18.12.2015

Abschalten können: Haben Sie Mühe in den Ferien abzuschalten?

Liebe Personaler: Die Frage, ob Sie in den Ferien auch wirklich abschalten, ist wohl etwas provokativ. Also kein typisches HR-Thema oder eben doch? Warum? Weil dabei Ihre Regeneration der Human Resources – der menschlichen Kraftquellen – wenigstens einmal im Jahr im Vordergrund stehen sollte, damit sie wieder frei und offen werden für Neues! So hoffe und wünsche ich Ihnen, dass Sie für einige Tage oder Wochen Distanz zum Alltag gewinnen und Körper, Geist und Seele baumeln lassen können, sei es in den Bergen, am Meer, mit einem Sombrero bedeckt unter Palmen oder schlicht auf einer Wanderung durch Juraweiden.

Von: Alex Müller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Alex Müller

Alex Müller war nach längeren Auslandaufenthalten als Personalverantwortlicher bei einer grösseren Bank und später als HR-Leiter einer psychiatrischen Universitätsklinik tätig, wo er reiche Erfahrungen in allen Sparten des Personalmanagements sammeln konnte. Heute arbeitet er als freier Fachautor und Publizist sowie als selbstständiger Berater von Führungskräften, mit Schwerpunkt Out-/Newplacement.

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Abschalten können

Abschalten können?

Um Zeit und Musse zu finden, müssen wir abschalten, uns abkoppeln von der Hektik des Alltags. Dies geht bei den meisten von uns nicht einfach per Knopfdruck. Viele von uns sind es gewohnt, unter Zeitdruck zu arbeiten. Wenn dieser nicht mehr vorhanden ist, fehlt uns geradezu etwas. Höchste Zeit also, unseren Workaholic-Habitus zu entsorgen oder wenigstens ad acta zu legen.  

So gilt es, sich allmählich – sachte und langsam – an die stressfreie Zeit zu gewöhnen. Unser Time-out wird uns dabei helfen, dass unsere kleineren und vermeintlich grösseren Sorgen aus dem beruflichen und privaten Alltag verblassen und sich neue Horizonte für uns auftun. Wir gewinnen nicht nur räumliche, sondern auch gedankliche Distanz, um selbst über uns nachzudenken.

Wir sind nicht unentbehrlich!

Auch wenn wir glauben, auf unserem Gebiet eine Koryphäe zu sein – und es vielleicht auch sind – unentbehrlich ist niemand von uns! Schliesslich hat das Zeitalter der Einmann-Shows mit einsamen Personal-Entscheiden seinen Höhepunkt überschritten; an seine Stelle ist ein kompetentes, sich ergänzendes HR-Team getreten; jedenfalls gilt das für die Mehrheit der mir bekannten Personalabteilungen. Dies bedeutet keine Abwertung der HR-Leitungsfunktion – im Gegenteil in grösseren Unternehmen befasst sich die HR-Verantwortliche oder ihr männlicher Kollege mehr und mehr mit strategischen Aufgaben und hat in der Geschäftsleitung Einsitz genommen. In kleineren Firmen hat der Personalchef oft eine Allrounder-Funktion und betreut auch noch andere Bereiche.

In beiden Fällen muss eine adäquate Stellvertretung bei Ferien- und anderen Abwesenheiten gewährleistet sein. Denn, wie bereits erwähnt, der Ausspruch eines sich unersetzlich haltenden Managers «Wenn ich nicht da bin, läuft alles schief» hat zum Glück längst keine Gültigkeit mehr! Somit sollte in den Ferien jeder abschalten können.

Nicht das «Wie» oder «Wer», sondern das «Wie effektiv» zählt

Den Grundstein für eine einwandfrei funktionierende Stellvertretung haben Sie selbst gelegt! Sie haben ein fähiges, sich ergänzendes Team zusammengestellt, dem Sie fachlich und menschlich Vertrauen entgegenbringen können. Für Entscheide in laufenden Angelegenheiten und Routinegeschäften haben Sie einen Stellvertreter bestimmt. Bei strategischen Aufgabenstellungen entscheidet ein Direktionsmitglied. Entscheide, die nicht dringlichen Charakter haben, können auch bis zu Ihrer Rückkehr warten.

Dies ist eine mögliche Stellvertretungs-Lösung der einfachen Art, die sich in einem KMU mit einer vierköpfigen Personalabteilung bewährt hat – ohne Modellcharakter allerdings.

Gerade weil Sie ein tolles, weitgehend selbstständig arbeitendes Team zur Seite haben, können Sie ruhig und gelassen in den wohl verdienten Urlaub fahren und darauf verzichten, sich per Handy oder anderen modernen Kommunikationsmitteln täglich über den Stand der Dinge orientieren zu lassen. Kurz gesagt: Denken Sie ans abschalten! Ihr Team wird es schätzen, wenn Sie jedem einzelnen Mitglied Vertrauen in seine Fähigkeiten schenken und dadurch ein hohes Mass an selbstverantwortlichem Handeln ermöglichen. Wenn das Resultat stimmt, nehmen Sie es sogar in Kauf, dass Ihr Team nicht in jedem Fall den genau gleichen Weg wählt, den Sie gegangen wären, um ans Ziel zu gelangen – nach dem Motto «viele Wege führen nach Rom» oder modern ausgedrückt «der Schritt in die Emanzipation und Delegation».

Mit dem Aktenkoffer in der Bretagne

Oder der langsame Wandel vom «Workaholic» zum Vernunft- und zeitweiligen Genussmenschen (damit meine ich mich selbst).

Ich erinnere mich noch gut an unsere erlebnisreichen Badeferien in der Bretagne, kurz nachdem ich zum HR-Leiter einer grösseren Bank ernannt wurde. Doch ich wusste damals noch nicht, was es bedeutet, im Urlaub einfach abschalten und zu entspannen – und eben die Seele baumeln zu lassen.

Zum grossen Erstaunen meiner Frau trug ich am ersten Tag unserer Strandwanderung zwischen seichtem Meerwasser, schroffen Felsblöcken und unzähligen Muscheln ein schwarzes Köfferchen in meiner rechten Hand. Darin waren fein säuberlich Geschäftspapiere versorgt. Mir schien, als würden auch etliche – vor allem französische – Touristen nach der reichlich komischen Figur schielen, die ich abgab.

So wusste ich also an unserm ersten Ferientag nichts anderes zu tun, als an der romantischen Bretagne-Küste von Carnac ein Personal-Reglement zu konzipieren, das ich nach meiner Rückkehr an den Bürotisch meiner Direktion fixfertig vorlegen wollte – der Inbegriff des Verhaltens eines hochgradig infizierten Workaholics. Glücklicherweise flaute mein in den Urlaub übergeschwappter Arbeitseifer relativ rasch wieder ab – zu schön waren die gemeinsamen Erlebnisse in dieser wunderbaren Küstenlandschaft Norwestfrankreichs.  

Fazit:  Abschalten können ist wichtig!

Mein Konzeptvorschlag für ein Personal-Reglement hätte ruhig noch drei Wochen oder mehr – also bis nach den Ferien – warten können; er musste ohnehin noch der Personal-Vertretung zur Prüfung und Genehmigung unterbreitet werden.  

Und last but not least: Langsam aber stetig habe ich es geschafft, den Erholungs- und Erlebniswert der Ferien zu erkennen und so vom rastlosen und stets umtriebigen Zeitgenossen wegzukommen. Ich habe glücklicherweise erkannt, dass Zeitinseln ohne Hektik Balsam für die Regeneration sind und dass die Balance zwischen Arbeit und Freizeit im Lot bleiben muss.  

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