08.08.2014

Weiterbeschäftigung nach Lehre: Wer kann bleiben, wer muss gehen

Jedes Jahr schliessen zahlreiche Lernende ihre Berufslehre erfolgreich ab und treten in einen neuen Abschnitt ihres Lebens ein: Ausbildungsmässig auf dem neuesten Stand, können sie nun ihr ganzes Wissen und Können in ihrem bisherigen Lehrbetrieb – oder anderswo – einbringen und umsetzen. Können dies wirklich alle, und wie sieht es mit der Weiterbeschäftigung nach der Lehre im Lehrbetrieb aus?

Von: Alex Müller  DruckenTeilen Kommentieren 

Alex Müller

Alex Müller war nach längeren Auslandaufenthalten als Personalverantwortlicher bei einer grösseren Bank und später als HR-Leiter einer psychiatrischen Universitätsklinik tätig, wo er reiche Erfahrungen in allen Sparten des Personalmanagements sammeln konnte. Heute arbeitet er als freier Fachautor und Publizist sowie als selbstständiger Berater von Führungskräften, mit Schwerpunkt Out-/Newplacement.

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Die Personalverantwortlichen als Motor für die Weiterbeschäftigung von Lehrlingen

Nicht mehr alle Unternehmen können in der gegenwärtigen schwierigen Wirtschaftslage ihre Lehrabgänger weiter beschäftigen, denn zu gross sind in verschiedenen Branchen die konjunkturellen Einbrüche. Noch schlimmer: Es gibt Firmen, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als bisher vorhandene Lehr- und andere Ausbildungsstellen zu streichen. Und eine neue Stelle zu finden ist trotz gutem Schulsack mit eventueller Weiterbildung (z.B. Berufsmatur, Fachmatur) auch nicht mehr «die einfachste Sache der Welt».

In dieser Situation können, ja müssen besonders die HR-Verantwortlichen Stärke zeigen und die Direktionen und Abteilungsleitenden – falls überhaupt nötig – davon überzeugen, dass die Weiterbeschäftigung nach Lehre von bisherigen Azubis auch in schwierigen Zeiten eine gute Investition in die Zukunft der Unternehmen bedeutet. Dies will nicht heissen, dass allen «eigenen» Lehrabsolventen auf Dauer eine Stelle angeboten werden soll; dies liegt auch nicht im Interesse der «jungen Wilden», denen eine zwischenzeitliche berufliche und persönliche Luftveränderung sicherlich förderlich ist.

Doch hier geht es um etwas anderes: Es gilt, die latent drohende Jugendarbeitslosigkeit dieser bereits gut ausgebildeten und motivierten Berufsleute mit adäquaten und schnell greifenden Massnahmen zu verhindern, da sonst eine verhängnisvolle «Leere nach der Lehre» entstehen könnte.

Welche Massnahmen für Lernende bei Weiterbeschäftigung nach Lehre sind sinnvoll?

Erfreulich ist, dass der Bund die Alarm-Zeichen der Zeit voll erkannt hat. Das Gleiche gilt für die Verbände und die Gewerkschaften. Konkret bedeutet dies

  • das Erhalten bestehender Lehrstellen
  • das Schaffen neuer Lehrstellen
  • die Weiterbeschäftigung der LehrabgängerInnen

Vor allem beim letztgenannten Punkt geht es darum, das brachliegende Wissenskapital des beruflichen Nachwuchses auf dem Arbeitsmarkt umzusetzen. Dass die Personal- und Ausbildungsverantwortlichen bei der Erfüllung der drei vorerwähnten Kriterien eine entscheidende Weichenstellung vornehmen können, ist nahe liegend, gehört sie doch zu den strategischen Aufgaben des Human Resources Managements.

Bei vielen KMU auf gutes Echo gestossen

Den zahlreichen KMU sei ein besonderes Kränzchen gewunden; sie sind das eigentliche Rückgrat unserer Wirtschaft. So sind gemäss Angaben des Schweizerischen Gewerbeverbands etwa drei Viertel aller Lernenden in gewerblich tätigen KMU angestellt.

Besonders erfreulich ist, dass es offenbar - auch in der heutigen Zeit – zum «courrant normal» vieler KMU gehört, Lehrabgänger weiterzubeschäftigen und nur in zwingenden (Not-)Fällen Entlassungen vorzunehmen. Meine persönlichen Beobachtungen, die sich allerdings auf die Region Nordwestschweiz beschränken, bestätigen dies; dass dabei auf jeweils firmenspezifische Bedürfnisse Rücksicht genommen werden muss, liegt auf der Hand.

Spannweite der Varianten, die in der Praxis zum Tragen kommen

  • Weiterbeschäftigung derjenigen Absolventen, deren Berufsgruppe auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist
  • Einstweilige Weiterbeschäftigung der ehemaligen Lernenden (vor allem bei Kleinbetrieben mit wenigen Abgängern)
  • Es wird eine Lösung, d.h. Beschäftigung im eigenen Betrieb angestrebt, sofern eine Vakanz besteht
  • Vor Lehrabschluss-Prüfung (LAP): Standortbestimmung zur Abklärung der beruflichen Zukunft (Vorlieben im Lehrbetrieb, Interesse für anderes Unternehmen, Hilfe beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen)
  • Falls keine Weiterbeschäftigung möglich: Auf Wunsch Kontakt mit Personalberatern sowie gegebenenfalls zusätzliche Unterstützung bei Stellensuche 
  • Als Überbrückungsmassnahme in Härtefällen: mehrmonatiges Praktikum. In dieser Zeitspanne finden nicht wenige der ehemaligen Lernenden eine Stelle bei einem anderen Unternehmen. Achtung: Es darf aber für die Praktikanten nicht der Eindruck entstehen, sie würden als «billige Arbeitskraft» missbraucht!

Sicherstellung des künftigen Bedarfs

Erfreulicherweise bauen etliche Firmen ihr Lehrstellen-Angebot sogar noch aus, um den Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften für die Zukunft sicherzustellen. Dies betrifft vor allem anforderungsreiche technische Berufe wie etwa Logistiker, Elektroinstallateure, Informatiker, Mediamatiker sowie Technologen verschiedenster Ausrichtungen.

Auch etliche Grossunternehmen spielen bei der Weiterbeschäftigung nach Lehre von Lehrabgängern eine aktive und vorausschauende Rolle. So ist mir bekannt, dass die Swisscom für diejenigen ohne „«Anschlussstelle» ein Überbrückungsprogramm eingerichtet hat. Zudem prüft sie beim Entstehen von Vakanzen, ob diese mit Lehrabgängern besetzt werden können, zum Beispiel an Stelle bisheriger externer temporär Mitarbeitender.

Die Personalverantwortlichen als Weichensteller

Bei all den beschriebenen Massnahmen zur Weiterbeschäftigung nach Lehre von LAP-Absolventen kann die zentrale Rolle der Personal- und Ausbildungsverantwortlichen nicht genug herausgestrichen werden. Zusammen mit den Direktionen und Abteilungsleitungen können sie – gerade in schwierigen Zeiten – durch innovative Ideen und vorausschauende Planung entscheidend dazu beitragen, dass heutige Lernende zu künftigen Hoffnungsträgern der Unternehmen werden – ein Erfolgfaktor par excellence!

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