielen Bereichen immer mehr die Europäer abhängen.

In der Qualität sind diese heute auch schon gut oder gar top, und es ist vor allem nicht mehr der Preis, mit dem sie gewinnen und deshalb so stark wachsen. Es ist der Faktor Digitalisierung, den diese zu ihrem grossen Vorteil nutzen! Wacht Europa hier nicht bald auf, wird es für viele ein böses Erwachen geben. Am besten passt zu Ihrer Frage eine sehr richtige und weise Bemerkung, die Bill Gates, der Gründer von Microsoft, einst machte: «Wir überschätzen immer die mögliche Veränderung der nächsten zwei Jahre und unterschätzen die mögliche Veränderung der nächsten zehn Jahre!»

Was sind die fünf wesentlichen Punkte, die in einer Strategie eines Unternehmens zum Thema Digitalisierung aufgenommen werden müssen?

  1. Welche ganz neuen Chancen und Geschäftsmodelle würden sich mir bieten, wenn ich digital angreife, von der grünen Wiese aus denkend?
  2. Wie wird mein Markt und Mitbewerberumfeld voraussichtlich, durch die Digitalisierung verändert, in wenigen Jahren aussehen?
  3. Welche Szenarien sind vorstellbar, wie ich von eventuell ganz neuen Wettbewerbern (z.B. Start-ups) mit einem disruptiven Geschäftsmodell angegriffen oder gar zu Fall gebracht werden könnte? Und wie trete ich dem rechtzeitig entgegen bzw. wie könnte ich in den Driver Seat kommen, um selbst dieser Disrupter zu werden anstatt das Feld anderen zu überlassen?
  4. Wie kann ich entweder selbst ein Eco-System mit anderen aufbauen (ob mit sogenannten Business- Freunden oder auch «Feinden») oder einem solchen schon woanders entstehenden beitreten, um durch digitale Kooperationen sogar noch stärker, widerstandsfähiger, spezialisierter und letztlich gemeinsam erfolgreich zu werden? Denn das Ergebnis des rasanten digitalen Fortschritts und seiner Mächtigkeit wird sein, dass viele Industrie- und Branchenmodelle sich durch und mit diesen digitalen Ökosystemen stark verwandeln werden.
  5. Wie soll/muss meine neue digitale Plattform aussehen (IT-Systeme, Kundenbindung, IoT, Entscheidungsintelligenz ...), und wie sieht meine dazupassende Roadmap, Projektund Organisationsstruktur zur erfolgreichen Umsetzung all dessen konkret aus?

Gibt es auf der Welt Unterschiede, was die digitale Entwicklung und Kompetenz im Unternehmen anbelangt? Wo gibt es hier auf der Weltkarte Unterschiede? Ist Europa wirklich Letzter? Und wie sieht es innerhalb Europas aus?

Ja, natürlich. Das traf und trifft aber auch in anderen Bereichen und Industrien sowie Ländern und Regionen zu. Das ist also an sich nichts Neues. In der Digitalisierung sehen wir überall dort starke Überlegenheit, wo entweder die Ausbildung im Land bzw. an Universitäten sich stark auf MINT-Fächer konzentrierte oder der Staat dies rechtzeitig zum strategisch wichtigen Segment erklärte und entsprechend förderte oder Privatinitiativen (Firmen) sowie Investoren die Sache in die Hand genommen haben. Schaut man sich das ganz grosse Bild an, so finden wir von den weltgrössten sieben Tech-Giganten (von Google über Apple bis hin zu Tencent) sechs in den USA und einen in China, keinen in Europa. Das sagt an sich schon fast alles, und es spiegelt die Realität in dem Sektor tatsächlich grob wider.

Wobei es selbst in den USA so ist, dass es nur ganz wenige Gegenden sind, wo die IT-Giganten, führenden Universitäten und Investoren sitzen. Der Grossteil des Landes ist diesbezüglich auch dort oft noch «Wüste». In Europa gibt es auch gute und tolle IT-Firmen. Aber weitaus zu wenige und eben auch nicht mit derartigem Erfolg. Selbst beim Ausbau schneller Datennetze bis ins Hinterland sind viele EULänder noch stark im Rückstand.

Die ausführliche Version des Interviews finden Sie als kostenlosen Download rechts nebenan.

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