27.03.2015

Digitale Transformation: Produkte kommen und gehen – Kultur bleibt

Unter dem Motto „San Francisco meets Zurich“ fand am 10. März das dritte worldwebforum zum Thema „Digitale Transformation & Leadership“ in Zürich statt. Nationale und internationale Experten diskutierten mit über 500 Teilnehmern aus der Schweizer Wirtschaft die Auswirkungen technologischer Innovation und digitaler Trends auf den Unternehmensalltag. Ein zentrales Thema war dabei die Bedeutung der Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung im digitalen Zeitalter.

Von: Anian Stäbler   Drucken Teilen   Kommentieren  

Anian Stäbler

Anian Stäbler ist Head of Marketing der beecom AG und seit 2013 Mitglied des Organisationskomitees des worldwebforums.

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Digitale Transformation

Mit dem Thema „Digitale Transformation & Leadership“ widmete sich das worldwebforum 2015 einer der grössten Herausforderungen im modernen Unternehmensalltag. Digitale Transformation behandelt den grundlegenden Wandel von Strategie, Struktur, Kultur und Prozessen eines Unternehmens durch die Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien sowie des Internets. Dieser ist nicht länger nur in den IT-Abteilungen oder in der IT-Branche anzusiedeln, sondern findet mittlerweile branchen- und arbeitsbereichsunabhängig in allen Unternehmen statt.  

Unternehmenskultur als Hindernis für eine erfolgreiche digitale Transformation

Dass der digitale Wandel allgemeine Gültigkeit und Relevanz besitzt, wurde bereits zum Auftakt der Konferenz durch Dr. Erich Joachimsthaler, Gründer & CEO der Strategieberatung Vivaldi Partners, verdeutlicht. Unter dem Stichwort „Digitaler Darwinismus“ betonte Joachimsthaler die Risiken, die entstehen, wenn Unternehmen mit dem immer schneller werdenden technologischen Fortschritt nicht mithalten können. Unternehmenskultur stellt häufig ein Hindernis für erfolgreiche digitale Transformation dar. Durch flexible Strukturen und die Förderung autonomer Entscheidungsfindung der einzelnen Mitarbeiter kann jedoch die erforderliche Anpassungsfähigkeit erreicht werden. Wichtig ist dabei, dass es auch im digitalen Zeitalter nicht nur um Technologie, sondern um die Menschen geht.

Ibrahim Bashir, früher Mitentwickler des Kindles bei Amazon, heute Director of Engineering bei Twitter, griff mit der Frage „Wie kreiert man eine 1-Millarden-Dollar-Kultur?“ ebenfalls die Bedeutung von Unternehmenskultur auf. Langfristiges Denken ist die Basis guter Entwicklung aber auch einer guten Vision. Diese dient wiederum nicht nur dazu, die Kunden zu inspirieren, sondern vor allem auch die eigenen Mitarbeiter. Bashir zufolge benötigt ein erfolgreiches Team die folgenden zwei Komponenten: Ambitionen & Diversifikation. Ambitionen innerhalb des Teams werden sowohl durch eine klare Zukunftsperspektive gefördert, als auch durch sogenannte „Multipliers“. Multipliers sind Mitarbeiter, welche die Fähigkeit und die Bereitschaft besitzen, „für fünf Leute zu arbeiten“ und dabei nicht nur nachhaltig zur Leistungsfähigkeit des Teams beitragen, sondern auch als Inspiration für die anderen Teammitglieder wirken.  Diversifizierte Teams sind zudem in der Lage, erfolgreiche und neue Lösungen zu finden, was insbesondere in der Entwicklung wichtig sein kann. „Nicht alles muss eine völlig neue Idee sein. Viele gute Produkte sind eine neue Komposition aus bereits existierenden Ideen und Produkten“, so Bashir. Aber auch ambitionierte und diversifizierte Teams können scheitern. Bashir betont, dass der Umgang mit Fehlern ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur sein sollte. Grundsätzlich kann Scheitern eine positive Erfahrung sein, wenn man es schafft, aus den gemachten Fehlern zu lernen. Im Gegenzug sei es wichtig, nicht in einen Perfektions-Wahn zu verfallen: Es ist besser ein Produkt zu lancieren, das nicht perfekt ist, als es ständig zu verbessern und nie zu veröffentlichen. Selbst umfangreiches Testen kann Fehlern nicht vorbeugen, muss es aber auch nicht: „it doesn’t need to be perfect, it needs to be usable“. Eine erfolgreiche Umsetzung dieses Ansatzes darf nicht ausschliesslich von der Unternehmensführung kommen, sondern muss auch von den Mitarbeitern getragen werden. Diese seien immerhin die Identität der Firma und dementsprechend als solche wahrzunehmen. Eine Unternehmenskultur kann nicht auferlegt werden, so Bashir: „Die Kultur einer Firma kommt von innen.“ Eine solche Kultur kann nur schwerlich geändert werden, sie ist fest verankert und definiert nachhaltig sowohl das Unternehmen als auch dessen Erfolg.

Jay Simons, Präsident der australischen Software-Schmiede Atlassian, widmete sich mit dem Titel „Innovation & Kultur“ der Bedeutung von innovativer Unternehmenskultur aus der Perspektive der Unternehmensführung. Mit Blick auf stereotype Innovationsunternehmen im Silicon Valley ist es für Simons wichtig festzuhalten, was Unternehmenskultur nicht ist: Tischtennis-Spielen & Bierabende in der Firma. Vielmehr benötigt eine erfolgreiche Firmenkultur prägende Führungsfiguren, gute Tools und ausreichend Zeit.  Die Zeiten, in denen ausschliesslich Manager für das Denken zuständig waren, sind lange passé. Heute wird von jedem Angestellten Initiative und aktives Mitdenken erwartet; aber wie kann man seine Mitarbeiter dazu motivieren? Laut Simons gibt man ihnen am besten Zeit um nachzudenken und ihren eigenen Ideen nachzugehen. In der Praxis führen Zeiträume für eigene Projekte zu einem erhöhten Fokus auf die normale Arbeit und liefern als Nebenprodukt zusätzlich kostenlose Prototypen neuer Ideen sowie glückliche Mitarbeiter. Ein weiteres Kriterium einer guten Unternehmenskultur ist ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. So sollte bei Bewerbern nicht nur deren Qualifikation, sondern auch die sozialen Fähigkeiten berücksichtigt werden. Abschliessend betont Simons die Bedeutung von Transparenz von oben und unten: Offene Kommunikation der Unternehmenswerte von oben, aber auch der Publikation und Diskussion von Entscheidungen, Errungenschaften oder Versagen hilft die Idee des Miteinanders im Bewusstsein des einzelnen Mitarbeiters zu verankern. Und der Aufwand zahlt sich aus. Denn Produkte kommen und gehen, aber die Kultur, die bleibt.

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