06.10.2015

Reframing: Aus Flops und schlechten Kampagnen werden Erfolge

Auch ein Flop hat gute Seiten. Auch schlechten Kampagnen lassen sich positive Aspekte abgewinnen. Decken Sie gezielt durch Reframing das Positive auf – und nutzen Sie dies für Ihre anschliessenden Strategien. So werden aus Misserfolgen zukünftige Erfolge.

Von: Brigitte Miller   Drucken Teilen  

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Reframing

Reframing – und alles erhält einen neuen Rahmen

Erbringt eine Werbekampagne nicht den gewünschten Rücklauf, erhält sie schnell eine entsprechende Bewertung: Ein Flop war es. Führte die Produkteinführung zu hämischen Reaktionen – wie desaströsen Presseberichten und Tweets, sind sich im Unternehmen alle einig: Dies war eine Niederlage. Obwohl dies verständliche Reaktionen sind, sind es letztendlich aber Bewertungen, die der Realität einen ganz bestimmten Rahmen zuordnen – nämlich einen negativen. Allerdings können solche gesetzten Rahmen auch geändert werden.

Mit dem Reframing (aus dem Englischen „Frame“ = Rahmen) wird dem Sachverhalt ein neuer Bedeutungs-Rahmen gegeben, indem ihm eine positive Seite abgewonnen und die negative Perspektive zurückgedrängt wird. Solch ein Vorgehen hat wenig mit Augenwischerei zu tun, sondern bietet viele Vorteile:

  • Hinterfragen von Bewertungen. Bisherige Bedeutungen werden gezielt hinterfragt. Was kann daraus gelernt werden? Was hat dazu geführt? Auf was weisen die Reaktionen hin – was sollte zukünftig bedacht werden?
  • Neue Interpretation, neue Lösung. Bewertungen wie „Flops“ oder „Niederlage“ schaffen Frustration und lähmen mental. Sie verharren in der negativen Situation, statt den Blick nach vorne zu richten. Indem das Positive herausgearbeitet wird, stellen sich – fast automatisch – auch Ideen zur Lösung ein.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an das Jahr 1997. Die A-Klasse von Mercedes landete beim Elch-Test auf dem Dach. Der Hersteller stoppte nicht allein sofort die Auslieferung, sondern wandte Reframing im gesamten Handling dieser Krise an. Mit Werbekampagnen wie „Stark ist, wer keine Fehler macht. Noch stärker, wer aus ihnen lernt“ oder „Bekannter konnte sie nicht werden. Nur noch sicherer“ wurde ein neuer Rahmen gesetzt – und die A-Klasse sicher zum Erfolg geführt.

Aus Krisen werden Chancen: 5 Schritte des Reframings

Jeder Sachverhalt, der bisher zu einer negativen Bewertung führte, kann mit dem Reframing eine neue Ausrichtung erhalten. Lassen Sie sich überraschen, welche Möglichkeiten sich Ihnen „plötzlich“ dank eines anderen Bedeutungs-Rahmens eröffnen.

Schritt 1: Den Sachverhalt benennen

Notieren Sie kurz, um welchen Sachverhalt es sich handelt. Vielleicht gab es Qualitätsmängel, viele Reklamationen, Druckfehler im Flyer, lange Lieferzeiten.

Schritt 2: Den gesetzten Rahmen erkennen

Um ein Reframing durchführen zu können, ist es sinnvoll, sich erst einmal den aktuellen Bedeutungs-Rahmen zu verdeutlichen. Listen Sie spontan auf,

  • mit welchen Adjektiven Sie, Ihre Mitarbeiter und/oder die Geschäftsleitung den Sachverhalt bezeichnet haben - beispielsweise: schlecht, furchtbar, kläglich, unvorteilhaft, verheerend.
  • welche Aussagen getroffen wurden - beispielsweise: Ist ein Desaster, ein Reinfall, eine Katastrophe, davon werden wir uns nicht erholen, dieser Flop war zu erwarten.

Spüren Sie bitte nach, in welche Richtung dieser gesetzte Rahmen alle Beteiligten bisher geführt hat. Fragen Sie sich:

  • Wie ist die Stimmung im Team bzw. im Unternehmen?
  • In welche Richtungen führt (automatisch) das Denken?
  • Wie wird reagiert, d.h. welche Handlungsoptionen formieren sich – auch aus diesem Denken heraus?

Schritt 3: Reframing in Aktion

Bewerten Sie den Sachverhalt neu. Sehen Sie ihn aus einer anderen Perspektive, indem Sie sich fragen:

  • Wozu ist dies eine gute Gelegenheit?
  • Wozu dient dieser Flop?
  • Was ist das Gute im Schlechten?
  • Wie kann der Reinfall als Sprungbrett zum Erfolg genutzt werden?
  • Was lässt sich jetzt optimieren?

Sachverhalt Reframing
Das Produkt erhält schlechte Publicity.

Es wird heiss diskutiert.
Wir sind in aller Munde.
Wir wissen, was wir jetzt ändern müssen.
Jede Menge kostenloses Feedback.
Keine Marktforschung hätte dies entdeckt.

Die Reklamationen sind gestiegen. Kunden zeigen ihr Interesse.
Kunden wollen bei uns bleiben.
Kunden geben uns eine Chance.
Kunden optimieren unseren Service und unsere Produkte/Lieferzeiten etc.
Ein falscher Preis wurde im Prospekt angezeigt. Wir nutzen den Run.
Wir bewerben den falschen Preis.
Wir korrigieren den Preis – und bieten Werbeartikel als Trost an.

Schritt 4: Ideen freisetzen

Reframing sorgt nicht allein für einen neuen Bedeutungs-Rahmen. Reframing setzt auch jede Menge an Ideen frei, wie die Situation denn nun positiv genutzt werden kann. Notieren Sie Ihre ersten Ideen, die beim Reframing wie automatisch entstanden sind. Spinnen Sie diese ruhig weiter. Brainstormen Sie, bis Sie eine Fülle von Einfällen haben, was Sie tun können.

Schritt 5: Erfolge anknüpfen

Wählen Sie letztendlich aus all Ihren Ideen die aus, die Ihnen aktuell den grössten Erfolg verspricht. Konkretisieren Sie Schritte, wie der Einfall realisiert werden soll.

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