27.02.2017

Trauer im Büro: Wie Sie Betroffene achtsam begleiten und Spannungen vermeiden

Wer einen nahestehenden Menschen verliert, fällt in ein tiefes Loch. Viele Kollegen und auch Führungskräfte sind unsicher und weichen aus. Für die Betroffenen ist nichts mehr wie es war. Das wirkt sich auch auf deren Konzentration und Leistungsstärke aus. Trauer belastet die Atmosphäre im Büro. Mitarbeiterorientierte Vorgesetzte überlassen Trauernde nicht sich selbst. Impulse für einen so bewussten wie hilfreichen Umgang mit Trauer im Büro.

Von: Susanne Kleiner   Drucken Teilen   Kommentieren  

Susanne Kleiner

Susanne Kleiner, Communications MSc, ist Trainerin (dvct), Coach (dvct), freie PR-Beraterin, Texterin, Journalistin (BJV) und Mediatorin in München. Den Beratungs- und Trainingsschwerpunkt der Diplom-Betriebswirtin (BA) bilden Kommunikation, strategische Öffentlichkeitsarbeit und Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist Expertin für Strategie und Kommunikation in Krisen, Konfliktfällen und Veränderungsprozessen.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 

Totschweigen isoliert

Todesfälle offenbaren die eigene Vergänglichkeit. Nicht grundlos weichen Menschen dem Thema «Tod» aus. Sie umgehen es geschickt, das Sterben zu thematisieren. Und in der dynamischen Geschäftswelt – exzellente Produkt- und Leistungsversprechen inklusive – haben persönliche Tiefschläge keinen Platz. Die Folge ist: Wenige trauen sich, Trauernde anzusprechen. Stattdessen dominieren Gedanken wie: «Ich sage lieber nichts, dann kann ich nichts falsch machen» oder «Er oder sie kann ja etwas sagen, wenn ihm oder ihr danach ist.» Totschweigen separiert. Man muss keine grossen Reden halten. Wer betroffenen Kollegen aufrichtig begegnet und zugibt, hilflos zu sein, schafft Nähe. Etwa so: «Ich bin sprachlos. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Kann ich etwas für Sie tun?» Wer selbst einen Verlust zu beklagen hat und die bedrückende Stille wahrnimmt, kann Türen öffnen – vorausgesetzt die Kraft reicht aus. Selbstbewusste Gemüter sagen, was ihnen gut tut und sprechen aus, was sie momentan nicht leisten können.

Weitermachen wie bisher klappt nicht

Respekt und Mitgefühl bekunden Vorgesetzte, die trauernde Mitarbeiter persönlich adressieren. Wichtig ist: Die Anteilnahme einfühlsam zu formulieren, stärkt die Beziehung. In Wort oder Schrift den richtigen Ton anzustimmen überwindet Mauern. In das Klagelied einzustimmen, macht alles nur noch schlimmer. Nur starke und hoffnungsfrohe Kollegen unterstützen wirksam. Nur Dialoge, die ehrliches Interesse bekunden, können Brücken bauen: «Was brauchen Sie jetzt?», «Wollen Sie darüber reden?», «Wie möchten Sie die Kollegen informieren oder soll ich das machen, bevor Sie wieder ins Büro kommen?». Fingerspitzengefühl beweisen Chefs, die abstimmen, ob ihre Teilnahme an der Beerdigung erwünscht ist. Wer den Lebenspartner oder gar den Tod der Tochter oder des Sohnes beklagt, möchte sich womöglich in dieser emotionalen Extremsituation nicht beobachtet wissen. Ausserdem: Für Witwen oder Witwer mit Kindern kann es hilfreich sein, bis auf weiteres zeitlich flexibel zu arbeiten. Entscheidend ist es, im Gespräch zu bleiben und gemeinsam tragfähige Entscheidungen zu entwickeln. Führungskräfte, die menschliche Werte hochhalten, sind Vorbilder und ermöglichen ein wohltuendes Miteinander in belastenden Phasen. Und sie kommunizieren im Team. Somit heben sie die Sprachlosigkeit auf und machen das Unternehmen als mitarbeiterorientierten Arbeitgeber erlebbar.  

Niemand weiss es besser

Menschen trauern unterschiedlich. Was dem einen gut tut, muss jemand anderem noch lange nicht helfen. Manche tanken auf, wenn sie Normalität erleben und schöpfen Kraft aus den klaren Strukturen und fixen Abläufen im Büro. Andere fragen nach dem Sinn, fühlen sich vom Schmerz gelähmt oder geben sich wehmütig schönen Erinnerungen hin. Diese Frauen oder Männer sind zerstreut und ausgelaugt. Sensible Zeitgenossen beachten, was Trauernde bewegt. Sie wissen: Tabu sind Tipps wie «Das Leben muss weitergehen. Stürz dich in die Arbeit», «Die Zeit heilt alle Wunden. Lass dich nicht hängen» oder «Ich habe das so gemacht. Das hilft auf jeden Fall.» Denn Ratschläge sind auch Schläge. Empathische Kollegen hören aktiv zu und sind einfach da, wenn sie gebraucht werden. Ein Beispiel: Sie schlagen behutsam vor, gemeinsam Zeit zu verbringen oder einen Spaziergang zu machen. Während der Gleichschritt des Alltags bei den Kollegen ruckzuck Einzug hält, hört die Trauer bei den Betroffenen oft niemals auf. Trauern ist anstrengend. Trauern zehrt. Angehörige erleben und verinnerlichen schrittweise, dass es kein Zurück gibt. Auch noch Monate später aktivieren unterstützende Kollegen Ressourcen. Sie fragen: «Wie geht es Ihnen inzwischen? Was macht die Trauer?» Wertvolle Gesprächspartner machen so deutlich, dass die Trauer etwas Eigenes ist, das sich auflösen darf, ohne eine neue Identität des Trauernden auf Lebenszeit in Form zu giessen.

Wenn der Stuhl leer bleibt

Wenn eine Lücke in den eigenen Reihen klafft, ist Trauerarbeit richtungsweisend. Ganz gleich, ob Kollegen plötzlich oder nach langer Krankheit versterben: Achtsame Führungskräfte sprechen den Verlust klar und einfühlsam aus; und zwar persönlich, mündlich oder schriftlich – so wie es die Organisation erfordert. Und sie ermöglichen Pausen zum Innehalten. Schweigeminute, Gedenkgottesdienste oder eine Gesprächsrunde mit einem Trauerbegleiter sind mögliche Varianten. So tauschen sich trauernde Kollegen über Gefühle, Ängste und Gedanken aus. Auch Rituale zum Jahrestag tun der Gemeinschaft gut. Aussagekräftig ist es auch, die Familie der Verstorbenen unmittelbar zu kontaktieren, Anteilnahme auszusprechen und Hilfe anzubieten. Versierte Kommunikatoren formulieren Trauerbriefe individuell. Textbausteine sind inakzeptabel. Wer trauert, nimmt jedes Wort unter die Lupe. Schmerz macht Menschen sehr sensibel. Eine würdigende Traueranzeige signalisiert Wertschätzung und Respekt.

Eine gesunde Unternehmenskultur erkennt Trauer im Büro an

Bewusste Arbeitgeber schaffen den Rahmen dafür, konstruktiv und sensibel mit Sterbefällen umzugehen. Sie sorgen in normalen Zeiten vor: Wer ist die erste Kontaktperson für Trauernde? Welcher Kollege ist als Sprecher gegenüber Mandanten, Geschäftspartnern oder der Presse geeignet, wenn der Chef stirbt? Welche Angebote Dritter stärken uns und jeden Einzelnen, an krisenhaften Zeiten zu reifen? Firmen, die menschlich intakt sind, leben ein förderliches Miteinander, stärken Solidarität und entwickeln Charakter, der intern und extern Kreise zieht.

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Schwierige Gespräche erfolgreich führen

Kommunikationsmodelle, Tipps, Tricks und Hilfsmittel

Schwierige Gespräche – leicht gemacht: Lernen Sie, thematisch und situativ heikle Gespräche souverän zu führen, Coaching-Werkzeuge gezielt einzusetzen und Konflikte konstruktiv zu lösen.

Nächster Termin: 23. März 2018

mehr Infos

Produkt-Empfehlungen

  • Führung kompakt

    Führung kompakt

    Der Impuls-Letter für die wirkungsvolle Führungskraft in gedruckter Form.

    CHF 78.00

  • LEADERSHIP PAKET

    LEADERSHIP PAKET

    Führen über Kompetenzen – Schritt für Schritt. Fall für Fall. Souverän.

    Mehr Infos

  • Persönlichkeit!

    Persönlichkeit!

    Schritt für Schritt entwickeln und entfalten

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Schwierige Gespräche erfolgreich führen

    Kommunikationsmodelle, Tipps, Tricks und Hilfsmittel

    Nächster Termin: 23. März 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Grundlagen-Seminar Kommunikation

    Besser kommunizieren und Unangebrachtes im Geschäft vermeiden

    Nächster Termin: 28. März 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Mit typengerechter Kommunikation überzeugen

    Verstehen, argumentieren und überzeugen

    Nächster Termin: 27. März 2018

    mehr Infos