23.10.2015

Vergütungssystem: Die Eigentümerstrategie als Grundstein einer nachhaltigen Vergütungsstrategie

Die Eigentümerstrategie geht dem Erfolg aus Sicht der Eigentümer und Gesellschafter systematisch nach, um die Ziele, Ansprüche und Rahmenbedingungen der Eigentümer sowie die Richtlinien zur Beurteilung der Leistung festzuhalten. Die Eigentümerstrategie bildet damit nicht nur das Fundament für die Geschäftsstrategie und deren Beurteilung, sondern auch für ein nachhaltiges Vergütungssystem – für private wie auch an der Börse notierte Unternehmen.

Von: Stephan Hostettler   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Stephan Hostettler

Dr. Stephan Hostettler ist Managing Partner vonHostettler & Company (HCM), eine internationaleBeratungsfi rma für Verwaltungs- und Managementvergütung,Corporate Governance und fi nanzielleUnternehmenssteuerung.

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Vergütungssystem

Die zwei Strategien

Spätestens seit der Annahme der Minder-Initiative stellt sich die Frage, wie eine angemessene Vergütungsstrategie aussehen soll, noch drängender. Konkret: Wie misst, steuert und verteilt man Erfolg? Oft wird diese Frage übergangen oder als Selbstverständlichkeit dargestellt.

Ein zeitgemässes Unternehmen berücksichtigt zwei Strategien, eine Eigentümerstrategie und eine Geschäftsstrategie. Die Eigentümerstrategie hält fest, welche finanziellen Ziele die Aktionäre und Investoren dem Unternehmen resp. dessen Leitung setzen. Aufgrund ihrer normativen Komponenten ist sie längerfristig als die Geschäftsstrategiegültig. Die Eigentümerstrategie gibt die Leitplanken vor, innerhalb derer das operationelle Geschäft abgewickelt wird. Sie sollte langfristig ausgerichtet sein, jedoch in kurzen Intervallen auf ihre Gültigkeit überprüft und bei Marktveränderungen angepasst werden.

Klare Trennung von Zielen und Bedingungen

Nur wenige Unternehmen verfügen über eine ausformulierte und dem Verwaltungsrat explizit kommunizierte Eigentümerstrategie. Die Crux besteht darin, finanzielle und quantitative Messwerte wie auch qualitative Anforderungen für den Erfolg zu definieren. Aus finanzieller Sicht erwarten Eigentümer im Kern oft eine langfristig angemessene Rendite auf ihrem Eigentum. Gleichzeitig stellen sie weitere Bedingungen. So wünschen Eigentümer nebstdem finanziellen Erfolg auch hohe Qualität, Innovationskraft, zufriedene Mitarbeiter, eine hervorragende Reputation etc. Wie bringt man alle diese Elemente miteinander in Einklang und verdient langfristig auch Geld damit?

Die Lösung liegt darin, dass man die Vorgaben überprüft: Handelt es sich um ein Ziel oder eine Rahmenbedingung? Am Beispiel des Themas «Mitarbeiterzufriedenheit» soll dies plakativ erläutert werden. Zufriedene Mitarbeitende sind entscheidend für den nachhaltigen Erfolg einer Firma. Aber die Maximierung der Mitarbeiterzufriedenheit per se macht betriebswirtschaftlich nur wenig Sinn. Darum sind auch Bonuspläne, die den Gewinn von der Mitarbeiterzufriedenheit abhängig machen, nicht ideal, weil dies letztlich in der Frage kulminiert, auf wie viel Gewinn das Management verzichten soll, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Wird die Mitarbeiterzufriedenheit jedoch als Bedingung definiert, die eingehalten werden muss, wird der Prozess fassbarer. Zum Beispiel: «Periodisch wird die Mitarbeiterzufriedenheit erhoben. Dabei sollten mindestens 70% der Mitarbeitenden die Frage nach ihrer Zufriedenheit mit "zufrieden" oder "sehr zufrieden" beantworten.»

Strukturierter Prozess notwendig

Die Eigentümerstrategie ist das Ergebnis eines strukturierten und moderierten Prozesses. Dabei werden die Interessen und Ziele der Eigentümer, Verwaltungsräte sowie der Geschäftsleitung gesammelt und die Rahmenparameter wie auch Zielvorgaben für die strategische und operative Steuerung des Unternehmens definiert.

Normative Aspekte wie Risikobereitschaft, Zielkapitalstruktur, Ausschüttungsquote, Innovationsziele, Kunden und Mitarbeiterzufriedenheit etc. bilden den Handlungsrahmen für die strategische und operative Steuerung. Portfoliostrategie, Kapitalallokation, Performancemessung (KPIs) sowie die Verteilung der Wertschöpfung (Erfolgsbeteiligung) werden auf Basis der normativen Vorgaben entwickelt. Dieser Prozess besteht aus vier Schritten:

  1. Einzelgespräche mit ausgewählten Mitgliedern des Verwaltungsrates und Executive Management
  2. Systematische Aufbereitung der Werte, Ziele und Erwartungen der Eigentümer
  3. Synthese im Rahmen eines gemeinsamen Workshops zur Festlegung der Eigentümerstrategie
  4. Verankerung der Eigentümerstrategie in der Corporate Governance und im Vergütungssystem

Massgeschneiderte Eigentümerstrategie

Die Ansprüche und Rahmenbedingen sind für jedes Unternehmen und jede Kultur unterschiedlich. Eine umfassende Eigentümerstrategie sollte daher – unabhängig davon, ob es sich um ein privates oder kotiertes Unternehmen handelt – grundsätzlich fünf Dimensionen berücksichtigen:

  • Selbstverständnis
  • kulturelle Prägung
  • Governance Struktur
  • finanzielle Ziele
  • Bewertung

Die divergierenden Interessen der Eigentümer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ist oft zeitintensiv. Ein Beirat und/oder Verwaltungsrat kann dabei hilfreich zur Seite stehen. Dass die Eigentümerstrategie, trotz momentan virulenter Diskussionen, sich nicht nur auf die Vergütungsfrage konzentrieren sollte, versteht sich von selbst.

Vorteile einer klar definierten Eigentümerstrategie

Die Eigentümerstrategie ermöglicht eine organisationsweit konsistente Verankerung der wichtigsten Ziele und Bedingungen der Eigentümer. Dies betrifft sowohl alle Ebenen der Corporate Governance, geht aber über die kurzfristige, quantitative Steuerung weit hinaus. Auf der Basis einer Eigentümerstrategie lässt sich eine gemeinsame Sprache im Unternehmen etablieren. Zudem lässt sich das Vergütungssystem damit verknüpfen: Die Anreize für die Mitarbeitenden können so gesetzt werden, dass die Unternehmensstrategie nicht nur effizient und nachhaltig in der Organisation verankert wird, sondern auch im Einklang mit den Interessen der Unternehmenseigentümer steht.

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