23.03.2017

Always On: Normalzustand für Digital Natives

Während ältere Generationen «ins Internet gehen», weil es für sie wie ein Paralleluniversum auf einer anderen Ebene liegt, ist das Web für die Jüngeren ein vollintegrierter Teil ihres Lebensraums. Sie sind quasi 24 Stunden und sieben Tage die Woche im Web unterwegs.

Von: Anne M. Schüller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing und ein kundenfokussiertes Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Wenn es um das Thema Kunde geht, gehört sie zu den meistzitierten Experten. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der deutschen, österreichischen und schweizerischen Wirtschaft.

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Um zu lernen, sich gegenseitig zu verstehen, muss man miteinander reden.

«Mein virtuelles Ich ist im Netz, während mein physisches Ich im Bett schläft», sagt der 15-jährige Lorenzo Tural Osorio. Er ist auf 25 Internet-Plattformen angemeldet und in 30 Facebook-Gruppen aktiv. Er frequentiert Informationsseiten wie Galileo, Faktastisch, BuzzFeed, NowThis und Spas seiten wie Pakalu Papito. Er entwickelt eigene Marken und Internetshops, erstellt YouTube-Videos und veranstaltet Internetworkshops.

«Meine Generation ist ein wichtiger Akteur der Digitalisierung», erläutert er in einem Interview mit dem Züricher Tagesanzeiger. «Wenn Unternehmer mit uns reden würden, könnten sie sich schon jetzt über neue Produkte Gedanken machen, oder wenn ein Bürgermeister mit uns reden würde, könnte er die Entscheidungen für Kinder passgenau treffen.»

Und damit sagt er das vielleicht Wichtigste von allem: Um zu lernen, sich gegenseitig zu verstehen, muss man miteinander reden. Also dann: Lesen Sie nicht nur über diese Generation, sondern beginnen sie ein Gespräch. Unvoreingenommen. Auf Augenhöhe. Nicht belehrend, sondern offen und interessiert. Millennials erzählen nämlich gern von sich, weil das Teilen zu ihren Grundwerten gehört. Doch ebenso führen sie all die in die Irre, von denen sie sich nicht ernst genommen fühlen.

Ständiger Zugang zum Web ist ein Muss

Die permanente Vernetzung ist ein grundlegender Bestandteil des Lebens dieser Generation. «Ich-Zeit» nennen sie es, wenn sie in ihren Onlinenetzwerken kommunizieren. Sie ist unverzichtbar für ihr soziales Wohlbefinden. Ohne ständigen Zugang dorthin fühlen sie sich ausgeschlossen und allein. Der Verlust ihres Handys kommt einer existenziellen Krise gleich. Always on ist für sie ein kategorisches Muss.

Rund 56 Prozent aller Nutzer von sozialen Netzwerken, so eine Erhebung der Website MyLife.com, sind von einem Syndrom betroffen, das als «Fear of Missing Out» (FOMO) bezeichnet wird. Darunter versteht man die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, den Anschluss zu verlieren oder nicht dauernd auf dem neuesten Stand zu sein.

Deshalb kommen Hotels ohne Webzugang auf dem Zimmer, am Pool und am Strand für einen Urlaub nicht in Betracht, auch hier ist Always on für sie ein kategorisches Muss. Connectivity ist heute ein Muss. Sie muss jederzeit und überall gesichert sein. Viele junge Leute fahren keine eigenen Autos mehr, weil sie währenddessen nicht ins Internet können.

Und ein Bekannter erzählte mir neulich, dass er mit seinem Teenager-Sohn nach einem Sportunfall per Blaulicht ins Krankenhaus musste. Die erste Frage, die der junge Mann in der Notfallaufnahme stellte, war: «Gibt es hier WLAN?» Die neuen Grundbedürfnisse heißen: Essen, Trinken, Schlafen, WIFI.

Über das Medienverhalten der Internetgeneration

Das Medienverhalten der Internetgeneration hat sich komplett verändert. «Guckst du überhaupt noch Fernsehen?», habe ich kürzlich die 17-jährige Hannah gefragt. «Wir schauen alle nur noch YouTube», war ihre Antwort. Ihre Idole sind YouTube-Stars wie LeFloid alias Florian Mundt, der Angela Merkel im Sommer 2015 zum Interview bat. Über 4 Millionen Mal wurde das Video bereits angeklickt.

YouTuber sind aber nicht nur Meinungsmacher, sondern auch die neuen Mentoren. So hat es Gronkh alias Erik Range, dem man beim Onlinegaming zuschauen kann, mit seinen Let’s-play-Videos auf über 4,3 Millionen Abonnenten und mehr als 1,5 Milliarden Aufrufe gebracht. Daran kann also kein Zweifel sein: Wer die Generation Y erreichen will, muss sich auf YouTube präsentieren.

Auf YouTube macht das Jungvolk auch seine eigenen Markengeschichten. Dabei werden zum Beispiel in Haul-Videos ergatterte Schnäppchen (Haul = Fang) ausgiebig präsentiert. Wer gut darin ist, verdient an den Klicks. Auch mit Vlogs, also Videoblogs, bei denen meist gesponsorte Produkte vorgestellt werden, wird teils gut verdient. Von vier- bis fünfstelligen Beträgen ist bei den Stars der Szene die Rede.

Ehrlichkeit spielt eine grosse Rolle

Dennoch spielt Ehrlichkeit hier eine grosse Rolle. Denn wer Schrott in den Himmel lobt, hat bald keine Zuschauer mehr. Zudem drohen öffentliche Diskussionen im Kommentarbereich, die dem Vlogger sehr schaden können. Die Karten werden also (meistens) offen auf den Tisch gelegt: «Dieses Produkt habe ich von Unternehmen XY zum Testen bekommen, und jetzt schauen wir mal, was damit los ist.»

Obwohl bezahlt, verbreiten sie keine albernen Lobeshymnen wie die Testimonials in einem Werbespot, sondern sie bringen Positives wie auch Negatives zur Sprache. Als Hersteller sollte man deshalb überzeugt davon sein, dass das als Neuheit angekündigte Produkt wirklich Neues leistet – und keine Niete ist. Ein kleiner Tipp am Rande: Beide Seiten müssen beim Product-Placement aufpassen, dass sie sich nicht der Schleichwerbung schuldig machen.

Die junge Generation pflegt einen viel ehrlicheren Umgang mit der Werbung und hat auf diese Weise ganz neue Formen der Kommunikation entwickelt. Neben YouTube stehen bei ihr Instagram, Snapchat und WhatsApp ganz hoch im Kurs. Und Periscope, ein Livevideo-Streamingdienst wird gerade entdeckt.

Über Nachrichten-Apps verfolgen Millennials das Weltgeschehen. Printprodukte und Nachrichtensender sind ihnen dafür zu langsam. E-Mails sind so gut wie irrelevant. Und Telefonieren ist rückläufig. «Ich muss meiner Tante nicht am Telefon erklären, dass ich ein neues, rot kariertes Hemd habe. Das Bild sende ich gleich, sodass eine Erklärung überflüssig wird», sagt Lorenzo, den wir nun schon ein wenig kennen.

«Den» Digital Native gibt es nicht

Noch ein kleiner Hinweis zu Schluss: «Den» Digital Native gibt es nicht. Schon längst haben sich auch die Jahrgänge vor 1980, Digital Immigrants genannt, mit den notwendigen Fertigkeiten vertraut gemacht. Nicht alle natürlich, aber es werden immer mehr.

Es gibt 80-Jährige, die sehr aktiv mit iPads zugange sind, und 30-Jährige, die sich dem Web fast völlig verweigern. Mancher 50-Jährige ist inzwischen im Umgang mit Computer & Co. fitter als ein 20-Jähriger. Viel eher sollte man also von einem Kontinuum zwischen digital fit und nicht fit reden.

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