18.07.2014

Diversität: Strategischer Vorteil im VR

GetDiversity wurde 2007 von den erfahrenen Verwaltungsrätinnen Dr. Michèle Etienne und Dr. Barbara Rigassi gegründet. GetDiversity unterstützt Unternehmen und Organisationen bei der Besetzung der Verwaltungsräte und ist darauf spezialisiert, als einzige VR-Vermittlungsagentur bei jeder Vakanz mindestens ein Verhältnis von 50:50 zwischen männlichen und weiblichen Kandidaturen zu präsentieren.

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Diversität

Interview mit Michèle Etienne  über Diversität im VR

Sie setzen sich mit GetDiversity für mehr Diversität in Verwaltungs- und Stiftungsräten ein. Was verstehen Sie konkret darunter?

ME: Rein aus begrifflicher Sicht bedeutet Diversität die Vielfalt oder Verschiedenartigkeit von Personen. Es lassen sich zahlreiche Diversitätsdimensionen unterscheiden; so z.B. Geschlecht, Alter, Religion, Herkunft, Ausbildung, Fachkenntnisse oder Sprache. Wir von GetDiversity haben uns insbesondere der Diversität in Zusammenhang mit dem Geschlecht verschrieben – wir wollen den Frauenanteil in strategischen Gremien erhöhen. Selbstverständlich sind aber auch andere Diversitätsdimensionen wie eben Alter, Ausbildung oder Fachkenntnisse in einem strategischen Gremium von Relevanz.

Weshalb ist es wichtig, ein durchmischtes Gremium zu haben?

ME: Das strategische Gremium eines Unternehmens steht und fällt mit den Kenntnissen, Kompetenzen und Persönlichkeiten seiner Mitglieder. In der heutigen, sich schnell wandelnden Umwelt werden komplexe und vielschichtige Anforderungen an ein Unternehmen gestellt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und in diesem Umfeld bestehen zu können, ist eine grosse Bandbreite von Kompetenzen und Fähigkeiten innerhalb eines Entscheidungsgremiums zentral. Es ist nicht sinnvoll, ein völlig homogenes Gremium aufzustellen, in welchem alle über die gleichen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen. Diversität ist sicherlich im Bereich der fachlichen Kompetenzen relevant; damit verbunden ist aber wie erwähnt auch eine gute Durchmischung bezüglich Alter und Geschlecht relevant. Frauen bringen andere Sichtweisen ein als Männer, jüngere Mitglieder einen anderen Erfahrungshintergrund als ältere.

Warum sollten in einem strategischen Gremium auch Frauen vertreten sein?

 ME: Wie erwähnt, bringen Frauen andere Sichtweisen und Führungsstile in ein Gremium ein, und sie wägen Risiken vorsichtiger ab. Dies führt nicht nur zu einer besseren Diskussionskultur und besseren Entscheiden, sondern erhöht erwiesenermassen auch die Profitabilität: Laut einer McKinsey Studie sind SMI-Unternehmen mit mindestens drei Frauen im Management deutlich profitabler. Die Eigenkapitalrendite ist in diesen Unternehmen um 10 Prozent höher als der Branchendurchschnitt, die Gewinnmarge sogar um 48 Prozent. Weiter wird die Nutzung des weiblichen Humankapitals in Zukunft zentral sein. Aufgrund der Überalterung wird die Gewinnung von Arbeitskräften immer schwieriger – Gegensteuerung gibt die Nutzung des weiblichen Humankapitals.

Wie ist die geringe Diversität in Verwaltungsräten von Familienunternehmen zu erklären?

ME: Grundsätzlich zu behaupten, dass Familienunternehmen über eine geringe Diversität in ihren strategischen Gremien verfügen, wäre übertrieben. Was das Geschlecht betrifft, sind diese Unternehmen teilweise sogar durchmischter aufgestellt als Nicht-Familienunternehmen. Dies ist damit zu erklären, dass in diesen Firmen nicht selten weibliche Familienmitglieder zu finden sind, welche sich mit dem Unternehmen identifizieren und bereit sind, im strategischen Gremium Einsitz zu nehmen. Andererseits kann jedoch beobachtet werden, dass in Familienunternehmen seltener externe Mitglieder im Verwaltungsrat Einsitz nehmen. Damit verbauen sich die Familienunternehmen selbst die Chance, externes Experten-Know-How einzubeziehen und laufen ev. Gefahr, eine Art „Betriebsblindheit“ zu entwickeln. Zudem kann im Konfliktfall eine unabhängige Person im Sinne eines Mediators auftreten.

Warum sind Frauen in Verwaltungsräten generell untervertreten?

ME: Nicht selten hören wir von Verwaltungsratskollegen, dass sie Vakanzen in ihrem strategischen Gremium zwar gerne mit einer Frau besetzen würden, geeignete weibliche Kandidaturen jedoch nicht existierten. Dieser Behauptung muss ich vehement widersprechen. GetDiversity verfügt über ein Netzwerk mit über 100 hoch qualifizierten Führungsfrauen, welche fähig und bereit sind, solche Funktion zu übernehmen. Das grösste Problem der Frauen ist aber ihre fehlende Visibilität und Vernetzung, und dies erklärt grösstenteils auch den geringen Frauenanteil in den Verwaltungsräten. Männer verfügen oftmals über viel breitere berufliche Netzwerke und jedem Verwaltungsratspräsidenten sind bei einer Vakanz im Gremium zahlreiche männliche Kandidaten für eine Nachfolge bekannt. Hingegen gibt es nur eine Handvoll Frauen, welche vielen Entscheidungsträgern bekannt sind. Diese können nicht alle Vakanzen besetzen, was den Eindruck vermitteln kann, dass Frauen kein Interesse an der Besetzung einer solchen Position haben. Neben diesen „usual suspects“ gibt es zahlreiche sehr gut qualifizierte Frauen, welche durch ihr fehlendes Netzwerk schlichtweg zu wenig sichtbar sind. Dazu kommt, dass viele Frauen sich scheuen, sich aktiv gegenüber Entscheidungsträgern zu vermarkten. Im Gegensatz zu Männern legen sie oft eine falsche Bescheidenheit an den Tag.

Wie steht die Schweiz bezüglich Frauenanteil im Vergleich mit anderen europäischen Ländern da?

ME: Obwohl die Schweiz ein hochentwickeltes Land ist und die meisten Frauen über genau so gute Ausbildungen verfügen wie Männer, kann sie in Bezug auf die Frauenquote beinahe als Entwicklungsland bezeichnet werden. Wir haben alle 229 börsenkotierten Schweizer Unternehmen untersucht und festgestellt, dass gerade mal 9% aller Verwaltungsratssitze mit einer Frau besetzt sind. Damit liegt die Schweiz klar unter dem europäischen Durchschnitt von 15%. In den letzten Jahren hat es zwar einen leichten Anstieg des Frauenanteils in der Schweiz gegeben und wir haben uns dem europäischen Durchschnitt angenähert; trotzdem sind die Frauen in strategischen Gremien noch massiv untervertreten.

Wie kann ein Verwaltungsrat beurteilt werden? Und welche Qualifikationen muss ein Verwaltungsratsmitglied mitbringen?

ME: Im strategischen Gremium müssen Leute mit verschiedenen Fach- und Branchenkompetenzen sitzen. So ist in einem Verwaltungsrat meist ein Mitglied mit Finanz-Hintergrund zu finden, eines mit vertieften Branchenkenntnissen, eines mit juristischer Kompetenz sowie eines mit Führungserfahrung in einem vergleichbaren Umfeld. Was die Persönlichkeitskompetenzen der einzelnen Mitglieder betrifft, gibt es sicherlich gewisse Attribute, welche auf alle Mitglieder zutreffen müssen. Besonders wichtig ist, dass eine Person fähig ist, sich auf die strategische Ebene zu begeben und damit auch klar die Grenze zum operativen Geschäft zu respektieren. Dies kann eine Herausforderung sein, da die Mitglieder der strategischen Gremien meist auch noch operative Funktionen in anderen Unternehmen innehaben. Weiter sollte ein Verwaltungsratsmitglied kommunikationsstark, team- und konfliktfähig sein und Mehrheitsentscheide mittragen können. Nicht zuletzt schadet auch eine gute Portion Humor nicht, schliesslich soll die gemeinsame  Arbeit im Gremium auch Freude bereiten. Auch wenn diese Attribute erste Anhaltspunkte zu den Anforderungen an ein Verwaltungsratsmitglied geben, entscheidet in den meisten Fällen der sogenannte „persönliche Fit“ darüber, ob jemand Mitglied in einem Gremium wird oder nicht. Eine Person, welche perfekt in einen gewissen Verwaltungsrat passen würde, kann in einem anderen Gremium völlig fehl am Platze sein. Eine allgemeingültige Checkliste, was das perfekte Verwaltungsratsmitglied ausmacht, kann deshalb nicht aufgestellt werden.  

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